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„Gender, Queer und Medien – Gegenwärtige Ansätze und Perspektiven“

Anfang November, nämlich vom 5.-7.11.09, findet in Hamburg die Tagung Gender, Queer und Medien – Gegenwärtige Ansätze und Perspektiven der Fachgruppe Medien, Öffentlichkeit und Geschlecht (DGPuK) statt.
Behandelt werden: Queer Studies, Performativität, Doing Gender – Doing Difference, Intersektionalität, Diskursanalyse und Pop-Kulturen. Die gesamte Tagung gibt’s zum ermäßigten Preis um 20€, ein Tag kostet 10€. Anmeldung via Website.

„ORF again“

Dieses ,Online-Spiel’ ist zutiefst frauenfeindlich. Es fordert dazu auf, mit einer Steinschleuder auf eine junge Frau zu schiessen – die meisten Punkte bekommt man(n) dann, wenn der Frau Verletzungen zugefügt werden (Blutergüsse an Wangen, Augen, aufgeplatzte Lippe) und beide Brüste entblösst sind bzw. sie durch die Schüsse ganz nackt ausgezogen wird. Dies stellt eine Propagierung sexualisierter Gewalt gegen Frauen mittels eines ,Unterhaltungsspiels’ dar, die an Dummheit, Untergriffigkeit und Frauenfeindlichkeit schwer zu überbieten ist.

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stellungsstraße für mädchen

die feministische freiheitliche partei österreichs (fpö) beklagt: frauen massiv benachteiligt! – „dürfen“ nicht zur musterung beim militär.

„Warum also nicht auch die Mädchen durch die Stellungsstraße beim Heer schicken?“ Das Argument könne die geschlechtliche Gleichbehandlung sein.

- mit „gleichbehandlung“ lässt sich auch der hinterletzte dreck rechtfertigen. ein anschauungsbeispiel.

Frauenwanderung: Auf den Spuren der PartisanInnen.

Urlaub mal anders. Hätte ich Zeit, wäre ich dabei.

Frauenwanderung: Auf den Spuren der PartisanInnen. Befreiungskampf und antifaschistischer Widerstand gegen des NS-Faschismus

Freitag 19. bis Sonntag 28. Juni 2009
in Südkärnten, Österreich

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Endziel Mensch

Ich freue mich, dass ich nun ab und zu hier schreiben darf und möchte sogleich mit einem Thema beginnen, das mich immer wieder umtreibt. – Der Frage, wie es um Frauensolidarität in diesem Gesellschaftssystem bestellt ist.

In einem älteren Beitrag auf dem Mädchenblog habe ich folgendes Zitat einer Autorin der Mädchenmannschaft gefunden:

Ich finde es sehr wichtig, dass die aktuelle Debatte um den Feminismus noch um einige Perspektiven bereichert wird – durch lesbische Frauen, durch Migrantinnen, durch Alleinerziehende, Arme und eigentlich durch alle, dessen Lebensumstände bisher noch zu wenig beleuchtet wurden.

Diese Haltung – dass Klasse, „Rasse“ oder auch Begehren noch ein bisschen zum Feminimus dazu addiert werden müssten, dann wäre alles im Lot – wurde schon in den 1980ern von Schwarzen Feministinnen kritisiert: Dabei würde nicht nur der historische, sondern auch der gegenwärtige Rassismus weißer Frauen kleingeredet. Ähnliches kritisierten auch jüdische Feministinnen: Bis Ende der 1980er Jahre galten die Frauen den meisten deutschen Feministinnen als kollektives Opfer nationalsozialistischer Herrschaft. Ausgeblendet blieben KZ-Aufseherinnen und fanatische Hitler-Anhängerinnen, ebenso, dass an „der Rampe“ das Geschlecht nicht ausschlaggebend war (was nicht heißt, dass es z.B. innerhalb der KZ keine Diskriminierung von Frauen gab).
Und mittlerweile zeichnet sich in der Theorie ab, dass die kritisierte Vormachtstellung der Geschlechterkategorie tatsächlich überwunden wird. Und ich meine: das ist gut so.

So mancher Feministin mag das nicht gefallen: So werden nun (wieder) vermehrt die Spaltungen zwischen Frauen thematisiert, zwischen der Unternehmerin und den Frauen, die für sie schuften für wenig Lohn, zwischen der erfolgreichen Wissenschafterin und der „illegalen“ Pflegerin, welche die „Drecksarbeit“ erledigt. – Das mag nicht so recht zur vielbeschworenen Frauensolidarität passen.
Doch das Wegschauen ändert nichts an den Tatsachen. Etwa an der Tatsache, dass so manche Karriere nur möglich ist, weil eine migrantische Putzfrau für einen Minilohn zuhause putzt: „Schwesterlichkeit“ äußert sich hier hierin, dass gut gestellte Frauen „geschlechtsspezifische“ Arbeiten an arme Frauen deligieren.

Die Berücksichtigung der Spaltungen der Frauen in Herrschende und Beherrschte, in Privilegierte und Unterpriviligierte, in Unten und Oben, in „Legale“ und „Illegale“, verweist auf etwas, was so manche Feministin schon vor Jahrzehnten wusste, was aber in den letzten Jahren in Vergessenheit geraten war: Dass umfassende Emanzipation innerhalb dieses Systems nicht zu haben ist.

Dieses System produziert immer Verliererinnen und Verlierer: Menschen, die sich, um überleben zu können, prostitutieren müssen, die das, was man herkömmlicherweise als Würde bezeichnet, tagtäglich am Fabrikstor, Eingang zur Arbeitsagentur oder Ausländerbehörde abgeben müssen.
Oftmals trifft es von den Geknechteten die Frauen besonders hart: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz – und viele Frauen wagen nicht sich zu wehren, aus Angst um die Stelle, die sie brauchen –, das Aufenthaltsgesetz, das es migrantischen Frauen, die unter ehelicher Gewalt leiden, oft unmöglich macht, sich zu wehren. Auch legen viele Arbeiter und Angestellte gegenüber Kolleginnen abwertendes Verhalten an den Tag: In der Konkurrenz ist nicht wenigen jedes Mittel recht; auch so mancher tröstet sich über seine niedrige Postion in der gesellschaftlichen Hierarchie damit hinweg, dass er auf anderen, von denen er meint, sie stünden in der Hierarchie der Wertigkeiten unter ihm, herumtrampelt. Das ist meiner Meinung nach auch ein wesentlicher Grund dafür, dass sich die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter noch nicht immer in partnerschaftlichem Umgang im Privatem zeigt: Auf die Möglichkeit der Kompensation eigener Schlechterstellung will nicht jeder verzichten1.

Daran, dass diesen Missständen in aller Schärfe entgegengetreten werden muss, besteht kein Zweifel. Kapitalismuskritische Menschen z.B., bei deren Äußerungen man manchmal nachgerade den Eindruck gewinnt, Feminist_innen seien einer der „Hauptfeinde“, scheinen mir einer verqueren Verelendungstheorie anzuhängen. – Als würde der Verzicht auf solche Kämpfe und die sich nicht immer, aber doch des Öfteren einstellenden Erfolge, zu mehr „revolutionärem Bewusstsein“ führen würden.
Solange grundlegendere gesellschaftliche Veränderungen nicht abzusehen sind, müssen sich Frauen organisieren und wehren – soweit es möglich ist.

Doch es ist meiner Meinung eine Tatsache, dass die Kämpfe der Frauen beschränkte sind. Frauen, Arbeiterinnen und Kapitalistinnen, sind eben nur in einer Hinsicht „Schwestern“: als Angehörige eines Zwangskollektiv. Sie verbindet keine „weibliche Natur“ oder „Intuition“ – ihre einzige Gemeinsamkeit besteht in der Diskriminierung als Frau.
Ansonsten sind sie Gegnerinnen: Die Unternehmerin, die so wenig Lohn zahlen will wie nur möglich – also stets daran arbeitet, Lohnarbeiter_innen in eine noch miesere Lage zu drücken – , und die Arbeiterin, die sich den Unternehmer_innen prostituieren muss. Und auch die Arbeiterinnen unter sich bekämpfen sich nicht selten, stehen sie doch auf dem Arbeitsmarkt in Konkurrenz zueinander. Die vielbeschworene Frauensolidarität findet schnell ein Ende in diesem System.

Daran ändert auch die Beschwörung der „Weiblichkeit“ nichts. Dies ist nur Affirmation des Zwangskollektivs „Frau“. Radikaler Feminismus zielt auf Abschaffung dieses Zwangskollektivs. – Umfassende Gesellschaftskritik bleibt dabei aber nicht stehen und findet sich auch nicht mit der von bürgerlichen Feministinnen angestrebten geschlechtergerechten Herrschaft ab: sie zielt auf Abschaffung aller Zwangskollektive, somit auch auf Abschaffung von Kapitalismus und bürgerlichem Nationalstaat. – Auf dass es einmal eine Gesellschaft gebe, in der sich Frauen (und auch Männer) nicht mehr gegenseitig bekämpfen (müssen). Für eine Gesellschaft freiwilliger Kollektive.

  1. Doch auch so manche Frau findet noch jemanden, der unter ihr steht: Solidarität zwischen „ordentlichen deutschen“ Frauen und „sozialschmarotzenden Migrantinnen“ ist nicht ohne Grund selten. Statt mit migrantischen Kolleginnen „gemeinsame Sache“ zu machen, richtet sich manche Frau lieber in der gesellschaftlichen Hierarchie ein. [zurück]