Archiv für Dezember 2012

In der taz

Ein italienischer Priester rechtfertigt die häufigen Feminizide. Frauen seien selbst schuld, weil sie Männer provozierten und sich schlampig verhielten.

Proteste nach Vergewaltigung in Indien

(Triggerwarnung)
Nach einer brutalen Vergewaltigung gab es Ausschreitungen bei Massenprotesten in Neu-Delhi:

Die Polizei setzte am Samstag Tränengas, Wasserwerfer und Schlagstöcke gegen die Demonstranten ein, die zu Tausenden auf den Präsidentenpalast zumarschierten.
(…)
Die junge Frau war vor einer Woche fast eine Stunde lang von mehreren Tätern missbraucht und anschließend aus einem fahrenden Bus auf eine belebte Straße in der indischen Hauptstadt geworfen worden. Sie kämpft im Krankenhaus ums Überleben. Fünf Menschen wurden festgenommen. Die Demonstranten, die meisten von ihnen Studenten, forderten die Todesstrafe für die Beschuldigten und verschärfte Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz von Frauen.

Nun, die Todesstrafe wird wohl kaum zu einem frauenfreundlichen Umfeld und der Umkehrung der rape society führen… und „verschäfte Sicherheitsmaßnahmen“ klingen irgendwie gruslig, da hilft der Zusatz „zum Schutz von Frauen“ auch nicht mehr viel… was für Bullshit wurde schon „zum Schutz der Frauen“ aus paternalistischen Gehirnen gequält: Burka schützen ja angeblich auch vor unbändigem männlichem Sexualtrieb, kein Rezept für die Pille danach soll frau vor sich selbst schützen und weiterer Murks, Beispiele gibt’s genug.
Aber immerhin haben sich zig Leute offen gegen Vergewaltigungen positioniert und da besteht doch die Hoffnung auf fruchtbare Diskussionen, Projekte, etc., die wirklich etwas ändern!

Und hierzulande? Wo bleiben die Proteste? Die Demos? Anlässe gibt’s genug, rape culture haben wir auch hier. Nachdem Kachelmann und neue Freundin von „Opfer-Abo“ und ähnlichem Käse sprachen, haben sich vor dem Gericht immerhin so einige Leute eingefunden, um das nicht unkommentiert stehen zu lassen.
Aber muß erst ein derartiges Drama wie der Kachelmannprozeß mit all seinen Winkelzügen und unschönen Mediensperenzchen mit zusätzlichem Zurückschießen daherkommen, damit protestiert wird? Sind die großen Medienspektakel und Celebrityskandale die einzigen Motivationsanfacher für Aktionen gegen sexualisierte Gewalt?
Schließlich gibt es (leider) genügend weniger spektakuläre Prozesse (von der Dunkelziffer gar nicht zu sprechen!), Vergewaltigungsopfer, deren Umfeld und Trauma eben nicht so viel hergeben für die Presse. Warum nicht da genauso protestieren, aktiv werden, informeren,… alle Vergewaltigungsopfer, jedes einzelne, sollte einen anspornen, die unsägliche rape culture -Situation aus der Welt schaffen zu wollen – statt auf der nächsten großen Empörungswelle einfach mitzusurfen, bis diese wieder abebbt. Denn eine rape culture zu Fall zu bringen, ist kein einzelnes, großes Projekt, geleitet von irgendeiner Gallionsfigur. Es sind auch vieleviele kleine Projekte nötig, von Selbstkritik, Flyern, Diskussionsgruppen, am besten nie endend, bis es in den Köpfen der Leute endlich angekommen ist, daß Vergewaltigung nichts ist, was in einer Gesellschaft toleriert werden darf.

Lieber keine Kinder…

…denken sich in Deutschland die meisten.
Woran das liegen könnte, sollte eine Studie jetzt aufdecken. Was dabei zu Tage kam, ist eigentlich ein alter Hut:

Als Gründe für die sinkende Geburtenrate nennt eine Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung vor allem die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Elternschaft, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Hinzu komme fehlende gesellschaftliche Anerkennung für berufstätige Mütter. Das kulturelle Leitbild von einer „guten Mutter“, die zuhause bei den Kindern zu bleiben habe, sei vor allem in den alten Ländern so stark verbreitet, dass berufstätige Frauen sich eher gegen ein Kind entschieden.

Prozesse gegen Feministinnen in Salzburg

Dokumentation eines österreichischen Flugblatt-Entwurfs, der aktuell die Runde macht. Er ist nicht redigiert, daher sind unvollständige Sätze und Kommentare enthalten.

Zur Info vorweg:

Im Juli 12 fanden eine Demo und Aktionen gegen den geplanten 1000-Kreuze-Marsch in Salzburg statt. Zwei Feministinnen (eine aus Wien, eine aus Salzburg) wurden verhaftet und Mitte Dezember finden bzw finden die zwei Prozesse gegen sie statt.
Im folgenden ein Flugblatt (und im Anhang als PDF) zu den Hintergründen und Inhalten und für Solidarität.
bitte weiterleiten und weiter verbreiten
feministische Grüße

Vatikan – Hände weg von uns`rer Vulva

Für den 25. Juli 2012 hatten rechts-religiöse/fundamentalisstische AbtreibungsgegnerInnen wieder einmal einen sogenannten 1000-Kreuze-Marsch in Salzburg angekündigt.
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80er Feminismus: „Wird mein Junge ein Macker?“

Viel ist schon geschrieben und diskutiert worden über die heutige (Erziehungs-) Situation der Jungs. Gibt’s genug männliche Vorbilder, benachteiligen Lehrerinnen sie? Wieso wollen manche Jungs mit Rock in den Kindergarten?
Alles keine neuen Fragen eigentlich. Schon in den Achtzigern hat sich Katja Leyrer damit beschäftigt, in dem umstrittenen Buch mit (zugegebenermaßen etwas bekloppten) Titel „Hilfe! Mein Sohn wird ein Macker“.
Ihre etwas arg simple Lösung (Jungen müssen benachteiligt werden, um Mädchen das Aufholen zu ermöglichen) ist nicht das eigentlich Interessante an dem Buch, sondern die ganz persönliche Beschreibung ihres Lebensumfeldes:

“Einsichten“ im Dezember 1987:
Gestern klingelt es um zehn vor sieben in der Frühe: Ein Kohlenausträger fragt im Treppenhaus nach einer Familie, die es in unserem Haus nicht gibt und Kohlen bestellt haben soll. Er klingelt noch bei mehreren Nachbarn. Zu allem Überfluß trägt er dabei einen gefüllten Kohlensack bis hinauf auf den Vorboden im fünften Stockwerk – und geht wieder, nachdem er den Kohlensack mehrfach abgestellt, geschultert und Kohlenstaub verbreitend wieder hinuntergetragen hat.
Die meisten Hausbewohner sind gegen acht Uhr aus dem Haus, um ihrer Berufstätigkeit nachzugehen. Zwischen sieben und halb acht kehre ich das Treppenhaus. Nachdem ich meine kleine Tochter und ein Nachbarskind in den Kindergarten gebracht habe, rufe ich in der Kohlenhandlung an und lasse mich mit dem Versprechen eines Rückrufes in drei bis vier Stunden abspeisen. Ich schreibe momentan täglich sechs bis acht Stunden an diesem Buch und habe „nebenbei“ zwei schulpflichtige Kinder ab mittags in der Wohnung. Die Minuten und Stunden, in denen ich in Ruhe arbeiten kann, sind gezählt. (mehr…)

Nadia Sidiqui ermordet

Am Montag wurde die afghanische Frauenbeauftragte Nadia Sidiqui ermordet:

Zwei unbekannte Männer erschossen die Direktorin der Frauenbehörde der Laghman-Provinz auf ihrem Weg zur Arbeit.
(…) Sidiqui hatte den Posten als Frauenbeauftragte erst vor Kurzem übernommen, nachdem ihre Vorgängerin, Hanifa Safi, im Juli von einer Bombe in ihrem Fahrzeug getötet worden war. Safi soll die Behörden immer wieder um mehr Schutz gebeten haben, offenbar ohne Erfolg. Auch ihre Nachfolgerin, Sidiqui, war ohne Leibwächter und ohne sicheres Fahrzeug unterwegs.