Beiträge von brunhilde

Rap, der zum Nachdenken anregt

Allzu oft bestehen Rap-Lieder ja aus hirn- und geschmacklosen Texten, die vor Klischees, Sexismen und Diskriminierung jeglicher Art nur so strotzen; die Inhalte besagter Lieder stehen oft hinter diesen Diskriminierungen zurück oder sind erst gar nicht erkennbar.

Ganz anders kommt allerdings das Rap-Lied „Thou shalt always kill“ der britischen Künstler Dan Le Sac und Scroobius daher.
Das Lied ist dank britischem Akzent nicht nur schön anzuhören, es gibt in ratschlagartiger Form Denkanstöße in verschiedene Richtungen.
Auch in antisexistische und feministische Richtung:

„Thou shalt not use poetry, art or music to get into girls pants. Use it to get into their heads.“

Hier richten sich die Künstler klar gegen das Bild der Frau als Objekt, dass es (in diesem Falle mit Kunst) zu erobern gilt hin zur Frau als Subjekt, welche durch Kunst zu neuen, von dem/der Künstler/in angedeuteten Ansichten gelangen möchte. Ganz klar wird hier also statt der allzu üblichen Körperlichkeit eine Geistigkeit angesprochen.

„Thou shalt remember that guns, bitches and bling were never part of the four elements and never will be.“

Diese Zeile kann als offene Kritik am Genre des Rap verstanden werden, welches sich durch Statussymbole definiert und auch Frauen zu solchen Symbolen macht. Statt die drei oben genannten „Elemente“ anzunehmen, definieren die britischen Künstler andere Kunstelemente. Diese werden auch in einem Kreidebild im Hintergrund dargestellt. Durch die Aussage, dass genannte Statussymbole nicht zu diesen Elementen der Kunst gehören, wird zu Diskussionen über ein neues Kunstverständnis angeregt; es stellt sich dir Frage, ob stumpfer Rap mit diskriminierenden Inhalten überhaupt als Kunst aufgefasst werden kann.

Insgesamt bieten die Künstler eine erfreulich gesellschaftskritische Art des Rap, die zu eigenem Denken anregt und sich nicht in den ausgetretenen Fußspuren des Mainstream-Raps rumtreibt.

Muttermilcheis als profitorientiertes Produkt

„Two shambolic nimwits trying to blag a million pounds, by any means possible in 90 days.“

Das sind vier Typen aus Großbitannien, die sich vorgenommen haben, mit aus Sicht des Mainstreamverständnisses durchgeknallten Aktionen, wie zum Beispiel „Das kleinste Festival der Welt“, welches in einem Wohnzimmer stattfand, 1 Millionen Pfund zu verdienen. Das Ganze innerhalb von 90 Tagen. Falls sie das Ziel erreichen sollten (was bei gerade mal etwas über 4000 verdienten Pfund unrealistisch erscheint), sollen mit dem Geld junge unabhängige Filmemacher aus Großbritannien unterstützt werden.

So weit, so gut.

Eine dieser Aktionen ist jedoch höchst unreflektiert und spiegelt, das Bild der Frau in der patriarchischen Gesellschaft, in der wir alle leben, wieder: die Vier stellen Eiscreme aus Muttermilch her, die ihnen eine Bekannte „gespendet“ hat. Nun versuchen sie, die Eiscreme an Jugendliche in einem Park zu verkaufen. Natürlich ist die Bekannte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr anwesend; wie einer der netten Herren auf Nachfrage bemerkt (O-Ton!), „ist sie zuhause und passt auf das Baby auf“. Damit ist das Rollenklischee bereits bedient.

Desweiteren wird die Bekannte durch die gesamte Durchführung der Eisaktion aus ihrer Menschlichkeit und ihrer dem Mann gleichberechtigten Stellung, die sie, wie sich hiermit wieder einmal zeigt, höchstens auf dem Papier inne hatte, herausgenommen und muss, wenn auch nicht in einer so ausweglosen Weise und durchaus freiwillig, das unterdrückte und qualvolle Schicksal einer „Milch“Kuh teilen.
Sie produziert ein Produkt, welches ihr abgesprochen wird, damit ein Mann damit Profit machen kann, während sie daheim das Kind hütet.

Das Prinzip der Ausbeutung der Frau geht hier also noch ein Stück weiter; statt „nur“ den weiblichen Körper in Abbildungen fragwürdiger Schönheitsideale abzuwerten, wird die Frau hier als Produktlieferantin ausgenutzt und mit einem nichtmenschlichen Tier, seiner/ihrer Existenz als Produzent/in und seinem/ihrem Leiden, gleichgesetzt. Es werden also hier nicht „nur“ sexistische Strukturen der Gesellschaft, sondern auch speziesistische Strukturen derselben deutlich.

Wie hier deutlich, reichen solche Beweise der Ungleichberechtigung auch in Bereiche hinein, die die/der durchschnittliche Verfolgerin/ Verfolger des Blogs höchstwahrscheinlich als Spaß identifizieren würde.