Archiv für März 2014

Linkspam zum Equal Pay Day

Alle Jahre wieder, alle Jahre noch notwendig, bis die Ziele erfüllt sind: Equal Pay Day, heuer wieder am 21. März.

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Und, tadaaa, Deutschland belegt einen der „vorderen Plätze“: im Schnitt verdienen Frauen hier 22% weniger als Männer.

Liebevolle Link/Info-Zusammenstellung zum Beispiel bei der Mädchenmannschaft über Feminismus und Finanzen.

Frauenspezifische (Alters-) Armut, Bezahlung und zu welchen Bedingungen – gerade auch in der Prostitution ein Thema. Davon zum Beispiel erzählt „Maria“.

Am besten informiert/ausgestattet wird man natürlich bei equalpayday.de; lohnt sich generell, auf der Seite rumzuklicken!

Wie man die Gehaltswelt gerechter werden lassen könnte, versucht auch Sabine Hockling zu beantworten , mit schön übersichtlichen „To Do-Vorschlägen“.

In Österreich war der Equal Pay Day etwas früher, aber auch hier ist die Situation nicht schön; bei einer Parlamentsveranstaltung ist man sich immerhin auch einig, daß es an der sogenannten Teilzeitfalle alleine liegen kann.

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Wer noch mehr interessante Texte/Links entdeckt hat, kann sie ja gerne in die Kommentare posten.

rote tasche

Frauenbild in Indien

Der Standard interviewt die Ärztin P. Chandra über die wandelnden Lebensumstände, denen Frauen in Indien begegnen und knüpft dabei absolut interessante Verbindungen, zwischen Wirtschaft, Gesetz und Geschichte – viele Dinge, die Durchschnittseurpoäer_innen wohl gar nicht so klar sind.

Chandra: Es gibt keine Gefahr mehr zu verhungern. Die Frauen müssen nicht mehr auf dem Feld arbeiten. Das Einkommen ist gestiegen, und mit dem wirtschaftlichen Vorteil der Männer sind auch ihre Forderungen gestiegen. In einer Beziehung hat in Indien immer der Mann die letzte Entscheidung. Auch bei einer Abtreibung.

Es gibt aber nun eine neue Regelung, dass sich eine Frau nach zwei Kindern ohne die Unterschrift des Mannes sterilisieren lassen kann. Das ist bereits ein Fortschritt, denn normalerweise müssen Frauen sogar bei der Verwaltung ihres eigenen Einkommens den Mann fragen. Das hat insofern Auswirkungen auf das Familienbudget, als in armen Gebieten viele Männer ein Alkoholproblem haben. Vor allem seit dem Ende der Prohibition in Tamil Nadu im Jahr 1977 greifen viele Männer zur Flasche. Da bleibt oft nur sehr wenig Geld für Nahrungsmittel.

derStandard.at: Woher kommt dann der Eindruck, dass Frauen weniger wert sind?

Chandra: Eine alte indische Volksgruppe, die Draviden, hatten bereits gleiche Rechte für Frauen. Vielleicht spielt der Einfluss der Muslime aus dem Norden des Landes eine Rolle. Denn selbst wenn es im Hinduismus heißt, dass die Frau ihrem Mann zu folgen hat, steht nirgendwo etwas von Versklavung.

Lesen!

Die besten Wünsche zum 8. März vom Mädchenblog!

Flower Power?

Blumen sind superwundervoll und lebensbejahend und das alles, klar. Wer mag Blumen nicht (Allergiker*innen vermutlich)?
Warum sollte also nicht zu Geburtstagen, Jahrestagen, Valentinstagen, Muttertagen und Wasweißichnichtallestagen Blumen rumverschenkt werden? Blumen sagen: „Schön, dass es dich gibt“, „Du hast heute einen besonderen Tag“, „Ich will dir etwas schönes geben“. Zudem hat es sich durchgesetzt, dass Blumen vornehmlich als etwas gelten, dass man(n) Frauen schenkt.

Heute ist der „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“. Was bei vielen Menschen (Quelle: Freundeskreis, Facebook, Fernsehen) so viel heißt wie: Die Frau ™ und ihre Weiblichkeit ™ wird gefeiert. Und was bedeutet offenbar Frau- und Weiblichsein? Richtig: Schön (lies: normschön) sein, sich mit schönen Dingen umgeben und NOCH schöner werden und von NOCH schönerem umgeben sein.

Wie das? Na, mit Parfüm, Schokolade und Blumen!

In meiner Facebook-Timeline strotzt es nur so von Bildern mit Rosen, Tulpen und irgendwelchen anderen Blumen (ich habe ein sehr beschränktes Blumen-Wissen). Darüber so Sprüche wie „Glückwunsch an alle Frauen zum Frauentag“, „Wünsche allen Frauen einen schönen Frauentag“, „Habe heute von meinem Schatz zum Ehrentag meines Geschlechts Blumen bekommen“. Joa. Fein. Und nun? Können wir die Blumen jetzt (so Tuxedo Mask- mäßig) als Waffen gegen patriarchalische Verhältnisse einsetzen? Sind Lohnunterschiede besser zu ertragen, wenn wir dabei besser riechen?

Der heutige Tag soll verdeutlichen wie weit der Weg zur gleichberechtigten Gesellschaft noch ist und wie nötig es ist, dass sich deshalb Frauen* empowern und alle mit ihnen kämpfen. Doch was wird stattdessen getan? Wir feiern diesen Tag indem wir sie darauf reduzieren, was doch eigentlich hinterfragt werden soll. Indem wir den Sexismus reproduzieren, der doch überwunden werden soll. Indem wir ein Bild von Frausein als das scheinbar einzige „feiern“, obwohl es doch nur eine Möglichkeit von unzähligen ist. Indem wir eine Weiblichkeit feiern, ohne uns im Klaren darüber zu sein, dass diese überhaupt keinen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft hat. Und indem wir mittels der an die Frauen gerichteten Glückwünsche den Tag „den Frauen“ überlassen, obwohl es doch für alle Ziel sein sollte für Gleichberechtigung zu kämpfen.

Meine Empfindung, als ich all die Blumenposts auf Facebook sah, war: Hey, Frau, hier Blumen, halt die Klappe! Es hat etwas von einem Versuch der Besänftigung. Das ganze Jahr über werden sexistische Witze gerissen, schiefe Verhältnisse relativiert und dazu beigetragen, dass ich mich unwohl fühle und Kämpfen anschließen muss. Aber einmal im Jahr wird entweder so getan, als würden sich alle für den Kampf um Gleichberechtigung interessieren ODER der Versuch unternommen mit „Gesten“ Respekt zu zeigen, obwohl das Reduzieren dieses Tages auf jene „Gesten“ doch genau das Gegenteil impliziert.

Natürlich liegt das Problem nicht hauptsächlich im Umgang mit diesem Datum. Wie bei jedem symbolischen Tag, ist auch hier wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass es an jedem darum geht, etwas zu verbessern. Wenn aber „Tag für die Rechte der Frau“ gerufen wird und die Antwort „Parfüm, Schokolade und Blumen!“ lautet, dann ist das mindestens bittere Ironie, wenn nicht sogar eine sich selbsterfüllende Prophezeiung.