Beiträge von TaP

Berlin Pornfilmfestival – Teil 2: Ein Interview

„Katharina“1 habe ich beim 5. Berliner Pornfilmvestival (s. meinen Bericht) kennengelernt. Im Lesbenfilm Much More Pussy saßen wir zufällig nebeneinander, und sie hat sich danach zu einem Interview zu dem Film und dem Festival bereiterklärt. Da wir nicht in der gleichen Stadt wohnen, wurde das Interview per mail geführt.

Frage: Fangen wir mit der pragmatischen Frage nach dem Nutzen an: Hast Du in Much more pussy (oder anderen Filmen, die Du Dir bei dem Festival geschaut hast) etwas gesehen, was Du bisher nicht praktizierst hat, was Du aber interessant fandest und nun einmal mit Deinen Sexpartnerinnen (und -partnern?) ausprobieren willst?
Antwort: So direkt will ich das nicht beantworten, aber ich muss sagen, dass ich überrascht war, wie „normal“ der Sex größtenteils war.

Frage: Guckst Du Dir Filme wie Much more pussy vor/beim Sex mit anderen oder Masturbieren an? Machen sie Dich/Euch heiß?
Antwort: Das klingt jetzt merkwürdig, aber ich gucke keine Pornos. Ich habe als Teenager mal einen „normalen“- Hetero-Porno gesehen und fand das ziemlich unangenehm. Das war somit erst der zweite Porno meines Lebens. Aber vielleicht ist das ja der Anfang meiner Pornoerfahrung.

Frage: Was hat Porno mit Humor zu tun?

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Berlin Pornfilmfestival

Bericht und Geschmacksurteile

Von Do. – So. (28. – 31.10.) fand in Berlin das 5. Pornfilmfestival statt. Im Jahre 2007 hieß es in der Ankündigung des 2. Festivals: „Unterhaltsam, horizonterweiternd, lustig, schamlos, verblüffend und sexy – das kann Porno sein. Das Berliner Pornfilmfestival zeigt, wie es geht, denn die Zeiten von unappetitlichen Vorführungen unmotivierten Geschlechtsverkehrs sind vorbei.“
In diesem Jahr war ich erstmals da, und ich habe mir sieben Vorstellungen mit achten Filmen angesehen. Darunter waren drei lange Filme, in denen es jeweils nur einige explizite Sex-Szenen gab; die anderen waren im wesentlichen reine Sex-Filme – jeweils mit einer unterschiedlichen Anzahl von Sex-Szenen. Das meiste waren lesbische oder lesbisch-trans Sex-Szenen; in drei Filmen waren es hetero/a/sexuelle Szenen. Außerdem war ich bei zwei workshops: einem tollen workshop mit Sadie Lune zu safer sex und einem ebenfalls interessanten mit Jennifer Lyon Bell zu Porn and Feminism. Zu dem workshop mit Sadie Lune folgen später vielleicht noch genauere Informationen.
Zu dem Feminismus-workshop sei angemerkt, daß ich bei den dort gezeigten Ausschnitten viel eher den Eindruck hatte, daß „die Zeiten von unappetitlichen Vorführungen unmotivierten Geschlechtsverkehrs […] vorbei“ sind, als bei dem, was ich im Rahmen des Festivalprogramms in voller Länge gesehen habe.

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[teilweise Beschreibung von gewaltsamen Sex; Nacktfotos]

Der Wirtschaftswissenschaftler als Gen-Forscher und die Frau als Human-Ressource

FAZ entdeckt die „Frauenfalle“

Am Wochenende fiel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für Deutschland auf: „Ganz oben, wo die kalten Winde pfeifen und die wichtigen Entscheidungen gefällt werden, ist die Welt männlich. Wie kann man mehr qualifizierte Frauen im Beruf halten? Und: Wollen sie das überhaupt? Fest steht, dass sie es können. Unterschiede zwischen Mann und Frau in Intelligenz, kognitiven Fähigkeiten oder in anderen Varianten der Führungskompetenz, die Mitte der siebziger Jahre noch als angeboren beschrieben wurden, sind kein Grund für die Disparität. Sie haben sich als künstliche Konstrukte der Männer-Kartelle erwiesen.“

Weiter heißt es dann: „Seit Frauen höhere Bildung genießen, zeigt sich, dass aus ihnen genauso viel herausgeholt werden kann wie aus Männern.“ Daß es am Bildungssystem und nicht an der ‚Natur der Frau’ liegt, ist schon richtig – aber: wer spricht hier eigentlich? – Also, oben drüber steht: Melanie Amann und Winand von Petersdorff. Aber aus welcher Perspektive sprechen sie? Wahrscheinlich ‚sind’ die beiden Deutschland oder zumindest ‚die deutsche Wirtschaft’ – aber lassen wir dies hier beiseite.

Denn spannend ist, wie es weitergeht. (mehr…)

Undoing oder re-doing gender?

„die gegenwärtige Entwicklung des Spätkapitalismus [weiß …] nichts mehr anzufangen […] mit veralteten Vorstellungen von Geschlecht, […]. Mit der kanadischen Politologin Janine Brodie musste man vielmehr davon sprechen, dass sich das gegenwärtige Geschlechterregime durch ein schwer durchschaubares Nebeneinander einer gleichzeitigen ‚Intensivierung und Erodierung’ der Bedeutung von Geschlecht auszeichnet […]. Dass das Konzept von gender diese Veränderung weder erfassen noch gar reflektieren kann, liegt an der zugrunde liegenden Machtkonzeption. Wenn Macht primär als Normierung und diese wiederum als Identitätsfestschreibung aufgefasst wird, kann Subversion nur in der Einforderung pluraler Identitäten geortet werden. Damit aber wird von Seiten der Kritik als Forderung erhoben, was längst als Anforderung von außen an uns hertritt. Indem es uns glauben macht, wir müssten uns gegen Festschreibungen wehren, lässt uns das Konzept von gender genau jene Fähigkeiten erwerben, die es uns erlaubt, die unterschiedlichsten, ja, sich vielleicht gegenseitig auch ausschließende Anforderungen unter einen Hut zu bringen. Im Lichte der Machttheorie des späten Foucault erscheint diese Weise der Problematisierung von Geschlecht selbst als Gegenstand einer politischen Rationalität, das in Aussichtstellen der Gestaltbarkeit des eigenen genders als Bestandteil einer neuartigen Form einer ‚Menschenregierungskunst’ […], die die Individuen gerade mithilfe dieses Freiheitsversprechen in die Erfordernisse spatkapitalistischer Produktion und Reproduktion einpasst. Die These vom Geschlecht als sozialem Konstrukt und die damit verbundene Vorstellung von der Verhandelbarkeit des eigenen genders scheint damit selbst zu einer ‚politische Technologie der Individuen’ […] geworden. Wenn es für die 1950er Jahre stimmen mag, dass die Selbsttechnologie das doing gender war, mit dem ich mich selbst in patriarchale Verhältnisse einpasste […], so ist es heute das undooing gender, das dem nunmehr verschlankten Patriarchat am meisten dient: Die Selbsttechnologie des gegenwärtigen Geschlechterregimes ist gerade nicht mehr die kohärente Performierung des zugewiesenen genders, sondern ist das know how, das wir uns erwerben, wenn wir uns gegen Festschreibungen wehren: die Selbsttechnologie ist der zu flexibilisierende gender.“

(aus: Tove Soiland, ‚Gender’: Kontingente theoretische Grundlagen und ihre politischen Implikationen [Dez. 2009], S. 15, 16).

Mir scheint das zunächst einmal eine treffende Beobachtung sowohl dessen, was in der queer Szene passiert1, als auch dessen, was herrschenderseits bspw. als Förderung von Frauenerwerbstätigkeit (bei gleichzeitiger bleibender weitgehender Zuständigkeit von Frauen für Haus- und Erziehungsarbeit) oder gar als gender training und diversity management betrieben wird, zu sein. Allerdings würde ich doch einen begrifflichen und einen strategischen Vorbehalt anmelden wollen: Was da passiert ist – entgegen dem Anspruch mancher der AkteurInnen – kein undoing, sondern ein re-doing gender und insofern scheint mir die richtige strategische Konsequenz aus jener kritischen Beobachtung auch nicht ein Abschied vom Postulat des undoing gender zu sein; vielmehr wäre mit dem Postulat überhaupt erst einmal ernst zu machen.

Und noch ein anderer Vorbehalt zu dem gleichen Text. Auf S. 18 heißt es: Das gender-Paradigma stelle „eine politische und theoretische Verschiebung grundlegender Prämissen dar, die gegenüber der Theoriebildung der 1980er Jahre gravierende Nachteile aufweist. Als hauptsächliche Verschiebung ist hier insbesondere der stillschweigende Austausch der Diagnose einer grundsätzlich (männlichen) Eingeschlechtlichkeit unserer Kultur durch die Kritik an der Zweigeschlechtlichkeit zu nennen.“

Mir ist nicht klar, was mit „grundsätzlich[e] (männliche) Eingeschlechtlichkeit unserer Kultur“ gemeint ist. Daß die männliche Seite die herrschende Seite des Geschlechterverhältnisses ist, heißt ja nicht, das dieses Verhältnis nur eine ‚Seite’ hat. Auf S. 16 spricht Tove Soiland selbst die „gesellschaftliche Arbeitsteilung“ und die „gesellschaftlich notwendige Arbeit, mit der Frauen aus historischen Gründen identifiziert sind“, an; dies heißt ja aber nichts anderes als, daß die herrschende Ordnung durchaus nicht nur Männer kennt, sondern mindestens zwei Geschlechter, und diese Ordnung den Geschlechtern jeweils bestimmte Arbeiten zuweist bzw. ihnen jeweils bestimmte Arbeiten vorbehält bzw. sie von bestimmten Arbeiten freistellt oder den Zugang zu diesen verweigert – was eine permanente ‚Umschrift der Differenz’ freilich einschließt.

Weitere online zugängliche Texte von Tove Soiland: (mehr…)

Na also, warum nicht gleich so? (aktualisiert)


CSD/Rassismus – Die x.te


kiturak verlinkt zu Medienkritik hier und da. Dort heißt es:

„trifft sie [Butler] einen wichtigen Punkt. Wie man im neokonservativen Blog Gay West miterleben kann oder in rhizoms Analyse eines Reports der Berliner Homosexuellen-Zeitschrift Siegessäule nachlesen. Lesenswert auch: Zur Kritik der Ethnisierung antischwuler Gewalt am Beispiel Jörg Fischers
Und natürlich ist Butlers Kritik nicht neu oder überraschend, schon 2000 kritisierten linke Gruppen eben jene Behauptung, man könne türkischen Migranten homophobe Gewalt in die Schuhe schieben.“

Kritik an der Siegessäule

Der zweite von Medienkritik verlinkte Text analysiert einen Artikel der Siegessäule, dem mainstream schwullesbischen Organ in Berlin, über ein kiss-in am 17.05.2007. Der Text von rhizom zeigt plausibel auf, wie der anscheinend nicht mehr online zugängliche Siegessäulen-Artikel, unterschiedlich über homophobe Reaktionen von Weißen und Nicht-Weißen auf das kiss-in ‚berichtet‘, d.h. unterschwellig kommentiert. Prädikat: unbedingt lesenswert. Der Text enthält weiterführende links, von denen dieser Text (wo wiederum in einem Kommentar auf diesen Text hingewiesen wird) (beides einmal mehr zu Maneo) erwähenswert ist. Der in Klammern genannte Text verweist wiederum auf eine Dokumentation eines Artikel von 2007 in der Jungen Welt (zu. Abschnitt II. der Doku nach unten scrollen). Auch dieser befaßt sich (mit einigen zusätzlichen Argumenten) überwiegend mit Maneo und endet dann wie folgt:

„Während sich viele heterosexuelle Linke in Unkenntnis des tatsächlichen Zustandes der Überbleibsel der politischen Lesben- und Schwulenszene in blinder Solidarität üben, sorgten die Berufsfunktionäre der ehemaligen Emanzipationsbewegung in den vergangenen Jahren mehrfach für Skandale. Taz-Redakteur Jan Feddersen fabulie-rte Gewalttaten eines ‚arabischen Mobs‘ herbei, das Berliner Homomagazin Sieges-säule titelte ‚Türken raus!‘ und bezeichnete den von türkischen und arabischen Mi-granten geprägten Bezirk Kreuzberg als ‚Kebabgehege‘. Hochrangige Funktionäre des LSVD forderten ‚Muslimtests‘ für einbürgerungswillige Migranten und bezeich-neten die multikulturelle Gesellschaft als gescheiterten ‚linken Traum‘.“

Zu den Behauptungen gibt es leider keine Quellenangaben bzw. links.

Der basisdemokratische Anspruch des CSD

Der vierte von Medienkritik verlinkte Text ist unter dem Gesichtspunkt der Rechtfertigungs-Erklärung von Bodo vom Vorstand des Berliner CSD e.V. von Interesse. In der Rechtfertigungs-Erklärung heißt es:

„Der CSD hat nur einen Veranstalter, den Berliner CSD e.V. repräsentiert durch die vier Vorstände. Thema, Motto und Forderungen werden im CSD-Forum basisdemokratisch bestimmt. Dies ist bundesweit einzigartig.“

Mit der Realität dieses basisdemokratischen Anspruchs ist es laut des vierten von Medienkritik verlinkten Textes nicht besonders weit her. Dieser kurze Text, der allerdings schon vom Herbst 1999 stammt, sei hier vollständig zitiert: (mehr…)

Die nächste Runde in der CSD/Rassismus-Diskussion

Die neusten Debatten-Beiträge: (mehr…)

Judith Butler im taz-Interview (30.6.)

Die Geschlechterforscherin Judith Butler über Rassismus, Homophobie und das Problem, etwas Falsches durch etwas anderes Falsches korrigieren zu wollen.

Nachtrag

aus einem Kommentar von mir bei der Mädchenmannschaft:

Judith Butler: „Wenn jemand etwas Kriminelles getan hat, ist die Handlung kriminell, nicht die Person, und nicht der ethnische oder religiöse Hintergrund einer Person.“

Das vergißt doch alle theoretischen Einsichten, die Judith Butler sonst hat. Handlungen tauchen doch nicht aus dem Nichts auf, sondern sind von gesellschaftlichen Strukturen determiniert. Und was heißt denn Intersektionalitäts-Forschung anderes als zu untersuchen, wie sich Sexismus, Homophobie, Antisemitismus usw. klassen- und rassenspezifisch unterschiedlich artikulieren – und umgekehrt?
Auch wenn das Fragen nach diesen Kategorien immer schon zu deren Reproduktion beiträgt, führt analytisch und politisch kein Weg daran vorbei, sie als – wenn auch ‚konstruierte‘ (gesellschaftlich hervorgebrachte) – machtvolle Realitäten zur Kenntnis zu nehmen (S. 6).
In Bodies that matters schrieb Butler:

„[…] it would be not enough to claim that for Venus [einer Darstellerin aus dem – von Butler analysierten – drag-Film Paris is burning] gender is markedy by race and class, for gender is not the substance or primary substrate and race and class the qualifying attributes. In this instance, gender is the vehicle for the phantasmatic transformation of the nexus of race and class, the site of its articulation“ (S. 130).

In diesem Sinne kann doch nicht vergessen werden, daß Homosexualität ein Einsatz sowohl in fundamentalistischen religiösen (christlichen wie islamischen) Diskursen über moderne Dekadenz ist, und daß sich diese Diskurse auch in homophober Gewalt materialisieren, als auch ein Einsatz in den Diskursen über die angebliche westliche (insb. europäische) Fortschrittlichkeit und Toleranz gegenüber im Vergleich mit dem rückschrittlichen und intoleranten Islam (oder auch den konservativen, prüden usw. USA) ist.
Queer ist es nicht, aus Gründen der politischen Opportunität (der Sympathie für die eine oder andere Seite) diese Einsichten zu verschweigen, sondern eine unzweideutige, eigenständige Position jenseits dieser beiden Lager einzunehmen.

Noch einmal zu den Rassismus-Vorwürfen gegen den Berliner CSD

Noch einmal zu den Rassismus-Vorwürfen gegen den Berliner CSD
[Dieser Text als .pdf-Datei]

Offizielle CSD-Stellungnahme zu Butlers Preisannahme-Verweigerung

.html-Version: http://www.csd-berlin.de/index.php?m=25&id=257&&UID=2e7861567761fac77fbb6516ad0bb0ab

.pdf-Datei: http://www.csd-berlin.de/uploadfiles/25_353_Stellungnahme_Butler.pdf

Übersichten über die bisherige Diskussion: Teil 1, Teil 2 und Teil 3 (jeweils mit Ergänzungen in den Kommentaren); aktuell noch laufende Diskussion:

http://maedchenmannschaft.net/judith-butler-und-die-schwul-lesbische-dekonstruktion/.

Judith Butler über „soziale Gerechtigkeit“ sowie high und happy in den Straßen feiern (Interview)

In den verschlungenen Wegen des internets haben wir ein Interview, das anscheinend der Sender Bln.fm mit ihr geführte hat, gefunden. Wir fanden es via Denkwerkstatt und Marco Schreuder, der auf hornytimes bei soundcloud hinweist, schließlich bei blu.fm. Wie es scheint, bringen wir erstmals eine Abschrift des Interviews. (mehr…)

Noch ein paar Nachträge: Butler und der Berliner CSD

► Eklat beim Christopher Street Day
http://www.3sat.de/mediathek/mediathek.php?obj=19172&mode=play
(via Paula; Bericht u.a. mit dem bis dahin unbekannten Anfang der Butler-Rede, einem Zitat aus einer mail-Stellungnahme von ihr und diverse Interview-Statements von anderen Personen) (mehr…)

Judith Butler in Berlin: Rassismus-Kritik, Demokratie-Ideale und wenig zu Anti-Kriegspolitik

Judith Butler war in den letzten Tagen (und ist vielleicht auch noch) in Berlin. Zwei Auftritte sorgen für Aufsehen: Ein Vortrag in der Berliner Volksbühne, der zum Thema „Queere Bündnisse und Antikriegspolitik“ angekündigt war, tatsächlich sich aber nur wenig darum drehte. Zum anderen ihre Rede, mit der sie die Verleihung eines ihr angetragenen Zivilcourage-Preises ablehnte.

Judith Butler am 18.06.2010 in der Berliner Volksbühne: Bild von tigerclaws, Lizenz (via Theater bloggen)

Hier ein Überblick zu den Diskussionen, die anderenorts im Netz dazu bereits geführt werden: (mehr…)

Dis-Identification means to transform the imperialist war into revolutionary civil war!

Für Freitagabend war in Berlin eine Veranstaltung mit Judith Butler zum Thema „Queere Bündnisse und Antikriegspolitik“ angekündigt:

„Judith Butler, die diesjährige Zivilcourage-Preisträgerin des Berliner Christopher Street Day 2010, widmet sich in ihrem Vortrag der Frage, welches Profil eine queere Politik haben muss, die sich als Teil einer Politik gegen den Krieg versteht. Von dieser Frage ausgehend, behandelt die amerikanische Philosophin Aspekte einer queeren Friedenspolitik, die queer nicht als Identitätskonzept, sondern als Bündnisform zu thematisieren sucht. Welche politische Rolle spielt queere Politik in einer Welt, in der Krieg alltäglich erscheint und viele Völker einem ständigen Bedrohungszustand hoffnungslos ausgeliefert sind? Wie muss sich queere Politik angesichts der globalen Herausforderungen der zunehmenden Militarisierung und fortgesetzten Kolonialisierung neu definieren, und ist eine queere Politik denkbar, die nicht zugleich auch eine anti-rassistische Bewegung ist? Wie können wir Bündnissen gegen nationalistische Abschottungspolitik beitreten, wenn diejenigen, für die und mit denen wir kämpfen, unsere Standpunkte nicht immer teilen?
Judith Butler, Philosophin und Philologin, ist Professorin an der European Graduate School und an der University of California, Berkeley. Andreas Kraß moderiert den Abend, er ist Literaturwissenschaftler und Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und arbeitet zu Queer Theory bzw. Gender Studies.“

Der tatsächlich gehaltene Vortrag behandelte dann die Frage „einer Politik gegen den Krieg“ nur am Rande und konzentrierte sich auf den Gegenstand homo- und transphobe Gewalt sowie bündnis- und rechtspolitische/-philosophische Vorschläge, dagegen vorzugehen. Das tatsächliche Vortragsthema mag vielleicht besser zu dem Zivilcourage-Preis passen. Da das angekündigte Thema dadurch aber nichts an Relevanz verloren hat sowie immer wieder mal die Diskussion aufkommt, ob queer eine Absoftung (Weichspülung) oder Radikalisierung feministischer und linker Politik bedeutet, folgt hier die Ausformulierung einiger Gedanken, die ich mir zu dem angekündigten Thema und zu Butlers diesbezüglichem Buch „Gefährdetes Leben. Politische Essays“ gemacht hatte:1 (mehr…)

Ent-Identifizierung – jenseits von Frauenfeindlichkeit und Weiblichkeitskult

I.

Das Konzept der „Ent-Identifizierung“ ist u.a. eine Antwort auf das Dilemma
► von herrschender Abwertung von Frauen zugeschrieben ‚Eigenschaften’, ‚Werten’ und Verhaltensweisen einerseits
und
► der Hochschätzung dieser ‚Eigenschaften’, ‚Werte’ und Verhaltensweise durch die essentialistische (sei es biologistische oder kulturalistische) Tendenz der Frauenbewegung andererseits, die aber an dieser Zuschreibung als solches nichts ändert.
Ein klassisches Beispiel dafür ist die Verbindung von Frauen, Natur und Harmonie, die herrschenderseits mit einer Abwertung von Frauen, Natur und Harmonie gegenüber Geist, Männlichkeit und strategisch-instrumentellem Eingreifen einhergeht. Von Differenzfeministinnen wurde diese Zuschreibung beibehalten und nur die Bewertung umgedreht. So schrieb Maria Mies 1980:

„Zunächst ist festzu­halten, daß Frauen ihren ganzen Körper als pro­duktiv er­fahren können, nicht nur ihre Hände und ihren Kopf. Au­ßerdem produzieren sie neue Menschen und die erste Nah­rung für diese Menschen. […]. Die körperliche Seite dieses [männlichen, TaP] Gegenstandsbezugs [zur Na­tur, TaP] bedeutet [im Gegensatz dazu, Erg. d. TaP], daß die Männer sich die Natur durch einen quali­tativ anderen Körper zu eigen machen als die Frauen. Män­ner können ihren eigenen Körper nicht in der gleichen Weise als produktiv verstehen wie Frauen, da sie nichts Neues aus ihrem Körper hervorbringen. Männliche Produkti­vität kann daher nicht ohne die Vermittlung äuße­rer In­strument und Werkzeuge erscheinen. […] Ohne Werkzeug ist der Mann kein Mensch. Das ist der Grund, warum, sein Ver­hältnis zur Na­tur, zu seiner eigenen wie zur äußeren, die Tendenz zeigt, zu einem instrumentellen Verhältnis zu werden.“1

Im Gegensatz zu derartigen Positionen schrieb die kultuRRevolution. zeitschrift für angewandte diskurstheorie bereits 1985 im Editorial ihres Heftes frau. mann. nicht mehr als zwei geschlechter?:

„einige autorinnen werden den verdacht nicht los, daß die chancen des binarismus-spiels [Männlichkeit/Weiblichkeit, TaP] nicht fair verteilt sind, und daß dort der patriarchalismus auf die dauer immer die besseren karten haben könnte. die infragestellung des sexuellen binarismus und das denken seiner paradoxien könnte ein anstoß werden, den schritt von der ‚gegeniden­ti­fikation‘ zur ‚entidentifizierung‘ zu versuchen, von dem michel pêcheux spricht […].“2

Und Judith Butler postulierte 1993: (mehr…)

Berlin, Do., 27.5.: Was erwarten wir uns von FrauenLesbenTrans-Räumen?

FrauenLesbenTrans-Tresen in den Räumen des Subversiv e.V.

am 27.05.2010 ab 19 Uhr

Zum Auftakt gibt es Volxküche und eine Diskussionsrunde zum Thema:

Was erwarten wir uns von FrauenLesbenTrans-Räumen?

Ausgehend von den Diskussionen rund um den 8. März (bzw. die Demo) wird es hierzu einen kleinen Input geben. In Zukunft wird es jeden letzten Donnerstag im Monat einen FLT-Tresen im Subversiv geben. Achtet auf weitere Ankündigungen. Alle FLTs sind herzlich willkommen!

Adresse: Brunnenstraße 7 Berlin-Mitte, U-Bhf Rosenthaler Platz, 2. HH

Flyer als .pdf-Datei