Archiv für Juli 2013

Applaus für Def.macht-Kritiker auf Indymedia

Indymedia hat offensichtlich kein Problem, antifeministische Thesen, die sich gegen die Definitionsmacht richten, zu tolerieren und somit auch zu unterstützen. Cosminautilus kritisiert scharf, bevor noch mal (ausführlichst und absolut lesenswert!) das Konzept hinter Definitionsmacht erklärt wird:

Natürlich sind Anfeindungen gegen feministische Konzepte, die anonym auf offenen Internetplattformen veröffentlich werden, keine besondere Aufmerksamkeit wert. In diesem Fall wird dieser antifeministische Angriff jedoch nicht wie üblich kontrovers umstritten, verrissen oder gar von den linken Administrator*innen entfernt – er stößt vielmehr auf breite Zustimmung. In den Kommentaren wird begeistert Erleichterung über den vermeintlichen Tabubruch ausgedrückt.

Mädchenblog – Linkspam im Juli

Der Inhalt vom Grrrlzine Wolverette #5 ist jetzt komplett auch online und schließt mit einem Interview mit den fabelhaften Geffen³:

Reizende Rundungen macht klar, daß Fat Shaming sehr real ist – und spricht in diesem Kontext auch das „Dünnenprivileg“ an.

Nochmal coole Musik: absolut empfehenswerter Samstagabendbeat bei der Mädchenmannschaft mit Hope Masike!<3

Im September findet in Berlin „Jugend hackt“ statt – und es werden noch Mädels gesucht, die mitmachen!

Und wieder Musik: Bitch Magazine präsentiert eine feine Auswahl von feministischer Musik. Und stellt fest:

All of this points to something big: It’s been a good year for not only women in music, but feminism in music.

Die Journalist_innen-Legende Helen Thomas, bekannt und gefürchtet wegen ihrer aggressiv-kritischen Fragen, ist mit 92 Jahren in Washington gestorben.

Rebelcat86 ist genervt von dem Druck, sich eine „Bikinifigur“ zulegen zu müssen – schließlich sollte es beim Badengehen um Entspannung und Genuß gehen! Also: Fuck the beach body!!

Die wunderbare Antje Schrupp <3 geht der Frage nach, ob es wirklich so ist, daß Frauen sich weniger für Politik interessieren und davon weniger Ahnung haben als Männer und stellt fest:

Die Medien berichten vor allem über das, was Männer tun und was Männer interessant finden, dann wird das, worüber die Medien berichten, für das relevante Wissen über Politik gehalten und zur Grundlage für Fragen gemacht, die dann – Überraschung! – Männer “richtiger” beantworten als Frauen.

– welch wunderbarer Satz, der die Situation haarscharf auf den Punkt bringt!

Heather Corinna beleuchtet auf Scarleteen die häufigsten Kondom-Patzer – und wie sich die vermeiden lassen!

Sexuelle Belästigung in der hierarchischen Hochschulstruktur

Heide Oestreich schreibt über sexuelle Belästigung an der Uni – gerade die hierarchischen Strukturen dort sind ein zentrales Problem:

Das ist eines der Probleme mit sexueller Belästigung an der Uni. Die Hierarchie. Die Abhängigkeit. Regine Schulz wandte sich an die Frauenbeauftragte. Und die kannte den Professor schon. Es war eine seiner üblichen Methoden, mit attraktiven Studentinnen umzugehen. Anbaggern und fallen lassen. Die Frauenbeauftragte schaltete den Dekan ein. Es gab Gespräche mit dem Professor. Eine Geldbuße und Auflagen: Die Frauenbeauftragte sollte nun an den Prüfungen teilnehmen. Seine Sprechstunde durfte er nur noch mit offener Tür halten, sodass die Sekretärin mithören konnte. Der Professor aber ist hartgesotten. Seine Sprechstunde hat er nun auf den Abend verlegt, da ist die Sekretärin nicht mehr im Büro.

Girlfriend Style

Die Süddeutsche zeigt eine Fotoreihe von Jon Uriarte, der seine Kumpel in den Kleidern ihrer Freundinnen fotografiert hat.

Wenn Frauen Männerkleider anziehen, gilt das traditionell als Zeichen für Befreiung, Emanzipation und für den Kampf um Teilhabe an der Macht. Männer in Kleidern, Röcken und High Heels hingegen sieht man außerhalb von Drag-Clubs und Model-Castingshow-Formaten eher selten.

Doch die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern hat sich gewandelt – im Berufsleben wie auch in heterosexuellen Beziehungen. „The men under the influence…“ heißt die Fotoserie des spanischen Fotografen Jon Uriarte – „Männer unter Einfluss“. Im Englischen kann das auch unter dem Einfluss von Drogen bedeuten – das trifft den umnebelten Zustand ganz gut, in dem sich viele Männer zwischen alter Männlichkeit und unklarer neuer Geschlechteridentität befinden.

Wann ist eine Demokratie eine Demokratie? – aktuelle Kämpfe gegen Rassismus und zu queer-feministischen Debatten. Eine Rezension

Duygu Gürsel, Zülfukar Çetin & Allmende e.V. (Hg.)
Wer Macht Demo_kratie? Kritische Beiträge zu Migration und Machtverhältnissen
edition assemblage, 256 Seiten, 16.80 Euro, ISBN 978-3-942885-34-8
Infos zum Buch: Verlagsseite

„Wer MACHT Demo_kratie?“ ist soeben im Verlag Edition Assemblage erschienen. Der von Duygu Gürsel, Zülfukar Çetin und dem Allmende e.V. herausgegebene Band, leistet vieles – insbesondere schafft er es, Aktivismus und theoretische Reflexion miteinander zu verbinden. Das zeigt sich thematisch und in der Wahl der Beitragenden: So kommen angesehene Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen gleichermaßen und gleichberechtigt zu Wort.

Wer macht Demokratie? Ist aktuell in der Bundesrepublik Deutschland eine wichtige Frage. Ist noch von Demokratie zu sprechen, wenn große Teile der erwachsenen Bevölkerung zwar in den Städten und Bundesländern leben und somit guter oder schlechter Politik unterworfen sind, aber selbst nicht wählen dürfen? Warum dürfen nicht einfach alle die Menschen, die an einem Ort leben, auch gleichberechtigt politisch und gesellschaftlich gestalten? Derzeit dürfen viele Millionen Menschen in der Bundesrepublik Deutschland nicht wählen – viele Menschen mit Migrationshintergrund. Noch krasser ist die Situation von Flüchtlingen, denen massive Gewalt und oft furchtbare Lebensbedingungen in Lagern zugemutet werden, ihnen aber von der bundesdeutschen Gesellschaft die Möglichkeiten genommen werden, dagegen zu kämpfen.

Es geht also um MACHT, nicht allein Macht von Institutionen, die, wie das deutsche Staatsangehörigenrecht, noch auf die deutsche Kaiserzeit zurückgehen. Es geht um weiße Vormacht, um Ausschluss und partiellen Einschluss. Es geht um Rassismus.

Der insgesamt 17 Beiträge enthaltende Sammelband ist in sechs Teile untergliedert, in denen einerseits rassistische Verhältnisse analysiert werden. Gerade die Teile „Queer und Gender“, „Flüchtlingspolitik“ ziehen Verbindungen zu aktuellen Kämpfen und Querverbindungen zu queer-feministischem Streiten. Fünf Beiträge sind in englischer Sprache – auch sie sind gut verständlich. (mehr…)

Alltägliche Übergriffe

Beim Wolverette Zine behandelt ein Text die Erfahrungen mit Grenzüberschreitungen und die Reaktionen darauf.

They had always been making stupid and sometimes salacious remarks but I didn’t care, it was never serious and, to be honest, this was not so unnormal for men in their 50ies on the countryside, especially when they sit and drink in a pub. I had learnt to deal with it, take it with humour and talk back – which was much appreciated. They never took it over the top.

Except for one time when one of them put his hand on top of my thigh. And you know what? I didn’t say anything. It would’ve been too embarrassing. He left that hand there for about 10 minutes and I sat still and ignored it cause that way at least nobody would notice since my thigh with his hand on it was hidden under the table.

Sexual Harassment is Violence

Pille danach rezeptfrei – dauert noch, ist aber in Arbeit

Ganz, ganz langsam macht man sich in Deutschland dazu auf, die Pille danach rezeptfrei abzugeben.

Wo steckt eigentlich die Arzneimittellobby, wenn man sie mal braucht? Eigentlich ist der Fall doch wie für sie gemacht: Heute hat die Mehrheit im Bundesrat einem Antrag für die Aufhebung der Rezeptpflicht für die Pille danach zugestimmt – eingereicht hatten ihn die Bundesländer Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Anfang Juni waren entsprechende Anträge von SPD und Grünen im Bundestag bereits gescheitert, die schwarz-gelbe Regierung war dagegen. Heute sieht es endlich nach einem kleinen Etappensieg aus, auf dem wohl noch langen Weg zur Abschaffung der Verschreibungspflicht.

Geschlechterlüge

Dia taz startet die Woche mit einem schönen Artikel über den angeblichen „Geschlechterunterschied“ und wie unsinnig das aus neurobiologischer Sicht ist:

„Das Geschlecht ist ein Werkzeug der sozialen Kategorisierung, stärker sogar als die Ethnie“, sagt Harry Reis, Psychologe der Universität Rochester. Die Menschen nutzten dieses Schubladendenken, um eine komplizierte Welt zu vereinfachen.

„So eine Kategorisierung ist aber nur dann sinnvoll, wenn sich Männer und Frauen tatsächlich fundamental unterscheiden. Das tun sie aber nicht“, fasst der Psychologe das Ergebnis einer aktuellen Meta-Analyse zum Thema Geschlechtsunterschiede (pdf) zusammen.