Archiv für August 2013

A Hard Day‘s Night

I Should Have Known Better

Guten Abend, liebe Stadt, ich bin da, was geht ab?
Das Übliche – Clubs, Bars, Kino, Fastfood Restaurants. Tanzen, trinken, rauchen, reden, lachen, diskutieren, erholen, abschalten, auftanken. Sich gut fühlen, lebendig, glücklich, stark, schön, beschwipst, befreit. Freund*innen sehen, einfach zusammen sein. Das gute Leben. Das Gute leben.

Tell Me Why

Angerempelt werden. Beschimpfungen über mich ergehen lassen. Angestarrt werden. Mich „anmiezen“ lassen. Beleidigungen hören. Angegrapscht , auf Skalen bewertet, Verfolgt werden. Schlagfertige Sprüche zu Hause überlegen.
Abend gelaufen. Opfer sein.

Any Time At All

„Ich bin kein Opfer!“, denke ich während ich meinen Schlüssel als Waffe in der Hand halte.
„Ich bin kein Opfer!“, wenn ich mich auf dem Heimweg ständig umdrehe.
„Ich bin kein Opfer!“, wenn ich dem Gegenüber immer wieder erkläre, warum ich meine Nummer nicht gebe.
„Ich bin kein Opfer!“, wenn mir die Tränen in den Augen stehen.
„Ich bin kein Opfer!“, wenn ich mich mit Händen und Füßen wehren muss.
„Ich bin kein Opfer!“, wenn ich davon laufe.
„Ich bin kein Opfer!“, wenn ich dunkle Gegenden und Straßen vermeide.
„Ich bin kein Opfer!“, wenn ich den Blick senke, weil mir jemand entgegenkommt.
„Ich bin kein Opfer!“, wenn ich immer wieder „Nein“ sage und sagen muss.

I’ll Cry Instead

„Ich bin kein Opfer!“, sage ich, weil ich es satt habe, mich wertlos oder hässlich zu fühlen, als verfügbar zu gelten, zur Bewertung frei zu stehen, mich zu fragen, wie viel Schuld ich an solchen Vorfällen habe, mich nachts nicht sorglos bewegen zu können.

Und ich will kein Opfer sein.

Things We Said Today

Seid endlich still, geht weg. Ich weiß wo die nächste Diskothek ist, aber ich will es euch nicht sagen, und ich komme auch nicht mit. Wo ich wohne, fragt ihr und die letzte gequälte Höflichkeit ist aufgebraucht. Ihr kennt Körpersprache, ihr kennt Distanz und ihr kennt das Wort „Nein“. Ihr missachtet es absichtlich und ihr verachtet mich. Ihr wollt nicht wirklich meine Nummer, nicht mit mir reden, mich nicht kennenlernen, mich nicht einfach nur küssen oder mit mir schlafen. Ihr wollt mich bedrohen, meinen Wert untergraben, mich klein sehen und zeigen wem die Straße gehört, Macht demonstrieren.

When I Get Home

Und dann schafft ihr es. Ich muss mich beschützen. Bestimmte Veranstaltungen umgehen, Schutzräume finden, euch die Straße überlassen. Zumindest eine Weile, um Kraft zu tanken. Wenn man ständig hört und zu spüren bekommt, man sei nichts wert, fängt man es irgendwann an zu glauben. Also Urlaub von der Straße um sich zu besinnen wer man ist? Das kann es doch auch nicht sein. „Ich bin kein Opfer!“

You Can’t Do That

Also weitermachen. Ertragen! Kämpfen. Solidarität einfordern. Aufklären. Sich engagieren. Und sich endlich wieder stark fühlen. Kein Opfer sein! Das Gute leben.
Bis zum nächsten Abend, der nächsten Kreuzung, der nächsten Begegnung, dem nächsten Blick, Spruch, Übergriff, der nächsten Beleidigung, Ohnmacht.

I’ll Be Back

Gute Nacht, liebe Stadt. Du machst mich müde, hilflos und taub. Morgen früh werde ich aufwachen und wieder wissen: Ich bin kein Opfer. Aber erst mal Urlaub.

It’s been a hard day’s night.

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Lady*fest Mainz

Im folgenden mal rein copy&paste Werbung für das Lady*mainz im September. (Was ist ein Ladyfest?)
Vom 15.-18. August findet übrigens in Berlin das LaDIYfest statt, dieses Mal nur für FLT*I (also Frauen, Lesben, Trans*menschen und Interesexuelle).

Das Lady*fest Mainz, das dieses Jahr am 7. September stattfinden wird, ist ein von Frauen* organisiertes Festival für Menschen aller Geschlechter, die Lust haben, sich mit Dekonstruktion und Feminismus auseinanderzusetzen. Das Festival ist unkommerziell und schafft einen Raum für linke, feministische Visionen und Ideen jenseits des Mainstreams. Spaß haben, Diskutieren, Netzwerken und Feiern versuchen wir in verschiedenen Vorträgen und Workshops sowie einem Riotgrrrl-Konzert umzusetzen.

Sex – Love – Riot
So lautet der Themenschwerpunkt unseres diesjährigen Lady*festes. Wir versuchen dabei Sexualität, Sexualisierung und Konsensfindung sowie Liebe und Liebeskonstrukte aus einer feministischen Perspektive zu betrachten. Dazu gehören für uns sexpositive Workshops wie BDSM oder Bikesexual genauso wie Fragen zu Definitionsmacht, Sexarbeit und Sexualisierung.
Darüber hinaus wird es auch Veranstaltungen geben, die weder etwas mit Sex oder Liebe zu tun haben – z.B. ein Vortrag zu postkolonialem Feminismus, ein Performance-Einführungsworkshop und das Konzert. Uns ist bewusst, dass dies nur einen Teil unseres Programms ausmacht. Deswegen ist es uns wichtig, dass wir allen Teilnehmenden transparent machen, was sie auf dem Lady*fest erwartet. Dazu stellen wir auf der Homepage Ankündigungstexte bereit und weisen auf eventuell triggernde Inhalte hin.
Riot ist für uns das, was wir euch bei unserem Fest mitgeben wollen, d.h. zum einen feministischen Input und zum anderen möchten wir mit euch zusammen gerne Strategien entwickeln, um ein richtigeres Leben im falschen zu etablieren.

Anonym surfen

Anonym surfen mit TOR – ein Selbstversuch:

TOR zu nutzen ist denkbar einfach – funktioniert wie Firefox. Auch das Runterladen und installieren war eigentlich idiotensicher.
Wenn’s aber darum geht, TOR auch wirklich so zu benutzen, daß man es NSA & Co. schwer macht, muß man mitdenken. Und auch ganz viel umdenken.
Und das ist eigentlich das Hauptargument für TOR: allein durch die simple Benutzung lernt man unglaublich viel dazu, was diesen ganzen nerdigen Datenkram angeht! Man kapiert dann irgendwie auch andere Dinge besser, weil man die Zusammenhänge jetzt son büschn praktisch erlebt hat. Und das ist bei allen Internetnutzer_innen eigentlich grad echt dringlich.