…und was ist mit den Tätern?

Sandra Charlotte Reichert hat einen sehr engagierten und interessanten Blick auf die rape culture geworfen: jede_r kennt Opfer von Vergewaltigungen und sexualisierten Belästigungen, persönlich oder durch Geschichten, die Presse, you name it. Nicht erst seit #aufschrei weiß man, daß insbesondere Frauen in hohem Maße betroffen sind. Auch, daß der Täter in den allermeisten dieser Fälle aus dem engen Umfeld kommen.
Doch wenn jede_r irgendwie irgendwo ein Opfer von Belästigung oder gar Schlimmerem kennt – wo sind dann die Täter, die sich doch in unserem Umfeld befinden müßten? Zu jedem bedrängten Opfer gehört ein Täter, zu jeder Vergewaltigung ein Vergewaltiger.

(…)rapists are somewhat of a unicorn: everybody has heard of them, but nobody has ever met one. But maybe we only think that we never met one, because many of them who are don’t seem to know they are one themselves.
(…)
But again, when you ask mothers, sisters, aunts, girlfriends, wives: none of them thinks they are related to rapists or men who assault women. Ask your dad, your brother, your uncle, your boyfriend, your husband, your neighbor. Nobody seems to know a rapist, let alone be one. Nobody seems to know a man who would push a woman’s boundaries, who would use his position to abuse her, her trust.

Sandra kritisiert, daß es unter Männern oft selbstverständlich ist, vermeintliche „Grauzonen“ auszunutzen: (Triggerwarnung)

I know women who woke up while being penetrated. I know women who were forced into intercourse by their partners. I know women who were told to “just let me finish”. I know women who had to go to the emergency after they let their partner “just finish”. Would these men, any of them, label themselves as sexually violent towards women, or even as rapists? No. None of them. They think of themselves as respectful towards women. They think of themselves as the good ones. They think that the problem is never them, that it is always the others. That it is in India, or wherever, where atrocities occur, that it is the stranger behind the tree. But this is not true.

Und dieser „Fremde hinterm Busch“– Mythos ist scheints auch in den Frauen verankert, was sie im Ernstfall dazu veranlasst, (erstmal) nicht glauben zu können, daß die Person, die man gern hat und der man vertraut, einer von der Sorte ist, der die eigenen Grenzen nicht respektiert.

Furthermore, it must be mentioned that rape myths have confused our understanding of what sexualized violence actually is, resulting into more than 60% of women who were raped based on legal definition, don’t acknowledge this experience as such – because it was not the “creepy guy” behind the tree. Because it was the man they trusted, the man they knew. Also, because many times it started with enthusiastic consent, and then ended in something else: the denial of both partners right to stop at any moment. The right to only engage in what both enjoy. Rape myths however, tell a different narrative.

Absolut lesenswertes Stück!

Via Mädchenmannschaft


9 Antworten auf “…und was ist mit den Tätern?”


  1. 1 semira93 18. Februar 2013 um 15:39 Uhr

    Hey, guter Artikel. Hab ich neulich auch was darüber geschrieben. Finde es echt traurig, dass wir hier Probleme wie diese überhaupt noch haben und das so vielen frauen der Mut fehlt, die Dinge klar zu benennen. „Sexuelle Nötigung“ und „Vergewaltigung“ sind eben immer noch Tabuwörter, welche kaum einer freiwillig auf sich selbst anwenden möchte, da wir hier eine Täterschutzkultur haben. Traurig, aber wahr.

  2. 2 Anonym 20. Februar 2013 um 0:08 Uhr

    Triggerwarnung: Wer Triggerprobleme hat, sollte vielleicht nicht weiterlesen.

    Ich kenne das Problem so gut. Ist mir selbst passiert. Erst eine Zustimmung (und die schon widerwillig und nach stundenlanger Überredung, wo ich auch als „prüde“, „negativ gegenüber neuen Erfahrungen“ – ich war damals Jungfrau – und unnormal hingestellt wurde) und dann hatte ich seiner Meinung nach das Recht verwirkt, diese Zustimmung auch wieder zurückziehen zu dürfen. Als ich, in dem Moment wo er begann dann doch klar und deutlich „nein“ sagte weil ich plötzlich richtig Angst hatte, hieß es, ich solle es jetzt aber auch durchziehen. Es wurde dann auch durchgezogen.

    Er hatte hinterher keinerlei Unrechtsbewusstsein. Er schaffte es, sich trotzdem als den netten Kerl zu sehen. Er war auch eigentlich ein netter Kerl, das ist vielleicht die schlimmste Erkenntnis für mich. Er war sogar für die Gleichstellung von Frauen! Er konnte sich auch richtig über Chauvinisten aufregen, die mich benachteiligten (ich habe zu der Zeit ein Fach studiert, in dem 90% Männeranteil ist – da war Chauvinismus an der Tagesordnung).

    Inzwischen weiß ich, was man(n) Männern zum Thema „Frauen und Sexualität“ beibringt. Da ist oftmals schon eine kaum verborgene Rechtfertigung für Nötigung oder sogar Vergewaltigung inbegriffen.
    Fast jeder Mann kennt doch Sprüche wie: „Frauen wissen nicht, was sie wollen“, „Nein heißt ja“, „in Wirklichkeit wollen auch Frauen nur das Eine“.

    Fast jeder Mann hat doch solche Sprüche schon einmal gehört. Viele Männer sind klug genug, um diese „Wahrheiten“ später noch einmal zu überdenken. Manche sind es leider nicht. Und dann kann es eben passieren, dass ein netter Kerl eine Frau zum Sex zwingt.

    Besonders schlimm ist dann auch, dass wir Frauen uns selbst zum Teil auf solche Argumentationen einlassen (oder nicht kapieren, dass der Vergewaltiger eben nicht immer dem Klischee des Busch-Springers entspricht) und uns daher nicht zu einer Anzeige bringen können, auch wenn die Tat strafrechtlich relevant wäre (wie im Artikel erwähnt).

  3. 3 leave 21. Februar 2013 um 10:43 Uhr

    Warum fast jede/r ein Opfer, aber fast keine/r einen Täter (hier lasse ich jetzt mal die maskuline Form) kennt? Abgesehen von all den wichtigen und richtigen Punkten, die genannt werden, ist das doch auch ein demografisches Problem: Auf einen Täter kommen meist mehrere Opfer. Dementsprechend ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass man ein Opfer kennt.

    Aber, wie gesagt, das ändert freilich nichts an der Richtigkeit der oben genannten Punkte!

  4. 4 onyx 24. Februar 2013 um 0:49 Uhr

    „Warum fast jede/r ein Opfer, aber fast keine/r einen Täter (hier lasse ich jetzt mal die maskuline Form) kennt?“

    Weil Täter wohl kaum mit ihren Taten hausieren gehen, während Opfer (wenn auch imnmer noch viel zu selten) irgendwann den Mund aufmachen. Vieles passiert hinter verschlossenen Vorhängen und Türen, was wir nie erfahren werden. Manchmal sehen wir eine Berichterstattung oder lesen einen Artikel von einem Fall, wo das Opfer mit Foto genannt wird, das Bild des Täters aber unkenntlich gemacht, und sein Name gekürzt wurde. Auf Schutz und Anonymität der Täter wird eben sehr viel Wert gelegt…

  5. 5 Frage 24. Februar 2013 um 13:59 Uhr

    warum wurde mein kommentar nicht freigeschaltet?

  6. 6 Frage 27. Februar 2013 um 10:30 Uhr

    Warum wird Täter nicht gegendert und der Rest schon, sogar wo es um so allgemeine Bezeichnungen wie „jeden“ geht!?

  7. 7 dodo 01. März 2013 um 21:34 Uhr

    Weil sich der Fokus in diesem Post auf sexualisierte Gewalt gegen Frauen handelt und hier die Täter nunmal fast ausschließlich männlichen Geschlechts sind.

  8. 8 Harlequin 09. März 2013 um 18:21 Uhr

    und das soll nicht sexistische kackscheisse sein? zu sagen „sexualisierte gewalt geht fast ausschließlich von männer aus“ ist nicht viel besser als zu sagen „haarschneidedienstleister_innen sind fast ausschließlich weiblichen geschlechts, deswegen ist das ein frauenthema/beruf“ es IST sexistische kackscheisse und tut allen einen bärendienst und verhöhnt männliche opfer sexualisierter gewalt durch frauen bzw. verdeckt diese gänzlich. wie kann man gegen das eine aufstehen und bei dem anderen so tun als ob es kein problem sei?

  9. 9 yoyo 10. März 2013 um 6:24 Uhr

    Ich denke, wie der Text schon zurecht sagt, bennenen sowohl Männer als auch Frauen selbst Übergriffe oftmals gar nicht als das, was sie sind, da ganz andere Vorstellungen davon kursieren, was bspw. eine Vergewaltigung ist.

    traurigerweise wird dies u.a. noch befeuert durch Gerichtsentscheidungen wie die kürzliche, bei der ein Richter seinen Freispruch damit begründete, das Opfer habe sich „nicht ausreichend gewehrt. „Vergewaltigung“ wird hierzulande einfach immer noch überwiegend mit körperlicher Gewalt, mit Schlägen usw. gleichgesetzt.

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