Flower Power?

Blumen sind superwundervoll und lebensbejahend und das alles, klar. Wer mag Blumen nicht (Allergiker*innen vermutlich)?
Warum sollte also nicht zu Geburtstagen, Jahrestagen, Valentinstagen, Muttertagen und Wasweißichnichtallestagen Blumen rumverschenkt werden? Blumen sagen: „Schön, dass es dich gibt“, „Du hast heute einen besonderen Tag“, „Ich will dir etwas schönes geben“. Zudem hat es sich durchgesetzt, dass Blumen vornehmlich als etwas gelten, dass man(n) Frauen schenkt.

Heute ist der „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“. Was bei vielen Menschen (Quelle: Freundeskreis, Facebook, Fernsehen) so viel heißt wie: Die Frau ™ und ihre Weiblichkeit ™ wird gefeiert. Und was bedeutet offenbar Frau- und Weiblichsein? Richtig: Schön (lies: normschön) sein, sich mit schönen Dingen umgeben und NOCH schöner werden und von NOCH schönerem umgeben sein.

Wie das? Na, mit Parfüm, Schokolade und Blumen!

In meiner Facebook-Timeline strotzt es nur so von Bildern mit Rosen, Tulpen und irgendwelchen anderen Blumen (ich habe ein sehr beschränktes Blumen-Wissen). Darüber so Sprüche wie „Glückwunsch an alle Frauen zum Frauentag“, „Wünsche allen Frauen einen schönen Frauentag“, „Habe heute von meinem Schatz zum Ehrentag meines Geschlechts Blumen bekommen“. Joa. Fein. Und nun? Können wir die Blumen jetzt (so Tuxedo Mask- mäßig) als Waffen gegen patriarchalische Verhältnisse einsetzen? Sind Lohnunterschiede besser zu ertragen, wenn wir dabei besser riechen?

Der heutige Tag soll verdeutlichen wie weit der Weg zur gleichberechtigten Gesellschaft noch ist und wie nötig es ist, dass sich deshalb Frauen* empowern und alle mit ihnen kämpfen. Doch was wird stattdessen getan? Wir feiern diesen Tag indem wir sie darauf reduzieren, was doch eigentlich hinterfragt werden soll. Indem wir den Sexismus reproduzieren, der doch überwunden werden soll. Indem wir ein Bild von Frausein als das scheinbar einzige „feiern“, obwohl es doch nur eine Möglichkeit von unzähligen ist. Indem wir eine Weiblichkeit feiern, ohne uns im Klaren darüber zu sein, dass diese überhaupt keinen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft hat. Und indem wir mittels der an die Frauen gerichteten Glückwünsche den Tag „den Frauen“ überlassen, obwohl es doch für alle Ziel sein sollte für Gleichberechtigung zu kämpfen.

Meine Empfindung, als ich all die Blumenposts auf Facebook sah, war: Hey, Frau, hier Blumen, halt die Klappe! Es hat etwas von einem Versuch der Besänftigung. Das ganze Jahr über werden sexistische Witze gerissen, schiefe Verhältnisse relativiert und dazu beigetragen, dass ich mich unwohl fühle und Kämpfen anschließen muss. Aber einmal im Jahr wird entweder so getan, als würden sich alle für den Kampf um Gleichberechtigung interessieren ODER der Versuch unternommen mit „Gesten“ Respekt zu zeigen, obwohl das Reduzieren dieses Tages auf jene „Gesten“ doch genau das Gegenteil impliziert.

Natürlich liegt das Problem nicht hauptsächlich im Umgang mit diesem Datum. Wie bei jedem symbolischen Tag, ist auch hier wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass es an jedem darum geht, etwas zu verbessern. Wenn aber „Tag für die Rechte der Frau“ gerufen wird und die Antwort „Parfüm, Schokolade und Blumen!“ lautet, dann ist das mindestens bittere Ironie, wenn nicht sogar eine sich selbsterfüllende Prophezeiung.


14 Antworten auf “Flower Power?”


  1. 1 dodo 08. März 2014 um 18:12 Uhr

    Absolut notwendiger Text, danke.
    Ich weiß genau, was Du meinst!

    Auf der Suche nach einem coolen Bild für obigen Blogeintrag bin ich auf ganz Übles gestoßen. Ca. 80% rosa/pastellfarbener Kitsch. Oft auch noch Murks wie „Frauen sind wertvoll für die Welt, denn sie sind zärtlich, fürsorglich, geduldig und gefühlvoll. Danke dafür & schönen Frauentag!“ und ähnlicher Kackscheiß.

    Aber zu den Blumen: mein Vater hat an Muttertag und am Frauentag allen Frauen der (engeren) Familie Blumen geschenkt (d.h.; Mama, Oma, Dodo). Das fand ich toll (ich krieg sonst nie Blumen), vor allem auch an Muttertag, daß da das „Blumenkriegen“ nicht vom „Kindergerkriegthaben“ abhing (ich hab ja auch immer Blumen gekrigt und bin bis heut nicht Mama).
    Nur: das alles hatte einen anderen Kontext. Nämlich den im Sinne von, ich sag mal „Heut ist ein Tag, mal dran zu denken, wow, was Frauen alles erkämpft haben! Schaut Euch das an, seid Stolz drauf und lehnt Euch heut zurück und genießt die Früchte!“
    Blumen als Zeichen der Wertschätzung halt.
    Das ist ja eh der zentrale Gedanke vom Blumenschenken, nehm ich an. Aber wenn wir bei Wertschätzung sind, ist da auch die Frage, welche Werte der Blumenschenkende schätzt/zu schätzen weiß.

    (Mein) Fazit: Am Frauenkampftag Blumen am besten nur in explizit antisexistischem Kontext schenken. (Sollte eigentlich jedem Tag verständlich sein, aber egal…)

  2. 2 die schirmherrin 08. März 2014 um 19:36 Uhr

    Danke Dodo,

    interessanter Sichtweise. Auf jeden Fall möchte ich niemandem das Blumenschenken oder das Blumengeschenktbekommen absprechen. Ich finde deine Geschichte dazu sehr cool, und wenn man sowas noch dazu sagt, hat es sicher eine andere Wirkung.
    An der Stelle merkt man (zum Glück!) auch mal wieder wie wenig es „das Richtige“ gibt.

    Danke für deine Gedanken! :)

  3. 3 dodo 09. März 2014 um 0:02 Uhr

    Ja sicher, war mir klar, daß Du das niemandem absprechen willst haha. Aber „Blumen schenken“ ist schon so super klischee sexistisch belegt und wenn einem das derart aggressiv entgegenspringt wie heut, muß man/(frau heh) das kommentierenn

  4. 4 Gabi 10. März 2014 um 9:55 Uhr

    Komisch, ich assoziier mit rosa-hintergrund und dem titel „mädchenblog“ irgendwie dasselbe wie blumenposts am frauentag…

    Wir stecken vermutlich alle mehr oder minder im gesellschaftskorsett fest

  5. 5 grüneGeranie 10. März 2014 um 12:10 Uhr

    Find es etwas schade, dass hier nicht daran gedacht wurde, dass (Schnitt)Blumen als Wertschätzung ggü einer Frau* (wahrscheinlich bekommen Männer* nur Blumen geschenkt, wenn sie im Krankenhaus oder Altenheim liegen oder einen Geburtstag im oberen zweistelligen Bereich feiern) fast immer bedeuten, dass eine andere Frau* in der Produktion ausgebeutet wurde.
    Von dem Umweltaspekten (Wasserverbrauch) mal ganz abgesehen.
    Besser wärs sich Topfpflanzen zu schenken, und wenn es Kräutertöpfe sind, dann kann man sie auch noch essen! :x

  6. 6 crazysexycool 10. März 2014 um 19:13 Uhr

    ich finds auch blöd, wenn das immer mehr wie muttertag gefeiert wird.
    aber… ist ja bei anderen sachen (nich blumen) auch so, sind ja viele dinge sexistisch konnotiert (du hast ja auch schokolade schenken erwähnt z.B., aber auch andere sachen, wie die filmszenen, in denen die hauptdarstellerin ein päckchen kriegt und irgendein abendkleid ist drin, das sie bitteschön tragen soll. hab mich immer gefragt, wie die immer die perfekte Größe erraten.)
    aber wie die kommentare ja zeigen, kommt es immer! auf den kontext an, Wer das schenkt und wie.

    und andersrum gedacht, konnte man sagen, dass der fehler da liegt, das der frauentag aus dem kontext gerissen wurde, also dass der kontext des frauentags (die geschichte, ursprünge,…) heutzutage ignoriert wird.
    vielleicht gibts da eine einfache selbst-kontrollfrage: „würden sie diese karte/geschenk auch rosa luxemburg/… in die hand drücken?“ haha

  7. 7 c-ut 10. März 2014 um 22:52 Uhr

    pflanzen mal ganz anders – fand ich ziemlich skurril:
    http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/art23652,990980

  8. 8 Jun 11. März 2014 um 14:23 Uhr

    hm, was mir halt immer aufstößt ist dieses – wie eh schon geschrieben- Gefühl von Besänftigung. Frauentag ist und endlich (!!) werden so ein bisschen die Ungerechtigkeiten aufgezeigt- dann halt die Frauen still mit Blumen? Örghs. Nein.

    Außerdem- muss ich durch eine Sache Wertschätzung ausdrücken? Kann das nicht mal ernsthaft verbal geschehen?

  9. 9 Sophie 11. März 2014 um 16:25 Uhr

    Hah, das erinnert mich daran, wie ich letzte Woche auch am liebsten in den Tisch gebissen hätte.
    Da war eine E-Mail von Amazon in mein Postfach geflattert, in der sie groß ankündigten, dass ja demnächst Weltfrauentag sei und sie deshalb natürlich auch eine Aktion machen. Und was gab’s? Das gesammelte Werk von Simone de Beauvoir, die Biografie von Clara Zetkin? Nö, Prozente auf Kosmetikartikel. Na, schönen Dank auch.

    PS: Oh, das ist eine gute Kontrollfrage, crazy. Wobei ich mich frage, ob Rosa Luxemburg überhaupt irgendwelche Karten oder Geschenke anlässlich des 8. März annehmen würde. *schmunzel*

  10. 10 mk 11. März 2014 um 18:20 Uhr

    Ach, die armen Blumen. Lasst sie leeeben! :)

  11. 11 Daisy 12. März 2014 um 10:03 Uhr

    Beim Schenkn ganz allgemein kommt’s ja schon drauf an, werwemwaswiwarum und so schenkt… und das kann immer sexistisch konnotiert sein, aus Gedankenlosigkeit oder weil der/die Schenkenden halt sexistisch sind oder… puh.

    Ich selbst wäre ja schon froh, hätte in meinem Umfeld außer mir irgendwer von sich aus überhaupt gewusst, daß am 8. März Frauentag ist (geschweige denn, was er bedeutet usw)!
    Aber woher auch, wer das nicht gerade durch Zeitung oder Radio mitkriegt, wenn wer nicht interessiert/betroffen ist.
    In der Schule haben wir das nur nebenbei gelernt. Dabei hätte es sich doch eigentlich fächerübergreifend angeboten, irgendein 8. März ist bestimmt ein Schultag. Wenigstens Infozettel oder so…

  12. 12 Herr* Dummkopp 07. April 2014 um 17:06 Uhr

    @ Sophie:

    Mir fehlen dazu die Worte. :-w

  1. 1 Happy Muschi-Day! | MUSCHIMIEZE Pingback am 10. März 2014 um 11:03 Uhr
  2. 2 Wohin verschwindet die Zärtlichkeit? › Digital Diary - Vom Sinn des Lebens zum Buchstabenglück Pingback am 11. März 2014 um 12:29 Uhr

Antwort hinterlassen

:) :( :d :"> :(( \:d/ :x 8-| /:) :o :-? :-" :-w ;) [-( :)>- more »

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


zwei + neun =