Archiv der Kategorie 'abtreibung'

Frauenkampftag 2014

Veranstaltungen und Demonstrationen zum Internationalen Frauenkampftag 20141:

Berlin
13:00 Uhr am Gesundbrunnen: Demonstration “Still loving Feminism!”
18:30 Uhr im SBZ Krähenfuß: Scree­ning und Dis­kus­si­on: „WON­DER WOMEN!

Graz
10:30 Uhr am KünstlerInnenhaus: Demonstration „Frauenauflauf

Hamburg
13:30 Uhr am Hachmannplatz: 8.März-Demo | 8-Mart Dünya Emekci Kadinlar Günü Yürüyüsü

Linz
11:00–00:00 Uhr, verschiedene Orte: Feminismus & Krawall – Protest · Performances · Interventionen · Konzerte

Nürnberg
13:00 Uhr am Weißen Turm: Infostände und Aktionen
15:30 Uhr am Weißen Turm: Demonstration

Salzburg
13:30 um am Alten Markt & Platzl: Kundgebung: “Frauenrechte sind nicht käuflich”. Weitere Termine.

Wien
15:00 Uhr, U6-Station Josefstädterstraße: Demonstration

Zürich
13:30 Uhr am Hechtplatz: Demonstration “Care-Arbeit kollektivieren. Kapitalismus entsorgen”

  1. wird laufend ergänzt [zurück]

Schweizer Volksabstimmung: 70% weiterhin für reproduktive Rechte

Im Ergebnis wesentlich erfreulichere Volksabstimmung in der Schweiz: Anders als in Deutschland werden Abtreibungen auch weiterhin von der Krankenkasse finanziert, deutliche 70% der Schweizer_innen stimmen diese Regelung zu. Die fundichristlich-konservative Initiative dagegen ist also ganz, ganz übel gescheitert – nur wurde diese schweizer Volksabstimmung in den deutschen Medien so gar nicht jenseits einer Randnotiz erwähnt – während die Abstimmung um die Freizügigkeit Topthema war und gerade die christlich-konservativen Fanatiker_innen sich gar nicht genug über die ach so viel demokratischere Schweiz und „Volkeswillen“ begeistern konnten…
Interessant auch in diesem Zusammenhang, daß der Kanton, in dem auch die EU-Freizügigkeit am schärfsten abgelehnt wurde, als einziger auch mehrheitlich gegen die Kostenübernahme durch die Krankenkassen bei Abtreibungen stimmte:

Einzig die Stimmenden im Kanton Appenzell Innerrhoden unterstützten die Initiative, und das mit einem Ja-Anteil von 50,9 Prozent.

Prozesse gegen Feministinnen in Salzburg

Dokumentation eines österreichischen Flugblatt-Entwurfs, der aktuell die Runde macht. Er ist nicht redigiert, daher sind unvollständige Sätze und Kommentare enthalten.

Zur Info vorweg:

Im Juli 12 fanden eine Demo und Aktionen gegen den geplanten 1000-Kreuze-Marsch in Salzburg statt. Zwei Feministinnen (eine aus Wien, eine aus Salzburg) wurden verhaftet und Mitte Dezember finden bzw finden die zwei Prozesse gegen sie statt.
Im folgenden ein Flugblatt (und im Anhang als PDF) zu den Hintergründen und Inhalten und für Solidarität.
bitte weiterleiten und weiter verbreiten
feministische Grüße

Vatikan – Hände weg von uns`rer Vulva

Für den 25. Juli 2012 hatten rechts-religiöse/fundamentalisstische AbtreibungsgegnerInnen wieder einmal einen sogenannten 1000-Kreuze-Marsch in Salzburg angekündigt.
(mehr…)

Radikale AbtreibungsgegnerInnen in Wien

In Wien wird vom 4. bis zum 8. Oktober der „6. Welt-Gebets-Kongress für das Leben“ stattfinden. Auf dem von Human Life International organisierten Kongress werden bekannte AbtreibungsgegnerInnen wie Weihbischof Andreas Laun, Bischof Klaus Küng, Trauma-Therapeutin Angelika Pokropp-Hippen und Philip Reilly anzutreffen sein. Diskutiert wird auch die Teilnahme zweier bekannter österreichischer ÖVP-Politiker, darunter Vizekanzler Michael Spindelegger.
Angeboten werden bei dem Kongress Workshops wie “ Heilung nach Abtreibung“ oder Diskussionsrunden zu Themen wie „Das Recht der Katholiken, sich Gesetzen und Vorschreibungen zu widersetzen, die im Widerspruch zu Gottes Gesetz stehen.“

Mit ihrer radikalen Rhetorik wollen AbtreibungsgegnerInnen Frauen jegliches Recht auf einen Abbruch nehmen. Das Bestehen eines Fötus wird dabei klar über das Leben und die Entscheidungfreiheit eines Menschen gestellt.
Unterstützt werden die radikalen AbtreibungsgegnerInnen dabei tatkräftig von anderen frauenfeindlichen Institutionen wie der katholischen Kirche oder anderen rechtskonservativen Gruppierungen.
In Wien wird am 4.10 eine Gegendemonstration stattfinden. Treffpunkt Schottentor/Universität Wien 17:00 Uhr.
Wer Lust hat die Organisator_innen zu unterstützen kann am 13.9 um 19.00 ins FrauenMädchenLesbenZentrum, Währingerstraße 59/6/2, 1090 Wien kommen.

Shut the whole thing down!

Todd Akin, republikanischer Politiker und Senator Kandidat für Missouri, ist bekannter Weise eine Hardliner was Abtreibung angeht. Seine ganze politische Karriere hat er sich zum Pro-Life-Flügel gezählt, doch was er sich am Sonntag bei einem Interview geleistet hat kann nur zu Kopfschütteln führen. Kurzerhand hat er eine neue Biologie des weiblichen Körpers erfunden, die angeblich von Ärzten gestützt würde. „ It seems to me first of all from what I understand from doctors, that’s really weird…If it is a legitimate rape the female body has ways to shut that whole thing (Schwangerschaft) down.” (Von dem, was ich von Ärzten gehört habe, scheint es mir so, und das ist seltsam….Wenn es sich um eine richtige Vergewaltigung handelt, hat der weibliche Körper Möglichkeiten das (Schwangerschaft) Ganze zu verhindern) Dies ist für ihn dann wohl auch ein legitimer Grund Abtreibung komplette zu verbieten. Sollte eine vergewaltigte Frau in Ausnahmefällen, dann doch schwanger werden, so sollte dafür in keinem Fall das Kind bestraft, oder in seinen Worten attackiert, werden.
Lediglich bei Fällen wie Eileiterschwangerschaften käme eine Abtreibung in Frage, wobei seine Betonung hier eher auf einem „optimizing life“ Frame denn auf dem Leben der Schwangeren beruht.
Den Ausschnitt aus dem Interview könnt ihr hier sehen

Abtreibung, Kirche und Moral

Interview mit Sarah Diehl, der Macherin der Doku ,,Abortion Democracy“.

Ein neues Gesetz in den USA: ,,Lasst Frauen sterben“

Die Abtreibungsgegner in den Vereinigten Staaten haben ein großes Ziel erreicht: Unter dem Euphemismus ,,Protect Life Act“ (Lebensschutz-Gesetz) wurde nun ein Gesetz verabschiedet, das Krankenhäusern und Ärzten erlaubt, Frauen ,,vor ihrer Tür“ sterben zu lassen. Das bisher in Kraft gewesene Emergency Medical Treatment and Active Labor Act (EMTALA) darf jetzt im Falle eines Abtreibungsbedarf, das die Mutter rettet, ignoriert werden. EMTALA fordert, dass den Patienten in Notfallsituationen angemessene medizinische Hilfe erwiesen wird, was eine Abtreibung bisher mit einschloss, falls diese nötig wurde. Die Stimme der Minderheit, Nancy Pelosi, nennt das neue Gesetz einen ,,grausamen Angriff auf die Gesundheit von Frauen“. Fast alle Republikaner und 15 Demokraten wählten für den ,,Protect Life Act“.
Die Befürworter argumentieren u.a, dieses Gesetz diene zum Schutz der Krankenhäuser, die an religiöse Institutionen gebunden sind, wie auch, dass es soetwas wie eine Notfall-Abtreibung nicht geben kann.

Hier ein Bericht aus einem katholischen Krankenhaus (Übersetzung unten):

,,A woman with a condition that prevented her blood from clotting was in the process of miscarrying at a Catholic-owned hospital. According to her doctor, she was dying before his eyes, her eyes filling with blood. But even though her life was in danger, and the fetus had no chance of survival, the hospital wouldn‘t let the doctor treat her by terminating the pregnancy until the fetal heartbeat ceased of its own accord. She ended up in the I.C.U.“1

Unterstützt und mit wohlwollender Anerkennung bedacht wurde das Gesetz von der US-amerikanischen Bischofskonferenz
und fundamentalistisch christlichen Lobbyorganisationen wie dem Family Research Council.

Berichtigung (thanks to Mädchenblog-User ,,Liv“): Das Gesetz ist noch nicht durch, es ist bisher ,,nur“ durch das Repräsentantenhaus genehmigt worden; wird aber vermutlich nicht durch den Senat kommen, der von den Demokraten dominiert wird. Und Präsident Obama ließ bereits mitteilen, dass er sein Veto dagegen einlegen wird. [eingefügt am 21.Oktober 2011)

  1. ,,Eine Frau, deren Blut nicht mehr gerinnen konnte, war dabei, eine Fehlgeburt zu erleiden. Das Krankenhaus war katholisch. Ihr Arzt erzählte, sie starb quasi vor seinen Augen, ihre eigenen Augen voller Blut. Aber obwohl ihr Leben in Gefahr war und der Fötus nicht überleben konnte, ließ das Krankenhaus nicht zu, dass der Arzt ihre Schwangerschaft beendete, bis der Herzschlag des Fötus endlich erlosch. Die Frau landete auf der Intensivstation.“ [zurück]

„Ist das unrecht?“

Abtreibung, Vergewaltigung – und die männliche als auch die weibliche Hilflosigkeit bei beiden, wenn darüber gesprochen wird: ein Dialog aus Minette Walters‘ Roman „Die Schandmaske“ zwischen dem Künstler Jack, der mit der Ärztin Sarah verheiratet ist, und der 17 Jahre jungen Ruth, die ungewollt schwanger geworden ist:

„Sarah ist die vernünftigste Ärztin, die ich kenne. Sie wird Ihnen helfen, sich zu entscheiden, was Sie tun wollen, und dann alles für Sie tun. Sie wird Sie nicht zwingen, das Kind zu bekommen, und sie wird Sie auch nicht zwingen, es nicht zu bekommen.“
Die Tränen begannen wieder zu fließen. „Ich will es nicht.“ Sie ballte ihre Hände. „Ist das unrecht?“ (mehr…)

Trisomie 21-Bluttest

Annette Schavan hat risikoarme Gentests für Schwangere gefordert –
und dafür Anschiss kassiert.

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, warf ihr im Tagesspiegel vor, ihr Haus habe „Behinderten-Diskriminierung in der schlimmsten Form“ unterstützt.

Konkret geht es um die Entwicklung eines Schwangerentests mit dem ohne Risiko für die werdende Mutter mit hoher Treffersicherheit festgestellt werden kann, ob das heranreifende Kind ein Down-Syndrom, auch Trisomie 21 genannt, hat.(…)
Schätzungen gehen davon aus, dass rund 90 Prozent der Föten, bei denen eine Trisomie 21 diagnostiziert wurde, abgetrieben werden.

Daß hier Kritik angebracht ist, versteht sich von selbst. Allerdings weniger an der Mutter, die Trismoie 21 als Abtreibungsgrund sieht, sondern an einer Gesellschaft und Politik, die es Menschen mit Down-Syndrom alles andere als leicht macht im Leben. Und deren Eltern natürlich genausowenig.
Würde sich hier etwas ändern, dann wahrscheinlich auch bei den zitierten 90%.
Und die verbliebenen 10% können sich so immerhin auf die Ankunft eines Kindes vorbereiten, das nicht nur mehr an Fürsorge braucht, sondern viele andere Dinge müssen auch noch organisiert werden.
Ganz zu schweigen davon, daß den Frauen ohne risikoarme Schnelltests noch ganz andere Probleme begegnen können:

Die bisher eingesetzten Trisomie-21-Tests sind entweder sehr ungenau oder sind mit dem Risiko verbunden, dass ein Schwangerschaftsabbruch ausgelöst wird.

Und wenn das nicht sein muß, warum sie dann so einem Risiko aussetzen? Um sie von dem Test abzuschrecken und ihnen dann sozusagen doch das ein oder andere Kind mit Down-Syndrom „unterzuschieben“, sie werden schon damit klarkommen, wenn’s mal da ist? Diese Einstellung fördert nun aber auch nicht gerade das Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Trisomie 21.
Letztendlich ist doch auch hier sinnvoll, was bei Abtreibungen allgemein gelten sollte: es ist die informierte Entscheidung der betroffenen Schwangeren und alles sollte so risikoarm und professionell wie möglich ablaufen. Denn auch in diesem Fall sehe ich hier keinen Grund, davon abzuweichen.

(Bild von Markus Keuler, auf www.21hoch3.de)

Kein Standard

In Österreich ist wieder einmal eine Debatte um den Schwangerschaftsabbruch entflammt . Auslöser war das Anliegen des Gesundheitsministers Stöger, welcher sich für die Möglichkeit aussprach Abtreibungen in öffentlichen Krankenhäusern zu ermöglichen. In Österreich werden Schwangerschaftsabbrüche bisher nicht flächendeckend angeboten. Für die betroffenen Frauen bedeutet dies erhebliche Mehrkosten. Dabei ist zu bedenken, dass ein Schwangerschaftsabbruch in Österreich nicht durch die gesetzliche Krankenkasse abgedeckt ist. Zu den anfallenden Kosten, kommen für Frauen, v.a aus ländlichen Regionen, dementsprechend noch erhebliche Reisekosten hinzu.

Die von Herrn Stöger vorgeschlagene Änderung würde eine erhebliche Erleichterung darstellen. Doch solch ein frauenfreundlicher Vorschlag erhält klarer Weise sofort Gegenwind, so sprachen sich, oh Wunder, die katholische Kirche sowie der Familienminister Mitterlehner gegen den Vorstoß aus. Es sei laut Mitterlehner „ein falsches Signal“. Eltern solle „Mut zum Kind“ gemacht werden. Ob mensch sich für der gegen ein Kind entscheidet hat jedoch wenig mit Mut zu tun, sondern mit Selbstbestimmung. Menschen muss also kein Mut gemacht werden, sondern die Unstände müssen so gestaltet werden, dass die Entscheidung für oder gegen ein Kind möglich ist. Das heißt volle Finazierung von Schwangerschftsabbrüchen und Verhütungsmitteln, aber auch finanzielle Unterstützung von Menschen mit Kind. Es kann nicht sein, dass es für viele Menschen ein Armutsrisiko bedeutet ein Kind in die Welt zu setzen.

Die Debatte verdeutlicht aber auch, dass ein Abbruch, für viele Menschen noch in die Schmuddelecke der Medizin gehört. ÖVP-Klubobmann Kopf dazu: „Es könne nicht sein, dass Abtreibungen zu „Standardaufgaben“ in öffentlichen Spitälern werden.“
Nein, aus weiblicher Selbstbestimmung einen Standard machen, ganz schrecklich! Diese Sicht auf Abtreibung ist leider länderübergreifend common sense.