Pick-Up-Artists als maskulinistische Erscheinungsform

Das linke Magazin „konkret“ hat in seiner ersten Ausgabe des neuen Kalenderjahres die Pick-Up-Artists, die schon bereits hier zweimal besprochen wurde, auseinandergenommen und einen radikalen Schritt begangen. Die zuständige Autorin Iris Dankemeyer, welche das sexistische Phänomen unter dem Titel „Pannendienst“ beschrieb, interpretiert die Methodik nicht als Aufruf zur Vergewaltigung, sondern als Gebrauchsanleitung eines Amok. Den Männern wird in den Kursen beigebracht, daß die primären Emotionen kontraproduktiv und mittels bestimmter Taktiken, wie das Freeze-Out, der Wille der Frau manipuliert werden kann und soll, um an die Früchte zu gelangen, welche gepflückt werden möchten. Dabei, und das hat Iris Dankemeyer richtig erkannt, ist das „Projekt“ von Julien Blanc lediglich eine Personifizierung der eigentlichen Ungleichheit der Gesellschaft, in der die Schnellebigkeit und der ständige Leistungsdruck sich auch auf das Sexualleben auswirkt. Der gegenwärtige Sexismus, welcher in seiner modernen Auslebung meist einseitig agiert, die Frau betreffend, provoziert ein Bild, in der die Frau als etwas gepriesen wird, das als Ziel unerreichbar scheint und durch modische Attribute sexualisiert wird, derweil konservative Medien und Privatpersonen häufig skandieren, eine Frau habe mit der Wahl der Kleidung auch eine Mitverantwortung, falls es zu einem Übergriff kommt. Daß es nun gerade auch Kurse gibt, welche dieses Denken schulen und als ein regulären Bestandteil der Gesellschaft manifestieren soll, offenbart die eigentliche Reichweite, welche diese Problematik umspannt. Der Reiz des Sex‘ wird immer häufiger bagatellisiert und der Mann wird als ein „Jäger“ degradiert welcher nur dann Respekt von Gleichgesinnten erhalten wird, wenn sich seine Liste individuell füllt.

Dabei bedarf es nicht zwingend eines Kurses, welcher sich in Form der Pick-Up-Artists als irrationale Konsequenz etablieren möchte.

Die Gefühle des menschlichen Wracks müssen entkeimt, die Libido muß desinfiziert werden.

schreibt Dankemeyer. Der Sexualtrieb jener Menschen, die sich von Julien Blanc leiten lassen, läßt sich auf einen Punkt herunterbrechen: es geht, wie dodo auch schon erkannte, einzig darum, den Trieb zu befrieden, um eine Unsicherheit zu überspielen. Denn, wer glaubt, durch diese Taktik können Beziehungen entstehen, irrt. Es ist im Kern ein Übergriff und eine Verachtung vor der Weiblichkeit. Ein weiterer Hintergrund mag auch die gefährliche Fehleinschätzung sein, daß der Feminismus die Männlichkeit zerstören möchte respektive einen einseitigen Krieg entfachten würde. Verwirrte und orientierungslose Männer sehen in den Kursen eine Chance, einen Teil der Selbstidentifikation wieder zu erlangen, um einem hierarchischen Bild zu gleichen, welches es schon längst zu überholen gilt. Durch das Selbstbewußtsein der Frau vermag der unsichere Mann eine Niederlage sehen, derweil es sicher auch Menschen gibt, welche eine Wut entwickeln, die irrationaler Natur gleicht. Maskulistische Organisationen und Parolen stärken das Feindbild Frau und sehen es als Pflicht an, ein reaktionäres Weltbild zu erkämpfen. Die Aufgabe der Pick-Up-Artists respektive der Seminare besteht nun darin diesen Kampf zu gewinnen. Daß dabei weder der Frau noch dem Mann geholfen wird, scheint kurzfristig gesehen irrelevant, aber es ist nachwievor ein gefährlicher Akt, der der Einschätzung Dankemeyers sehr nahe kommt. Verwirrte Männer, welche sich durch antifeministische Propaganda instrumentalisieren lassen, mögen keine potentielle Vergewaltiger sein, dennoch ist diese Entwicklung besorgniserregend und spätestens das Aufkommen der Pick-Up-Artists sollte einen Dialog starten, wie diese Unsicherheit und der erstarkte Antifeminismus bekämpft werden kann. Es ist ein richtiger und wichtiger Schritt, Julien Blancs Seminare zu boykottieren und jene Kurse radikal zu kritisieren, allerdings ist der Kampf dadurch noch lange nicht gewonnen, denn er eröffnet eine Pforte, welche sich über Jahre entwickelte und festigte. Denn nichts anderes ist das: das Freeze-Out ist ein Kampfmittel. Die Frau kann dadurch nur verlieren.

Die wichtigste Aufgabe wird es sein, den weiteren Strömungen, welche sich zwangsläufig aus dem Maskulinismus entfalten werden, zu begegnen und zu analysieren.

Und ich halte diesen Blödsinn nicht nur für die betroffenen Frauen für gefährlich, weil man sie de facto behandelt wie austauschbare Modelle einer lebendigen Fickpuppe.

schrieb dodo im letzten Beitrag. Und dieser Satz bringt die Problematik auf einen gemeinsamen Nenner. Gleichwohl viele die Gefahr dieser Entwicklung primär bei den Frauen sehen, werden auch die Männer langfristig gesehen einen Schaden dadurch erleiden. Die Kampferklärung an das andere Geschlecht auf sexuellem Wege scheint ein weiterer Versuch zu sein, den Feminismus als etwas zu enttarnen, was er nicht ist, von FeindInnen aber gerne interpretiert werden, um die eigene populistische Propaganda zu unterfüttern. Als letztes ein weiteres, zusammenfassendes Zitat aus dem konkret-Artikel:

All das hat weder mit Liebe noch mit Sex zu tun, sondern mit der Trockenlegung weiblicher Sexualität und der Abschaffung männlicher Phantasie.

Wer Sex mit Gewalt zu erzwingen versucht, wird ihn langfristig abschaffen und zerstören.


15 Antworten auf “Pick-Up-Artists als maskulinistische Erscheinungsform”


  1. 1 Christian 02. Januar 2015 um 20:16 Uhr

    „All das hat weder mit Liebe noch mit Sex zu tun, sondern mit der Trockenlegung weiblicher Sexualität und der Abschaffung männlicher Phantasie.“

    Klar hat es mit Sex zu tun. Und es kann natürlich auch mit Liebe zu tun haben. Trockenlegen will frauen dort niemand, ganz im Gegenteil.

    Der „Freeze Out“ ist übrigens ein Mittel, welches direkt aus dem weiblichen Fundus übernommen worden ist. Den Schweigen und Nichtbeachtung ist insoweit ein Mittel, welches viele Frauen gern einsetzen

  2. 2 femelle 02. Januar 2015 um 21:27 Uhr

    @Christian

    Das kommt dann auf die Definition von Sex an. Wer jenen von emotionalen Grundlagen entkoppelt, mag Deinen Einwurf wohl verstehen. Allerdings widerspreche ich vehement, daß das etwas mit Liebe zu tun hat.

  3. 3 grüneGeranie 05. Januar 2015 um 13:51 Uhr

    @Christian: Also mal echt: Nur weil Frauen das „Freeze-out“ hernehmen, macht es das nicht besser. Ist ja nicht so als würden Kritiker_innen von Pick-up Artists verleugnen, dass sich nicht auf Frauen in Beziehungen scheiße/ übergriffig verhalten können. Einen Unterschied, der dazu führt, wieso das grade bei diesen Seminaren kritisiert wird ist, dass es dort neben anderen blöden Methoden gelehrt wird.

    Auch wenn es das vllt nicht so ganz trifft musste ich grad an dieses Lied von der wunderbaren humorvollen Liedermacherin Martina Schwarzmann denken (sorry für die schlechte Tonqualität, ich hoffe ihr versteht es trotz dem bayerischen Akzent)
    https://www.youtube.com/watch?v=z6-hV5zmai0&spfreload=10

  4. 4 Christian 07. Januar 2015 um 9:23 Uhr

    @femelle

    „Das kommt dann auf die Definition von Sex an. Wer jenen von emotionalen Grundlagen entkoppelt, mag Deinen Einwurf wohl verstehen.“

    Du möchtest im Bereich Pickup vielleicht mal etwas über „Komfort“ lesen, da geht es um die gefühlsmäßige Bindung, die zu so etwas dazugehört und als sehr wichtig beschrieben wird.

    Im übrigen bedienst du hier ein Geschlechterklischee: warum soll Sex ohne Gefühle/bindung für Frauen per se schlecht sein, für Männer aber nicht?

    „Allerdings widerspreche ich vehement, daß das etwas mit Liebe zu tun hat.“

    Warum nicht? Nur weil man weiß, wie man flirtet, kann man sich doch trotzdem verlieben?

  5. 5 Christian 07. Januar 2015 um 10:15 Uhr

    @grüneGeranie

    Ich finde es nur interessant, dass ein Mittel, welches im normalen Beziehungsleben ganz überwiegend von Frauen genutzt wird, hier in dieser Form als von Satan selbst stammendes Kampfmittel dargestellt wird.

    Das ist ja bei vielen anderen Flirttechniken aus dem Bereich Pickup auch so, etwa „push-Pull“ oder anderen Bereichen.

    Style rät in einen seiner Beiträge sich für die richtige geistige Haltung in die Position einer schönen Frau zu begeben, die viele Verehrer hat und sich so zu verhalten, wie sie dies machen würde,. damit man hohen Status darstellt und nicht „needy“ wirkt.

    In den meisten Pikcup-Schulen wird auch nicht der direkte Stil, den beispielsweise Julien lehrt, betont, sondern ein sehr indirekter Stil, der bereits sehr früh darauf aufbaut, dass die Frau interesse zeigt. Zeigt sie keins, dann wird dort gerade betont, dass man eben weiterziehen soll.

    Würde mich aber mal interessieren, wie ihr in der Hinsicht klassische andere Flirttechniken von Frauen bewertet aus feministischer Sicht

  6. 6 femelle 10. Januar 2015 um 14:35 Uhr

    Sorry, Christian, aber ich setzte die PUA-Technik nicht mit konventionellem Flirting gleich. Zumal ich das sexuelle Verlangen von Mann und Frau nicht gegeneinander ausspielte.

  7. 7 Nina 10. Januar 2015 um 20:03 Uhr

    Zu wissen, wie man flirtet und bei einer Frau, welche man gerne kennenlernen möchte, einen guten Eindruck zu hinterlassen, ist die eine Sache, Frauen aber auszunutzen und wie Gegenstände oder Achievements zu behandeln, eine ganz andere.

    Es spricht in meinen Augen ja nicht mal etwas dagegen, bei einer Party oder in einem Club auf einen One Night Stand aus zu sein. Allerdings finde ich den Trend mit diesen Pick Up Artists tatsächlich etwas bedenklich, denn ein Mann, der selbstbewusst und charmant ist, beschäftigt sich gar nicht mit solchen Dingen, denn er braucht keine Anleitung dafür, wie er möglichst viele Frauen flachlegen kann. Meist sprechen solche Methoden die Männer an, die über ein geringes Selbstwertgefühl verfügen und aufgrund dessen, dass sie schon relativ viele Körbe kassiert haben, einen unterschwelligen Hass auf Frauen entwickelt haben und fortan danach streben, diese wie Objekte zu behandeln. Dieser unterschwellige Hass manifestiert sich oft in einem Denken in der Art „Wieso will die mich nicht? Die ist doch eh so liederlich und lässt jeden ran, wieso mich nicht?!“, als wäre es die Schuld bzw. ein Fehler in der Programmierung der betreffenden Frau, dass sie einfach mit DIESEM Mann keinen Geschlechtsverkehr möchte.

    Bloß weil eine Frau sexuell aufgeschlossen ist und vielleicht häufig wechselnde Partner hat, bedeutet das noch lange nicht, dass sie deswegen absolut jeden ranzulassen und wie eine Art Mutter Teresa der sexuell unbefriedigten und frustrierten Männer zu dienen hat.

    Ich möchte nicht implizieren, dass alle Männer so sind, auch nicht diejenigen, die nicht als „Checker“ bekannt sind.
    Der absolute Großteil der Männer, die ich kenne, begegnet jeder Frau grundsätzlich mit Respekt und auf Augenhöhe (gottseidank!), aber es ist nicht abzustreiten, dass diese Sorte Mann existiert.

  8. 8 Christian 11. Januar 2015 um 18:40 Uhr

    „Allerdings finde ich den Trend mit diesen Pick Up Artists tatsächlich etwas bedenklich, denn ein Mann, der selbstbewusst und charmant ist, beschäftigt sich gar nicht mit solchen Dingen, denn er braucht keine Anleitung dafür, wie er möglichst viele Frauen flachlegen kann.“

    Ich wandle das mal um:

    „Allerdings finde ich den Trend mit diesen Feministinnen tatsächlich etwas bedenklich, denn eine Frau, die selbstbewußt und intelligent ist, beschäftigt sich gar nicht mit der Unterdrückung, denn sie braucht keine Anleitung dafür, sich gegen Männer durchzusetzen“

    „Dieser unterschwellige Hass manifestiert sich oft in einem Denken in der Art „Wieso will die mich nicht? Die ist doch eh so liederlich und lässt jeden ran, wieso mich nicht?!““

    Und die Antwort im Pikcup ist üblicherweise: Weil du nicht gut genug bist, nicht hinreichend an dir gearbeitet hast und sie deswegen lieber andere Männer will. Arbeite an dir, sorge dafür, dass du ein Mann wirst, der tatsächlich interessant, witzig, charmant und sexy ist, dann werden dich Frauen auch entsprechend wahrnehmen.

  9. 9 Herr* Dummkopf 14. Januar 2015 um 17:51 Uhr

    @Christian: Nachdem ich las, wie Du Feminist_innen und Pick-up-artists miteinander vergleichst, sträubten sich mir Bein-, Arm- und Nackenhaare.

    Hier liegt vielleicht nicht nur ein Missverständnis von Feminismus vor, sondern auch ein Missverständnis von PUA.

    Feminismus ist nichts Egoistisches, im Gegenteil, es geht darum, FÜR alle etwas zum Guten zu bewegen. Die Motivation von Pick Up ist reine Selbstverbesserung.

    1. Ich möchte hier eine konsequente Unterscheidung von „Flirtberatung“ und „Pick-up-artists“ herstellen. Schüchternen Männern Mut zuzusprechen, ihnen zu zeigen, wie man respektvoll und unaufdringlich mit Menschen des begehrten Geschlechts in Kontakt treten kann, sie dazu zu bringen mehr (echtes) Selbstbewusstsein zu entwickeln, ist ja im Prinzip nichts Falsches. Und das ist auch etwas, das ich unter Flirtberatung verstehe. (Wobei da der Unterschied zwischen Flirtberatung und kognitiver Verhaltenstherapie nicht sehr groß ist.^^)
    Dass PUA in den meisten Fällen weit über das Ziel hinausschießt, steht außer Zweifel. Pick-up-artists, die Männern den Ratschlag geben, Grenzen zu missachten, auf- oder zudringlich zu sein, einen grundsätzlichen charakterlichen Unterschied zwischen „den Frauen“ und „Dir“ als Mann postulieren, haben für mich in keiner(!) Weise Verteidigung (wie Du sie hervorbringst) oder gar Befürwortung verdient.
    Es geht bei PUA ja nicht darum, die Männer selbstbewusster zu machen, sondern darum, das fehlende Selbstbewusstsein zu kaschieren, und mit bestimmten Methoden Frauen „rumzukriegen“; aus diesem „Erfolg bei Frauen“ erwüchse dann Selbstbewusstsein (Was, gelinde gesagt, eine Instrumentalisierung von Frauen darstellt.).

    Im Übrigen finde ich im Pick Up schon die Antwort zu „Warum will mich diese Frau nicht?“ weit gefehlt: „Weil du nicht gut genug bist, nicht hinreichend an dir gearbeitet hast und sie deswegen lieber andere Männer will. Arbeite an dir, sorge dafür, dass du ein Mann wirst, der tatsächlich interessant, witzig, charmant und sexy ist, dann werden dich Frauen auch entsprechend wahrnehmen.“
    Charmant, witzig und interessant zu sein bedeutet nicht, dass man automatisch attraktiv auf ein anderes Individuum wirkt. Außerdem kann die eine Frau charmant und witzig finden, was die andere uncharmant und unwitzig findet. In dem Sinne ist die Antwort von Pick Up falsch.

    Pick Up rät zudem manipulativ zu sein, rät zu einer gewissen Wahllosigkeit und Benutzen von Frauen, um Selbstsicherheit zu erlangen, es stellt sexuelle Aspekte nicht nur weit in den Vordergrund, es blendet andere Aspekte fast gänzlich aus.

    Bekannteste selbsternannte Pick-Up-artists gerieren sich als eindeutig frauenverachtend.

    Und eigentlich gibt es noch viele weiter Gründe Pick-Up-artists zu kritisieren. Aber mir geht es hier ja um Klärung, deshalb:

    2. Der Feminismus ist nicht nur eine Bewegung, die Frauen aus der Unterdrückung befreien soll, sondern die ganz grundsätzlich das Patriarchat mit all seinen geschlechtsspezifischen Unterdrückungsmechanismen bekämpft, WEIL patriarchale Verhältnisse bestimmte Geschlechter und Geschlechterrollen geringschätzen und andere nicht. Zu unterstellen, dass eine Frau, die intelligent und selbstbewusst ist, keine Anleitung brauche, sich gegen Unterdrückung zu wehren, zeugt von Deiner verengten (Falsch-)wahrnehmung des Feminismus‘. Der Feminismus leistet so viel mehr als „Anleitung“ zu sein. Ja, er ist weniger bis gar nicht „Anleitung“ (im Sinne einer autoritären Vorgabe, oder eines „how-to-be-equally-treated“) als vielmehr z.B. eine Solidarisierung unterdrückter Geschlechter mit- und untereinander gegen das Patriarchat, eine Analyse am und Kritik des Patriarchats, eine Benennung von (hetero-)sexistischen Missständen, eine moralisch gebotene Notwendigkeit zum guten Leben uvm. In Deinem Zitat ist die Rede von einer „intelligenten Frau“, die sich gegen Männer durchsetzen würde. (Schlimm genug, dass es einer „unintelligenten“ verwehrt bleibt). Nein, das hat wenig mit Feminismus zu tun. Es geht nicht um einen Kampf Frau gegen Männer. Wenn Du, Christian, das Patriarchat nicht als Angriff auch auf Deine eigene Würde siehst, dann ist mir klarer, weshalb Du Feminismus ablehnend beurteilst. (Auch aus Uneigennutz kann man Feminimus unterstützen, weil man oben genannten Ziele sinnvoll und gut findet.) Gesellschaftliche Unterdrückungsmechanismen aufzubrechen, das ist Ziel von Feminismus. Und diese Unterdrückungsmechanismen werden nicht von einzelnen Männern getragen, gegen die sich eine intelligente Frau durchzusetzen vermöge, nein, diese Mechanismen greifen tief in die Denk- und Handlungsweisen aller Menschen und Geschlechter. Sich dieser Mechanismen bewusst zu werden, ist für viele (dich und mich eingeschlossen) Voraussetzung dafür, anders/besser zu urteilen und zu handeln. Das schlimme ist ja, was ich aus Deinem Zitat herauslese, dass es Deiner Meinung nach „Durchsetzungsvermögen“ braucht, damit sich eine Frau Ziele erreichen kann, die Männer leichter erreichen. Das allein ist ja schon kritikwürdig genug. Auch Frauen, die das Patriarchat befürworten kann man für ihre Ansichten im Feminismus zu Recht kritisieren. Auch Männern bleiben im Patriarchat gewisse Wege versperrt und Anerkennung für bestimmte Lebensweisen verwehrt. Feminismus bedeutet NICHT das, was Pegida, AfD, Männerrechtler_innen und Fundamentalist_innen Dir erzählen, dass Feminismus sei.
    Und jetzt habe ich Lust dazu, dass Du Dich selbst weiter darüber informierst.

  10. 10 dodo 14. Januar 2015 um 20:06 Uhr

    „Weil du nicht gut genug bist, nicht hinreichend an dir gearbeitet hast und sie deswegen lieber andere Männer will. Arbeite an dir, sorge dafür, dass du ein Mann wirst, der tatsächlich interessant, witzig, charmant und sexy ist, dann werden dich Frauen auch entsprechend wahrnehmen.“
    - genau diesen Teil finde ich scheiße.
    Du bist nicht gut genug? Jeder Mensch ist „gut genug“ für (körperliche) Zuwendung (nur eben nicht zackzacksofort von jede_r Gewünschter/m, tja, geht uns allen so), da irgendwo eine Schuldfrage einzubauen find ich kacke und hilft dem Selbstbewußtsein null.
    „So wie Du bist, taugst eh nix und wenn Du Dich nicht unseren Pickup-Normen (die jegliche Individualität vermissen lassen, allein schon, wenn man Frauen als homogene Masse sieht) unterwirfst und eine Dir fremde Rolle (vom treuen Dackel zum Alpha-Brüllaffen, wenn man in deren Kategorien denken möchte) aneignest, bleibst Du Dein Leben lang wertlos. Boah, ja TOLLES Selbstbewußtseinstraining… und wir Frauen haben dann noch mehr Alphabrüllaffen, die so einen Terz machen, daß man die Ruhigeren übersieht oder schon gar keinen Nerv mehr auf irgendwen hat, nachdem einen irgendwelche Möchtegern-Stecher angebaggert haben, danke auch.
    Außerdem – als „interessant, witzig, charmant und sexy“ wahrgenommen zu werden garantiert noch GAR NIX. Hätte ich mit allen Männern, die ich interessant, witzig, charmant und sexy finde, was angefangen, hätt ich mehr zu tun, als irgendwer bewältigen könnte.
    Man könnte sich (selbst und gegenseitig) auch mal einfach vorurteils- und klischeefern betrachten. Das geht auch bei One Night Stands – kein Körper reagiert, schmeckt, riecht wie der andere, jede_r hört/sieht gern andere Dinge, möchte anders flirten, reden, whatever. Nix Schema F, das irgendwas garantiert.
    Und nur, weil ein poplig-altbackenes Schema F nicht funktioniert, wird dann die SCHULDFRAGE ausgepackt (wie erwachsen… wer ist schuld daran, daß 2 nicht aufeinander abfahren – evtl. paßt’s halt – gerade – nicht) und entweder sind’s dann die pöhsen Frauen (allesamt natürlich!) oder der arme Tropf, der sich das auch noch gegen Bezahlung einreden läßt.

    P.S.: Leutz, bitte beim Thema bleiben hier und die „Was ist Feminismus (nicht)“ – Diskussion nicht gerade hier ausbreiten, danke.

  11. 11 Nina 17. Januar 2015 um 13:45 Uhr

    Was mir bei diesen Pick Up Heinis auffällt ist, dass die Methoden an sich eigentlich nicht nur frauen- sondern auch männerverachtend sind und das ist beides absolut nicht gutzuheißen.

    In Wahrheit geht es doch darum: „Du bist nicht gut genug! Sag dies, tu das, später sagst du dies, später machst du das, dann kannst du die Frau flachlegen. Verbieg dich so lange bis du in eine bestimmte Form passt, nur dann kriegst du viele Frauen rum und nur dann bist du etwas wert!“
    Es zerstört gewissermaßen auch den Individualismus des Mannes, denn fehlendes Selbstwertgefühl wird nur kaschiert und in meinen Augen kann ein solches Schema dieses nur noch weiter zerstören. In Wahrheit wird dem Mann impliziert, er sei nur dann etwas wert, wenn er in eine bestimmte Form passt und möglichst viele Frauen flachlegt. Meiner Meinung nach unterscheidet sich das nicht wirklich vom Modell „Mädel, sei dünn, sei hübsch, sei immer adrett gekleidet, sonst findest du keinen Mann und wenn du keinen Mann findest, dann bist du nichts wert!“

    So betrachtet finde ich persönlich, dass es eigentlich dem betreffenden Mann genau die gleiche Schablone aufdrückt wie es (besonders auch Mitte des 20. Jahrhunderts noch üblich) den Frauen aufgedrückt wurde/wird – wir Frauen haben irgendwann begonnen, uns gegen diese Schablonen zur Wehr zu setzen, es darf Männern nicht genau das Gleiche widerfahren!

    Es ist nicht die Schuld der Frau, dass sie mit einem bestimmten Mann keinen Geschlechtsverkehr wünscht. Es ist auch nicht die Schuld des betreffenden Mannes, dass er vielleicht einfach nicht der Typ seiner Angebeteten ist. Frauen aber zu instrumentalisieren, nur um fehlendes Selbstbewusstsein zu kaschieren, finde ich unter aller Kanone.

  12. 12 MGTOW 15. Februar 2015 um 12:48 Uhr

    Dann müsste euch ja MGTOW viel besser gefallen!

  13. 13 MGTOW 15. Februar 2015 um 13:01 Uhr

    PUA verwendet im Grunde neuronale linguistische Programmierung, wie sie seit Jahren schon in der Geschäftswelt verwendet wird. Wieso sollte man sie nicht auch verwenden, wenn man Sex haben möchte? Im Grunde wurde dies ja bereits auch schon in der Vergangenheit praktiziert.
    Neu ist allerdings die klare Vorstellung der PUAs, dass Frauen mit Alpha-Männchen zwanglosen Sex haben wollen und den Nice-Guy für eine Beziehung. Das heißt, wenn Du zwanglosen Sex haben willst, solltest Du als Alpha-Männchen rüberkommen.

  14. 14 Anna 23. August 2015 um 16:42 Uhr

    Zum Thema Freeze out bei Frauen. Wir ignorieren die Männer, die uns nicht interessieren. Dadurch enden ihre Bemühungen und sie können sich anderen Frauen zuwenden.
    PUAs setzten das Frauen gegenüber ein, um sie zu manipulieren und auszunutzen. Das sind doch zwei paar Schuhe!
    Ich halte die Pickup-Bewegung für gefährlich und schädlich. Für die betroffenen Frauen nur temporär (Liebeskummer, Zeitverschwendung) für die (jungen) Männer aber dauerhaft, denn sie machen sich vollständig von der Bestätigung der vielen Frauen abhängig, anstatt echtes Selbstbewusstsein durch sinnvolle Tätigkeiten aufzubauen.
    Willst du mit mir gehen, ja – nein – vielleicht, diese uralte Frage ist der stärkste Antrieb der Menschheit. Er/Sie will nicht? Dann muss ich mich wohl wieder auf mich selbst konzentrieren und etwas aus meinem Leben machen.
    Mit dem Erlernen von Manipulationstechniken auf ein nein zu reagieren führt mittel- und langfristig dazu, dass man nicht das erreicht, was einen glücklich macht.
    Ich als Frau kann mich entscheiden, grundsätzlich nur Highheels und kurze Röcke zu tragen, wasserstoffblond gefärbt und ich hätte quantitativ bestimmt mehr Verehrer als ohne diese Tricks. Aber es wäre nichts ehrliches authentisches und das würde mir es immer wieder verderben.
    Ein Appell an die jungen Männer: lasst euch nicht verführen von diesem scheinbar so einfachem Weg. Wenn euch Scientology auf der Straße anspricht, geht ihr doch auch einfach weiter, obwohl die bestimmt auch logisch klingende Argumente haben? Aber ihr wisst nunmal, dass es die falsche Entscheidung wäre, die euer Leben nachhaltig negativ beeinflussen würde.
    Gestern habe ich zwei PUAs gesehen. Einer davon ist losgelaufen und hat mich „zufällig“ über seine Schulter angesprochen. Es geht bei Pick-Up um Dominanz und Macht? Das Gesicht des jungen Mannes sprach Bände… Er hatte Angst.
    Liebe Männer, es ist haargenauso wie bei den X-Men. Die netten Männer werden geheiratet. Als bleibt auf der richtigen Seite. Macht was aus euch, macht das was ihr liebt und werdet zu interessanten Menschen. Dann werden wir euch verführen, süßer und nachhaltiger als ihr es je könntet. Denn wenn ihr der richtige seid, wollen wir euch nur glücklich machen. Alles Liebe eure Anna
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