Erklärbärchen

Erklärbär*
Definition: siehe auch männliches Redeverhalten, engl. „mansplaining“

Ein Erklärbär hält sein Gegenüber von vornherein für uninformierter oder für allgemein weniger intelligent / ungebildeter als sich, und ist daher bemüht ungefragt sehr langsam und ausführlich monologartig die jeweiligen Thematiken und Begrifflichkeiten zu erklären. Beliebte Themen sind Technik, Sportarten oder alle anderen gesellschaftlich männlich konnotierten Thematiken, in linken Kreisen jedoch auch gerne feministische Inhalte. Sollte die_der Gesprächspartner_in einen Versuch unternehmen, zu vermitteln, dass sie_er auch Wissen zum jeweiligen Thema besitzt, wird dies vom Erklärbären ignoriert, belächelt oder angezweifelt. Besonders provoziert, wird das beschriebene Verhalten von der Wahrnehmug des Gegenübers als weiblich, es gibt jedoch auch viele Exemplare, die sich das Erklär-bärentum zum life style gemacht haben, und in jeder Lebenssituation gerne ihr vermeintlich omnipotentes Wissen zur Schau stellen.

* selbstverständlich können auch als Frauen sozialisierte Menschen erklärbärisches Verhalten an den Tag legen, jedoch ist die Sozialisation zum alleswissenden Erklärbären besonders Teil der Ausbildung zum funktionierenden männlichen Gesellschaftsmitglied und wird durch den Anspruch gefördert, „echte Männer“ müssten zu bestimmten Themen (Technik etc.) spezielles Wissen besitzen. Aber es gibt Hoffnung! Erklärbärisches Verhalten kann durch intensive Selbstreflektion und jahrelanges Training überwunden werden! :)

Aus der 3. Ausgabe des Brav_a Zines.


5 Antworten auf “Erklärbärchen”


  1. 1 dodo 26. Oktober 2013 um 6:47 Uhr

    Kenn ich! Das ist die Sorte mit dem „Baby, ich erklär Dir die Welt“-Komplex

  2. 2 Derfy 26. Oktober 2013 um 10:09 Uhr

    Auch ein interessantes Verständnis von „Erklärbär“. Ich habe Erklärbär_in bisher so verstanden, dass Privilegierte von „den Anderen“ erwarten, dass letztere gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse und ihre Folgen erklären, bloß keine Wut und Emotionen zeigen, Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Privilegierten nehmen, und natürlich Nachfragen der Privilegierten – egal wie unsensibel, selbstbezogen und die Wahrnehmung der negativ von gesellschaftlichen Ungleichheitsverhältnissen in Zweifel ziehend sie auch seien – geduldig beantworten.

  3. 3 Yasmin 10. Januar 2014 um 8:28 Uhr

    Ja von diesen „Erklärbaren“ gibt es leider zu viele da draußen, vielleicht hat diese „Art“ ja sogar einen tieferen mir leider noch nicht bekannten Sinn auf dem Planeten. :)
    Was mich aber am meisten stört ist die Tatsache das die immer (wirklich IMMER) alles besser wissen, da werden dann die verrücktesten Storys als Erklärung gebracht, Hauptsache man(n) hat etwas geblubbert…

  4. 4 Valentina 12. Januar 2014 um 19:11 Uhr

    Was für ein sexistischer Quatsch. Ein Attribut wie männlich und weiblich für ein schlechtes Benehmen anzuwenden ist genau so daneben wie es Sexisten umgekehrt von dem anderen Geschlecht beanspruchen (Frauen sollen unterwürfig sein, Männer souverän usw.). Das räumst du noch selber sein, wenn du zugibst, dass Frauen sich gleichsam benehmen können. Deine „Begründung“ zu dem von Dir selbst geleisteten Widerspruch ist der nächste: Männer sollen einerseits zu Alleswissern ausgebildet werden und andererseits zu „bestimmten“ Themen Kenntnisse haben. Was denn nun: Alles oder doch bestimmt?

  5. 5 schokolade 13. Januar 2014 um 14:43 Uhr

    Wenn geschlechtsbedingte Sozialisiation keinen Einfluss auf Verhalten hätte, würde es dieses Blog und alle Sexismus-verursachte Probleme in dieser Welt nicht geben ;) Aber Sozialisation ist ja zum Glück nicht das Selbe wie Biologie, d.h. wie beschrieben sind ansozialisierte Verhaltensweisen auch abgewöhnbar.

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