Beiträge von Kerstin

Bis(s) aufs Blut

Von der Menstruation und ihrem Einfluss auf die Kultur – ein kurzer Abriss von damals bis heute.

Über die Beschwerden der Frau wusste der Mann schon immer am besten Bescheid. Schon in den frühen 90ern befanden Johnson und Johnson, zwei scheinbar als Anthropologen und Kulturwissenschaftler ambitionierte junge Herren, dass die Geschichte der Menstruation eine Geschichte voller Missverständnisse sei. Eine Zusammenfassung von Jahrtausenden, in denen Mann eine blutende Frau immer auf Abstand hielt.

Die Menstruation hat in der Mythologie des christlich geprägten Abendlandes ihren Ursprung im Ungehorsam der Frau. Eva verführte Adam mit einem Apfel – wie so oft war der Mann leicht zu haben. Zur Strafe wurde man des Paradieses, wo Wolf neben Lamm verweilt, verwiesen. Flammende Schwerter inklusive.

Wie vielen bekannt erklärt das Alte Testament weiterhin eine Frau während der Menstruation für unrein, diese Unreinheit kann auf andere Gegenstände und Menschen übertragen werden. Bei den Römern befürchtete man, dass der Wein in ihrer Anwesenheit sauer wird, Obst von den Bäumen fällt und Samen die Kraft zu keimen verlieren. War es die Angst um die Keimfähigkeit des eigenen Samens, die den Mann seit jeher annehmen ließ, das Blut einer menstruierenden Frau besäße böse Kräfte?
Beispiele für Kulturen, in denen der Menstruation als Zeichen der Fruchtbarkeit etwas Positives anhaftet, finden sich indes nur schwer.

Natürlich hat dieser kulturelle Druck auch einen Einfluss auf das Selbstbewusstsein der Frau im gebärfähigen Alter. Die Mädchen vor der Menarche wünschen sich „noch nicht so bald dran zu sein“. Denn sonst kann man nicht mehr ohne Weiteres schwimmen, reiten, Tennis spielen. Hat einen dann doch der Fluch Evas ereilt, wird frau gestopft und gewindelt. Es finden sich in den Drogerien Binden mit Duft und Tampons mit Auslaufsperre. So dass nur keine Gefahr besteht, irgendjemand könnte ahnen, in welch jammervollem Zustand man sich gerade befindet. Unter Umständen auf Kosten der Vaginalflora. Welche Frau mittleren Alters hat noch keine unliebsamen Erfahrungen mit einem Vaginalpilz, der durch zu viel und nicht zu wenig Hygiene entsteht, gemacht?

Und schon gibt es – Fortschritt sei dank – die Pille, mit der sich die Periode der Frau auf viermal im Jahr reduzieren oder auch ganz unterbinden lässt. Ich denke man sollte froh sein, wenn man gesund ist und eine gesunde Periode ist ein Zeichen des Körpers, der sagt „Mir geht es gut.“ – ein unnötiges Herumpfuschen bringt da vielleicht mehr Schaden als Nutzen. In Zusammenhang mit starken Beschwerden jedoch, wie einer regelmäßig auftretenden Migräne oder Endometriose, sicher eine sinnvolle Entwicklung. Als Schritt hin zu einer makellosen Frau ohne störende Komponente sicher nicht das richtige. Viel eher ein Gegenentwurf zu Charlotte Roches Heldin Helen, die mit einer nie zuvor in der Literatur gekannten Inbrunst menstruiert und ihr Frausein zelebriert.

Dieses (anti-)Frauenbild findet sich in einem anderen populären Stück Literatur der letzten Jahre: Bella, der schöne Schwan der Twilight-Saga, durchlebt im vierten Teil der Reihe die Transformation zu einer Vampirin. Dahin ist die Last des Menschseins. Die Menstruation sagt Adieu und macht Platz für Makellosigkeit, Eleganz und Anmut.

Mein Gegenentwurf zur blassen Bella wäre eine starke Isabella, die sich zu Team Jacob bekennt. Auch wenn es sich bei Jacob leider nicht um einen klassischen Werwolf handelt, der sich wie der Zyklus der Frau in seinen Veränderungen nach dem Mond richtet, so dürfte die Gattin jeglicher Art von Wolf in den Wäldern gewiss weiterhin Frau sein. Alle 28 Tage könnte sie nackt auf seinem Rücken durch den Wald reiten. Wolfsfell soll sehr saugfähig sein.