Beiträge von viruletta

Eine Essstörung will früh gelernt sein…

Als gendersensibilisierter Mensch bin ich mir schon lange darüber bewusst, in einer sexistischen Gesellschaft zu leben, die bereits im Kindesalter beginnt, Rollenklischees in unsere Körper und Köpfe einzuschreiben. Als ich aber von der Neuerscheinung eines Buches mit dem Titel: „Maggie goes on a diet“ gelesen habe, blieb selbst mir die Sprache weg. Das Buch predigt, was sämtliche Massenmedien später fortführen werden: du musst nur ein paar Kilo abnehmen, und schon wird dein Leben erfüllter werden. Das schockierende daran: das Buch richtet sich an 6-12-Jährige.

Darauf haben wir nicht gewartet, aber geschrieben wurde es trotzdem: Der hawaiianische Autor Paul Kramer serviert uns ein bunt bebildertes Diät-Kinderbuch, das sich an Mädchen richtet. In „Maggie Goes on a Diet“ (Maggie macht eine Diät) erzählt er die Geschichte einer übergewichtigen 14-Jährigen, die in den Illustrationen eher wie ein Kleinkind aussieht. Und diese Maggie hat klarerweise Probleme mit ihrem Körper: Keine/r mag sie, weil sie dick ist. Von MitschülerInnen wird sie grausam verspottet, und nächtens tröstet sie sich mit Essanfällen am offenen Kühlschrank darüber hinweg.
Das 44-Seiten-Büchlein hat auch gleich einen Rat parat, wie sie sich selbst aus ihrer misslichen Lage befreien kann: Nimm ab, meine Kleine, denn Schlanksein heilt alle seelischen Wunden. Also lässt Kramer Maggie fleißig abnehmen, und siehe da: Sobald 25 Kilo unten sind, klappt es auch mit dem schulischen wie sportlichen Erfolg, dem rosa Kleidchen, das sich eine dicke Maggie nie anziehen hätte können, und mit den Jungs.

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Wie sähe die Welt aus, wenn es keine Vergewaltigung gäbe? Ein Gedankenspiel.

(Vorsicht: Triggergefahr!)

Der wahre Facebook-Skandal (Triggergefahr!)

Seitdem Facebook vor ein paar Tagen ein weiteres Mal seine Nutzungsbedingungen zugunsten des Profits und zum Nachteil der Nutzer*innen verändert hat, schreiben sich Journalist*innen auf der ganzen Welt die Finger wund, um darüber zu sinnieren, ob Facebook sich diesmal nun doch ein bisschen zu weit aus dem Fenster gelehnt hat oder nicht.

Dass parallel dazu ganz andere Petitionen gegen Facebook ins Leben gerufen worden sind, darüber berichten nur eine Hand voll englischer Medien und auf deutscher Seite gerade mal die österreichische „dieStandard“ und die Mädchenmannschaft. Die Petitionen beziehen sich darauf, dass Facebook sich weigert, Seiten vom Netz zu nehmen, die sexualisierte Gewalt verherrlichen bzw. verharmlosen. (mehr…)

Was du nicht sehen willst, ist trotzdem da – oder: Warum Postgender im Falle der Piratenpartei antifeministisch ist

Wer sich nicht in die mediale Isolation begeben hat, wird in den letzten Tagen um die folgende Nachricht kaum drumherum gekommen sein: die Piraten sind in das Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen. Mit überraschenden 8,9 Prozent darf die junge Partei ganze 15 Sitze bekleiden. Böse Zungen mögen behaupten, die Piratenpartei sei nicht nur jung, sondern auch noch recht inhaltsleer; in jedem Fall lässt sie sich aber bisher schwer einordnen. So wird überall wild darüber spekuliert, ob die Piraten nun rechts oder links, die neuen Grünen oder die neuen Linken sind. Und ein weiterer Punkt spielt irgendwie auch immer mit rein: Unter den 15 Abgeordneten ist nur eine Frau. (mehr…)

Wer ist hier die*der Schuldige?

Ich glaube in wenigen Fällen haben Kläger*innen sofort mit so vielen Unterstellungen zu kämpfen, wie es bei Kläger*innen in Fällen von sexualisierter Gewalt der Fall ist. Und gerade hier ist die Beweislage meistens sehr schwierig, steht Aussage gegen Aussage in fast immer ungleichen Machtbeziehungen.

Das sexualisierte Gewalt in erster Linie mit Macht (und nicht mit Sex) zu tun hat, wird zwar hin und wieder berücksichtigt; jedoch wird der Machtmissbrauch in den meisten Fällen den Kläger*innen unterstellt. Rache, Erpressung oder „Die will ihn doch nur ruinieren“ werden in die Anklage hinein gedichtet, die Kläger*innen von vorne bis hinten auseinander genommen in der Hoffnung, irgendwelche Punkte zu entdecken, die ihre*seine Glaubwürdigkeit mindern. (mehr…)

Nein, PETA, der Zweck heiligt nicht die Mittel!

Dass PETA alles andere als unterstützenswert ist, dürfte spätestens seit der Holocaust relativierenden Kampagne „Holocaust auf Ihrem Teller“ allgemein bekannt sein. 2004 wurde die Kampagne sogar von PETA-Deutschland übernommen – meiner Meinung nach ein klares Statement, in welche Ecke diese selbsternannte Tierrechtsorganisation gehört. (Wer einen kleinen Einblick in diese menschenverachtende Kampagne bekommen will, kann hier klicken – aber Achtung, nichts für schwache Nerven.)

PETAs Konzept ist es, in der Mitte der Gesellschaft anzusetzen – um dieses Ziel zu erreichen, werden auch gerne mal Rassismen und Sexismen in Kauf genommen.

Die Dauerrenner bei PETA sind aber das Werben mit nackten, normgerechten weiblichen Körpern und die Panikmache vor männlicher Impotenz. Die zentrale Botschaft an das weibliche Publikum: Lebe vegan und du wirst einen schönen (=schlanken) Körper haben, die Botschaft an die Männer da draußen: Wenn du keine Angst um deine Männlichkeit (=Potenz) haben willst, dann greif das nächste mal besser zum Tofu-Würstchen. Klassische Werbeplakate sind zum Beispiel diese hier:

Quelle: Klick

Und:

Quelle: Klick

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Zum Thema Schuldumkehrung…

…ein ganz wunderbarer Artikel in der taz:

Eine junge Frau wird vergewaltigt. Eine Kopftuchträgerin wird angespuckt. Ein junger schwarzer Londoner wird von einem Polizisten erschossen. Der Südländer wird in der Dorfdisko von Neonazis verprügelt. Die Sinti-Familie bekommt die Wohnung nicht, die korpulente Frau nicht den Job im Bekleidungsgeschäft, die Türkin nicht den Ausbildungsplatz. Aber der Täter bekommt Sympathie.

Verhütung? Frauensache!

Seit kurzem steht fest: Hormonelle Verhütung wird bis auf weiteres Frauensache bleiben. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde abgebrochen, die „Pille für den Mann“ wird vorerst nicht auf den Markt kommen. Wenn wir ehrlich sind, kam diese Wendung nicht sehr überraschend.

Das Deutschlandradio wagte kurz vor Bekanntwerden des (angeblich) vorläufigen Aus für die „Pille für den Mann“ einen kleinen historischen Abriss:

„Und nun endlich scheint ein akzeptables hormonelles Verhütungsmittel für den Mann gefunden zu sein“, hieß es Ende der 80er-Jahre in einem Fernsehbericht. Aber die Pille kam nicht.

Mitte der 90er war im WDR zu hören: „Die Wissenschaft hat die Gleichberechtigung von Mann und Frau einen großen Schritt voran gebracht. Nach über 20-jähriger internationaler Forschung ist die Pille für den Mann theoretisch fertig.“ Theoretisch – in der Praxis blieb die Pille für den Mann eine Luftnummer.

Im Jahr 2001 wurde dann wieder verkündet: „In fünf Jahren soll die Pille für den Mann auf den Markt kommen.“ Heute, zehn Jahre später, ist es immer noch nicht soweit.

Studienleiter Michael Zitzmann schmunzelt: „Ich selber weiß es auch nicht, ob das jemals auf den Markt kommen wird.“

Er sollte Recht behalten. Doch was sind die Gründe für den Abbruch der Studie? (mehr…)

Hollaback! Pöbel zurück!

Die Planung für den SlutWalk-Aktionstag ist nun vorerst vorüber und somit ist Zeit für neue Projekte frei geworden. Die SlutWalk-Bewegung hat ein überraschend großes und positives Echo erhalten und breite Teile unserer sonst so ignoranten Gesellschaft sind zumindest ein Stück weit wach gerüttelt worden. Wir sollten diesen immensen Erfolg nicht einfach so in der Luft verpuffen lassen und daran anknüpfen, solange die Botschaften noch in den Köpfen der Menschen präsent sind.

Anna von der Mädchenmannschaft hat heute etwas über den „täglichen Slutwalk“ geschrieben – und innerhalb weniger Stunden haben daraufhin zahlreiche Menschen über ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt berichtet. Ich weiß nicht, ob ihr schon von der Hollaback!-Bewegung gehört habt, aber diese hat sich genau das zum Ziel gesetzt; Erfahrungen mit sexualisierten Übergriffen öffentlich zu machen, zurück zu pöbeln (das bedeutet Hollaback! übersetzt) und den alltäglichen Sexismus zur Sprache zu bringen. Die Hollaback!-Bewegung kommt aus New York und hat in Deutschland bisher erst zwei Ablegerinnen; eine in Berlin und eine in Dortmund. (mehr…)

Zu den SlutWalk-Kontroversen: Warum keine mehr eine Schlampe ist, wenn wir alle welche sind

Die Protestform der SlutWalk-Bewegung wurde inzwischen viel und breit diskutiert, sie hat viel Anklang gefunden, aber auch immer wieder für Bedenken gesorgt.

- „Das Anliegen ist ja richtig, aber die Mittel sind die falschen.“

- „Ich würde eigentlich gerne mitmachen, aber mir macht es Bauchschmerzen, unter einem Banner zu laufen, auf dem das Wort „Schlampe“ steht.“

- „Ich habe das Gefühl, dass diese Protestform dem sexistischen Normalzustand eher in die Hände spielt, als ihn ins Wanken zu bringen.“

Im folgenden werde ich ein paar Gründe dafür aufführen, weshalb ich mich als (Queer-)Feministin trotzdem dazu entschieden habe, an der SlutWalk-Bewegung mitzuwirken. (mehr…)