Archiv für September 2013

Nadeschda Tolokonnikowa begründet ihren Hungerstreik

Das inhaftierte Pussy Riot-Mitglied Nadeschda Tolokonnikowa beschreibt in einem eindrucksvollen Text, weshalb sie den Hungerstreik als letzte Lösung sieht (evtl. Triggerwarnung):

In einer anderen Einheit wurden neue Näherinnen, die das Pensum nicht schafften, gezwungen, sich auszuziehen und nackt zu arbeiten. Niemand wagt es, sich gegenüber der Verwaltung zu beschweren. Denn die wird nur lächeln und die Gefangene in ihre Einheit zurückschicken. Dort wird die „Verräterin“ dann auf Befehl der gleichen Verwaltung zusammengeschlagen. Für die Verwaltung der Kolonie ist kontrollierte Schikane eine zweckmäßige Methode, die Häftlinge zu zwingen, sich dem systematischen Missbrauch von Menschenrechten vollkommen zu unterwerfen.

Via

Zu AJZ Bielefeld & Feine Sahne Fischfilet:

Nun denn, den AJZ-Hatern, die sich da gerade im Internet aufblasen, und so tun, als sei das AJZ eine “Feminazi”-regierte “No-Go-Area”, sind solche Details egal. Es geht gegen das AJZ, gegen Linke, gegen Anti-Sexist_innen – klar, da muss man dabei sein und mitpöbeln, was das Zeug hält. Vom “Terror der Traumatisierten” ist die Rede, von “total albernen” Hausverboten, die irgendwer mal im AJZ bekommen hat, wegen “angeblich” sexistischen Verhaltens. Klar, “angeblich” und “sexistisch”, das ist ein Wortpaar, gehört zusammen wie Jacke und Hose.

Schlotte Kamuffel: Feine Sahne Bielefeld – und alle bashen mit…

Kopftuch. Und so.

Auf Tea-riffic zerlegt und kommentiert Heng recht geduldig einen weinerlichen Eintrag eines Menschen, der nach einem (vermeintlichen?) Flirt auf der Straße eine Nummer gekriegt hat, mit der man(n) bei wem ganz anderen landete.
Und der ein schöner Beleg dafür ist, mit welcher Sorte Typen sich die Frauen*welt so im Alltag rumschlagen muß.
Irgendwie hat frau (hallo Sozialisation!) bei sowas dann auch schon automatisch Street Harassment und Stalker im Hinterkopf.

In einem der Kommentare wird was Interessantes angesprochen: die Verfasserin des Kommenatrs schildert, daß sie vor ständigem Angesprochenwerden weitgehend geschützt ist, seit sie das Kopftuch trägt.
Nur hin und wieder rassistische Kommentare, aber wenigstens kein massives Anbaggern mehr. Tja… sie hat sich einfach auch damit auseinandersetzen müssen, was „aushaltbarer“ ist.

Und das muß eigentlich nunmal jede für sich entscheiden.
Der Fokus liegt hier übrigens auf den Worten „jede für sich“.
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Leseempfehlung

Leseempfehlung: Aufsatz von Martha Mamozai „Frauen und Kolonialismus – Eine weibliche Variante des ‚Herrenmenschentums‘“

Wieso wählen „Frauen“ Merkel? Ein verzweifelter Versuch

Eigentlich wär’s wurscht, aber auffällig ist es schon. Und man will die Deutung ja nicht ganz den Schirrmachers dieser Welt überlassen.
Ich kenn persönlich vom direkten Umfeld her doch eher weniger CDU-Wähler. Dennoch.
Eine mir nahestehende Person weiblichen Geschlechts (outen kann man sowas ja nicht!) hat ein Kreuzchen für Angie gemacht. Warum, weiß eigentlich keiner. Ihre politischen Ansichten haben mit denen Merkels eigentlich nichts zu tun.
Aber irgendwie identifiziert sie sich mit ihr. Nicht wegen gleicher Geschlechtsteile. Obwohl…. Merkel erscheint ihr als Mensch. Mit Menschen hat man mehr Nachsehen als mit Politiker_innen.
Merkel und sie, sie spielen gezwungenermaßen mehr oder weniger die gleiche Rolle im Leben. Beide, um im Patriarchat zu (über)leben. Viele von ihnen sind selber „Mutti“, die sparen muß und wie man’s macht, alles mault. Und die Erfolge will auch keiner anerkennen. Man brauch auch keine Kinder haben, es gibt auch „WG-Muttis“. Manchmal fühlt sich jede mal so oder so ähnlich. Es wird ja auch ständig auf jede Frau die „Mutti“ projeziert. Kleine Hunde sind „Kindersatz“, nett zu Kindern zu sein liegt an „mütterlichen Gefühlen“, wer dem Süßen einen Erkältungstee bringt, zeigt Mutterinstinkt (und dann motzt der Patient, wenn die Medizin zu bitter ist, kennt „frau“ ja) und im Alter braucht man sich gar nicht mehr gegen den Stempel wehren wollen: man ist eine Oma. Auch ohne Nachkommen oder sich je in irgendeiner Weise „mütterlich“ verhalten zu haben. Da kann man sich auch noch so ungroßmütterlich wie’s nur geht verhalten für viele ist man trotzdem eine Oma.
Merkel spielt diese Rolle aus. Sie konnte Mädchen und sie kann Mutti. Meinetwegen hat sie vielleicht auch das Potential zu einer „weisen Alten“, wär ja mal ein schöner Gegenentwurf zu „Oma“. Aber soweit sind wir noch nicht, da bin ich mir recht sicher.
Bis dahin spielt sie weiter „Mutti“, die vielleicht auch mal nachgibt, aber irgendwie halt auch nur ein Pflaster aufkleben kann und einem erzält, daß es doch gar nicht so schlimm wehtut. Dieser aber durchaus irgendwie tröstende Vorhergehensweise erliegen scheints auch genug konservative Herren. Jedem in Not ist es wohl intuitiv erstmal lieber wenn Mutti kommt und pustet als die ganzen „Hilfe! Ab zum Arzt“ kreischenden Leute (hoffentlich waren keine Sanitäter drunter) in die Nähe zu lassen.
Und da beißt sich womöglich die Katze in den Schwanz.

Karma’s a bitch & Gender Roles will bite you in the ass.

Snowden setzt der Feministin den Aluhut auf

Vorweg: ich bin kein an TOR mitarbeitender IT-Freak. Bewege mich aber oft genug im Netz, um nach dem Bekanntwerden dieser ganzen Überwachungen nachdenklich zu sein und vorsichtiger vorzugehen.

Immer mal wieder stolpert man über Berichte zur Pille danach, Abschaffung der Rezeptpflicht für Deutschland. Sowas hat man wegen der Wahl ja auch im Hinterkopf. Und wie man in Resteuropa meist wesentlich einfacher an die Dinger kommt.

Beispielsweise hab ich eine gute Freundin, die nach Österreich ausgewandert ist (nein, nicht deswegen). Die Feministin denkt: die könnt ich doch eigentlich mal fragen. Wäre ja optimal im Notfall, also wenn man die Dinger wirklich mal braucht, eventuell nur eine Tür weiter ins Badezimmer zu müssen und diese Pille so schnell wie möglich in sich hineinzubefördern.
Als konservative Netzfeministin würd ich normalerweise Kontakt über E-Mail aufnehmen. Evtl. tät’s auch ne SMS. Oder ich könnt sie auch eh mal wieder anrufen.

Dann liest man irgendwo (tazblog? Find’s wohl eh nicht mehr. Selber groß, selber suchen), was für ein Bullshit dieses „Wir brauchen Überwachung wegen den Terroristen“ ist. Daß die Terroristensuche/-überwachung minimalen Anteil an der Sache hat. Und daß sich der aller-, allergrößte Teil der Überwachung von Internet, Handy, Telefon und sämtlichen Mischformen um Drogenkonsum und -handel dreht.

Jetzt mag man über die Prioritätensetzung streiten, aber darauf will ich gar nicht hinaus.
Nur kann man sich ja jetzt jedenfalls recht einfach vorstellen, nach welchen Schlüsselworten die so suchen und womit man einfach im Filter landen MUSS.

Beispielsweise, wenn ich meiner österreichischen Freundin Bescheid geb, sie soll mir ein rezeptpflichtiges Medikament, an das ich hier nicht so leicht komme, über die Grenze schicken…? Extra Pech auch für Leute, die das bei Freundinnen versuchen, die in den Niederlanden leben? Oder der Türkei? Da ist die Pille danach übrigens rezeptfrei.

Aluhut

Nennt mich paranoid, aber ich weiß nicht, ob die Idee jetzt noch so gut ist. Ich laß es.

…da dachte man eigentlich, man würde im Alter so der Typ „verrückte Katzenlady“ werden (nur wären mir Hunde lieber), aber manchmal geht es auch eher in die Richtung „einsame Verschwörungstheoretikerin“, die sich mit anderen alten Säcken im Internet drüber unterhält, ob Myspace jetzt die Mondlandung verhindert hat oder ob ich lieber mit einem feministischen Geheimorden aus meinen Sims die Revolution auslösen soll.

Also falls diesen Blog als Logo einmal eine Simone de Beauvoir mit Aluhut zieren sollte: ich habe Euch gewarnt. Sorgen machen müßt Ihr Euch erst, wenn Ihr bis dahin zur Autor_innenschaft gehört.

„Ich werde Ihnen genau sagen, worauf es ankommt bei der Darstellung des Koitus!“

Man braucht nicht viel, um sich als Netzfeminist_in hier in Frau Löffler vor über 20 Jahren hineinzuversetzen, da kommt einem verdächtig viel bekannt vor:

Nur ist das in den wenigsten Fällen derart witzig:

Via hier und hier.

Good Morning!

Gefunden bei Feminist Trekkie:


Care-Work in der Femina Politica

Rezension von:
FEMINA POLITICA
Heft 1/2013 (ISSN: 1433-6359)
Link zur Zeitschrift

Die „Femina Politica – Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft“ ist seit mehr als zwei Jahrzehnten eine verlässliche Größe in Bezug auf aktuelle Debatten. Kapitalismuskritik und Postkoloniale Theorie spielen von Anfang an zentrale Rollen. Mit dem aktuellen Heft – 1/2013 – liegt eine weitere Ausgabe mit ökonomischem Schwerpunkt vor. Daneben finden in den Rubriken „Forum“ und „Tagespolitik“ Beiträge zu aktuellen Debatten und politischem Aktivismus Platz. In dieser Ausgabe werden so unter anderem die „deutsche Beschneidungsdebatte“, das Streiten der österreichischen Flüchtlinge und die Position der Minenarbeiterinnen bei den Streiks in Südafrika diskutiert. Aktuelle „Kurznachrichten“ mit Konferenzeinladungen sowie „Rezensionen“ runden den Band ab. (mehr…)

Kulturelle Aneignung/Cultural Appropriation Linkspam

In einigen Blogs geht gerade eine spannende Diskussion über Cultural Appropriation, also kutlurelle Aneignung, ab.
Laut Wikidefinition wird Cultural Appropriation wie folgt beschrieben:

Cultural appropriation is the adoption of some specific elements of one culture by a different cultural group. It describes acculturation or assimilation, but can imply a negative view towards acculturation from a minority culture by a dominant culture.

Ein wichtiges Thema, das nun endlich so langsam in den Fokus rückt und diskutiert wird – teilweise auch sehr emotional, aber ziemlich produktiv.

Ziemlich geladen, aber gut und verständlich rezensiert wird bei der Mädchenmannschaft:

Wer bei Google „cultural appropriation“ in die Suchleiste tippt, bekommt einen Eindruck davon, wie gut People of Color es finden, dass die Devotionalien ihrer jeweiligen Kultur von weißen Leuten getragen werden, die es nicht interessiert, was sie damit tun und wen sie damit beleidigen.

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