Opfer-Täter-Umkehr, die xte

Beschissene Kindheit, mit 16 in ein Kinderbordell verfrachtet, Krebsdiagnose – und auch noch vom Justizapparat als „Ex-Prostituierte“ gedemütigt. Normalerweise langt eins davon, um fürs ganze Leben bedient zu sein. Mandy Kopp muß aber mit allem davon zurecht kommen. Und hat jetzt ein Buch darüber geschrieben.

Zusammen mit einer Freundin wurde sie auf der Straße in Leipzig aufgegriffen und in eine Mädchen-WG gebracht. Die „WG“ entpuppte sich als Bordell, ein Entkommen war unmöglich.

Die Freier waren mutmaßlich Teil jener Personen und Geschehnisse, die unter dem Begriff „Sachsensumpf“ zusammengefasst werden.

Aufgeklärt ist dieser Sachsensumpf bis heute nicht. Zwar ist Mandys Zuhälter von damals verurteilt worden (4 Jahre und 2 Monate), aber vieles bleibt im Dunkeln.
Zunächst fühlte sie sich noch halbwegs sicher, bis die Staatsanwaltschaft Dresden sie 2008 als Zeugin lud.

Ihrer Bitte um Zeugenschutz wurde nicht entsprochen. „Sie wurde ohne Begründung mit einem Satz abgelehnt“, sagt Kopp. Name und Anschrift wurden bekannt.

„Für mich stand in dem Moment fest: lieber offensiv als defensiv.“ Der beste Schutz sei die Öffentlichkeit.

Dennoch stigmatisiert sie die Justiz als „Ex-Prostituierte“, wogegen Mandy Kopp sich erfolglos wehrte.

Und damit nicht genug: sie und ein weiteres Opfer aus dem „Jasmin“ erkannten einige ihrer Vergewaltiger wieder – und sind jetzt wegen Falschaussage angeklagt.

Die Taten der Freier und des Zuhälters sind mittlerweile verjährt, das eigentliche Opfer von damals ist die Angeklagte von heute.

Doch der erste Anlauf scheiterte – weil Mandy Kopp und ihre Mitangeklagte Beatrix E. vor Gericht zusammengebrochen waren. Der Staatsanwalt bot ihnen sogar Straffreiheit an, wenn sie öffentlich erklärten, sich bei der Identifizierung der Freier geirrt zu haben. Beide Frauen blieben bei ihren Aussagen und lehnten Deals ab. Wann der Prozess fortgeführt wird, steht noch nicht fest.

Leicht läßt es sich arrogant auf Länder wie Indien herabblicken, wo Vergewaltigung und Justiz unter einer Decke stecken, leicht ist angenommen, daß bei „uns“, im ach so „zivilisierten“ Deutschland sowas nicht passieren kann. Bis man dann eben selbst als einst anerkanntes Opfer wie Mandy Kopp zu spüren bekommt, wie man noch nachträglich stigmatisiert wird und Widerstand kommt, wenn man von den mutmaßlich „hochrangigen“ Tätern wiederum zum Opfer gemacht wird. Nur diesmal mit Hilfe der Justiz.


4 Antworten auf “Opfer-Täter-Umkehr, die xte”


  1. 1 lady lukara 26. März 2013 um 23:52 Uhr

    „Ex-Prostituierte“?? Das is ja mal wirklich dreist!

  2. 2 fyrecrotch 27. März 2013 um 17:26 Uhr

    das scheint so, als würde man diese „höherrangigen“ herren unbedingt schützen wollen. da passt es dann auch, ein opfer von zwangsprostitution einfach als stinknormale ex-prostituierte hinzustellen.

  3. 3 m 10. April 2013 um 0:40 Uhr

    Verrat

    Zu einem Verrat gehören immer zwei,
    Einer, der verrät,
    und einer, der dazu einlädt,
    dadurch, dass er sich verrät,
    will sagen,
    er hat bei der Einschätzung der Person,
    die sein Vertrauen genießt,
    Fehler gemacht, nicht richtig geraten, sich verraten hat.
    Aber vielleicht wollte er sich verraten,
    die Vorstellung ist oft so viel angenehmer,
    als die Wahrheit.

    Auch der Verräter lädt ein,
    zum sich verraten lassen.

    Die Schuld des Verräters liegt darin,
    dass er verführt,
    die des Verratenen,
    dass er sich verraten ließ,
    indem er sich täuschen ließ,
    vertraute,
    Abhängigkeit entstehen ließ.

    Was ich nicht verstehe,
    ist,
    warum die Sympathien meist auf der Seite des Verratenen liegen.

    Ich kann daraus schließen,
    dass Vertrauen als schützenswert angesehen wird,
    deswegen wird verurteilt, der mißbraucht.

  4. 4 fyrecrotch 10. April 2013 um 18:54 Uhr

    @m:
    ehrlich gesagt hab ich nicht die geringste ahnung, was du einem mit deinem kommentar sagen wilst.

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


− fünf = zwei