X (Dritte Option)

Fühlst Du Dich weiblich? Fühlst Du Dich männlich?

Zwei Fragen, welche primär wohl nichts außergewöhnliches sein mögen, doch breche man das tradierte Verständnis derer auf, vermag sich dahinter eine Kategorisierung zu verbergen, die Identitäten gleichsetzt. Diese zwanghafte Einordnung wird schon bei der Geburt vollzogen, in der ein blaues oder ein rosa Bändchen veranschaulichen soll, daß dieses Kind nun männlich oder weiblich ist. Die Frage ist allerdings: läßt sich das anhand von primären Geschlechtsmerkmalen festmachen? KritikerInnen kommen gerne mit dem Argument, daß die Geschlechtszuweisung rein biologischer Konnotation geschuldet ist, und sie nicht mit der sexuellen Identität gleichzusetzen wäre. Doch das ist ein Trugschluß, was den KritikerInnen selbst nicht klar zu sein scheint. Dafür müßte man erst einmal in Erfahrung bringen, was die Kriterien für eine Weiblichkeit und eine Männlichkeit wären, was allerdings äußert schwierig ist. Dabei ist es nicht damit gesagt, daß jeder Mensch, wer eine Gebärmutter hat, sei weiblich, und jeder Mensch, wer einen Phallus besitzt, wäre der Männlichkeit zuzuordnen. Die eigentliche Weiblich- und Männlichkeit unterliegt einem soziologischen Prozeß, welche Regeln etabliert, die es nur schwer zu brechen gilt, welche allerdings gerade die Einordnung zementiert und einen Individualismus schwer zuläßt, was sich in Diskriminierungen widerspiegelt. Dabei möchte ich noch gar nicht transsexuelle oder auch intersexuelle Menschen ansprechen; die Bindung, der „fließende Übergang“ zu den zwei Geschlechtern ist kaum mehr zu definieren, da einerseits die Grenzen in selbst definierter Regel sich anpassen, andererseits sie sich der Starrheit unterworfen, um so eine Abgrenzung zu schaffen. Dabei kann man einen schnellen, leichten Selbsttest machen, in dem man sich fragt, was man unter Weiblich- resp. Männlichkeit versteht; die meisten Antworten würden sich um Erscheinungsbilder drehen, und in diesem Kontext auch schon eigene Kategorien erschaffen, was das ganze Konzept der Zweigeschlechtigkeit ad absurdum führt. So werden lesbische Frauen, geben sie sich fern der von Gesellschaft zementierten Weiblichkeit, gerne als „maskulin“ angesehen, ihnen wird in dem „Vorwurf“ nun eine geformte Weiblichkeit genommen. Denselben Effekt haben wir bei schwulen Mitmenschen, die sich „feminin“ verhalten, ihnen somit eine Männlichkeit abgesprochen wird.

Das führt zu der Überlegung, ob das primäre Geschlecht nun eine Verbindung mit der sexuellen Orientierung hat, was von KritikerInnen gerne abgelehnt wird, doch genau mit dieser Argumentation erfüllen sie gerade jene Punkte, welche sie zu verneinen versuchen. Auch der mediengesellschaftliche Konsens will uns gerne erklären, daß sich die Homosexualität indem Sinne doch von der Heterosexualität unterscheidet, in jenem Kontext der individualistischen Selbstpräsentation. Mit diesem Punkt kommt die Zweigeschlechtigkeit schnell an ihre Grenzen und versucht, die eigenen Gesetze zu manifestieren, um die „Außenseiter“ stärker an eine Rolle zu binden. Dies macht besonders transsexuelle Menschen zu schaffen, zumal hier beachtet werden muß, daß hier primär die sexuelle-innere Identität konträr des primären Geschlechts läuft, dies allerdings nicht heißen muß, daß man jene Rolle auch absolut annehmen möchte, womit wir bei der Situation wäre, daß sich ein Phänomen formt, bei dem ersichtlich wird, daß sich die starre Fixiertheit auf zwei Geschlechter nicht mehr erklären läßt und man sich womöglich gar nicht in eine Rolle pressen möchte, da sie mit der Identität nicht kohärent agiert. Man könnte als Reaktion, so die reaktionäre Methode, die Weiblich- und Männlichkeit noch mehr definieren und klare Regeln, so auch Abgrenzungen setzen, um solchen Menschen eine „Möglichkeit“ zu geben, sich nun doch einzufühlen, wobei das einer Diskriminierung gleicht, da hier die freie Entfaltung eingeschränkt wird. Dabei darf dieses nicht nur auf die Transsexualität angewandt werden; das langfristige Unterfangen ist es, die Weiblich- und Männlichkeit im soziologischen Kontext zu brechen und dem Menschen die Entscheidung, der Identität, selbst zu überlassen, als was er oder sie oder x sich sieht. Daher ist es ein notwendiger Schritt, die Option X einzuführen, um den Leuten, welche in ihren eigenen Verwirrung gefangen, die Hand zu reichen. Diese Option hilft auch intersexuellen Menschen, die bei der Geburt wohl am schlimmsten in eine Kategorie gepreßt wurden, denn im Kern haben die primären Geschlechtsmerkmale keinerlei Aussagekraft über die Identität.

Die Regel will wohl so, daß sich die meisten wohl fühlen, sowohl geschlechtlich wie soziologisch, allerdings heißt das nicht im Umkehrschluß, als jene Menschen zu ignorieren, zu diffamieren oder auszulachen, welche sich weder männlich noch weiblich, oder doch beides fühlen. Das simple X schafft einen Wall, Diskriminierungen vorzubeugen und den Menschen zu sagen: ihr seid nicht falsch. Ich möchte an dieser Stelle den Konzern facebook loben, welcher vor Wochen die Möglichkeit einführte, Personen die Möglichkeit zugeben, ihre sexuelle Identität so anzugeben, wie es ihrer gleicht. Und das ist dabei keine Kriegserklärung an weibliche oder männliche Charakteristiken, obschon ich eine Kritikerin derer bin, da sie zu variabel und gleichermaßen fixiert agitieren. Die Dritte Option ist ein wichtiger Schritt, die Gesellschaft dahingehend zu sensibilisieren, als daß man aufkärt, daß, alsbald Du dich äußerlich nicht mehr so kleidest oder präsentierst, wie es die Gesellschaft eigentlich definierte, Du deine sexuelle Identität nicht leugnest. Im Gegenteil – der Individualismus macht sie erst komplett. Dies gilt für alle Menschen. Für Hetero,- Homo- und Bisexuelle, sowie auch für Cis- wie Transgender.


2 Antworten auf “X (Dritte Option)”


  1. 1 utrumque 25. März 2015 um 14:44 Uhr

    hallo femelle,

    also ich bin mir nicht recht sicher, welche position du nun genau vertrittst: ist zweigeschlechtlichkeit ein soziales (nicht soziologisches) zwangssystem, unter dem menschen zu leiden haben? oder dessen kritik doch nur ein fallstrick, dem deren vertreter*innen erliegen und du bietest irgend eine neue zugangsmöglichkeit (vielleicht realpolitisch?) an, um den queertheoretiker*innen beizuspringen, die deines erachtens ihre kritk ungenügend reflektiert haben? was sie – wir – meines erachtens eigentich nötig haben, ich gewinne im artikel den eindruck, du hast den clou der queer politics als kritik am zwangssystem zweigeschlechtlichkeit/heterosexualität nicht tiefergehend erfasst.

    das x ist zunächst einmal eine option, die 2011 nur in australien und nur für reisepässe eingeführt wurde. seit 2014 ist es auf eine klage von noririe may-welby ist es gar möglich, sich behördlich als non-specific eintragen zu lassen. was das nun für ‚die gesellschaft‘ bedeutet, wenn auf einer vom ‚globalen norden‘ maximal räumlich entfernten ort eine dritte option für den geschlechtseintrag eingeführt wird, wer oder was ‚die gesellschaft‘ überhaupt sein soll und inwiefern das deiner meinung nach ‚unsere‘ region der erde beeinflussen könnte, bleibt mir schleierhaft. ich hätte mir ja bspw. gewünscht, dass du auf die berechtigterweise kritisierte (weil reifizierend!!) änderung des PStG in der BRD eingehst und daran erläuterst, welchen mehrwert (oder eben nicht) du darin siehst?

    insgesamt leistest du aus meiner sicht mit einem solchen schwammigen und teils gegen queer sich unsolidarisch lesenden artikel einen bär[_inn]endienst.
    aber vielleicht kannst du deine absicht mit dem artikel ja in einer antwort auf diesen kommentar noch einmal klarer machen.

    was bspw. meinst du mit dem abschnitt
    Das führt zu der Überlegung, ob das primäre Geschlecht nun eine Verbindung mit der sexuellen Orientierung hat, was von KritikerInnen gerne abgelehnt wird, doch genau mit dieser Argumentation erfüllen sie gerade jene Punkte, welche sie zu verneinen versuchen.
    denn nun genau? was genau ist deines erachtens das, was queer theoretiker*innen hier vergessen und reflektieren sollten? was ist der mehrwert deiner kritk?

    mir ist vollkommen unklar, wie eine kritik, die die negativen folgen der heterosexuellen matrix (also die zwangsweise verbindung von geschlecht und sexualität, wie du sie beschreibst) für nicht-hetero, nicht-cisgeschlechtliche menschen herausstellt, reifizierend (also die normen verfestigend, sie reproduzierend) wirken kann? diese kritik geht ja eben einher mit dem hinterfragen normativer kategorien und geschlechterrollen.

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