Rot. Oder doch blau?

Da war dieser Junge in dem Laden.

Die Schlange vor der Kasse war vergleichsmäßig lang, so lauschte ich diversen Gesprächen. Eines fand sofort mein Gehör, in dem eine Mutter einem Jungen einen Wunsch ausschlug. Normalerweise sollte man darüber keine Zeilen verlieren, allerdings war die Ausgangssituation sowie deren Verlauf nicht einer „gewöhnlichen“ Situation untergeordnet. Er wollte dieses rote Bändchen haben. Für seinen Arm. Die Antwort der Mutter: so etwas trägen lediglich Mädchen, und vor allem sei die rote Farbe ein Sinnbild des Femininen, so habe ihr Sohn sich von jenem fernzuhalten, um dort eine Grenze zu ziehen.

Diese Situation fungiert als Beispiel einer gesellschaftlichen Problematik, in der wohl nicht-verletzend gemeinte Richtlinien und Grenzen langfristig eine indirekte Transphobie und Diskriminierung nach sich zieht. Daß die blaue Farbe des Männlichen verpflichtend und die rote dem Weiblichen, mag der historische Konnotation geschuldet, jedoch dient diese Farbdiskriminierung nicht der Entwicklung eines Individuums. Die Aussage, es gäbe geschlechtsspezifische Farben, ermöglicht den jungen Mitmenschen keine gesunde Reflexion und schadet so der Entwicklung, auch die Persönlichkeit, da ein starres Verharren auf das Männliche und das Weibliche zerstörend wirken kann. Denn: primäre Geschlechtsmerkmale sind nicht gleichzusetzen mit der Geschlechtsidentität.

Nur weil wer im Stehen urinieren kann, heißt das nicht auch, daß sich dieser Mensch seiner Somatik bewußt, nein, das identitäre läßt sich nicht auf ein paar körperliche Merkmale erahnen, auch sollten sie nicht einer Richtlinie gleichen, fürwahr, auch die primäre Geschlechtszuweisung kurz nach Geburt mag eine bürokratische Konsequenz haben, doch was ist ein Junge, was ist ein Mädchen im exakten? Gibt es überhaupt Unterschiede? Diese ja, doch sind sie den Klischees identisch? Eher weniger. Die Frage läßt sich nicht auf einen Nenner herunterbrechen, da eine Identifikation mit einem starren Duktus stets eine Grenze ziehen wird. Diese Herangehensweise läßt „fließende Übergänge“ nicht zu, somit werden Menschen gezwungen, sich einem „Geschlecht“ zuzuordnen. Derweil solch Krisen psychisch relevante Tiefpunkte zur Konklusion hätten, auch der gesellschaftliche Umgang steht dem konträr, der eigenen Regel wegen.

Die Gesellschaft hat ganz klare Regeln, wer ein Junge, wer ein Mädchen ist. Diese Regelung erscheint aber plakativ und läßt das psychische Wesen außen vor, was zur Folge hat, daß dadurch eine „Abnorm“ definiert wird, welche im psychiatrischen Sinne eine „Erkrankung“, in der Regel eine „Geschlechtsidentitätsstörung“ nach sich zieht. Aber wieso? Wo ist hier eine Störung im originären Sinne enthalten? Denn eine Identitätsstörung ist in jenem Kontext eben nicht vorhanden, die Problematik liegt bei der Außenwelt. Die Akzeptanz. Das verlassen doktrinärer Begrenzungen. Mann, Frau…was ist das schon. Diese Begriffe dürfen nicht die Identität eines jeden Einzelnen stutzen.

In diesem Sinne: Muß alles einen Namen haben? Kann man nicht einfach Mensch sein? Ohne die Nachfrage nach dem Geschlecht? Ja, man mag das biologisch im sexuellen Kontext beantwortet wissen, doch genau hier liegt auch der historische Fehler, der diese Diskrepanz weiter fördert: Nur eine Frau könne gebären. So heißt es. Doch ist jeder Mensch, mit einer Gebärmutter, auch zwangsläufig eine Frau? Nein.


Antwort hinterlassen

:) :( :d :"> :(( \:d/ :x 8-| /:) :o :-? :-" :-w ;) [-( :)>- more »

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


drei − = eins