Archiv für Juni 2013

Die Brav_a sucht nach Beiträgen für Heft #3!! Die Brav_a ist ein queer-feministisches D.I.Y. (Do It Yourself) Zine, das sich im Stil einer Teenie-Zeitschrift teils ernst, teils ironisch mit Themen wie Liebe, Sex, (Körper-, Beziehungs-, Hetero-, Homo-) Normativität, Polyamourie, der queer-feministischen Szene und vielem mehr beschäftigt.

Pille danach – vielleicht bald gratis & rezeptfrei in Ba-Wü und NRW?

Reality Rags hat es schon erwähnt und in den Kommentaren bei der Mädchenmannschaft wurde mehr Action zum Thema gefordert – also gut: in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen hat man vor, die Pille danach kostenlos und rezeptfrei zu machen!
Die Amis haben’s ja vorgemacht und auch hierzulande ist eine rezeptfreie Abgabe der Pille danach dringend geboten; in Österreich geht das schließlich auch (und nicht nur da).
Noch ist es nicht sowiet, daß wir jubeln könnten – die Länderinitiativen sind ja noch nicht durch:

Im Südwesten habe das Landeskabinett den Vorstoß bereits gebilligt, in Nordrhein-Westfalen werde ein entsprechender Beschluss am kommenden Dienstag erwartet.
(…)
Sollte die Mehrheit der Länderkammer dem Antrag zustimmen, muss sich der Bundestag damit befassen. Allerdings lehnt die schwarz-gelbe Regierungsmehrheit bislang eine Freigabe der Pille danach ab.

Die Sache ist also noch lange nicht in trockenen Tüchern!

Und genau deswegen sollte Druck gemacht werden – die Aufhebung der Rezeptpflicht wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg, endlich den Frauen die Entscheidungsmacht über ihren eigenen Körper zuzugestehen!

Lass wachsen

Behaarte Frauenachseln – damit hat Nena schon in den 80ern Aufsehen erregt
Nenas Achsel

Und so viel hat sich ja inzwischen nicht geändert. Eher im Gegenteil, inzwischen sieht man so gut wie gar keine Frau mehr mit behaarten Achseln oder Beinen. Auch bei Männern nimmt der Trend zu, sich der Achselbehaarung zu entledigen. Immer öfter wird auch die männliche Brust enthaart. Allerdings – wenn ein Mann sich diese Stellen nicht rasiert, wird das nicht großartig kommentiert oder als eklig empfunden. Anders bei Frauen.
Selbst die Intimzone ist nicht mehr sicher vor dem zunehmenden Enthaarungstrend. Bisher dachte ich zwar immer, daß das zwar viele machen, aber viele auch nicht und es eigentlich wurscht ist, bis letzten Sommer ein 1-Night-Stand beim Auspacken – ich weiß nicht, schockiert oder zumindest stark überrascht auf meinen Busch reagierte. Er hatte schlichtweg nicht damit gerechnet, daß es noch Frauen gibt, die untenrum nicht haarlos sind. Letztendlich war’s eh scheißegal, aber der Kerl brauchte doch tatsächlich einen Augenblick, um das zu verdauen.
Aber die Muschi kriegen in der Regel ja sowieso eigentlich nur ein paar Auserwählte zu sehen.
Bei Beinen oder Achseln ist das was anderes, wenn man die im Sommer nicht mit langen Hosen und Ärmeln verstecken will.
Ich bin 30, und schon zu meiner Teenagerzeit wurde derartige Körperbehaarung bei Frauen eher abschätzig betrachtet.
Und wenn dann heutzutage ein junges Mädchen sich traut, die Haare dort einfach stehenzulassen, dann find ich das echt mutig!
Camille traut sich das (Artikel auf the f-bomb, gefunden bei der Mädchenmannschaft) – und ich könnte mir vorstellen, daß der „Haarlos-Standard“ in Kalifornien, wo sie wohnt, noch krasser ist als hier.

I love my armpit hair. At the moment, it’s my special little not-so-secret that I can smile about without having to explain to others. I am very proud of my hair and that I decided to let it grow out now, as a teenager, instead of saving that experience for when I’m an adult and don’t have quite so much to lose socially. I asked myself, why wait? If I really want to practice what I preach, then I’m not going to submit to this double standard any longer. And besides, what do I have to lose anyway?

That is my choice. It feels like the right thing to do for me, and it does not mean that girls who choose to shave their legs and armpits are any less feminist. I don’t have a problem with that, so long as they’re aware that shaving is something women are unfairly expected to do in order to be attractive by today’s beauty standards. Same with makeup. I care that girls know they can survive and look just fine without it, that they don’t need makeup, shaving, or validation from others saying they’re beautiful to know that they’re whole, complete, and perfect. Personally, I just don’t have time to be constantly applying, reapplying, shaving, and worrying about tiny, prickly hairs pushing through my skin that I wouldn’t have to deal with if I just didn’t shave at all. I’d rather sleep in.

Waagenweitwurf

Seine Waage loswerden, das (der Öko in mir hofft: aufm Wertstoffhof) ausgesetzte Teil fotografieren und über sein Verhältnis zu dem Gerät bloggen; das ist so in etwa die Idee von #Waagnis, der Aktion, an der man momentan nicht vorbeikommt in der feministischen Blogsphäre.

Die einen loben es, die anderen kritisieren es, wieder andere sind gespalten. Ich glaube, ich gehöre zu letzteren.
Mein erster Gedanke war: „Cool! Ich hab sowieso nie kapiert, weshalb jede_r so ein Ding in der Wohnung hat.“ Ich hab nämlich keine. Seit ich vor über 10 Jahren bei meinen Eltern ausgezogen bin. In der WG hier gibt’s auch keine. Soweit ich weiß hatte ich auch noch nie Mitbewohner_innen, die je mit dem Gedanken gespielt hätten, eine anzuschaffen. Ich gehöre zu den Leuten, die immer (recht grob) schätzen müssen, wie viel sie wiegen, wenn man bei nem neuen Arzt oder ner neuen Ärztin ist. Ob ich zu- oder abnehme, merk ich daran, wenn Klamotten nicht mehr passen. Das ist dann aber eigentlich auch alles, was mich stört, wenn sich mein Gewicht ändert. Ich hab andere Komplexe.
Aber deswegen erscheint mir die Aktion eben auch nicht gerade revolutionär (und darum wird das hier auch keine Lebensbeichte über ein kompliziertes Verhältnis zur Waage). Sicher, ich bin der Meinung, ohne derartige Gewichtskontrolle lebt es sich leichter, vielleicht hilft’s auch der ein oder anderen, Körperwohlgefühl nicht mehr in Zahlen zu messen und wenn wer das Ding abschafft, hey, meinen Glückwunsch, weg damit, macht kaputt, was Euch kaputt macht!
Aber selbst damit identifizieren kann ich mich nicht.
Manches an Kritik teile ich – allein die Waage wegwerfen, kann’s nicht sein. Auch die teils recht unsensible Ausdrucksweise, wie Riotmango schon bemängelte:

da tauchten dann ungefähr so sätze auf wie ‘ich fühlte mich furchtbar, dabei war ich gar nicht dick’. meine lesart davon ist ungefähr so: “ich war gar nicht dick (also so wie diese ganzen dicken_fetten menschen), fühlte mich aber voll blöd. dabei gab es für das blöd-fühlen gar keinen grund (denn ich gehörte ja nicht zu diesen dicken_fetten menschen). wenn ich wirklich dick gewesen wäre, dann hätte ich ja wirklich einen grund gehabt, mich schlecht zu fühlen. aber ich war’s ja nicht. ich war völlig normal und fühlte mich trotzdem schlecht. wie ungerecht!”

ich weiß nicht, ob ihr mir folgen könnt (oder ob ich mich klar ausdrücke, mir fällt’s gerade schwer), aber für mich stecken da (mindestens implizit) krasse abgrenzungen drin. normen werden nur oberflächlich hinterfragt. dicke_fette menschen dienen immer noch als quasi-negative folie (weil: soooo dick war mensch ja gar nicht! und wurde *trotzdem* geärgert! wie fies!).

Andererseits bin ich großer Fan von Symbolen und der Meinung, daß Symbolhandlungen in ihrer Wirkung oft unterschätzt werden. Irgendwie auch hier. (mehr…)

Keine Liebesgeschichte

Lesenswerter Text zur Rezeption von Autorinnen im Netz:

Schlampe? Göre? Diese Attribute, und die durch den vorwiegend männlichen Kommentator implizierten unlauteren Karrierewege (“hochschlafen”), die stets Frauen zugeschrieben werden, sind die moderene “Hexenjagd” im Netz. Was der Bauer nicht kennt das frisst er nicht. Vor dem Rechner sitzend wird dann gemutmaßt: “Ich bin doch genauso gut. Warum bin ich nicht bekannt? Weil die Blitzkrieg eine Frau ist!” Der einfachste Weg ist gefunden. Statt selbstkritischer Gedanken gibt es nun einen schnellen Schuldigen: Das System ist schuld, denn es bietet Schlupflöcher, so dass junge Menschen, ja sogar Frauen, schnell und talentlos Karriere machen können. Da entsteht Wut und da entsteht Hass, denn die Arbeit dahinter ist für die Leser unsichtbar.

Pille danach in den USA – zukünftig rezeptfrei und ohne Altersbeschränkung

Da wird immer so gern auf die „prüden Amis“ geschimpft und vor „amerikanischen Verhältnissen“ gewarnt – aber manche dieser Verhältnisse wünscht man sich hierzulande auch ganz dringend: beschränkungsloser Zugang zur Pille danach beispielsweise.

Der Hersteller der Pille muss nun noch den formellen Antrag auf einen rezeptfreien Verkauf ohne Altersbeschränkung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA stellen. Sobald dieser Antrag eingegangen sei, werde die FDA „ihn umgehend genehmigen“, hieß es in einer Erklärung. Dann könne die „Pille danach“ ohne jede Beschränkung in den USA verkauft werden.

Hier werden sich bis auf weiteres wohl stattdessen Szenen wiederholen wie die von Nicole von Horst letztens geschilderten.