Pickup-“Artists“, wo ist Eure Würde?

Eigentlich wollte ich nur femelles Beitrag zu Pick-Up Artists kommentieren, aber ich wollte diesen Trend dann doch mal grundsätzlicher angehen…

Ich denke, es gibt immer verschiedene Ebenen der Manipulation im Umgang miteinander. Wenn ich etwas von jemandem will, versuch ich ihn natürlich in gute Stimmung versetzen statt ihn anzukacken. Auch Flirten ist schon in gewisser Weise Manipulation in eine eindeutige, unplatonische Richtung.
Auch unbewußt macht man das ständig (sich beleidigt zurückziehen, wenn man abgewiesen wird).
Und auf einer gewissen Ebene ist das ja auch okay. Und Menschen zu manipulieren/beeinflussen, das trainieren viele bewußt, von PR-Leuten bis hin zu Psychologen.
Die Frage ist, wie man damit umgeht. Und zwar, ob man sich dabei stets bewußt ist, daß man nicht nur ein „zu manipulierendes Gegenüber“ vor sich hat, sondern einen Menschen, ein Individuum.
Das bedeutet zum einen, daß man Rücksicht auf dessen Befinden nimmt und dabei respektvoll miteinander umgeht. Und eben, daß es sich dabei um ein kompliziertes Individuum hadelt, das nie wirklich so „funktioniert“ wie im „Lehrbuch“.

Und da sehe ich das Problem bei den Pickup-Heinis. Da geht es nicht um wie auch immer geartete Zweisamkeit und gegenseitigen Respekt, da gibt es nur das ICH und das „wie kann ICH erreichen, was ICH will“ statt die andere Person als Individuum körperlich und psychisch neugierig zu erforschen. Da ist die Frau nur ein austauschbares Objekt – ob’s jetzt die eine geile Tussi ist oder die andere, die halt gerade „williger“ ist, so what.
Stattdaß eine geile Zweisamkeit, etwas „neues“ kreiert wird, verweigert man sich jeglichem Interesse an der individuellen Person, die man da vor/unter/über sich hat. Da soll frau sich dann wertgeschätzt fühlen und beim Sex alles geben? Ich lach mich tot… das merkt die Frau doch, wenn sie halt eine zum Abhaken ist – und wenn sie eh dazu „überredet“/manipuliert werden mußte… ja, dann ist der Sex halt auch entsprechend… zum „Abhaken“, was soll frau sich da besonders engagieren…
Also ich bezweifle stark, daß irgendwer auf diese Art zu richtig gutem Sex kommt.
Und ich halte diesen Blödsinn nicht nur für die betroffenen Frauen für gefährlich, weil man sie de facto behandelt wie austauschbare Modelle einer lebendigen Fickpuppe. Und ja, Frauen machen auch so einen Manipulationsscheiß, der Grenzen überschreitet. Und das finden diese Typen so supi, daß sie das jetzt auch machen müssen – auch noch in Kursen…, weil so eine Masche ja ganz prima zu sexueller Befreiung führt oder was…??
Leute, SO wird’s doch nichts mit dem Selbstbewußtsein. Das ist eher Selbsthaß an Frauen ausleben, vom Gefühl her eine Stufe vorm Heiratsschwindler, nur daß es nicht um Geld, sondern um Egobefriedigung geht, das ist doch ärmlich… den Kursteilnehmern wird Kohle dafür abgenommen, um ihnen das unreife Sexualverhalten eines berechnend-notgeilen 17jährigen beizubringen, das sie in ihren Teenagerjahren offenischtlich irgendwie verpaßt haben.
Diese unreife Einstellung „Ich bin nur was wert, wenn ich möglichst viele scharfe Weiber rumkrieg“ macht das Selbstwertgefühl doch wiederum immer noch abhängig von – Frauen. Wie bei Frauen, die meinen, sie seien nur etwas wert, wenn sie von möglichst vielen Typen angehimmelt werden. Auf dieses Niveau wollt Ihr? Ernsthaft?
Da gibt’s doch (drehn wir’s mal um) in Russland diese Kurse für Frauen, wo ihnen beigebracht wird, wie man sich stylen/verhalten/blahblubb muß, um sich irgendeinen reichen alten Knacker zu sichern. Dasselbe in grün.
Und sowas soll dann selbstbewußt und würdevoll sein? Wirklich?


7 Antworten auf “Pickup-“Artists“, wo ist Eure Würde?”


  1. 1 blablabla 28. Dezember 2014 um 18:20 Uhr

    Zum einen wird hier ein konservatives Beziehungsmodell propagiert. Das bevorzugen nicht alle Menschen. Es sind nicht nur Männer, die schnelle, austauschbare Sexbeziehungen langfristigen Bindungen vorziehen.
    Außerdem glaube ich, die Autorin kennt sich sehr schlecht mit der Szene aus. Die Frage bei Manipulation ist ja ersteinmal, ob die auch wirkt. Das glaube ich fast nicht. So wie ich die Szene sehe, kommen da Männer zusammen, die an ihrer Einsamkeit verzweifeln. Und das sind auch nicht unbedingt die, die 2000 € für einen Workshop zahlen.

  2. 2 dodo 28. Dezember 2014 um 19:30 Uhr

    Darf ich fragen, wo hier konservative Beziehungsmodelle propagiert werden? Denn mit denen komm ich persönlich in etwa so gut klar wie mit der pickup szene.

  3. 3 Herr* Dummkopf 02. Januar 2015 um 18:42 Uhr

    dodo, Du schreibst wiedereinmal genau das was ich zu dem Thema gedacht habe. Und dann auch noch in guter Form. :)

  4. 4 SomeOne 08. Januar 2015 um 8:57 Uhr

    „Da geht es nicht um wie auch immer geartete Zweisamkeit und gegenseitigen Respekt, da gibt es nur das ICH und das „wie kann ICH erreichen, was ICH will“ statt die andere Person als Individuum körperlich und psychisch neugierig zu erforschen.“

    Ich empfehle ja immer „Fiese Kerle“ oder die Orginalversion „Confessions of a Pickup Artist Chaser“ von Clarisse Thorn. Sie baut darin auch eine schicke Taxonomie von PUAs, die klar macht, daß die meisten halt nur Leute sind, die mal The Game gelesen haben, um eine Freundin zu bekommen und sich auch nicht mehr so nennen, wenn das mal geklappt hat. Ich glaube ihrer Schätzung nach waren die, die das so machen wie Du beschreibst, bei 10% oder so.

    Und was die Bestätigung durch viele Frauen betrifft – viel mehr Aspekte, die einem die Männlichkeit bestätigen können gibt’s doch nicht mehr. Keine Bären zu jagen, Frauen versorgen sich selbst, und vaginale Orgasmen sind maximal draufgabe. Männlichkeit war schon immer mehr kulturelles Konstrukt als Weiblichkeit. Und jetzt ist das Konstrukt eben ein Nebelschleier, kein Wunder aus meiner Sicht, daß mann sich da auf die statistischen Essentials besinnt.

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