Beiträge von leonie

Twitter und ich sag dir welches geschlecht du hast

Ein us-amerikanisches Forscherteam, meint anhand des Inhaltes von Twittermeldungen, das Geschlecht der/des Verfasser_in bestimmen zu können. Dabei wird, oh Wunder, ganz tief in die Stereotypenkiste gegriffen.

Unter dem Titel Discriminating Gender on Twitter beschreiben die Forscher, wie es ihnen gelungen ist, in 76 Prozent aller Fälle das richtige Geschlecht von Tweet-Schreiben zu ermitteln, selbst wenn es neben dem eigentlichen Text keinerlei weitere Information über den Autor gab.(…)
Am Ende spuckte die Software eine lange Reihe von Worten und Wortbestandteilen aus, die statistisch am meisten bei Männern oder Frauen vorkommen. Entlarvend ist demzufolge zum Beispiel die Verwendung des persönlichen Fürworts my. Logisch ist noch, dass ein Mann eher „my wife“ schreibt und eine Frau eher „my husband“. Aber in weiblichen Tweets tauchen offensichtlich auch deutlich häufiger die Kombination „my yoghurt“ und „my yoga“ auf, während bei Männern hinter my eher „zipper“ oder „beer“ folgen. Außerdem verwenden Frauen deutlich häufiger Smileys oder Ausrufezeichen als Männer. Frauen tippen „haha“ und „love“ und „feeling“ in die Statusleiste. Männer hingegen deutlich öfter „http“ und „google“.

No Photoshop

Großbritanien macht vor, was sich auch hierzulande viele Menschen wünschen. Der Werberat verbot eine L`Oreal Werbung wegen Irreführung der Kund_innen.

In der Anzeige wird die Schauspielerin Julia Roberts deutlich verjüngt abgebildet, keine einzige Falte schmückt ihr Gesicht. Der Teint ist perfekt. Eine makellose Schönheit, so wie wir es von Hollywood gewöhnt sind. Oder sein wollen, den hinter der Fassade, steckt oft nur ein Computerprogramm: „Photoshop“. Und dieses kann nicht nur Gesichter glätten, sondern auch Popos und Beine. Kann Busen und Lippen hin machen wo keine sind. Kurz, ein Programm, das von Natürlichkeit wenig hält. Die Konsequenzen: vor allem der weibliche Körper wird zur Bastelstube, hier etwas hin, hier etwas weg, genau so wie es der patriarchale Blick wünscht.
Dass, dieses dadurch generierte Bild nicht ohne Folgen bleibt, weiß auch die Soziologin Waltraud Posch.

„Es ist absolut nicht egal, welche Bilder in den Medien präsentiert werden“, sagt Soziologin Waltraud Posch. Die Österreicherin befasst sich in ihren Forschungen mit Körpersoziologie und Schönheitsidealen – und hat einen beunruhigenden Trend festgestellt: „Das Ideal verengt sich immer weiter. Schlank, fit, jugendlich, strahlend – diese Kriterien werden immer wichtiger.“ Die Vorgaben, was sozial erlaubt und erwünscht ist, werden immer strenger. Dies gelte nicht nur für Jugendliche, sondern genauso für Erwachsene.

Dabei spielt es laut Posch keine Rolle, dass sich viele Betrachter der Nachbearbeitung von Bildern grundsätzlich bewusst sind. Die schiere Menge der Aufnahmen, die täglich auf einen Konsumenten einprasseln, hebele diese wichtige Einordnung aus. „Wir sehen so viele Bilder, dass wir die Manipulation irgendwann nicht mehr bemerken“, so Posch.

In Großbritanien sieht das dann so aus:

„Die Hälfte der britischen Mädchen zwischen 16 und 21 Jahren würde sich einer Schönheitsoperation unterziehen. Die Zahl der essgestörten Jugendlichen hat sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Das übertriebene Retuschieren trägt zu diesem Problem bei.“

Bravo verherrlicht Vergewaltigungen

von Nadine (Mädchenmannschaft)

Über den Gehalt der Foto-Lovestorys im Jugendmagazin Bravo lässt sich streiten: Geschlechterklischees und Heternormativität sind immer wieder gern gesehene Zugaben für die Redaktion, um die Geschichten der Jugendlichen mit Inhalt zu füllen.

Uns erreichte gestern ein Hinweis auf diese Geschmacklosigkeit in einer Foto-Lovestory namens “Der One-Night-Stand” (Triggerwarnung!): Neben den üb­li­chen langweiligen sexistischen Implikationen (Jungs wollen unter sich sein und Fuß­ball gucken, Mädchen nerven dabei nur – Mädchen wollen lieber kuscheln, sind emotional und engen ihren Partner ein), wird in diesem Fotostrip nicht-kon­sen­sualer Sex dargestellt, ohne diesen zu problematisieren.

Sie betrinkt sich, weil sie sauer auf ihren Partner ist, ein anderer Junge bringt sie nach Hause. Dort schläft sie betrunken ein, während er ihre Lage schamlos ausnutzt. Die Situation wird im Anschluss nicht problematisiert, sondern als “harm­loser” One-Night-Stand und “Fremdgehen” verkauft. Als ob das nicht schon un­er­träg­lich genug wäre, erfährt sie im Anschluss, dass der Junge, der gegen ihr Ein­ver­ständnis und ohne Kondom Geschlechts­verkehr mit ihr hatte, ein HIV-Infizierter ist. Zu den Vergewaltigungs­verharmlosungen, -mythen und Victim Blaming in dieser Foto­serie gesellen sich also auch noch Vorurteile gegen HIV-Erkrankte, die – pathologisiert und sozial isoliert – rücksichtlos Menschen “an­stecken”, sobald sich eine Gelegenheit ergibt.

Besonders widerlich in dieser Bravo Foto-Lovestory ist das Gegeneinander-Ausspielen von diskriminierenden Klischees gegenüber Frauen, die vergewaltigt wurden, und HIV-Infizierten. Wer_welche sich beschweren möchte, kann dies beim Presserat tun oder eine Email an die Bravo-Redaktion schreiben.

In 127 Ländern ist Vergewaltigung in der Ehe keine Straftat.

Sind Slutwalks wirklich sinnvoll?

Am 13.08 ist es soweit. In zahlreichen deutschen Städten, darunter Berlin, Frankfurt und München, marschieren die Schlampen. Die Bewegung, welche ihren Ursprung in Toronto fand, will mit einer Sache endgültig aufräumen – eine Frau ist niemals Schuld an einer Vergewaltigung, egal ob sie einen Kartoffelsack oder einen Minirock trägt. Deshalb laufen seit dem 15 Mai rund in vielen Städten tausende Frauen im „Schlampen-Outfit“ durch die Stadt und sagen selbstbewusst „Ich kann tragen was ich will, ohne Angst vor einem sexuellen Übergriff haben zu müssen“. Klingt soweit gut. Die Forderungen der Bewegung sind wohl für jede_n Feminist_in nachzuvollziehbar..
Die Frage ist nur ob die Mittel stimmen. Ist es emanzipatorisch das Wort „Schlampe“ durch Selbstbezeichnung und Neuinszenierung aus der patriarchalen Schmuddelecke zu holen. Und sind High-Heels, Miniröcke und Netzstrümpfe für Frauenbefreiung wirklich notwendig?
Und warum finden die Slutwalks so großen Zuspruch sowohl unter jungen Frauen als auch in den Medien? Viele der Teilnehmer_innen hatten vor dem Walk mit Feminismus und Frauenrechten nicht viel am Hut.
Hier macht sich das mulmige Gefühl breit, dass die Märsche nur eine solch große Aufmerksamkeit bekommen, da sie ein gängiges, ebenfalls patriarchales Frauenbild transportieren – die neue selbstbewusste Frau ist sexy und stolz darauf. Was „Sex and the City“ vorlebte ist jetzt in den Köpfen der meisten Menschen festverankert. Auch SpiegelOnline ist sofort auf den falschen Zug aufgesprungen. Dort war zu lesen: die Frauen marschieren für „ihr Recht sexy zu sein“.
Aber Halt, so ist das nicht! Es geht um das Recht „nicht vergewaltigt zu werden“, ein Recht auf Sexiness braucht es nun wirklich nicht. Ebenfalls geht es darum die wirklichen Täter zu benennen und die Opfer zu schonen, oder, dass nicht wie es in Toronto der Fall war ein Polizeibeamter jungen Frauen rät „sich weniger sexy zu kleiden“ um einer Vergewaltigung zu entkommen.
Bedenklich ist auch die Tatsache, dass die Proteste nahezu alle Frauen ausschließen die nicht dem westlichen Kulturkreis angehören und dessen Kleiderstil nicht teilen. Dazu Harsha Walia auf Feministing:

In the post 9/11 climate, the focus on a particular version of sex (y) -positive feminism runs the risk of further marginalizing Muslim women’s movements who are hugely impacted by the racist ‘reasonable accommodation’ debate and state policies against the niqab. This marginalization has, at least in part, been legitimized through an imperialist feminist discourse that imposes certain ideas of gender liberation and perpetuates the myth that certain cultural/religious identities are inherently antithetical to women’s rights.

Andererseits muss natürlich auch gesehen werden, dass nach den Ereignissen der letzten Monate – siehe Assange, Dominique Strauss-Kahn – ein Aufschrei der Frauen notwendig war und Klasse ist.
Das Thema „sexuellen Gewalt gegen Frauen“ muss in jedem Fall in der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden und vor allem junge Frauen sollten sich dem Recht über ihren eigenen Körper zu verfügen bewusster werden. Darin sehe ich auch das größte Potenzial der „SlutWalks“ – Empowerment. Der Satz „Mein Körper gehört mir“ ist war theoretisch allerorts akzeptiert, in der Praxis werden Frauen aufgrund von gesellschaftlichen Missständen aber oft in eine passive Rolle gedrängt, die einer dominanten allgegenwärtigen männlichen Sexualität in jungen Jahren oft hilflos Gegenüber steht.
Und der Vorwurf aufgrung „aufreizender Kleidung“ eine Vergewaltigung provoziert zu haben ist leider auch heute noch präsent und Teil des allumfassenden „Victim-Blamings“.

Protest ist also angebracht, mir persönlich wäre er nur unter dem Label „Marsch gegen sexuelle Gewalt“ lieber. Da könnten dann alle anziehen was sie immer anhaben oder wollen, oder auch gerne in Netzstrümpfen und Minirock kommen. Die „SlutWalks“ aber generell zu verurteilen und als „unfeministisch“ abzuurteilen halte ich jedoch für gänzlich übertrieben. Denn immerhin organisieren zahlreiche Menschen große Proteste, um für eine gerechtere Welt zu kämpfen.
Und in den Medien ist das Thema jetzt allemal. Also Miniröcke raus aus dem Schrank und ab auf die Straße! (Wenn auch nicht mit einem 100% guten Gefühl.)

Erneute Massenvergewaltigung in der DR Kongo

Erneut Massenvergewaltigungen in der DR Kongo.

Chauvi-Sepp

Sepp Blatter, der wenig sympathische Präsident des Weltfussballverbandes FIFA, hat sich mit seiner Eröffnungsrede zur Fußball-WM, wenig überraschend als Chauvi geoutet, der mit Rollenbildern von Vorgestern aufwartet:

Ab einer gewissen Altersgrenze hat der Frauenfußball ja keine Möglichkeit mehr, sich weiterzuentwickeln, weil die Frauen dann eine andere Aufgabe haben.“

„Andere Aufgaben“, na klar Mutter sein. Dann ist aber Schluss mit kicken. Mütter die Sport treiben, wo kämen wir denn da hin, diese ließen sich vielleicht auch nicht mehr so sexy im Playboy vermarkten.
Herr Blatter, setzen sechs!

„Was für ein Arsch!“

In den an.schlägen findet sich ein sehr gelungener Kommentar über die „Sex-Affäre“ des Dominique Strauss-Kahn.

The Papst-Effekt

Kaum hat das Oberhaupt der katholischen Kirche ein Land besucht und Segen sowie Weihwasser in Hülle und Fülle zurückgelassen, entbrennt auch schon eine Debatte über das Abtreibungsrecht. Neben Ungarn ist dieser Effekt jetzt auch in Kroatien zu beobachten:

Nach dem Besuch von Papst Benedikt XVI am vergangenen Wochenende in Kroatien bahnt sich eine Diskussion um Abtreibung an, die in Kroatien bis zur zehnten Schwangerschaftswoche straffrei ist. Der Familienbischof der kroatischen Bischofskonferenz, Valter Zupan, forderte in der Sonntagsmesse vor 400.000 Gläubigen die Gesetzgeber auf, „endlich das Gesetz über den Abbruch von menschlichem Leben aus den – so möchten wir glauben – vergangenen Zeiten, zurückzunehmen“

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Viele mögen glauben, dass ein reaktionäres Organ wie die katholische Kirche heutzutage keinen politischen Einfluss mehr hat – sieht man sich aber die Lage in Polen an, dürfte jeder_m klar werden dass dem nicht so ist. In Polen waren Schwangerschaftsabbrüche unter dem Sowjetregime straffrei. Mit der Wende und dem neu aufkommenden Katholizismus im Land (der amtierende Papst Johannes Paul II besuchte Polen nicht nur etliche Male, sondern war, ach wie schön, selbst auch Pole) wurde das liberale Abtreibungsgesetz jedoch wieder abgeschafft. Seither sind Abtreibungen in Polen nur straffrei wenn das Leben oder die Gesundheit der Schwangeren in Gefahr ist. Außerdem in Fällen von Inzest oder bei einer Vergewaltigung.
Auch in Ungarn wurde unter Einfluss des Papstes der Schutz des ungeborene Lebens in der Verfassung festgeschrieben. Wie sich das in Zukunft auf das Recht einen Abbruch durchführen zu können, auswirken wird, muss die Zukunft zeigen.
(Dazu ein Interview mit Júlia Spronz, ungarische Frauenrechtlerin)

Die Mischung aus weltlichen Patriarchat mit kirchlicher Frauenfeindlichkeit stellt für Frauen auch heute noch eine große Gefahr dar. Die Todeszahlen dieser Symbiose: 80.000 Frauen die jährlich weltweit an illegalen Abbrüchen (supported by römisch-katholische Kirche) sterben.
Es gilt also auch heute noch das Recht jeder Frau auf einen sicheren Abbruch zu verteidigen, denn weggenommen werden kann dieses Recht jederzeit.

Für Kroatien kann allerdings, vorerst, Entwarnung gegeben werden.

So rechnen auch kroatische ExpertInnen nicht damit, dass die Politik auf diese Aufforderung reagieren wird. Der Soziologe Branko Ancic sagte in der Zeitung „Jutarnji list“, dass die Bevölkerung sehr gut zwischen der politischen und der geistlichen Haltung der Kirche unterschieden, und die politische Haltung ignorieren könne. Religionssoziologe Ivica Mastruko glaubt, dass eine solche Forderung bei einem Teil der Christdemokraten Gehör finden könnte, doch dass diese keine Mehrheit haben würden, um eine Gesetzesänderung zu bewirken.

Again: Kachelmann-Prozess

„Solange wir in einem Täterstaat leben, ist es besser, als Frau den Mund zu halten“
Nebenklägerin greift deutsche Justiz an.