Beiträge von LisaCalisa

Outside the bubble

Outside the bubble

Ich lebe in einer queeren Bubble. Schön ist es hier. Ich habe einen queeren Freundekreis, eine queere Beziehung, gehe auf queere Partys, bastel an queeren Performances, lese queere Bücher, höre queere Musik, gehe zu queeren Ausstellungen, ich organisere feministische Demos und Events, mein Neffe trägt am liebsten Lila, ich lese queere Zines, queere Internetblogs,meine Nachbarin ist queer, ich gehe auf queere Konzerte, ich habe queere Patches auf den Klamotten, ich gehe in queere Bars, mein Zahnarzt ist schwul, meine Frauenärztin lesbisch, meine Theatergruppe queer, meine Friseurin queer; ich diskutiere über Grenzüberschreitung, Diskriminierung in der Szene, Nacktheit auf der Bühne und sprachliche Feinheiten. Kontakte, die nicht reinpassen, werden in der bubble weitesgehend gestrichen. So schön glitzert dann die Seifenblase, kuschelig. Aber täglich zerplatzen diese Selbstverständlichkeiten an der Realität. Täglich muss ich raus aus der bubble, bin die, die anders ist. Muss jedesmal abwägen zwischen Verstecken, Verschweigen, lautstarkt auftreten und verteidigen, geduldig erklären und ganz viel Müll runterschlucken. Meine bubble ist nicht die ganze Welt.
Schwulenwitze hier und da, keine_r, die sich darüber Gedanken macht, ich als Queerulantin, „was regt die sich denn schon wieder auf?!“ (mehr…)

Awareness- handicap

Awareness

Wir sind da. Wir sind mitten unter euch. Wenn es geht. Aber habt ihr uns schon gesehen? Wir sind nicht viele…

Wir sind die Subgruppe „Krank“. Queer und „krank“. Passt das? Es ist auf jeden Fall nicht das hot topic. Und wird auch nicht gern gesehen. Versteckt euch nicht mehr! Versteckt nicht mehr euer Anderssein. Versteckt nicht mehr eure Narben und Wunden, eure Glatzen, eure Mäkel, eure Ängste und Erfahrungen. Es kann so schnell gehen. Ein Unfall, eine Diagnose, ein Röntgenbild, ein Blutwert und Zack, du wirst in eine Welt aus Medizinern, Krankenhäusern, MRTs, Cts, OP- Tischen, Narkosen, Einwilligungen zum Risiko zu Sterben, Medikamenten, Nebenwirkungen, Reha und endlosen Wartezeiten katapultiert. Schwerbehindertenausweis. Ich? Vielleicht bist du schon immer hier. Gehörlos. Blind. Queer? Das spielt im Krankenhaus keine Rolle. Kämpfen für den Feminismus? Vielleicht, wenn die Chemo um ist. Demonstrieren gehen? Ja, wenn die Entzündungen weg sind. Hier wirst du nach deiner Konfession gefragt und ob dein Ehemann an deinem Bett sitzt.
Du wirst rausgezogen aus deiner queeren Welt, die du dir selbst gebastelt hast. Als Einsiedlerkrebs musst du gerade da weiterkämpfen, wo du dich sowieso schwach fühlst. Mit Glück findest du ein paar coolere Leute. Die dich so nehmen, wie du bist.
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Homonormativity

Fight heteronormativity. So what about homonormativity?
Haben wir nicht selber da ein Schubladendenken? Ich finde es gibt auch eine Norm für /und von? all denen, die queer sind/sein wollen?, anders, alternativ, nicht-hetero. Es ist doch bei den wenigsten so, dass „alles erlaubt und alles toleriert ist“, wie es immer so schön heißt. Einerseits gibt es die klischeehaften Rollenbilder der Butch, Femme, Lipstick-Lesbe etc., die garantiert nicht wertfrei formuliert sind, andererseits gewinne ich den Eindruck, dass immer mehr das männliche Rollenbild sich auch durch alle Lesben drängt- „männlich“ sein oder bitteschön mindestens androgyn- ist das einzig wahre und coole- die weiblichen Lesben erfüllen doch angeblich das heternorme Rollenbild- da wird dann statt dessen wohl besser alles gleich vom Männerbild überschattet. Bloß nicht im Rock auftauchen, bloß keine langen Haare haben. Denn das ist ja gleich „zurück sein“ oder womöglich „nicht zu seiner Sexualität stehen“. Aber ist man nicht einen Schritt weiter, wenn man sich darüber hinweg setzt das „coole Lesbenbild“ zu erfüllen? Denn tatsächlich soll es so sein, dass es Lesben gibt, die Einfach So (!) gerne Röcke tragen, ohne dabei den Männern, Schwiegereltern oder dem Chef gefallen zu wollen. Aber dafür ernten diese dann in der Szene herablassende Blicke a la „die weiß wohl noch nicht auf welcher Seite sie steht“ oder „wie verwei/ch/blicht“. Ist das Anti-heternonormativität? Ist frau nur lesbisch, wenn sie männlich ist? Ist mann nur schwul, wenn er weiblich ist?
Wirkliche Toleranz und Offenheit hinsichtlich dessen gibt es nur in wenigen Anti-hetero-Kreisen.
Aber vielleicht wird’s ja irgendwann noch was….