Beiträge von femelle

Fifty Shades of Grey – eine Begegnung

„Ich schlafe nicht. Ich ficke. Ich ficke hart.“

SPIEGEL ONLINE beklagt sich, der Film biete nur „Blümchensex, etwa acht Minuten“, moniert gleichermaßen allerdings, daß nichts „dezent“ sei, „nicht mal die Schleichwerbung“. Für die taz verbirgt sich eine subkutan verabreichte, politische Botschaft, da der besagte Vertrag „nur am Rande ein sexuelles Spiel [regelt].“ Und die FAZ meint, dieser „Unfug tut weh, fesselt aber kein bißchen.“ Nicht nur die Presse versucht sich zu übertrumpfen im degoutieren des Filmes, auch der Großteil der KinobesucherInnen, scheint ziemlich enttäuscht die eigentliche Thematik betreffend, und das Adjektiv „langweilig“ wird sich in dieser Hinsicht wohl bald der Inflation stellen. Da ich die Romane von Autorin E.L. James, welche die Verfilmung auch (mit-)produzierte, weder las noch zur Kenntnis nahm, kam ich nicht umher, ebenfalls einen Blick ins Lichtspielhaus zu werfen, um zu erfahren, ob all die negativen, geradezu vernichtenden Kritiken sich bewahrheiten, deren Ironie es ist, daß gar die positiven Attribute in den Rezensionen negativer Konnotation gleichen. So hatte ich zwar durch hiesige Berichterstattungen schon indirekt ein Bild geformt, was meine Erwartungen gleichermaßen immens herunterschraubte, ich mir aber dennoch stets gesagt habe, dem Film als eigenständiges Werk eine Chance zu geben, um mir ein eigen Bild zu machen. So war ich heute im lokalen Kino. Und ich habe überlebt. (mehr…)

Probleme und Hürden des heutigen Feminismus

Designer und Moderator Guido Maria Kretschmer hat dem SPIEGEL in der aktuellen Ausgabe ein kurzes Interview bezüglich seiner neusten TV-Show „Deutschlands schönste Frau“ gegeben, welche jedoch keine essentielle Rolle spielt, da Kretschmer auf die Frage, ob er Feminist sei, eine bejahende Antwort gegeben, mit der Begründung, er habe lange die EMMA gelesen und fände es „traurig, daß Frauen noch immer nicht die gleichen Karrierechancen haben wie Männer“, was einer Zustimmung der Frauenquote gleicht. Nun werde ich mich nicht anmaßen, zu urteilen, wer sich nun FeministIn „schimpfen“ darf, und wer nicht, allerdings bedarf es einer kleinen Analyse, weshalb gerade die Bekundung zum reaktionären EMMA-Feminismus und die Bejahung der Frauenquote einen Teil des Feminismus ausmacht, ihm aber gleichermaßen auch im Wege steht.

Madame Alice Schwarzer war in ihrer frühen Zeit eventuell feministisch orientiert und hat ihre pedantische Interpretation als Wegweiserin des Feminismus‘ per se entwickelt, welches von allerlei Medien wohlwollend aufgenommen und verbreitet wird. Allerdings ist es gar nicht so leicht, den schwarzer’schen Feminismus zu formulieren, da formal seiner eigenen Selbstzuschreibung widerspricht. Man könnte den Schwarzerismus als eine Antwort auf die postliberale 68er-Bewegung verstehen, welcher ein Ventil für die aufkommende Sexualität beschreiben möchte. Einerseits bejaht Alice die offene Sexualität und instrumentalisiert sie gleichermaßen als Fundament für ihren Ismus. Andererseits wird jene positive Besetzung auch gleichermaßen als Schwert verwendet, um eine, in ihren Augen, „obszöne Auslegung“ jener gewonnenen Freiheiten zu bekämpfen. Sie scheint in dieser Aufarbeitung einen konservativen Weg einschlagen, welcher primär nicht zu beklagen wäre, da ein pluralistischer Feminismus funktionieren kann, gleichwohl Schwarzer diesen Weg in den letzten Jahren als Personifizierung der Weiblichkeit und des Kampfes der Frau entwickelte. Dabei erklärte sie nicht nur dem Sex an sich den Kampf, sondern auch jedwede Vermarktung und Selbstbestimmung bis hin zur (konsumorientierten) Kunst, welcher sich dahingehend sublimierte, den Feminismus im entristischen Sinne auszuhöhlen und nach eigenem Duktus zu definieren. Es mag (nur für mich?) paradox erscheinen, erstens für eine Selbstbestimmung zu kämpfen, gleichzeitig, also zweitens, jenes Recht wieder einzuschränken resp. eine Pseudo-Bekämpfung der Öffentlichkeit zu forcieren. Eine Kritik an die Pornographie ist in jedem Kontext gerechtfertigt, allerdings nicht in dem Maße wie Schwarzer sie formulierte. Nach ihrem Willen wäre jene Kunstform schon längst verbannt und in alle Ewigkeit verboten, wohlwissend, daß es auch eine feministische Interpretation der Pornographie gibt, sie diese aber für eine Verschleierung einer patriarchalen Sex-Industrie zu verstehen vermag. Diese Kritik ist verständlich, schießt aber am eigentlichen Ziel vorbei. Das Verbot der Pornographie käme einer radikalen Zensur der Meinungs- und Kunstfreiheit statt. Es ist richtig, gewisse Formen der Pornographie zu bekämpfen resp. ihr entgegenzuwirken, beispielsweise in der Unterstützung feministischer Pornos oder in der Entradikalisierung der kontrollierenden Männlichkeit. (mehr…)

Pick-Up-Artists als maskulinistische Erscheinungsform

Das linke Magazin „konkret“ hat in seiner ersten Ausgabe des neuen Kalenderjahres die Pick-Up-Artists, die schon bereits hier zweimal besprochen wurde, auseinandergenommen und einen radikalen Schritt begangen. Die zuständige Autorin Iris Dankemeyer, welche das sexistische Phänomen unter dem Titel „Pannendienst“ beschrieb, interpretiert die Methodik nicht als Aufruf zur Vergewaltigung, sondern als Gebrauchsanleitung eines Amok. Den Männern wird in den Kursen beigebracht, daß die primären Emotionen kontraproduktiv und mittels bestimmter Taktiken, wie das Freeze-Out, der Wille der Frau manipuliert werden kann und soll, um an die Früchte zu gelangen, welche gepflückt werden möchten. Dabei, und das hat Iris Dankemeyer richtig erkannt, ist das „Projekt“ von Julien Blanc lediglich eine Personifizierung der eigentlichen Ungleichheit der Gesellschaft, in der die Schnellebigkeit und der ständige Leistungsdruck sich auch auf das Sexualleben auswirkt. Der gegenwärtige Sexismus, welcher in seiner modernen Auslebung meist einseitig agiert, die Frau betreffend, provoziert ein Bild, in der die Frau als etwas gepriesen wird, das als Ziel unerreichbar scheint und durch modische Attribute sexualisiert wird, derweil konservative Medien und Privatpersonen häufig skandieren, eine Frau habe mit der Wahl der Kleidung auch eine Mitverantwortung, falls es zu einem Übergriff kommt. Daß es nun gerade auch Kurse gibt, welche dieses Denken schulen und als ein regulären Bestandteil der Gesellschaft manifestieren soll, offenbart die eigentliche Reichweite, welche diese Problematik umspannt. Der Reiz des Sex‘ wird immer häufiger bagatellisiert und der Mann wird als ein „Jäger“ degradiert welcher nur dann Respekt von Gleichgesinnten erhalten wird, wenn sich seine Liste individuell füllt. (mehr…)

X (Dritte Option)

Fühlst Du Dich weiblich? Fühlst Du Dich männlich?

Zwei Fragen, welche primär wohl nichts außergewöhnliches sein mögen, doch breche man das tradierte Verständnis derer auf, vermag sich dahinter eine Kategorisierung zu verbergen, die Identitäten gleichsetzt. Diese zwanghafte Einordnung wird schon bei der Geburt vollzogen, in der ein blaues oder ein rosa Bändchen veranschaulichen soll, daß dieses Kind nun männlich oder weiblich ist. Die Frage ist allerdings: läßt sich das anhand von primären Geschlechtsmerkmalen festmachen? KritikerInnen kommen gerne mit dem Argument, daß die Geschlechtszuweisung rein biologischer Konnotation geschuldet ist, und sie nicht mit der sexuellen Identität gleichzusetzen wäre. Doch das ist ein Trugschluß, was den KritikerInnen selbst nicht klar zu sein scheint. Dafür müßte man erst einmal in Erfahrung bringen, was die Kriterien für eine Weiblichkeit und eine Männlichkeit wären, was allerdings äußert schwierig ist. Dabei ist es nicht damit gesagt, daß jeder Mensch, wer eine Gebärmutter hat, sei weiblich, und jeder Mensch, wer einen Phallus besitzt, wäre der Männlichkeit zuzuordnen. Die eigentliche Weiblich- und Männlichkeit unterliegt einem soziologischen Prozeß, welche Regeln etabliert, die es nur schwer zu brechen gilt, welche allerdings gerade die Einordnung zementiert und einen Individualismus schwer zuläßt, was sich in Diskriminierungen widerspiegelt. Dabei möchte ich noch gar nicht transsexuelle oder auch intersexuelle Menschen ansprechen; die Bindung, der „fließende Übergang“ zu den zwei Geschlechtern ist kaum mehr zu definieren, da einerseits die Grenzen in selbst definierter Regel sich anpassen, andererseits sie sich der Starrheit unterworfen, um so eine Abgrenzung zu schaffen. Dabei kann man einen schnellen, leichten Selbsttest machen, in dem man sich fragt, was man unter Weiblich- resp. Männlichkeit versteht; die meisten Antworten würden sich um Erscheinungsbilder drehen, und in diesem Kontext auch schon eigene Kategorien erschaffen, was das ganze Konzept der Zweigeschlechtigkeit ad absurdum führt. So werden lesbische Frauen, geben sie sich fern der von Gesellschaft zementierten Weiblichkeit, gerne als „maskulin“ angesehen, ihnen wird in dem „Vorwurf“ nun eine geformte Weiblichkeit genommen. Denselben Effekt haben wir bei schwulen Mitmenschen, die sich „feminin“ verhalten, ihnen somit eine Männlichkeit abgesprochen wird. (mehr…)

Warum „Ausfrieren“ gefährlich ist

Die heutige taz interviewte den Psychologen Andreas Baranowski bezüglich der Thematik der sogenannten „Pickup-Artists“ und deren Methoden, Männern Anleitungen zu geben, wie man Frauen wohl „abschleppen“ könnte. Dazu möchte ich eine Aussage von besagtem Psychologen aufgreifen, welche eindrucksvoll zeigt, weshalb, und dies ist durchgehend die Argumentation in dem Interview, auch eine nonverbale sowie nicht-physische Herangehensweise eine stark subtile Diskriminierung in dem Sinne offenbart, als daß die Konsequenz daraus eine Hierarchie sublimiert, welche angeblich mit den Regeln des „Flirtens“ d‘accord läuft; die Rede ist von „Freezeout“. Diese Methode wird angewandt, wenn die Frau trotz emotionaler Nähen und Worten nicht bereit ist, den Coitus zu vollziehen. In dieser Situation solle sich der Mann bewußt entfernen und sich anderen Dingen widmen, beispielsweise der Arbeit am Laptop. Diese Distanz solle von einer emotionalen Kälte begleitet werden, die der Frau suggerieren soll, jene sei nun nichts mehr „wert“ und solange sie das Einverständnis für den Sex nicht gibt, sei sie „belanglos“. Der Psychologe in der taz meint, dies laufe mit Regeln des Flirtens konform und sei in dem Maße nicht „gefährlich“, wie die Medien stets die „Pickup-Artists“ beschreiben würde. (mehr…)

#Emmaistfuermich

Auf Twitter sorgt gerade ein Hashtag für Aufregung, welcher von dem Magazin EMMA initiiert wurde. Die originäre Intention war es wohl, eine positive Resonanz einzufahren, was auch gelang, doch auch die KritikerInnen meldeten sich – auch FeministInnen.

Persönlich möchte ich die Kolumne von Margarete Stokowski hervorheben, welche in der heutigen tageszeitung erschien. In jener wird der Lookism innerhalb des EMMA-Feminismus erwähnt, da jene Redaktion nach wie vor ein inklusives Idealbild der Frau propagiert, bei dem die Bestimmung des eigenen Körpers eine sekundäre Rolle spielt. Denn, so EMMA-Logik, wer sich in der Öffentlichkeit freizügig gibt, schüre damit nur Sexismus und gäbe dem männlichen Geschlecht nahezu eine Einladung, die Frau zu unterdrücken. Allerdings erfüllt sie durch diese Meinung lediglich das Bild jener Menschen, welche den Feminismus als etwas rein exklusives des weiblichen interpretieren. Darüberhinaus ist solch eine Aussage ebenfalls eine Pauschalisierung der Männer, was sich auch in älteren Ausgaben widerspiegelt. Beispielsweise sei nur diese Person ein Mann, welche Prostitution ablehne und den „Kauf von Sex“ verbiete. Das dies kontroverse Debatten entfacht, ist kein Geheimnis, doch jene offenbaren auch die subtile Sexfeindlichkeit des EMMA-Feminismus. (mehr…)

Schadet FEMEN dem Feminismus?

Gleich zu Beginn: nein, ich habe kein Problem mit der FEMEN-Bewegung. Ich habe ein Problem mit der Stagnation der Kritiker, welche vergessen, daß der Feminismus per se keiner allgemeingültigen Erklärung standhält, da stets im progressiven Wandel, trotz des ständigen, wichtigen Beharrens auf die Wurzeln.

Was ich oft zu hören bekam war die Aussage, daß FEMEN den Frauen schade und sie selbst diskreditieren würde. Bei mehrmaligem Nachfragen bekam ich keine vernünftige Antwort, also beschloß ich, mich selbst auf die Suche zu machen. Dabei muß als erstes beachtet werden, daß sich aus einer gesellschaftlich relevanten Bewegung Strömungen bilden können, welche nicht zwingend konform laufen müssen. Das Phänomen der Pussy Riot, welche eine säkulare Kritik mit ihrer Inszenierung postulieren, mag erst sekundär eine feministische Aussage beinhalten. Dennoch scheint dieser Gedanke zu kurz gegriffen, da sich hinter dem Klerikalismus mehr versteckt als eine doktrinäre Ideologie, welche sich festen Schriften verpflichtet fühlt. Das Werkzeug der Frau erfüllt hier in der Kritik eine ebenso ironische wie auch durchschlagende Funktion; zum einen wird hier, ganz gleich in welcher Ausführung, der Körper der Frau als „Magnet der Aufmerksamkeit“ benutzt, um im selben Zug durch die regelrechte Verkörperung der Emanzipation einen Progressivismus zu etablieren, der Geschlechterrollen und Manifestationen der Grenzen ad absurdum führen sollte, dieser Prozeß allerdings nie soweit interpretiert wird, da der „Magnet“ eine zu virulente Aufgabe erfüllt und den Sexismus nicht kritisiert, sondern dank „etablierter“ Medien und Persönlichkeiten gefördert wird, in dem die Kernaussage revidiert wird und als Angriff inszeniert. Will heißen, so sagen sie, die Entblößung schade Frau in dem Sinne, da durch jene Aktion die Fokussierung verschoben wird. Eine Kritik, welche man teilen könnte, würde man sich nur auf diese plakative Herangehensweise konzentrieren. (mehr…)

Rot. Oder doch blau?

Da war dieser Junge in dem Laden.

Die Schlange vor der Kasse war vergleichsmäßig lang, so lauschte ich diversen Gesprächen. Eines fand sofort mein Gehör, in dem eine Mutter einem Jungen einen Wunsch ausschlug. Normalerweise sollte man darüber keine Zeilen verlieren, allerdings war die Ausgangssituation sowie deren Verlauf nicht einer „gewöhnlichen“ Situation untergeordnet. Er wollte dieses rote Bändchen haben. Für seinen Arm. Die Antwort der Mutter: so etwas trägen lediglich Mädchen, und vor allem sei die rote Farbe ein Sinnbild des Femininen, so habe ihr Sohn sich von jenem fernzuhalten, um dort eine Grenze zu ziehen.

Diese Situation fungiert als Beispiel einer gesellschaftlichen Problematik, in der wohl nicht-verletzend gemeinte Richtlinien und Grenzen langfristig eine indirekte Transphobie und Diskriminierung nach sich zieht. Daß die blaue Farbe des Männlichen verpflichtend und die rote dem Weiblichen, mag der historische Konnotation geschuldet, jedoch dient diese Farbdiskriminierung nicht der Entwicklung eines Individuums. Die Aussage, es gäbe geschlechtsspezifische Farben, ermöglicht den jungen Mitmenschen keine gesunde Reflexion und schadet so der Entwicklung, auch die Persönlichkeit, da ein starres Verharren auf das Männliche und das Weibliche zerstörend wirken kann. Denn: primäre Geschlechtsmerkmale sind nicht gleichzusetzen mit der Geschlechtsidentität. (mehr…)