Archiv für Januar 2013

Flirten

Rabentochter macht sich Gedanken darüber, wie Flirten (NICHT übergriffiges Verhalten) zwischen den Geschlechtern sexismusfrei stattfinden kann.

Der Sexismus der Sexismusdebatte

„Auch wir Männer sind von Sexismus betroffen!“
„Was darf MANN denn dann überhaupt noch? Ist flirten jetzt schon verboten?“
„Wie wäre es denn umgekehrt?“
„Meine Güte, wir haben doch echt andere Probleme, nämlich xyz“
„Alles künstlich dramatisiert, Hallo, wir haben doch eine Kanzlerin!“

Zum Kotzen? Zum Kotzen!

Nachzulesen auf Twitter, auf Facebook, auf all den Blogs, in denen derzeit diskutiert wird.
Und das ist auch schon das Kernproblem: Es wird diskutiert. Nirgends ist es für uns Betroffene möglich, uns einfach auszutauschen, gehört, ernst genommen zu werden, unsere Geschichten zu erzählen. Stattdessen gibt es Gegenwind. Gegenwind für etwas, was ein Fakt ist: Weit über 60.000 Tweets und die Erinnerung im Kopf und Herzen nahezu jeder Frau: Ja, genau so etwas ist mir auch schon passiert.

Es. ist. passiert. (mehr…)

„Sexismus-Talk“ im Fernsehen

Die Mädchenmannschaft wundert sich über die Gäste der geplanten „Anne Will“-Sendung mit dem klischeemäßigen Titel ”Sexismus-Aufschrei – hysterisch oder notwendig?” Diese sind Renate Künast, Heiner Geißler, Anke Domscheidt-Berg, Monika Ebeling und Jan Fleischauer. In der Tat ein etwas trauriger Kreis.
Dabei hat „Drop the thought“ – die schon vor der Günter Jauch-Sendung mißtrauisch war – viel brauchbarere Ideen, wen man als Gäste einladen könnte, wer wirklich was zu sagen hätte:

Bitte laden Sie junge Frauen ein, die sich seit Jahren im Internet und darüber hinaus gegen Sexismus engagieren. Nicole von Horst, Anne Wizorek, die das gestartet haben oder auch eine der vielen anderen Feminist_innen. Ich gebe da gerne weitere Empfehlungen.

Laden Sie ältere Vertreterinnen der Frauenbewegung ein, die sich seit Jahren mit Sexismus beschäftigen. Die Beratungsstellen betreiben und mit Einsparungen leben müssen. Laden Sie eine Transfrau ein, eine Lesbe, eine von Rassismus betroffene Frau. All diese Diskriminierung funktioniert nach dem gleichen Prinzip: Strukturelle Ungleichheiten werden von besser gestellten Personen ausgenutzt, um Macht auszuüben.

Laden Sie vielleicht nur Männer ein, die aber alle seit Jahren aktiv sind im Kampf gegen Sexismus und dann in der nächsten Wirtschaftssendung nur Frauen. Laden Sie niemanden ein, der Frauen erklärt, diese wollten das ja alles und so schlimm wäre das nicht. Greifen Sie ein, sobald irgendjemand verlangt, „Opfer sollten sich halt mehr wehren“.

„Brüderles“ sind überall

Worum es bei der aktuellen Aufregung um Rainer Brüderle eigentlich gehen sollte, schreibt Ninia LaGrande ganz treffend – nämlich nicht um die spezielle Beziehung zwischen männlichen Politikern und weiblichen Journalisten, sondern darum zu erkennen, daß dies Teil des alltäglichen Sexismus ist, den jede Frau mehr oder weniger auszuhalten hat:

Das Vergnügen mit solchen „Komplimenten“ haben Frauen nicht nur einmal im Jahr und nicht nur mit alten, einsamen Männern. Sexismus passiert jeden Tag. Überall. Und in jeder Gesellschaftsschicht.

In der Geschichte um Rainer Brüderle geht es nicht um Rainer Brüderle. Es geht darum, dass ich jedes Mal, wenn ich abends/nachts nach Hause komme, meine Mutter anrufe, wenn ich den dunklen Weg zur Haustür gehen muss, weil ich mir einbilde, dass mir dann nichts passieren könnte. Es geht darum, dass ich im Zug meine Sitznachbarn sofort abchecke und versuche in eine Art Gefahrensystem einzuordnen. Das ist absolut oberflächlich und bescheuert. Aber ich mache es trotzdem. Ganz automatisch. Es geht darum, dass ich keine einzige Frau kenne, die nicht ein mulmiges Gefühl hat, wenn sie nachts im Dunklen allein irgendwo langgeht.

Via Drop the thought

Und wie verbreitet Sexismus ist, läßt sich schön bei den Kommentaren hier nachlesen, die sind sogar fürs Spiegelforum unterirdisch. Es ist unglaublich, wie viele Leute sich angegriffen fühlen in ihrem vermeintlichen „Recht“, Frauen ins Dekolletée zu starren, nachdem ihnen im Artikel erklärt wurde, daß das unter Belästigung fällt.

Jo Freemans Bitch Manifesto

Femminismo a sud (ital.) erinnert an das 1968 von Jo Freeman geschriebene „Bitch Manifesto“ (engl.).

Müssen Taxifahrerinnen sich etwa begrapschen lassen?

Eine Taxifahrerin lehnt die Beförderung eines Fahrgastes ab, der sie bei einer vorherigen Fahrt sexuell belästigt hat: bald darauf folgt die Kündigung, sie sei nicht „hart genug für diesen Beruf“.

Grundsätzlich unterliegen alle Taxifahrer einer Beförderungspflicht, von der es jedoch Ausnahmen gibt: etwa wenn ein Fahrgast eine ansteckende Krankheit hat, gefährliche Gegenstände mit sich führt oder wenn eine vorhersehbare Gefährdungssituation besteht. „Wenn die Sicherheit nicht gewährleistet ist, darf ein Taxifahrer einen Fahrgast ablehnen“, sagt Frank Kuhle vom Landesverband Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmen.

Gekündigt wurde der Fahrerin trotzdem.
Wenigstens hat die Polizei, bei der die Belästigung angezeigt wurde, eine andere Einstellung:

Die Deggendorfer Polizei hegt keinen Zweifel, dass diese Voraussetzung bei Klier erfüllt war. Die Beamten ermitteln wegen „Beleidigung auf sexueller Basis“, demnächst geht der Fall an die Staatsanwaltschaft. Taxifahrer seien keine Fußabstreifer und Frauen kein Freiwild, sagt der Polizeichef. Durch die Kündigung werde „ein völlig falsches Signal“ an die Bevölkerung gesendet.

Auch wenn deren Vorschlag, für Kameras oder vorübergehend gespeicherte Fotos von Fahrgästen wohl kaum den weiblichen Taxifahrern helfen wird, solange deren Chef_innen solche Übergriffe als normalen Teil des Geschäfts zu entschuldigen versuchen.
Diese Taxifahrerin versucht zumindest, sich juristisch zu wehren:

Sie ist bereits auf Jobsuche, demnächst wird sie vor das Arbeitsgericht ziehen. Nicht um ihre bisherige Arbeitsstelle zurückzubekommen, sondern weil sie sich ungerecht behandelt fühlt.

Via Mädchenmannschaft

Thailand, my love

Das Sextourismus existiert, weiß inzwischen fast jeder Bundesbürger. Doch welches Ausmaß er hat, ist kaum jemandem begreiflich. Wenn man heute von Menschenrechtsverletzungen spricht, denken die meisten an staatliche Gewalt, an Folterkeller und niedergeknüppelte Demonstranten. Doch was, wenn auch private Personen im großen Stil Menschenrechte mit Füßen treten?
Deutschland gilt, zumindest in einigen wichtigen Bereichen, als ein Staat, der Menschenrechte einhält und verteidigt (siehe letzter Amnesty International Bericht). Die meisten Bürger sind sich zumindest rudimentär ihrer Rechte bewusst. Aber mit den Rechten von anderen, nicht-deutschen Bürgern nimmt man es oft nicht so genau.

Beispiel Thailand.

Seit Jahrzehnten gilt Thailand, insbesondere die Metropolen Phuket, Pattaya und Bangkok als landschaftlich reizvolle Gegend mit Tropenklima – wo man ungestört Menschenrechte und insbesondere Frauen- und Kinderrechte mit Füßen treten kann. Laut dem nehemia team (www.nehemia-team.org), einer christlichen Hilfsorganisation, reisen rund eine Viertelmillion Deutsche jedes Jahr ins tropische Thailand; die meisten von ihnen kommen, damit sie „hübsche und sanftmütige Thai-Ladys“ kennen lernen und noch mehr. Es gibt sogar Internetforen, in denen der beste Sexurlaub diskutiert und empfohlen wird (http://www.travel-funblog.com/). Thailand hat den inoffiziellen Status des „Sextouristenparadieses“ schon seit Jahren inne (auch die Emma hat davon berichtet *), viele Deutsche haben sicherlich davon schon gehört. Sie haben sich scheinbar damit abgefunden. Vergewaltigte und ermordete Bardamen, missbrauchte, gefolterte Kinder und allein gelassene Waisen in den Städten und verarmten Dörfern scheinen aus unserem Bewusstsein abzurücken.

Jeder hat schon einmal davon gehört…

Doch auf die Lage in Thailand haben deutsche (und generell westliche) Touristen maßgeblich direkten Einfluss, es ist kein komplexer und indirekter Grund, der Thailand zum Zentrum von Menschenrechtsverletzungen macht. Es sind die „farang“, die weißen Männer, die diese Taten begehen. Es sind Männer, denen europäische Frauen zu viel „Aufwand“ machen; sie mögen keine Frauen, die ihre Rechte kennen, gleichberechtigt leben wollen; Frauen, über die man nicht einfach verfügen kann.

Was ist mit den Ehen?

Betrachtet man den Sextourismus, muss man sich auch zwangsläufig fragen, wie es den Frauen geht, die über ein sog. Heiratsinstitut einen Mann aus dem Westen heiraten. In der Dokumentation „Bride Trafficking Unveiled“ * gehen Joel Mishcon und Laura Barry dem Heiratsgeschäft auf den Grund. Viele der Frauen heiraten einen Mann, ohne irgendeine Ahnung zu haben, was sie tatsächlich erwartet. Barry weist darauf hin, dass die Frauen romantische, rollenorientierte Vorstellungen von Männern haben. Natürlich spielt das sexistische Konzept der Muntehe und der „Eroberung“ einer Frau durch den Mann in der thailändischen Gesellschaft eine wesentliche Rolle, so dass die Frauen überhaupt erst in die Position kommen, missbraucht zu werden. Der Druck für eine thailändische Frau, ihre Familie mitzuversorgen ist enorm, sie sind ihrer Familie „etwas schuldig“, sie müssen sich um Eltern und Verwandte kümmern. Das ist der Nährboden für Abhängigkeit. Die meisten farang wissen das oder haben zumindest Ahnung davon, wollen es aber offensichtlich nicht sehen. Die Unterwürfigkeit, Schweigsamkeit und Selbstkasteiung der Frauen wird als „Familienfreundlichkeit“, „echte Weiblichkeit“ und „Unkompliziertheit“ ausgelegt.
Die Institution Ehe, an sich schon aus historischer Sicht ein Konzept der Unterdrückung, ist in diesem Fall also auch unter dem Gesichtspunkt des Menschenhandels zu betrachten. So wie junge Frauen aus der Ukraine oder aus Bulgarien mit versprochenen Kellnerjobs nach Deutschland gelockt werden, um dann als Zwangsprostituierte in Bordellen zu landen, wird jungen Frauen in Thailand ein Leben wie ein Hollywoodfilm von den Agenturen versprochen. Doch anstatt dessen wartet oft ein Leben voller Gewalt auf sie. Die Männer sind, wie auch in der Dokumentation angesprochen wird, oft alkoholsüchtig und dominant und im schlimmsten Fall körperlich und psychisch gewalttätig; ihre thailändischen Frauen werden wie Leibeigene behandelt. Nichts könnte einer Romanze unähnlicher sein.
Leider sind mir bei meiner Recherche keine Zahlen oder Schätzungen zur Verfügung gestanden, wie viele „mail order brides“ (aus aller Welt und insbesondere Thailand) hierzulande misshandelt werden. Aber schon allein die Viertelmillion Thailand-Touristen machen einen stutzig. Seit Jahrzehnten wissen wir, was in Thailand und damit auch in Deutschland passiert und wer maßgeblich dafür mitverantwortlich ist. Doch nichts geschieht. Es scheint keine rechtliche Maßregelung für Sextourismus zu geben.

* http://www.emma.de/ressorts/artikel/prostitution/bad-men-in-paradise/
* http://www.youtube.com/watch?v=Kk0jhl70TRU

Utopie, Protest und Hoffnung

Protest- Men don‘t skirt the issue

india skirts bigger
Am letzten Samstag protestierten im Cubbon Park in Bangalore ungefähr 600 Menschen auf dem Marsch „Don‘t skirt the issue“, anlässlich der Massenvergewaltigungen von Frauen in Indien. Die Awarenesskampagne hatte Erfolg und ein Bild von indischen Männern in bunten Röcken ging anschließend um die Welt. Die Männer fordern darauf “ Don‘t skirt the issue“ (kehrt die Probleme nicht unter den Tisch) und „change mentalities not wearing“ (Ändert nicht die Kleidung, sondern die Mentalitität). Mehr auf huffington post


Hoffnung- Solidarität auf dem Klo

An der Toilettentür einer Universität haben Mädchen/ Frauen über ihre schlimmsten Erlebnisse berichtet, Magersucht, Vergewaltigung, Tod des Vaters und Alkoholsucht. Das Ungewöhnliche, etwas später kam eine Antwort, ein mitfühlender und Hoffnung machender Brief. huffington post

solibrief bigger

(mehr…)

Unwort des Jahres 2012

Kachelmanns Begriff „Opferabo“ ist Unwort des Jahres 2012.

rape culture

Ausführlicher Artikel in der taz über rape culture.