Beiträge von querelle

Kritisch-lesen.de mit dem Schwerpunkt „Feministische Praxen“

Www.kritisch-lesen.de mausert sich seit einigen Monaten zu einem hochkarätigen und durchdachten Rezensionsmedium! Waren schon die vergangenen Ausgaben jeweils sehr geschlechtersensibel ausgerichtet, sind in dieser Ausgabe „Feministische Praxen“ explizit Thema. Dabei werden aktuelle und ältere feministische Bücher besprochen und als vielversprechend zum feministischen Weiterdenken vorgeschlagen. Unter anderem sind mit dabei: „Darum Feminismus!“, „Revolutionäre Frauen“ und „Riot Grrrl Revisited“. Ergänzt wird diese Ausgabe anarchistisch, postkolonial und antirassistisch.

Die Rezensionen sind insgesamt sehr pointiert und sensibel formuliert, freundlich-kritisch zu den Büchern und es wird Interesse an den Büchern geweckt. In diesem Sinne ist diese Ausgabe sehr zu empfehlen! …bei den folgenden sollten aber mehr Frauen zu Rezensionen eingeladen werden!

Zur Ausgabe „Feministische Praxen“.

Deserteure, Wehrkraftzersetzer – und Männlichkeiten

Ralf Buchterkirchen gelangt in seinem aktuellen Buch „…und wenn sie mich an die Wand stellen…“ auf einem ganz anderem Weg zum Thema Desertion als sonst üblich. Er wählt den Ausgangspunkt Männlichkeitsentwürfe und macht deutlich, wie anknüpfend an Drangsalieren von jungen Männern in Preußen, im Nationalsozialismus „Manneszucht“ zentral gesetzt wurde. „Moral, Disziplin und Kameradschaft“ wurden unter dem Begriff „Manneszucht“ zusammengedacht, Militär, Männlichkeit und Bürgerrechte eng miteinander verzahnt.

Zentral bei der Verfolgung von Deserteuren und Fahnenflüchtigen war es so, dass der Verurteilte aus der Männergesellschaft ausgeschlossen wurde. Das geschah über die Aberkennung der „bürgerlichen Ehrenrechte“ und der „Wehrwürdigkeit“ und durch das Abreißen der Rangabzeichen vor der Hinrichtung. Er sollte so noch vor der Ermordung gedemütigt und aus der Männergesellschaft ausgeschlossen werden. (mehr…)

Rezensiert: „Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre ‚Muslime versus Schwule’“

Buchcover: Karriere eines konstruierten Gegensatzes

Der Band „Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre ‚Muslime versus Schwule’“ wendet sich den, seit dem 11. September 2001, verschärften Debatten in der Bundesrepublik Deutschland um „den Islam“ zu. Häufig wird hierbei die Emanzipation von Schwulen als die Nagelprobe für „den Islam“ angeführt, Muslim_innen – und allgemein Migrant_innen und Menschen mit Migrationshintergrund – wird unterstellt homophober als der Rest der Bevölkerung in der BRD und als „der Westen“ zu sein. Für „Schwule“ könnte im Titel des Buches auch „Frauen“ eingesetzt sein. Denn während sich die mehrheitsdeutschen Frauen zunehmend als individuell und vielfältig, queer-, femninistisch, popfeministisch oder antifeministisch erkannt wissen wollen und sich viele Debatten um diese Verortungen drehen, bleibt diejenige Frau, die als „Migrantin“ und insbesondere „Muslimin“ angesehen wird, nur eins: Migrantin / Muslimin. Sie wird bemitleidet und ihr unterstellt, dass sie grundlegend leide – unter einer patriarchalen, rückständigen, zu zivilisierenden „migrantischen Community“ oder gleich „dem Islam“. Ihre individuelle Geschichte will niemand hören. Wird sie doch gefragt, so richtet sich die Frage darauf, wo sie herkomme, weil mehrheitsdeutschen Frauen oft als undenkbar erscheint, dass auch dunkelhaarige Menschen in der BRD geboren werden. Sineb El Masrar hat in ihrem Bestseller-Buch „Muslim Girls: Wer wir sind, wie wir leben“ diesen mehrheitsdeutschen Mangel prononciert geschildert.

So werden Rassismus, Homophobie und Sexismus als Probleme „ausgelagert“: Sie erscheinen nicht mehr als Probleme, die in der BRD entstehen und dort zu behandeln wären. Stattdessen wird die BRD als emanzipiert westlich hergestellt und einem zu zivilisierendem Anderen entgegengestellt. (mehr…)

Männerbewegung versus Maskulismus – Zum Buch „[r]echte Kerle – Zur Kumpanei der MännerRECHTSbewegung“

So genannte „Maskulisten“ / „Männerrechtler“ scheuen sich nicht vor Kooperationen mit ganz rechts außen. So lassen sich auf entsprechenden Blogs z.B. Abbildungen mit Hakenkreuz und Reichsadler finden, Gewaltdrohungen und Mordphantasien können auf Blogs und Foren unwidersprochen geäußert werden. Unter dem vorgeschobenen Deckmantel vermeintlicher Meinungsfreiheit werden so explizit Aufrufe zu Gewalt und Hass befördert. Auf einem der Blogs heißt es beispielsweise schon in den Verhaltenshinweisen zur Nutzung der Kommentarfunktion, dass „antisemitische, frauenfeindliche, rassistische, sexistische, homophobe, transphobe, rechtsradikale, islamophobe und gender- ungerechte Meinungsäußerungen nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht“(1) sind.

Buchcover [r]echte Kerle

Der Autor von „[r]echte Kerle – Zur Kumpanei der MännerRECHTSbewegung“ wurde nach dem Erscheinen des Buches sogleich mit Gewalt bedroht. Er hatte für seine Recherchen einige Wochen und Monate den rechtspopulistischen und rechtsradikalen Positionierungen auf Blogs und in Foren der Männerrechtler nachgespürt. Er arbeitet heraus, wie Rassismus und Antisemitismus, die Abgrenzung gegenüber Schwulen, gegenüber Armen, der Hass auf Frauen auf Blogs und in Foren der Männerrechtler zu den akzeptierten Positionen gehören. Er zeigt, wie diese Positionen mit einem simplen ideologischen Biologismus und einer Verharmlosung der Nazi-Verbrechen einhergehen. Dies führt er jeweils anschaulich an Beispielen aus. (mehr…)