Wieso wählen „Frauen“ Merkel? Ein verzweifelter Versuch

Eigentlich wär’s wurscht, aber auffällig ist es schon. Und man will die Deutung ja nicht ganz den Schirrmachers dieser Welt überlassen.
Ich kenn persönlich vom direkten Umfeld her doch eher weniger CDU-Wähler. Dennoch.
Eine mir nahestehende Person weiblichen Geschlechts (outen kann man sowas ja nicht!) hat ein Kreuzchen für Angie gemacht. Warum, weiß eigentlich keiner. Ihre politischen Ansichten haben mit denen Merkels eigentlich nichts zu tun.
Aber irgendwie identifiziert sie sich mit ihr. Nicht wegen gleicher Geschlechtsteile. Obwohl…. Merkel erscheint ihr als Mensch. Mit Menschen hat man mehr Nachsehen als mit Politiker_innen.
Merkel und sie, sie spielen gezwungenermaßen mehr oder weniger die gleiche Rolle im Leben. Beide, um im Patriarchat zu (über)leben. Viele von ihnen sind selber „Mutti“, die sparen muß und wie man’s macht, alles mault. Und die Erfolge will auch keiner anerkennen. Man brauch auch keine Kinder haben, es gibt auch „WG-Muttis“. Manchmal fühlt sich jede mal so oder so ähnlich. Es wird ja auch ständig auf jede Frau die „Mutti“ projeziert. Kleine Hunde sind „Kindersatz“, nett zu Kindern zu sein liegt an „mütterlichen Gefühlen“, wer dem Süßen einen Erkältungstee bringt, zeigt Mutterinstinkt (und dann motzt der Patient, wenn die Medizin zu bitter ist, kennt „frau“ ja) und im Alter braucht man sich gar nicht mehr gegen den Stempel wehren wollen: man ist eine Oma. Auch ohne Nachkommen oder sich je in irgendeiner Weise „mütterlich“ verhalten zu haben. Da kann man sich auch noch so ungroßmütterlich wie’s nur geht verhalten für viele ist man trotzdem eine Oma.
Merkel spielt diese Rolle aus. Sie konnte Mädchen und sie kann Mutti. Meinetwegen hat sie vielleicht auch das Potential zu einer „weisen Alten“, wär ja mal ein schöner Gegenentwurf zu „Oma“. Aber soweit sind wir noch nicht, da bin ich mir recht sicher.
Bis dahin spielt sie weiter „Mutti“, die vielleicht auch mal nachgibt, aber irgendwie halt auch nur ein Pflaster aufkleben kann und einem erzält, daß es doch gar nicht so schlimm wehtut. Dieser aber durchaus irgendwie tröstende Vorhergehensweise erliegen scheints auch genug konservative Herren. Jedem in Not ist es wohl intuitiv erstmal lieber wenn Mutti kommt und pustet als die ganzen „Hilfe! Ab zum Arzt“ kreischenden Leute (hoffentlich waren keine Sanitäter drunter) in die Nähe zu lassen.
Und da beißt sich womöglich die Katze in den Schwanz.

Karma’s a bitch & Gender Roles will bite you in the ass.


8 Antworten auf “Wieso wählen „Frauen“ Merkel? Ein verzweifelter Versuch”


  1. 1 Lea 25. September 2013 um 17:21 Uhr

    Ich spiel mal des Teufels Anwalt: Wenn ich mich als Mensch der politischen Mitte verstehe, habe ich die Wahl zwischen SPD, CDU, Grüne und FDP. Wenn ich nun die beiden letzten Parteien als mehr oder weniger chancenlos (die/den Kanzler_in zu stellen) ausschließe, bleiben mir noch SPD und CDU. Unter Angela Merkels Leitung ist die CDU immer näher an die SPD herangerückt, weswegen ja sogar einige Zeitungen schrieben, dass man letztlich keine Alternative mehr habe – eine Partei sei so gut/schlecht wie die andere… Folglich bleibt nur noch die Wahl nach Köpfen. Ich muss mich also zwischen Merkel und Steinbrück entscheiden. Gerade wenn ich mir Steinbrücks Fettnäpfchenwahlkrampf anschaue, kann ich eine Entscheidung pro Merkel unter diesen Voraussetzungen schon nachvollziehen.

    This said: Ich habe – wie immer – weit links der Mitte gewählt und würde NIEMALS Angela Merkel unterstützen!

  2. 2 chalandra 25. September 2013 um 20:45 Uhr

    Lea könnt recht haben; die meisten denken wohl so beim wählen und verschwenden keinen gedanken daran, daß es sowas wie koalitionen gibt.
    nach dem motto: ich wähl x, weil y eh nie kazler/in wird. scheißegal wer alles in der regierung sitzen mag, alles gukt nur auf „wer wird kanzler“.
    bäh.

  3. 3 riotgrrrl 26. September 2013 um 13:18 Uhr

    Frauen* wählen Frauen*.
    Im gleichen Maße und aus gleichen Gründen wie Männer* Männer* wählen. Und Männer* wählen Inhalte läßt sich da nur als Kontrast setzen weil Menschen ja auch erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit bei der Wahl zudem auch noch ein Geschlecht zur Auswahl haben. Männer* können auf Grund bestehender Machtverhältnisse davon ausgehen, dass ihre Interessen vertreten werden nahezu egal von welchem Geschlecht. Frauen* hingegen könnten wissen, dass für eine merkliche Veränderung der Politik zu ihren Gunsten 30Prozent der politischen Posten von Frauen besetzt sein müssen. Das hat nun leider herzlich wenig mit der Politik der CDU zu tun. Aber es ist eben nicht immer eine politische Kopfentscheidung sondern eventuell an vielen Urnen auch eine Bauchentscheidung in der es um Repräsentation geht.

    Ich für meinen Teil hätte der SPD bessere Chancen ausgesprochen mit einer Kanzler_innen-Kandidatin. Eben auf Grund dieser soziologisch-politikwissenschaftlichen Thesen zum Wahlverhalten von Frauen*.
    Und dieses Mutti-Merkel-Bild:((. Ich weiß nicht was Mütter mit dieser Politik zu tun haben und frage mich auch wann so gehäuft Vater-Bilder auf Männer in der Politik angewandt worden sind. Und sehe darin einfach nur eine Betrachtung von Frauen* in der Politik mit anderem Maßstab als Männer*, denn diese müssen sich m.E. nicht an „Mädchen“ und Mutti“-Bildern abarbeiten egal für welche Eartei sie Politik machen.
    Es gibt da ein Buch in dem Politikerinnen berichten: Warum nicht gleich: Wie Medien mit Frauen in der Politik umgehen. Das beantwortet oder thematisiert einige der hier angesprochenen Fragen.

  4. 4 Lina 27. September 2013 um 10:00 Uhr

    Merkel ist einfach eine geniale Politikerin, die das ganze aufgeregte und überehrgeizige Ego-Gehabe vieler männlicher Politiker in ihrer unaufgeregten Art wohltuend konterkariert. Sie lässt sich nicht in Diskussionen zwingen, bloß weil die Journalisten das so wollen und aufreizende Headlines produzieren. Bei ihr hat man den Eindruck, dass es ihr um die Sache geht, bzw. ums erfolgreiche Moderieren unterschiedlicher Interessen – und nicht darum, fortwährend in irgend einem „Schlagabtausch“ als Gewinnerin dazustehen.

    Es wird sehr schwer sein, nach Merkel einen männlichen Kanzler zu etablieren, der an diesen verhaltenen Stil nicht anknüpfen kann.

  5. 5 Miria 27. September 2013 um 12:01 Uhr

    Schade, aufgrund der Überschrift hatte ich mir eine Auseinandersetzung mit der Politik Merkels erhofft.

    Allerdings reproduzierst du hier in deinem Text doch wiederum das Bild der Frau Merkel als „Mutti“, welches ich so nicht unterstützenswert finde, das es eine Politikerin auf ihr Geschlecht reduziert, welches beim Wählen eben keine Rolle spielen sollte.

    Ich habe in meinem Umfeld übrigens viele Menschen, die CDU gewählt haben, sie waren mit der Politik in der Vergangenheit einfach im Großen und Ganzen zufrieden.
    Wenige politisch interessierte Menschen entscheiden doch danach, wer Kanzler wird – das klingt mir ein wenig danach, dass hier die Leute, die wählen gehen etwas unterschätzt werden.

  6. 6 dodo 27. September 2013 um 13:56 Uhr

    Allerdings reproduzierst du hier in deinem Text doch wiederum das Bild der Frau Merkel als „Mutti“, welches ich so nicht unterstützenswert finde, das es eine Politikerin auf ihr Geschlecht reduziert, welches beim Wählen eben keine Rolle spielen sollte.

    Das ist genau der Punkt.
    Dieses „Mutti“ taucht ja überall auf in der Presse und die Feministin fragt sich, woher das kommt. Und dann fällt einem auf, daß Merkel schon diese „Muttirolle“ spielt und dieses „Sicherheit in Muttis Armen“ auch bewußt einsetzt.
    Und dann wählen Frauen* genau diese Figur… und da frage ich mich, weshalb sich so viele anscheinend immer noch mit dieser Figur/Rolle identifizieren (sind jetzt halt meine Beobachtungen/was ich so gelesen hab im Netz/Presse).

    Heißt ja auch „ein Versuch“.
    Letztendlich ging es mir darum, diese sexistisch angehauchten „Topthemen“ „Warum wählen Frauen Merkel“/“Warum nennen die die Merkel alle Mutti?“ nicht den naja, „Nichtfeminist_innen“ überlassen.

    Halt dieser befremdlichen Diskussionen einen Schuß Feminismus hinzufügen. Weniger, um den Mist zu reproduzieren, sondern um zu analysieren, damit man die PR-Mechanismen auf persönlicher Ebene vllt anfängt, ein bißchen zu durchschauen. Und halt auch zu kritisieren – steht ja am Schluß: „Da schau her, der ganze altmodische Rollenscheiß schadet uns. Karma’s a bitch.“

  7. 7 dodo 27. September 2013 um 14:00 Uhr

    …vielleicht sollte ich auch erwähnen, daß viele Sätze, nunja, halt auch sarkastischstrotzend sind („kennt frau ja“ und sowas).
    Falls das nicht klar rüberkommt.

  1. 1 Überwachungserfahrungen, Frauen bei Apple & 20 Jahre In Utero « Reality Rags Pingback am 27. September 2013 um 13:14 Uhr

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