Beiträge von mafalda

Was ist Pornografie?

Ich hatte diese Emma völlig vergessen, bis ich gerade über den Mädchenblog auf deren Seite geraten bin und so kam ich auf eine Kampagne, die mir bekannt vorkam- NoPorno!

„Nach der Definition von EMMA und ihren Mitstreiterinnen ist Pornografie ‚die Verknüpfung von sexueller Lust mit Lust an Erniedrigung und Gewalt. Darum also geht es. Nicht um Nacktheit. Auch nicht um Frivolität. Sondern um Erniedrigung und Gewalt, verknüpft mit Lust. Und um die Prägung ganzer Frauen- und Männergenerationen, die diesen Film – Sex gleich Erniedrigung und Gewalt – lebenslang nicht mehr loswerden. Auch Männern wird damit geschadet“.

Während Emma Porno per se mit Gewalt und Erniedrigung zusammenhängt, sehen in den USA und Kanada das einige Leute schon seit längerer Zeit anders und auch in Berlin gab es gerade eine Pornofilmfestival. Die Macher_innen beanspruchen für sich

„Unterhaltsam, horizonterweiternd, lustig, schamlos, verblüffend und sexy – das kann Porno sein. Das Berliner Pornfilmfestival zeigt, wie es geht, denn die Zeiten von unappetitlichen Vorführungen unmotivierten Geschlechtsverkehrs sind vorbei. Beim Pornfilmfestival kann man in entspannter Atmosphäre Erotik und Sex in künstlerisch-filmischer Umsetzung ganz schamfrei genießen. Öffentlich und entspannt, gemeinsam mit einem kommunikativen und modernen Publikum. Was Public Viewing und Fanmeile für den Sport, das ist das 2. Internationale Pornfilmfestival Berlin für den Sexfilm“.

Einiges davon ist lustig: so bastelten zum Beispiel schon 2004 in „Rasperry Reich“ eine Handvoll links-anarchistischer Terroristen in Berlin am gesellschaftlichen Umsturz. Ihr Programm: Eine Revolution ist eine sexuelle Revolution ist eine homosexuelle Revolution. Deshalb wird die homosexuelle Intifada ausgerufen und die dominante Anführerin Gudrun zB überredet ihre Hetero-Mitstreiter zu schwulem Sex – was diesen, man staunt, ganz gut gefällt. Um Geld zu erpressen wird der Sohn eines schwerreichen Industriellen entführt. Dumm nur, dass der Entführte eben sein Coming Out hatte, mit der Gruppe sowieso sympathisiert und von seinem Vater enterbt wurde. Was nun?

Deutsche Terrorismus der 1970er wird queer, die minimalistischen Bilder dazu liefern Radical Chic, Retro-Avantgarde und Porno. Die Provokation funktioniert, für Diskussionsstoff ist gesorgt.

„Sex gleich Erniedrigung und Gewalt – lebenslang nicht mehr loswerden. Auch Männern wird damit geschadet“. Mit dieser Gleichung haben die Emmas mal wieder viel zu kurz gegriffen…

Dildo ist POP

Beatriz Preciado hat den Dildo in Mode gebracht, indem sie zeigte, welche historischen und sozialen Umstände die Produktion von Sex beeinflussten. Sie tut dies mit Hilfe einer Genealogie und stellt dar, wie der weibliche Orgasmus von unterschiedlichen Regimen beeinflusst wurde.

Einerseits mit Hilfe von Maschinen verhindert, andererseits mit dessen Hilfe erzeugt. Allerdings blieb er immer etwas, was nie der Frau selbst gehört, sondern immer das Ergebnis einer repressiven oder produktiven Technologie war.

Preciado analysiert diejenigen Dispositive, in denen Sexualität als „normal oder abweichend konstruiert“ (69) wird. Sexuelle Erregung und der Orgasmus sind demnach nachträgliche Produkte bestimmter sexueller Technologien. Diese bedienen sich einer asymmetrischen Aufteilung der Macht anhand der binären Aufteilung der Geschlechter. Bestimmte Körperteile werden im Rahmen dieser Technologie hervorgehoben, um daraus Signifikanten zu machen.

So bekommt der Penis die alleinige, privilegierte Position als mechanisches Zentrum der sexuellen Triebproduktion zugeschrieben.
Preciado bezieht sich dabei auf Foucault und dessen, in der Geschichte der Sexualität identifizierten vier großen Technologien (Hysterisierung des weiblichen Körpers, Pädagogisierung des kindlichen Sexes, Sozialisierung des Fortpflanzungsverhaltens, Psychiatrisierung der perversen Lust). Foucault selbst entwickelte jedoch nie eine Genealogie derjenigen Dispositive die auf Frauenkörper wirken.

In der Kontra- Sexualität wird die Dildotektonik zur Gegen-Wissenschaft, in der die Widerstandstechniken entwickelt werden. Es existieren keine vorgeschriebenen Kategorien, der ganze Körper wird zur Oberfläche, an der Sexualität stattfindet. Preciado zeigt an Hand von Zeichnungen in „Dildotopia“, dass Kopf, Bein, Arm, oder der ganze Körper zum Dildo werden können.

Die Folge ist die Auflösung der diskursiv entstandenen Zentren der Lust.

Sie grenzt sich, indem sie den Dildo in den Mittelpunkt ihrer Untersuchungen stellt, von denjenigen Feministischen Theorien ab, die diesen „Alien“ als Tabu sehen, da sie ihn mit dem Penis gleichsetzen und somit behaupten, der Dildo führt im lesbischen Sex die Heteronormativität weiter. Preciado stimmt dieser Theorie zwar zu, denn auch sie geht davon aus, dass in unserer Gesellschaft der Penis auch gleichzeitig Phallus ist, dennoch ist für sie der Dildo nicht automatisch mit dem Penis gleichzusetzen und gerade weil es für sie nicht gleichzusetzen ist, sieht in ihm den Befreiungsweg. “Wenn der Penis für die Sexualität das ist, was Gott für die Natur ist, macht der Dildo den Tod Gottes den Bereich der sexuellen Verhältnisse wirksam.“(66). „Er ist der Tod, der den lebenden Penis bedroht“(63) und Preciado macht diesen „Tod“ dadurch möglich, da sie den Dildo symbolisch auf den ganzen Körper überträgt.

Ebenfalls im theoretischen Teil des Manifestes analysiert sie zunächst den medizinischen Diskurs um die chirurgische Konstruktion von Geschlecht, der historisch maßgeblich von wenigen Personen beeinflusst wurde. Da Intersexuelle Personen die mechanische Arbeit auf dem „Operationstisch“ (Foucault) der Zuschreibungen stören, dem sich alle Menschen von dem Beginn des Lebens an unterziehen müssen, treffen Mediziner schnell die „notwendige Entscheidung“. Diejenigen Geschlechtorgane, die äußerlich nicht als „normal“, männlich angesehen werde, fallen in die Monstrosität der Weiblichkeit. Phalloplastik bleibt medizinisch nach wie vor ein fast nicht zu realisierender Eingriff, wohingegen weibliche Geschlechtsorgane relativ „einfach“ chirurgische hergestellt werden können, die „von „normalen“ Organen kaum zu unterscheiden sind“ (89). Spannend zu lesen dieses „Kontrasexuelle Manifest“ und irgentwie animiert es zum shoppen gehen und hat so den Dildo zu einem Teil der Popkultur gemacht!

Unitedsubscum goes Berlin…

Welche Musik hörst du oder bist du gar nicht hetero? Und irgendwie gibt’s dann auch noch schwul-lesbisches Nachtleben. Und es gab da wohl noch ein paar Menschen, die genervt waren sich in eine der Oberkategorien einordnen zu müssen. Und dann wurde es wohl schwierig, einen geeigneten Ort für die gemeinsame Party zu finden. Der Separatismus, der vor einigen Jahren das Nachtleben prägte, war Anlass, vor vier Jahren unitedsubscum zu gründen, Frankfurts Nachtleben sollte polysexuell aufgemischt werden.

Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff polysex?

- googelst du ihn, so kommen nur ganz komische Geschichten raus – zum Beispiel bezeichnet es in den USA oft nur bisexuell. Oder ein Paar ist verheiratet und es gibt noch eine geduldete Freundin oder einen Freund.

unitedsubscum wollte jedoch mit Kunst, queeren Filmen und einer ganzen Menge D-Janes die Leute aus denen ihnen zugeschriebenen Nischen locken. Im letzten Jahr gab es unitedsubscum im Hafen 2. In diesem Jahr kommen sie ins Westgermany, auch wenn ein Aufmischen in Berlin vielleicht weniger nötig ist, doch die Idee kam aus Berlin und geht nun dahin zurück.
Ich freue mich drauf, 5. Oktober im Westgermany
http://www.unitedsubscum.net/