Aus meinem Artikel über sexuelle Belästigungen beim transgenialen CSD entwickelte sich eine Diskussion über den Ausdruck „FrauenLesben“.
Damit wir dort beim ursprünglichen Thema, den sexuellen Belästigungen, bleiben können, mache ich hier mal einen neuen Artikel aus den dortigen „Begriffs-Kommentaren“:
Marcie 29. Juni 2010 um 9:57 Uhr
„(nach Augenschein: alle drei FrauenLesben)“
Doofe Frage vielleicht:
Was sind „FrauenLesben“ und wie unterscheiden sie sich von „MännerLesben“ oder „Lesben“ (ohne Zusatz)?
Cunctatrix 29. Juni 2010 um 10:51 Uhr
„FrauenLesben“ ist eine – ich vermute in den 80er Jahren aufgekommene – Schreibweise, die
-- die sprachliche ‚Unsichtbarkeit‘ von Lesben unter dem (vermeintlich neutralen, aber stillschweigend heterosexuell gedachten) Oberbegriff „Frauen“ beseitigen sollte,
-- also tendenziell ein Synonym für „Heteras und Lesben“ ist
-- und zugleich aber auch auf die Kontroverse anspielt, ob Lesben (nach ihrem Selbstverständnis) Frauen sind bzw. sein sollen.* Die Schreibweise ist also eine abgeschwächte Variante zu „Frauen und Lesben“ bzw. „Frauen oder Lesben“.
„FrauenLesben“ sollte sowohl lesbar sein als „Frauen, unter Einschluß [Sichtbarkeit] von solchen, die lesbisch sind,“
als auch als „Heteras und Lesben, die sich als Frauen verstehen, + Lesben, die sich nicht als Frauen verstehen“.
* Monique Wittig „stigmatised the myth of ‚the woman‘, called heterosexuality a political regime, and outlined the basis for a social contract which lesbians refuse: ‚…and it would be incorrect to say that lesbians associate, make love, live with women, for ‚woman‘ has meaning only in heterosexual systems of thought and heterosexual economic systems. Lesbians are not women.‘ For Wittig, the category ‚woman‘ exists only through its relation to the category ‚man‘, and ‚woman‘ without relation to ‚man‘ would cease to exist.“
(http://en.wikipedia.org/wiki/Monique_Wittig#Theories)
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Da durchaus auch hetero- und bisexuelle Frauen am tCSD teilnehmen können, schien mir die Formulierung „FrauenLesben“ passend.
Der_Ekelbaron 29. Juni 2010 um 22:18 Uhr
Was ist mit den Bis und Heteras, die sich nicht als Frauen verstehen (wollen)?
Ich find die Formulierung immer ziemlich antiquiert. So nach dem Motto, dass Lesben oder Schwule allein durch ihre Beziehungspraxis queerer sein sollen als Bis und Heter@s. Irgendwie schimmert da für mich auch so das Vorurteil durch, dass Lesben nur mit *Frauen abhängen und Schwule nur mit *Männern. Das mag es zwar geben, ist aber eben auch eher das Gegenteil von queer…
illith 30. Juni 2010 um 1:18 Uhr
wären (cis-)frauen, die sich zu frauen hingezogen fühlen, sich selber aber nicht als welche definieren/identifizieren, nicht eher trans?
obwohl ich die dahinterstehende intention – sichtbarmachen – absolut befürworte, stör ich mich schon ewig an diesem frauenlesben-begriff. besonders für außenstehende festigt das mM eher das gesellschaftliche klischee, dass lesben keine „richtigen frauen“ seien.