Beiträge von pia

Wider das Regime der Zweigeschlechtlichkeit

Norrie May-Welby ist in Australien als weltweit erste Person offiziell als weder Mann noch Frau anerkannt worden und schreibt übrigens auch ein eigenes Blog.

Auf die Ohren

Podcast: Vortrag von Frank Apunkt Schneider vom 18. November 2009 mit dem Titel „Die Diktatur des „man“. Von der Schwierigkeit, in linken deutschen Medien geschlechtsneutral zu sprechen. Bericht aus der weitgehend beschissenen Praxis“ aus der Reihe „Jenseits der Geschlechtergrenzen“

self defense for womyn

neue selbstverteidigungsplakate für frauen*:

plakat

gedruckt gibt es die in wien und zum download hier

Für mehr feministische Gesellschaftskritik!

Neues aus der Welt der Druckerzeugnisse:

outside the box ist eine Zeitschrift, die Gesellschaftskritik mit feministischem Fokus betreibt. Sie ist aus der Beobachtung heraus entstanden, dass feministische Theorie und Praxis nicht genügend in Debatten einer emanzipatorischen Linken einfließen. Sie bleiben allzu oft Randthema.

(aus dem Selbstverständnis von „outside the box – Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik, die sich im Dezember 2008 in Leipzig gegründet hat)

Cover outside the box

Am 29. November erscheint die erste Ausgabe Zeitschrift mit dem Schwerpunktthema „Emanzipation“, gefeiert wird das ab 14 Uhr in der Similde, Simildenstr.9 in Leipzig. Zu beziehen ist outside the box über Infoläden oder per Mail an die Redaktion. Angekündigt sind bisher folgende Beiträge:

  • Andrea Truman: „Das Bedürfnis nach Gleichheit. Eine Kritik der bürgerlichen Frauenbewegung“
  • ChronikLE: „Sexismus muss sichtbar gemacht werden. (Selbst)Kritik des Unsichtbarlassens sexistischer Diskriminierung“
  • AFBL: „Frauen in der DDR: gleiche Rechte, doppelte Pflichten?“
  • Georg Domkamp „Rechte Frauen – Frauen ohne Rechte“
  • Interview mit Sarah Diehl und Kirsten Achtelik

Ich bin wahnsinnig gespannt und freue mich schon sehr auf die erste Augabe!

feministischer fotowettbewerb

„this is what a feminist looks like!“ ist das Thema eines Fotowettbewerbs des Frauenreferats der Hochschüler_innenschaft Klagenfurt. Einreichfrist ist der 15. Februar 2009, als erster Preis winken 200 Euro. Die besten 10 Einsendungen werden auf dieStandard.at, in an.schläge und im Unilog veröffentlicht. Alle weiteren Infos gibt es hier: klick!

stundenplan fälschen

Ey, ich sag dir, gefälschter Stundenplan! Du musst dir auch mal einen machen, aber Vorsicht, nicht jeden Tag bis um vier, sonst fragen deine Eltern noch, „habt ihr jeden Tag bis um vier?“!

Ja geil ey, kann ich mir deinen kopieren?

(zufällig mitgehörtes Gespräch zweier Schüler_innen über ihre Strategien zur selbstbestimmten Freizeitgestaltung)

Unterschreiben

Es gibt jetzt eine Online-Petition gegen die Abschaffung des teilautonomen AStA-Frauenreferats an der Uni Hamburg (Hintergrundinfos)

im missy-blog äußert sich chris köver zur aktuellen feminismus-debatte

Pressespiegel

Eine feministische Zeitschrift bringt ein Dossier zum Thema Internet, ein Online-Magazin macht ein Themenspecial zu Feminismus. In beiden Medien gibt es dabei jeweils einen Artikel zu feministischen Blogs. Dass deren Anzahl begrenzt ist, wird daran deutlich, dass beide Autor_innen unabhängig voneinander mehr oder weniger dieselben Blogs besprechen. So sind auch beide an uns herangetreten, und ja, nach reiflichen Überlegungen haben wir uns entschlossen, ihnen Antworten auf ihre Fragen zu geben. (mehr…)

Notizen über die New Economy

Aufgabe:
Nennen Sie eine erfolgreiche Start-Up-Gründerin im Bereich des Web 2.0!

Ihnen fällt spontan keine ein? Lassen Sie sich doch mal inspirieren, z.B. von der Liste der „25 wichtigsten Start-ups aus dem Web 2.0“. Nicht aufgeben beim Durchklicken – auf Platz 22 finden wir doch tatsächliche eine (!) „Co-Gründerin“. Oder gucken wir auf die Startseite des WEB 2.0 Kongresses zum Thema „Social Commerce & Collaboration für das Enterprise 2.0″, der nächste Woche in Berlin stattfindet. Fällt etwas bei der Betrachtung der dort abgebildete Porträts auf? Erinnert irgendwie an das kürzlich von yeapope aufgeworfene Freitagsrätsel, mit dem Unterschied, dass die Herren der New Economy im Durchschnitt wohl ein paar Jahr(zehnt)e jünger sein dürften als die altgedienten „Besten“. Dass bei dem Menüpunkt „Referenten“ von besagtem Kongress auf das Binnen-I verzichtet wurde, ist also nur konsequent.
Aber es gibt sie doch, die Frauen im New-Media-Business, auch wenn deren Unternehmen Durchschnitt eher kleinere sind. Gerade letzte Woche veranstalteten sie einen eigenen Fachkongress. Dort wurde ein breites Themenspektrum behandelt, eine große Rolle spielte hier auch die Medienkunst – ein Thema, dass bei dem „Webboys“-Kongress nicht sonderlich zu interessieren scheint, sind die Möglichkeiten des Geldverdienens damit doch eher gering.
Aber wenigstens beim Bloggen, da sind doch viele Frauen dabei, oder? Naja, zumindest bei den Tagebuch- und Teenie-Fan-Blogs bei myblog etc., denn was beispielsweise die deutschen Blogcharts angeht – in denen sich am ehesten auch diejenigen finden lassen, die vom Bloggen leben können – da hatte der Macher letztens festgestellt, dass sich unter den Top 100 gerade mal fünf von Frauen geschriebene Blogs finden.
Und woran liegt das jetzt, dass so wenige Frauen im Internet wirtschaftlichen Erfolg haben? Ist es das alte Problem der Vereinbarung von Kind und Karriere, das beispielsweise von der eigenen Firmengründung abhält? Sind es die auch hier schon mehrmals behandelten Vorurteile gegenüber Frauen und Technik, die Mädchen von einer entsprechenden Berufswahl abhalten? Sind es die fehlenden Role-Models?
Es gab vor ein paar Jahren mal eine erfolgreiche Vorabendserie in der ARD. Zwei der Protagonist_innen arbeiteten in ihrer selbstgegründeten Computer-Firma mit dem bezeichnenden Namen „Start Up“. Dreimal dürft ihr raten: Es waren natürlich die beiden männlichen Hauptfiguren. Die Frauen in der Serie hingegen versuchten sich – mehr oder weniger erfolgreich – als Comiczeichnerin, Schauspielerin und Fotografin. Warum fällt mir bloß keine Fernsehserie ein, in der wenigstens eine Frau in der IT-Branche arbeitet?

Wikipedia gegen Ladyfest

Nach dem kürzlich zuende gegangenen Ladyfest in Berlin (auf der Seite findet sich übrigens ein interessantes Diskusssionsprotokoll zum Thema „The Future of Feminism“) wird es vom 23. bis 26. August dieses Jahres ein Ladyfest in Leipzig geben. Zum Programm hat dem Mädchenblog eine der Organisator_innen geschrieben:

Am Donnerstag gibt’s Kino, am Freitag spielen Bella Fica (Punk, CZ), Auf’s Maul (Hiphop, A),ladyfest leipzig Suicidal Birds (Rock‘n'RollBlues Punk, NL), Killset (Heavy Metal, PL), am Samstag spielen Parkovani take vzadu (Punk, CZ), Vicious Irene (RiotGrrrlGlamRock, Swe), Press Eject (Elektropop, Aus) und Scream Club (HipHopPunk, US). Außerdem kann Frau workshops – Schweißen, Fahrrad, Computer, Selbstverteidigung, Proberaum …- und Vorträge und Diskussionen zu Strategien feministischer Praxen, … besuchen. Vokü, Pennplatzbörse, Kinderbetreuung.
Wer in der Gegend wohnt, sollte also durchaus mal vorbeischauen!

Für diejenigen, denen Ladyfest kein Begriff ist, wollte ich eigentlich auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel verlinken. Doch da musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass dieser zur Löschung vorgeschlagen wurde! In der Löschdiskussion (Zitat daraus: „Und haben wir wirklich eine „hegemoniale heterosexuell verfasste Zweigeschlechtlichkeit“?!? Ich dachte immer das hätte was mit Genetik zu tun“) heißt es vom 5. August 2007, dass eine 7-Tage-Frist zur Überarbeitung gegeben wurde, sonst würde der Ladyfest-Artikel gelöscht. Das heißt: die Frist läuft morgen, also Sonnntag, aus! Der angebliche „Linkspam“ – also die Links zu verschiedenen Ladyfest-Seiten – wurde bereits entfernt.
Ich rufe folglich alle Leser_innen dazu auf: Überlasst die Wikipedia nicht den Antifeminist_innen und versucht, den Artikel durch Bearbeitung und/oder Beteiligung an der Löschdiskussion zu retten! Quellen zur Bearbeitungs-Hilfe können der Artikel von Melanie Groß über Ladyfeste im Netz oder die diversen Ladyfest-Seiten selbst sein, darunter etwa die vom Ladyfest Europe oder die (nicht mehr ganz aktuelle) internationale Ladyfest-Seite – aber vielleicht wisst ihr ja auch selbst noch mehr!

ladyfest

Aneignung statt Zensur?

„When you go to the club and you‘re an AG, your mission that entire night is to find the baddest femme in the club and make her your girl,“ says another woman, who calls herself Don Vito Corleone. „Just like every rapper wants the baddest video chick on his arm, so do AGs.“

Den schon ein paar Monate alten Artikel über lesbische HipHop-Kultur in Brooklyn verlinke ich hier mal kommentarlos als etwas abseitigen Beitrag zu den aktuellen Debatten um homophoben und sexistischen Rap.

Lesbisch? Gibt’s nicht!

Ich glaube, ich bin lesbisch!
Kann es sein, dass ich auf Mädels statt auf Jungs stehe? Ich bin nämlich in meine Lehrerin verliebt. Und auch in meine Freundin. Wir nennen uns sogar gegenseitig „Traumfrau“. Für mich ist das Ernst, denn ich will sie für mich gewinnen. Und gleichzeitig würde ich gerne meiner Lehrerin sagen, wie süß ich sie finde. Doch wie stelle ich das an? MEIKE, 13

[Gabi antwortet:] Liebe Meike, Verlieben ist Wiedererkennen – von einem Liebesfilm, den man schon lange in seiner Fantasie laufen hat. Lesbisch schwärmen heißt: „Wie würde ich mich selbst gern als Frau sehen?“ Es geht also nicht darum, wie du ein Mädchen oder eine Frau erobern kannst, sondern vielmehr darum: „Wie lerne ich mich selber kennen?“ Dazu kann ich nur sagen: Diskutiere mit deiner Freundin über Gott und die Welt, führe Gespräche mit ihr und frag die Lehrerin über ihren beruflichen Werdegang aus! Du suchst dich, indem du andere bewunderst. Und das ist völlig in Ordnung.

(gefunden in Mädchen 23/2006, Rubrik „Frag Gabi“)

War die übliche Antwort auf geäußertes gleichgeschlechtliches Begehren in derlei Beratungsrubriken lange Zeit der Verweis darauf, dass es sich nur um eine Phase handele, schlägt „Gabi“ hier ein neus Kaliber an: Auf ein Mädchen oder eine Frau zu stehen, heiße, sich selbst kenen lernen zu wollen, und deshalb wäre es auch „in Ordnung“. Was für ein Humbug, der da ungestraft verbreitet wird! Tatsächliches lesbisches Begehren wird damit einerseits implizit als „nicht in Ordnung“ ausgeschlossen, und andererseits geleugnet.
Warum heißt es in der Antwort nicht beispielsweise:

Liebe Meike, schön, dass du so eine tolle Freundin hast! Wenn du meinst, dass ihr Interesse an dir auch über eine Freundschaft hinausgehen könnte, trau dich doch einfach mal, sie vorsichtig darauf anzusprechen, aber setze sie nicht unter Druck. Mit etwas Glück könntet ihr gemeinsam erste Erfahrungen sammeln und vielleicht sogar ein Paar werden. Für Lehrerinnen zu schwärmen hingegen passiert zwar sehr häufig, aber in diesem Fall sind die Wünsche erst einmal nicht realisierbar: Erstens würde deine Lehrerin sich strafbar machen, wenn sie mit dir eine Beziehung eingehen würde und zweitens ist anzunehmen, dass du ihr sowieso zu jung bist. Von daher wäre es ratsamer, dich auf deine Freundin zu konzentrieren. Ob du jetzt lesbisch oder bisexuell bist oder einfach nur mal etwas ausprobieren willst, spielt doch eigentlich gar keine Rolle, sowas kann sich sowieso häufiger im Leben ändern. Die Hauptsache ist doch, dass du glücklich bist!

Die Partyknutscherin

Gestern Abend, größere Privatparty im studentisch-alternativen Milieu. Auf der Tanzfläche zieht eine Frau die Aufmerksamkeit auf sich: Ziemlich sexy gestylt, baggert sie einen Typen nach dem anderen an, schafft es, mit etwa 70% der männlichen Gäste zu knutschen. Die meisten scheinen ihren Spaß zu haben, aber sie versucht es auch bei denen, die kein weiteres Interesse deutlich machen. Spricht Typen von der Seite an und streckt ihnen dabei ihre Zunge ins Ohr. Verfolgt solche, die sich von der Tanzfläche in den Flur zurückziehen und beißt ihnen fast in den Hals. Sie merkt, dass sie beobachtet wird, aber das scheint sie in ihrer Inszenierung noch zu bestärken.
Einigen Partygästen geht das zu weit. Eine Frau kümmert sich darum, die Frau von der Party zu verweisen: Das sei sexuelle Belästigung, sie möge doch bitte gehen. Sie verweilt kurz draußen, umringt von bisherigen Knutschpartnern, aber dann scheint der Alkoholrausch umzukippen. Sie kommt wieder rein, setzt sich aufs Sofa, kann die Wasserflasche kaum halten. Sitzt zwischen einem Typen, der sich trotz allem noch Hoffnungen zu machen scheint, und ihrer Freundin, die sich etwas um sie kümmert. Plötzlich bemerkt die Frau, die den vorhergegangenen Rausschmiss initiiert hat, ihre erneute Anwesenheit. In harschem Ton macht sie der Frau deutlich, dass ihr doch gesagt worden sei, dass sie zu gehen habe. Aufgrund der vermittelnden Worte der Freundin wird ein Kompromiss erzielt, sie darf noch etwas dort sitzen, da sie augenscheinlich nicht sehr transportfähig ist.
Vor der Tür gehen die Diskussionen weiter. War der Rausschmiss gerechtfertigt? Ist es dasselbe, als wenn ein Mann diverse Frauen penetrant anbaggert? Ist es komisch, dass ausgerechnet eine Frau sich um den Rausschmiss kümmert? Hat die Knutscherin die Typen benutzt oder verdient sie eher Mitleid?

Abtreibung

Gestern war der Tag für die Straffreiheit von Abtreibung in Lateinamerika und der Karibik, mit Demonstrationen wurde das Recht auf legale, sichere und kostenblose Abtreibung gefordert. Nicht zuletzt bedingt durch den großen Einfluss der katholischen Kirche sind Schwangerschaftsabbrüche in den meisten Ländern Lateinamerikas (wie auch weltweit) verboten, werden folglich illegal durchgeführt und führen zu vielen Todesfällen von Frauen. aborto clandestino Durch die restriktiven Gesetzgebungen entstehen vielfach Menschenrechts- verletzungen, wie Human Right Watch an den Beispielen von Mexiko und Argentinien berichtet, zumal, wenn der Zugang zu Verhütungsmittel auch erschwert wird.
Gender-Aktivist_Innen und Frauenrechtler_Innen in Lateinamerika haben mit einer starken katholisch- fundamentalistischen Gegenbewegung zu kämpfen, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen Positionen selbst Gesetze außer Kraft setzen kann, die in eng begrenzten Fällen einen straflosen Abbruch vorsehen.
Auch wenn in Deutschland nach einem langen Kampf von Femist_Innen die Abtreibung mittlerweile zwar noch rechtswidrig, aber nach Beratung straffrei ist, gibt es auch hier eine Gegenbewegung, vereint in dem Bundesverband Lebensrecht. Ohne größere öffentliche Aufmerksamkeit fand erst am letzten Samstag in Berlin eine Demonstration gegen Abtreibung statt, von der in dem Blog „frischgestrichen.net“ berichtet wird, dass ich jetzt hier nicht verlinken möchte.