Beiträge von st_eve

Staatskörper und Frauenkörper

Am dritten Tag der „neuen Ära der Verantwortung“ setzt der US-Präsident Obama ein Zeichen für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch. Und trifft damit eines der Themen, die in den vergangenen Jahrzehnten am härtesten diskutiert wurden.

Klick mich!

„Sollten sich die Verantwortlichen dieser Werbung nur irgendwas dabei gedacht haben, kamen sie wohl zu dem Fehlschluss, dass Baumärkte ausschließlich von Männern, die an sexistischen Sujets der übelsten Sorte gefallen finden, frequentiert werden.“ diestandard.at vergibt eine neue Zitrone – diesmal für eine baumax-Werbung, die durch das Ausziehen eines weiblichen Models für Rabatte wirbt… „Aufgeilen durch Degradierung“ diagnostiziert das Onlinemagazin.

(K)eine Frau in Sicht

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Soundtracks zu sexualisierter Gewalt

Funeral Rape, Vaginal Incest, Cunt Grinder – drei von zahlreichen Bands, welche sich dem sich wachsender Beliebtheit erfreuenden Genre porn grind verschrieben haben1. So sehr zahlreiche Autor_innen des mädchenblogs immer wieder um eine Differenzierung der EMMA-Definition von Pornografie als „Ernidrigung von und Gewalt gegen Frauen“ ringen und über feministische, lustfreundliche Zugänge schreiben2 – ginge es um porn grind, hätte die EMMA 1:1 Recht. Die Selbstbeschreibungen der Grazer Band Carignan bringt es auf dem Punkt: „A combination of violence, porn and the habits of our modern society worked out to the highest form of austrian brutality… Bitchslapping Death/Grind since 2006″. (mehr…)

Wann ist Werbung sexistisch?

Die Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich hat auf ihrer Homepage Leitfragen und Kriterien veröffentlicht, die sowohl eine Argumentationsgrundlage gegen sexistische Werbung liefern als auch als Instrument der Ent-deckung dienen sollen.

„Alle Männer sind Sexisten“

Christian Lehner von FM4 stellt fest, dass alle Männer Sexisten sind. Nichts Neues, besser als Nichts. Perspektivisch kommt er leider nicht weit. Immerhin eine unterhaltsame Zwischendurch-Lektüre.

“Und bist du nicht willig so brauch ich Gewalt“

Meinem kleinbürgerlichen Drang Traditionen zu wahren gebe ich heute nur zu gerne nach, ist der 25.11. doch international der „Tag gegen Gewalt an Frauen“. Genutzt wird er von einem breiten Spektrum zwischen staatlichen Frauenbeauftragten, die sich endlich einmal im Jahr feministisch zeigen können bishin zu Queer People, die auf weitere vergeschlechtlichte Unterdrückungsmechanismen hinweisen. Dazwischen tummelt sich ein buntes Potpourri aus Frauenrechtler_innen und Feminist_innen, die heute Demonstrieren, Informieren oder auch einfach gar nichts tun, das sieht wohl von Stadt zu Stadt unterschiedlich aus.
Um eine lange Rede kurz zu machen, ich dachte, es sei mal wieder ein Grundsatztext angebracht. Es handelt sich um einen Redebeitrag des Antifaschistischen Bündnis‘ Südost vom 20.09.08. Ich will mich ihm nicht in jeder Formulierung anschließen, finde ihn aber prinzipiell richtig, wichtig und gerade jenseits der „Linken“ viel zu selten gehalten.1

Eine Frau geht nachts allein durch den Park, ein unbekannter Täter überfällt und vergewaltigt sie. So der Mythos. Dies trifft nur in seltenen Fällen zu. Sexuelle Gewalt beginnt nicht erst dann wenn eine Frau vaginal vergewaltigt wird. Sexuelle Übergriffe passieren jeden Tag und fast jede Frau hat bereits solche Erfahrungen gemacht. Doch die gesellschaftliche und vor allem rechtliche Bedeutung von sexueller Gewalt lässt keine Definition der eigenen Gefühle zu. Die Betroffenen sind oft allein und erfahren wenig Zuspruch seitens der Gesellschaft. In einigen Fällen wird den Betroffenen noch Verführungsabsicht unterstellt oder sie hätten nicht eindeutig nein gesagt. Doch nicht Täter entscheiden wie weit sie gehen können, sondern die Betroffene. In den meisten Fällen die Frau.

Das gerade Frauen häufiger von sexueller Gewalt betroffen sind als Männer ist hinlänglich bekannt (mehr…)

Die Vermessung der Welt

Der Gender Gap Report 2008 ist erschienen, sagt uns, dass 8 der 10 höchst bewerteten Staaten europäisch sind. Schland hat sich aus den Top 5 (2006) verabschiedet: Gaps on both economic and political participation have become larger, as the perceptions of business leaders regarding wage equality for similar work have become worse and the number of women in ministerial positions has fallen. Soviel auch zum Thema „das Patriarchat ist tot“… Download des Berichts als *.pdf

Hätt‘ ich ihm nicht zugetraut…

Frage: Halten Sie Milan Kunderas „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ für sexistisch?
Marcel Reich-Ranicki: Nein, nicht Milan Kunderas Roman ist sexistisch, sondern das Leben in Europa in unserer Epoche. Was aber viele Menschen für sehr angenehm halten.

(FAZ: Fragen Sie Reich-Ranicki)

Feminismus ist Spitze

War „Feminismus“ bis vor kurzem noch ein Distinktionsbegriff zahlreicher Schmierblätter und Lokalpostillen, zumindest rhetorisch bekundete, aufklärerische – sprich: androzentrische – Ideale gegen vermeintlich blinden Emanzipationswahn und Männerhass selbsternannter Frauenrechtler_innen und Feminist_innen aufzuspielen und somit jedes reformistische oder revolutionäre Streben nach Egalität der Lächerlichkeit preiszugeben, ist es in den vergangenen 12 Monaten verdächtig chic geworden, Personen das Attribut „feministisch“ anzuheften. Sowohl im Sinne des hier bereits erwähnten ÖVP-Politikers Missethon, der rassistische Politiken durch das F-Wort als fortschrittlich zu kennzeichnen versucht, als auch im Sinne so ziemlich jeder Zeitung, welche sich anlässlich Madonnas 50. Jubiläum über deren feministischen Gehalt ausließ. In der Bundeszentrale für politische Bildung bekommt man Thea Dorns „Die neue F-Klasse“ gratis nachgeschmissen und die Autorinnen der Mädchenmannschaft sind nicht nur dort überpropotional produktiv, sondern schmeißen noch lockerflockig ein Alphamädchen-Machwerk auf den Markt.
Autorinnen der Emma stehen derartigen Entwicklungen mit einer gewissen maternalistischen Hähme entgegen, wenn sie anmerken, die „‚neuen‘ Feministinnen“ würden schon“noch merken, worauf es wirklich ankomm[e]“. Letztlich tut im verlinkten Artikel eine alt gewordene Feministin genau DAS, was – zumindest meines Erachtens – von heutigen Feminist_innen vermieden wird: Abgrenzung um jeden Preis. Denn, so würde ich ihr widersprechen, wenden sich heutige Feminist_innen und Frauenrechtler_innen eben nicht „rituell von Geschichte ab“, sondern haben aus den Sackgassen und Kurzschlüssen älterer Kaliber gelernt und bauen dankbar auf ihnen auf. Demgegenüber beweist der zitierte Emma-Artikel, dass es offenbar allzuschwer ist, neuere Feminismusentwürfe zu akzeptieren und man sie daher lieber gleich geradezu stutenbissig verharmlost und als wirkungslos abtut. (mehr…)