„Brüderles“ sind überall

Worum es bei der aktuellen Aufregung um Rainer Brüderle eigentlich gehen sollte, schreibt Ninia LaGrande ganz treffend – nämlich nicht um die spezielle Beziehung zwischen männlichen Politikern und weiblichen Journalisten, sondern darum zu erkennen, daß dies Teil des alltäglichen Sexismus ist, den jede Frau mehr oder weniger auszuhalten hat:

Das Vergnügen mit solchen „Komplimenten“ haben Frauen nicht nur einmal im Jahr und nicht nur mit alten, einsamen Männern. Sexismus passiert jeden Tag. Überall. Und in jeder Gesellschaftsschicht.

In der Geschichte um Rainer Brüderle geht es nicht um Rainer Brüderle. Es geht darum, dass ich jedes Mal, wenn ich abends/nachts nach Hause komme, meine Mutter anrufe, wenn ich den dunklen Weg zur Haustür gehen muss, weil ich mir einbilde, dass mir dann nichts passieren könnte. Es geht darum, dass ich im Zug meine Sitznachbarn sofort abchecke und versuche in eine Art Gefahrensystem einzuordnen. Das ist absolut oberflächlich und bescheuert. Aber ich mache es trotzdem. Ganz automatisch. Es geht darum, dass ich keine einzige Frau kenne, die nicht ein mulmiges Gefühl hat, wenn sie nachts im Dunklen allein irgendwo langgeht.

Via Drop the thought

Und wie verbreitet Sexismus ist, läßt sich schön bei den Kommentaren hier nachlesen, die sind sogar fürs Spiegelforum unterirdisch. Es ist unglaublich, wie viele Leute sich angegriffen fühlen in ihrem vermeintlichen „Recht“, Frauen ins Dekolletée zu starren, nachdem ihnen im Artikel erklärt wurde, daß das unter Belästigung fällt.


3 Antworten auf “„Brüderles“ sind überall”


  1. 1 Marc-Andre Ruppert 27. Januar 2013 um 23:47 Uhr

    Das einzige was ihr mit solchen Blog-Einträgen macht sind unbegründete Ängste schüren. Ich hab aufgrund der Debatte die letzten 2 Tage intensiv mit weiblichen Familienangehörigen, Freundinnen, Kolleginnen über das Thema gesprochen. Das Ergebnis: Erfahrung mit Belästigungen in Form von Sprüchen oder Berührungen haben viele schon gemacht, dass möchte ich gar nicht in Abrede stellen – solche gerade schon panischen Ängste wie ihr sie darstellt konnte ich aber keine ausmachen.

    Ich finds einfach traurig und fühle mich – als Typ der noch nie einer Fliege etwas zu leide getan hat – erniedrigt, verletzt und mit Typen über einen Kamm geschert, mit denen ich nicht mal im entferntesten was zu tun habe. Meinetwegen mögt dir das jetzt amüsant finden aber ich leide unter diesem „tollen“ Image – und zwar wie Sau! Wir sind ja alle Brüderles :-/

  2. 2 hmm... 29. Januar 2013 um 12:09 Uhr

    Wie unbegründet diese Ängste sind, das muss man dann wohl im einzelnen beurteilen. Wenn jemand sich jetzt verängstigt fühlt, dann höchstens deswegen, weil diese Person wohl schon vorher Angst hatte und sich nun bestätigt fühlt.
    Und das da manch zart besaiteter Charakter bei ist, möchte ich auch nicht in Abrede stellen. Das ist, offen gsagt, aber auch scheiß egal. Entweder jemand hat Panik, oder halt nicht. Und wenn niemand in deinem Umfeld welche hat, sei doch froh. Abgesehen davon würde man da glaube ich auch nicht einfach so drüber reden.

    In dem Post wird doch klar differenziert zwischen „guten“ und „bösen“ Männern. Das du nunmal ganz allgemein einer bist, dafür musst du dich schon beim Zufall beschweren gehen.

    Warum leidest du überhaupt darunter? Schämst du dich auch dafür, wenn irgendwo ein Deutscher nen Ausländer klatscht? Du kannst in deiden Fällen doch nichts dafür, was andere tun. Du trägst keine Verantwortung. Warum scherst du dich überhaupt darum, was deine Artgenossen tun, wenn, wie du schon sagst, du sonst mit ihnen nichts gemeinsam hast. Und wie Frauen im Einzelfall auf dich zugehen, denn darum scheint es dir im Kern ja eigentlich zu gehen, das hängt wirklich von deinem Verhalten ab.

  1. 1 Sexismus, #aufschrei, Jauch… eine kleine Sammlung « kinkyriot Pingback am 28. Januar 2013 um 17:50 Uhr

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