Beiträge von Nika

Thailand, my love

Das Sextourismus existiert, weiß inzwischen fast jeder Bundesbürger. Doch welches Ausmaß er hat, ist kaum jemandem begreiflich. Wenn man heute von Menschenrechtsverletzungen spricht, denken die meisten an staatliche Gewalt, an Folterkeller und niedergeknüppelte Demonstranten. Doch was, wenn auch private Personen im großen Stil Menschenrechte mit Füßen treten?
Deutschland gilt, zumindest in einigen wichtigen Bereichen, als ein Staat, der Menschenrechte einhält und verteidigt (siehe letzter Amnesty International Bericht). Die meisten Bürger sind sich zumindest rudimentär ihrer Rechte bewusst. Aber mit den Rechten von anderen, nicht-deutschen Bürgern nimmt man es oft nicht so genau.

Beispiel Thailand.

Seit Jahrzehnten gilt Thailand, insbesondere die Metropolen Phuket, Pattaya und Bangkok als landschaftlich reizvolle Gegend mit Tropenklima – wo man ungestört Menschenrechte und insbesondere Frauen- und Kinderrechte mit Füßen treten kann. Laut dem nehemia team (www.nehemia-team.org), einer christlichen Hilfsorganisation, reisen rund eine Viertelmillion Deutsche jedes Jahr ins tropische Thailand; die meisten von ihnen kommen, damit sie „hübsche und sanftmütige Thai-Ladys“ kennen lernen und noch mehr. Es gibt sogar Internetforen, in denen der beste Sexurlaub diskutiert und empfohlen wird (http://www.travel-funblog.com/). Thailand hat den inoffiziellen Status des „Sextouristenparadieses“ schon seit Jahren inne (auch die Emma hat davon berichtet *), viele Deutsche haben sicherlich davon schon gehört. Sie haben sich scheinbar damit abgefunden. Vergewaltigte und ermordete Bardamen, missbrauchte, gefolterte Kinder und allein gelassene Waisen in den Städten und verarmten Dörfern scheinen aus unserem Bewusstsein abzurücken.

Jeder hat schon einmal davon gehört…

Doch auf die Lage in Thailand haben deutsche (und generell westliche) Touristen maßgeblich direkten Einfluss, es ist kein komplexer und indirekter Grund, der Thailand zum Zentrum von Menschenrechtsverletzungen macht. Es sind die „farang“, die weißen Männer, die diese Taten begehen. Es sind Männer, denen europäische Frauen zu viel „Aufwand“ machen; sie mögen keine Frauen, die ihre Rechte kennen, gleichberechtigt leben wollen; Frauen, über die man nicht einfach verfügen kann.

Was ist mit den Ehen?

Betrachtet man den Sextourismus, muss man sich auch zwangsläufig fragen, wie es den Frauen geht, die über ein sog. Heiratsinstitut einen Mann aus dem Westen heiraten. In der Dokumentation „Bride Trafficking Unveiled“ * gehen Joel Mishcon und Laura Barry dem Heiratsgeschäft auf den Grund. Viele der Frauen heiraten einen Mann, ohne irgendeine Ahnung zu haben, was sie tatsächlich erwartet. Barry weist darauf hin, dass die Frauen romantische, rollenorientierte Vorstellungen von Männern haben. Natürlich spielt das sexistische Konzept der Muntehe und der „Eroberung“ einer Frau durch den Mann in der thailändischen Gesellschaft eine wesentliche Rolle, so dass die Frauen überhaupt erst in die Position kommen, missbraucht zu werden. Der Druck für eine thailändische Frau, ihre Familie mitzuversorgen ist enorm, sie sind ihrer Familie „etwas schuldig“, sie müssen sich um Eltern und Verwandte kümmern. Das ist der Nährboden für Abhängigkeit. Die meisten farang wissen das oder haben zumindest Ahnung davon, wollen es aber offensichtlich nicht sehen. Die Unterwürfigkeit, Schweigsamkeit und Selbstkasteiung der Frauen wird als „Familienfreundlichkeit“, „echte Weiblichkeit“ und „Unkompliziertheit“ ausgelegt.
Die Institution Ehe, an sich schon aus historischer Sicht ein Konzept der Unterdrückung, ist in diesem Fall also auch unter dem Gesichtspunkt des Menschenhandels zu betrachten. So wie junge Frauen aus der Ukraine oder aus Bulgarien mit versprochenen Kellnerjobs nach Deutschland gelockt werden, um dann als Zwangsprostituierte in Bordellen zu landen, wird jungen Frauen in Thailand ein Leben wie ein Hollywoodfilm von den Agenturen versprochen. Doch anstatt dessen wartet oft ein Leben voller Gewalt auf sie. Die Männer sind, wie auch in der Dokumentation angesprochen wird, oft alkoholsüchtig und dominant und im schlimmsten Fall körperlich und psychisch gewalttätig; ihre thailändischen Frauen werden wie Leibeigene behandelt. Nichts könnte einer Romanze unähnlicher sein.
Leider sind mir bei meiner Recherche keine Zahlen oder Schätzungen zur Verfügung gestanden, wie viele „mail order brides“ (aus aller Welt und insbesondere Thailand) hierzulande misshandelt werden. Aber schon allein die Viertelmillion Thailand-Touristen machen einen stutzig. Seit Jahrzehnten wissen wir, was in Thailand und damit auch in Deutschland passiert und wer maßgeblich dafür mitverantwortlich ist. Doch nichts geschieht. Es scheint keine rechtliche Maßregelung für Sextourismus zu geben.

* http://www.emma.de/ressorts/artikel/prostitution/bad-men-in-paradise/
* http://www.youtube.com/watch?v=Kk0jhl70TRU