Beiträge von dodo

Tödliche homophobe Attacke

In Wolgograd starb ein Russe nach einer homophoben Attacke (Triggerwarnung).

Nach einem tödlichen Angriff auf einen homosexuellen Mann in Russland am Sonntag haben die Behörden zwei Verdächtige festgenommen. Die Nachrichtenagentur RIA Novosti meldete unter Berufung auf die Behörden in der südlichen Stadt Wolgograd am Montag, dass einer der Verdächtigen eingeräumt habe, das 23-jährige Opfer schikaniert zu haben.

Als Frau allein in der Öffentlichkeit

Die Texte aus der vierten Ausgabe des Grrlzines „Wolverette“ gibt’s nun stückchenweise auch online, angefangen mit einem Text, der schön die Reaktionen beschreibt, die frau (auch heute noch!) bekommt, wenn sie sich allein in der Öffentlichkeit bewegt:

I bet all women have sooner or later heard the classic scentence „What is a pretty lady like you doing here, all on her own?“ or at least the one or other version of this stupidity.
It seems to be absolutely NUTS to identify as female and be alone in a public space – not being ditched, not waiting for someone.

Wie wollen wir die nächsten Generationen haben?

Inzwischen hat nun wirklich jede_r von dem „Barbie Dreamhouse“ in Berlin mitgekriegt. Und von dem Protest dagegen. Und natürlich von den erwartungsgemäß auftretenden Nörglern, die den Prostest überzogen finden.
Aber wieso eigentlich? Es kommt daher als ein Protest der Erwachsenen, die sich über Grundsatzfragen wie Lookismus, Geschlechterrollen und kapitalistisches Marketing streiten.

Barbie's Naked Face
in Berlin wird Barbie so wohl nicht auftreten

Dabei wird immer mehr übersehen, daß das „Barbie Dreamhouse“ ja eigentlich auf die Kinder, insbesondere die weiblichen*, abzielt. Wegen denen steht das Ding da.
Es geht dabei also nicht um eine theoretische Grundsatzdebatte, sondern um die ganz deutliche und praktisch orientierte Frage: ist diese rosa Monstrosität mit allem, was sie repräsentiert, wirklich das, was man seinem Kind mitgeben will?

Silke Burmester bringt es auf den Punkt:

Sie haben das Haus gar nicht für Erwachsene errichtet, sondern für Mädchen. Die sollen dort träumen lernen von einem Leben zwischen Kosmetik, Ken und Cupcake-Küche. Gerade so, wie Barbie es lebt. Um in Barbie, ähnlich wie in Heidi Klum, ein Vorbild zu finden, das die jungen Dinger in ein Leben einführt, in dem sich alles einzig und allein um die Frage dreht: „Sehe ich gut aus?“ und in der der Körper zur Währung wird.

Und mal ehrlich: wollen wir wirklich, daß sich die nachfolgenden Generationen in so einer Welt wiederfinden? Ist es das, was wir ihnen zu bieten haben? Das haben sie nun wahrlich nicht verdient!
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„Den Frauen überlegen sein.“

Ein münchner Malerlehrling überfällt drei Frauen mit einem Messer, um sie zu vergewaltigen. Die gute Nachricht: die Frauen wehren sich erfolgreich und der 22jährige steht nun vor Gericht.
Dieser Fall ist exemplarisch für eine Verwaltigungskultur und macht wieder mal deutlich, daß es bei Vergewaltigung mitnichten um Sex geht. Nein, es geht um Machtausübung.
Auf den Punkt bringt es die Antwort des Angeklagten auf die Frage des Richters, worum es ihm den bei den Übergriffen ging:

„Den Frauen überlegen sein“

Seattle Rape Culture Graffity
(Graffity in Seattle)

Es wird hier deutlich, daß es sich bei Vergewaltigern nicht unbedingt um gestörte, verzweifelte Einzelgänger handelt, die Vergewaltigung als ihre einzige Möglichkeit sehen, an Sex zu kommen. Denn dieser Typ hatte zuvor durchaus ein reges Sexualleben:

Der Vorsitzende Richter Thomas Denz wunderte sich, dass ein beinahe noch Jugendlicher auf solch brutale Weise versucht, sexuelle Erfahrungen zu sammeln. Doch der Trieb war nicht sein einziges Motiv. Armin H. hatte schon etwa ein Dutzend Freundinnen, und zehn Mal war er auch im Bordell.

So unverständlich und traurig das sein mag, aber Puffbesuche sind, genau wie Promiskuität, absolut im Rahmen durchschnittlichen männlichen Sexualverhaltens.

Dennoch geistert überall das Bild durch die Gesellschaft, daß Vergewaltiger abartige Monster à la Armin Meiwes oder Marc Dutroux seien. Das ist ganz praktisch, denn dann brauch man sich nicht mit ihm als Mitmensch identifizieren, man kann den Täter entmenschlichen und als verrückt-perversen Einzelfall sehen, als Ausnahme, als Sonderfall, als „Biest“. Als etwas, das nichts mit einem selbst und dem eigenen Alltagsleben zu tun hat. Ein Abartiger halt, der ausgeflippt ist. Da muß man sich keine Gedanken machen, Verantwortung für die gesellschaftliche Haltung, die Übergriffe fördert, übernehmen. Wie bequem.

Aber so verhält es sich leider nicht. Vergewaltiger kommen aus der Mitte der Gesellschaft, sind normale Menschen. „Normal“ in dem Sinne, daß sie einer Norm folgen, die in unserer patriarchalen Gesellschaft ganz selbstverständlich ist: die Einbildung, seine Männlichkeit dadurch definieren zu müssen, daß man Frauen abwertet, um sich selbst als Mann aufzuwerten. Frauen nicht als Menschen zu sehen, sondern als Objekte, die zur eigenen Triebbefriedigung da sind. Die Einbildung, daß man das Recht hätte, Frauen nach Belieben zu benutzen. (mehr…)

Femen, ruhe in Frieden

Kontrovers waren die Femen ja schon immer. Aber ich muß ehrlich zugeben, daß die Femen-Aktionen eine Zeit lang ein bißchen Hoffnung nährten, hatten sie es doch erfolgreich geschafft, den Feminismus immer wieder in die Medien zu schubsen.
Aber dann kam die Aktion auf der Herbertstraße mit diesem unsäglichen „Arbeit macht frei“-Schild, immer mehr bescheuerte Aussagen und letztens ein dem gesamten Islam (inklusive der muslimischen Frauen, auch den feministischen) geltenden Rundumschlag. Und mit der Reaktion von Femen auf Kritik müßten die Damen eigentlich jetzt wirklich für viele gestorben sein.
Wie sie generell mit Kritik umgehen, wußte man spätestens seit ihrer Reaktion auf die Kritik von evibes: mit unglaublichem Mangel an Reflektionsvermögen.
Bei der aktuellen Debatte wird an ihren Entgegnungen eine Ignoranz, eine riesen Menge Paternalismus und, man möchte fast schon sagen, Größenwahn deutlich, daß sich einem die Fußnägel aufrollen:

Für Shevchenko ist sie wegen dieses Stück Stoffs eine Sklavin, die befreit gehört. „Das Kopftuch ist vergleichbar mit einem Konzentrationslager“, sagt die Aktivistin. „Nein“, entgegnet Ulusoy, ihre Verhüllung sei für sie als Kind zunächst „das Symbol des Erwachsenwerdens gewesen, heute unterstützt es meinen Charakter“. Außerdem sei es ja nicht an ihrem Kopf festgenagelt, sie könne es jederzeit hinterfragen. Also auch ablegen. „Solche Frauen hatten doch nie die Wahl. Sie kennen den Unterschied zwischen Freiheit und Unfreiheit nicht“, kritisiert die Femen-Aktivistin.

Wie anmaßend das ist und wie so eine Menge feministischer Aktivist_innen muslimischen Glaubens abgewatscht werden, wird in einem absolut lesenswerten Interview mit Kübra Gümüsay in dieStandard deutlich:

Wir brauchen natürlich AktivistInnen, die aufstehen und sagen „So geht das nicht!“. Ich würde bei den Femen-Protesten für Amina mitmachen, wenn ich wüsste, dass es tatsächlich um Inhalte geht. Aber sich vor eine Moschee der Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft zu stellen, die überhaupt keinen Bezug zu Tunesien hat und die noch dazu in vielen islamischen Ländern verfolgt wird – das war für mich ein Signal, dass es weder um Inhalte geht, noch darum, effektiv und zielgerichtet Amina Tyler zu helfen. Es geht nur um ein Tamtam und Medienaufmerksamkeit.

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Abtreibungsfinanzierung in der Schweiz keine Privatsache!

Die Initiative „Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache“ wurde mit 130 zu 29 Stimmen im Schweizer Nationalrat abgelehnt.

In der Schweiz übernimmt die Krankenversicherung die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch. Dies wollte die christlich-konservative Initiative „Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache“ ändern, die bei einer Abstimmung im Schweizer Nationalrat allerdings keine Chance hatte. Die Initiative wurde mit 130 zu 29 Stimmen (19 Enthaltungen) abgelehnt.

Roooosa

Pink Grrrl Heart
Charlott hat sich auf der Mädchenmannschaft Gedanken über das „Phänomen Pink“ gemacht.
Das hat auch mich zum Überlegen gebracht – wie war das bei mir? In meiner Kindheit/Jugend in den 80ern/90ern war die Farbe definitiv uncool. Sogar die Barbiehäuser und -utensilien tendierten immer mehr zu babyblau. Von den genähten Tüllröckchen für die Mutter-Kind-Turnen-Aufführung wollte keins der Kinder das rosafarbene haben. In pink gekleidete Leute erweckten irgendwie immer den Eindruck, sie seien kindisch-kitschig. Und wer einen großen Bruder hatte (wie ich), dem ist die Kritik an der Farbe rosa erst recht noch entgegengeschlagen.
Auch ansonsten war ich nicht sonderlich begeistert von dieser Farbe – im Kindergarten hatte ich mir in den Kopf gesetzt, im Fasching als Burgfräulein zu gehen (in meiner Vorstellung war das sozusagen die weibliche Form eines Ritters, nur mit hübscherem Gewand – Prinzessin wollte ich nämlich auf keinen Fall sein!) und da einem in den einschlägigen Geschäften bei Mädchenkostümen das Rosa nur so entgegenschlug, mußte die Oma ran, die mir dann extra ein Kleid geschneidert hat. Eins, das nicht rosa war.
Auch in meinem gesamten Umfeld war keine_r auch nur im leisesten verdächtig, diese Farbe zu mögen. Pink war eine „Un-Farbe“ irgendwie. Sogar in typischen Mädchenpublikationen wie „Wendy“ war rosa und Mädchenkitsch ein absolutes No-Go.
Als 14-jähriger Teenie hab ich mich persönlich irgendwie angefreundet mit dieser Frabe. Gerade wegen der Klischees, die dran hingen, war das Potential groß, den Spieß umzudrehen. (mehr…)

Opferschutz durch anonymisierte Spurensicherung nach Vergewaltigungen

Als erstes Bundesland plant Schleswig-Holstein eine flächendeckende anonyme Spurensicherung bei Vergewaltigungen:

„Die sofortige Anzeigenerstattung verlangt das erneute Durchleben der Tat gegenüber einer fremden Person, ohne die Tat seelisch verarbeitet zu haben“, sagt Dudda. So sei auch zu erklären, dass nur ein Bruchteil der Fälle sexualisierter Gewalt gegen Frauen über 16 Jahren zur Anzeige komme.

Doch für eine spätere Verurteilung des Vergewaltigers seien Frauen oft auf die ihre Aussage stützenden Spuren angewiesen, wenn nicht später vor Gericht die Situation „Aussage gegen Aussage“ eintreten solle oder sie mit entwürdigenden „Vergewaltigungsmythen“ wie Rache-Motiven konfrontiert werden möchten. Und diese Spurensicherung muss in der Regel binnen 24 Stunden nach der Vergewaltigung erfolgen.

Gegen geistige Beschränktheit

Sibylle Berg teilt aus:

Wovon fühlen sich die Gegner der absoluten Gleichberechtigung aller eigentlich bedrängt? Leiden sie so sehr an ihrem eigenen Lebensentwurf, dass sie andere darum bestrafen wollen? Denken sie: Wenn es mir schlecht geht, der ich gesellschaftliche Normen erfülle, dann sollen andere auch keinen Spaß haben? Von was fühlt sich der gemeine Sexist verdammt noch mal bedroht, was ekelt ihn, was macht ihn hassen?

Zehn Fragen an einen Feministen

Nils Pickert stellt sich „zehn Fragen an einen Feministen“.

Femen-Aktivistin in Psychiatrie

Eine tunesische Femen-Aktivistin wurde wegen ihres Engagements in der Gruppe von ihren Eltern in die Psychiatrie eingewiesen.

Opfer-Täter-Umkehr, die xte

Beschissene Kindheit, mit 16 in ein Kinderbordell verfrachtet, Krebsdiagnose – und auch noch vom Justizapparat als „Ex-Prostituierte“ gedemütigt. Normalerweise langt eins davon, um fürs ganze Leben bedient zu sein. Mandy Kopp muß aber mit allem davon zurecht kommen. Und hat jetzt ein Buch darüber geschrieben.

Zusammen mit einer Freundin wurde sie auf der Straße in Leipzig aufgegriffen und in eine Mädchen-WG gebracht. Die „WG“ entpuppte sich als Bordell, ein Entkommen war unmöglich.

Die Freier waren mutmaßlich Teil jener Personen und Geschehnisse, die unter dem Begriff „Sachsensumpf“ zusammengefasst werden.

Aufgeklärt ist dieser Sachsensumpf bis heute nicht. Zwar ist Mandys Zuhälter von damals verurteilt worden (4 Jahre und 2 Monate), aber vieles bleibt im Dunkeln.
Zunächst fühlte sie sich noch halbwegs sicher, bis die Staatsanwaltschaft Dresden sie 2008 als Zeugin lud.

Ihrer Bitte um Zeugenschutz wurde nicht entsprochen. „Sie wurde ohne Begründung mit einem Satz abgelehnt“, sagt Kopp. Name und Anschrift wurden bekannt.

„Für mich stand in dem Moment fest: lieber offensiv als defensiv.“ Der beste Schutz sei die Öffentlichkeit.

Dennoch stigmatisiert sie die Justiz als „Ex-Prostituierte“, wogegen Mandy Kopp sich erfolglos wehrte.

Und damit nicht genug: sie und ein weiteres Opfer aus dem „Jasmin“ erkannten einige ihrer Vergewaltiger wieder – und sind jetzt wegen Falschaussage angeklagt.

Die Taten der Freier und des Zuhälters sind mittlerweile verjährt, das eigentliche Opfer von damals ist die Angeklagte von heute.

Doch der erste Anlauf scheiterte – weil Mandy Kopp und ihre Mitangeklagte Beatrix E. vor Gericht zusammengebrochen waren. Der Staatsanwalt bot ihnen sogar Straffreiheit an, wenn sie öffentlich erklärten, sich bei der Identifizierung der Freier geirrt zu haben. Beide Frauen blieben bei ihren Aussagen und lehnten Deals ab. Wann der Prozess fortgeführt wird, steht noch nicht fest.

Leicht läßt es sich arrogant auf Länder wie Indien herabblicken, wo Vergewaltigung und Justiz unter einer Decke stecken, leicht ist angenommen, daß bei „uns“, im ach so „zivilisierten“ Deutschland sowas nicht passieren kann. Bis man dann eben selbst als einst anerkanntes Opfer wie Mandy Kopp zu spüren bekommt, wie man noch nachträglich stigmatisiert wird und Widerstand kommt, wenn man von den mutmaßlich „hochrangigen“ Tätern wiederum zum Opfer gemacht wird. Nur diesmal mit Hilfe der Justiz.

Gender & Fußball

Jennifer Zietz von Turbine Potsdam betrachtet in der taz ihre Karriere aus dem Genderblickwinkel:

Mein Idol war Mehmet Scholl. Der hing zumindest über meinem Bett. Als ich das erste Mal zur Nationalmannschaft kam und dort auf Doris Fitschen und Steffi Jones traf, habe ich schon große Augen gemacht.

Die Ehe bröckelt, die Familie wächst

Jetzt, da sogar die CDU sich zähneknirschend mit der Gleichstellung Homosexueller befassen muß, ist die Ehe anscheinend die nächste Bastion, die fallen wird. Dennoch tun sich einige Konservative mit dem abrupten Kurswechsel sehr schwer, insbesondere beim Thema Ehe.

Nun kann man einerseits sicher argumentieren, daß es keine besonders wichtige Errungenschaft ist, wenn Schwule und Lesben sich nun eben auch in einem tendenziell arg patriarchalen Konstrukt ganz öffentlich und mit Staatsvertrag wiederfinden dürfen.
Aber da liegt der Hase im Pfeffer: weil gerade die Ehe das Symbol für Heteronormativität ist – was bedeutet es dann, wenn plötzlich auch Nicht-Heteros zum Klub gehören sollen? (mehr…)

Keine Opfer zweiter Klasse

Bei den Tätern ist man sich schnell einig, daß deren Verhalten (z. B. bei häuslicher Gewalt, Belästigung, etc.) falsch ist, daß es verurteilt gehört. Daß die Verurteilungen aber auch vor den Opfern dieser Zustände nicht halt macht, ist auch bekannt – zu kurzer Rock, zur falschen Zeit allein unterwegs,… die übliche Victim Blaming – Palette, die jede_n trifft.
Und dennoch werden Unterschiede unter den Opfern gemacht – besonders, wenn es sich um Leute handelt, die nicht dem gewünschten Opferklischee mit „passendem Verhalten“ handelt.
Das konnte man schon gut bei Natascha Kampusch sehen, die sich eben nicht als das schwache, demütige Opfer vermarkten ließ, sondern in die Offensive ging und sich lieber selbst vermarktet, als das anderen zu überlassen.
Solche Opfer sind unbequem – es ist für viele leichter, einem verschüchterten, rettungsbedürftigen Hascherl Mitleid und Solidarität entgegenzubringen, als einer Frau, die sich eben nicht als gebrochen, sondern als starke Persönlichkeit präsentiert.
Viruletta spricht noch andere Betroffene an, die eben nicht in das Opferklischeebild passen. Beispielsweise Prostituierte, die zwar überdurchschnittlich oft sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind, aber kaum Solidarität erfahren, sei es doch „milieubedingt“. In anderen Worten, da geht es irgendwie okay. Sind ja nur Sexarbeiterinnen. Die müssen doch mit sowas rechnen. Und irgendwie „sind sie ja auch dazu da“, so die nicht allzu seltene Meinung – ein Klassiker“argument“ für Prostitution ist immer noch „Ist doch besser, sie gehen zu Professionellen und leben da ihre Triebe aus, als daß sie wen vergewaltigen!“
Es wird ein Graben aufgemacht zwischen „guten Opfern“, die ins Bild passen, und „schlechten Opfern“, die irgendwie selbst daran schuld hätten, unserer Unterstützung nicht „würdig“ seien, „Schmuddelopfer“ sozusagen.
Die „selber schuld“-Klatsche kriegen vor allem auch die Betroffenen von häuslicher Gewalt zu spüren, die sich erstmal nicht vom Täter trennen, sondern bei ihm bleiben. Da können wir uns noch so sehr wünschen, sie würden ausbrechen aus dem gewalttätigen Umfeld – viele tun es nicht. Wegen der Kinder, wegen oft jahrelang aufgebauten (psychischen oder finanziellen) Abhängigkeiten, aus Liebe, aus vielen Gründen. Und verhalten sich dabei nicht so, wie man das gerne hätte.
Doch auch diese Opfer verdienen genauso viel Solidarität, schließlich sind ihre Gewalterfahrungen deswegen nicht minder schlimm. Sie brauchen genauso viel Unterstützung und eben auch die Zusicherung, daß NICHTS von dem, was sie getan haben oder tun, Gewalt an ihnen rechtfertigt:

Solidarität darf nicht dort aufhören, wo die Betroffenen eigenmächtige Entscheidungen treffen. Auch wenn sie den Unterstützenden missfallen. (…) Kein einziger davon muss den Unterstützenden logisch erscheinen. (…) Wichtig ist, dass die Betroffenen trotzdem weiterhin auf Unterstützung zählen können. Dass sie weiterhin über die Gewalt reden können, ohne dafür sanktioniert zu werden. Dass ihnen weiterhin bewusst gehalten wird, dass die Schuld für die Gewalt nicht bei ihnen liegt. Und zwar unter keinen Umständen.

Die Täter*innen bleiben Täter*innen. Die Gewalt, die sie ausüben wird nicht weniger schlimm, je länger sie ertragen wird. Dass sie ertragen wird, entschuldigt oder verharmlost das gewalttätige Verhalten in keinster Weise.