Beiträge von sandra

Das Märchen von der Freiheit der digitalen Welt

ohrWenn Autoren fiktive Schreckensszenarien von der Zukunft entwerfen, fungieren diese oft als Warnung vor gegenwärtigen Entwicklungen. In George Orwells „1984“ gibt es den Großen Bruder, der in Form eines Bildschirms mit Lautsprecherfunktion bis in die privatesten Gemächer hinein allgegenwärtig ist. In Aldous Huxleys „Schöne Neue Welt“ werden die Menschen schrittweise ihrer Fähigkeit zum eigenständigen Denken beraubt. Die radikalste Horrorvision hat Jewjenij Samjatin in seinem Roman „Wir“ formuliert: Hier existiert nur noch ein einziger Staat, die Menschen tragen Nummern statt Namen und leben in gläsernen Häusern. Der oberste Machthaber wird dabei „Der Wohltäter“ genannt, die Sicherheitspolizei heißt bezeichnenderweise „Die Beschützer“.

Um Entwicklungen zum jüngst vielbeschworenen Wohl und Schutze der Bürger ging es auch im Vortrag „Kafka, Orwell, Schäuble – Überwachung in der Informationsgesellschaft“ von Constanze Kurz in Bremen. Die Sprecherin des Berliner Chaos Computer Clubs (CCC), zugleich wissenschaftliche Mitarbeiterin der Humboldt Universität zu Berlin und Aktivistin in Sachen Persönlichkeitsrechte im digitalen Zeitalter, war auf Einladung des Bremer CCC-Ablegers angereist. Anlässlich der bundesweiten Demonstration „Freiheit statt Angst – gegen den Überwachungswahn“ am 22. September in Berlin haben die Bremer Hacker die Veranstaltungsreihe „summer of privacy“ initiiert, mit der sie für die zunehmende Überwachung durch Staat und Wirtschaft sensibilisieren wollen. (mehr…)