Meldungen über Bemühungen und (schlimmer) Erfolge der amerikanischen Anti-Choice-Bewegung Schwangerschaftsabbrüche zu illegalisieren gehören leider zu meiner wöchentlichen Nachrichtenlektüre. Was sich aber seit dem Wahlsieg der Republikaner im November letzten Jahres abspielt ist bisweilen beispiellos und zutiefst erschreckend.
Starten wir mit den „Protect Life-Act“. Dieses vom Repräsentantenhaus vorgeschlagene Gesetz, soll es Ärzt_innen auch dann ermöglichen einen Schwangerschaftsabbruch zu unterlassen, wenn das Leben der Schwangeren in Gefahr ist. „Protect-Life“, halt.
Dann kam der Vorschlag eines republikanischen Abgeordneten Vergewaltigungsopfern nur dann eine Abtreibung mit staatlichen Mittel zu finazieren wenn diese wirklich zum Sex gezwungen wurde. Heißt: Wurde sie davor unter Drogen gesetzt, ohnmächtig geschlagen oder war stark alkoholisiert oder bewusstlos fand keine richtige Vergewaltigung statt, ergo es gibt keine staatlichen Hilfen.
Und jetzt ganz neu. Die Republikaner wollen den sogenannten „TitleX“ abschaffen. Dieser „Title“ sorgt dafür, dass Einrichtungen wie PlannedParenthood, welche Informationen zu Verhütungfragen, Krebsvorsorge, oder HIV-tests anbieten staatliche Zuschüsse bekommen.
Dazu Cecile Richards, Präsidentin von PlannedParenthood auf Youtube.
Wer eine Zusammenfassung über alle Attacken auf Reprodukive Rechte im Jahr 2010 haben will. klickt hier
Jezebel berichtet über Schockierendes aus den USA. In Nampa, Idaho weigerte sich eine Apothekerin einer Frau eine Pille auszuhändigen die Blutungen des Uterus stillt, da sie davon ausging, dass die Frau einen Schwangerschftsabbruch durchführen ließ.
Planned Parenthood officials said the complaint states that the pharmacist inquired if the patient needed the drug for post-abortion care. The nurse refused to answer the question based on confidentiality of health information.
According to Planned Parenthood, the pharmacist then stated that if the nurse practitioner did not disclose that information, she would not fill the prescription. The nurse alleged that the pharmacist hung up when asked for a referral to another pharmacy that would fill the prescription.
Wie schon so oft, wird hier wiedereinaml gezeigt, dass sich „Pro-Life“ nicht auf das Leben von Frauen bezieht. Die selbsternannte Lebensschützerin hätte in dem Fall kein Problem gehabt ein erwachsene Frau leiden, oder gar verbluten zu sehen. Alles aus Gründen des Gewissens, versteht sich.
Für Frauen kann dieses „Gewissen“ lebensbedrohliche Konsequenzen haben.
Was mit diskriminierende Sprüchen oder Blicken beim Kauf von „Pille danach“ anfängt, scheint wohl leider darin zu enden Frauen verbluten zu lassen. Wer als medizinische Fachkraft allerdings so handelt hat seine Berufung weit verfehlt und sollte lieber in weniger verantwortungsvollen Bereichen aktiv sein.
Alle sechs Minuten stirbt eine Frau an den Folgen einer illegalen Abtreibung. Obwohl ein legal durchgeführter Abbruch sicherer wäre, als die Nutzung eines Tampons.
Um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen ruft die Seite www.the-safety-pin.org zusammen mit „Women on Waves“ dazu auf, eine Sicherheitnadel zu tragen.
The essence of the-safety-pin campagne is to pull the themes abortion and unwanted pregnancy out of the closet and onto the public agenda. This progress towards an active international debate has an international symbol: the safety pin.
Also, alle mal in der Nähkiste wühlen und Sicherheitsnadeln suchen!
Dass der Anti-Abortion-Terror in den USA ganz andere Auswüchse hat wie hier zu Lande dürfte den meisten klar sein. Plakate die mit rhetorischen und visuellen Mitteln zu Gewalttaten gegen „abortion providers“ aufrufen, schocken dann aber trotzdem.
In North Carolina musste sich nun ein Mann für die Erstellung solcher Plakate vor Gericht verantworten und wurde schuldig gesprochen.
Ms.Magazine berichtet:
Operation Rescue/Operation Save America’s Philip „Flip“ Benham was just found guilty of two charges of criminal stalking with intent to cause emotional distress and disruption of domestic tranquility for residential picketing.
Autsch, hier wird böse mit der Moralkeule geschwungen.
TV-Spots für Abtreibungen, Nein Danke, sagt zumindest RTL. Zwischen „Chips- und Bierwerbung“ eine Werbung, die Frauen über ihr Recht auf einen Abbrüch informiert, schrecklich. Dies findet nicht nur RTL sondern auch die im Bericht befragten Frauen. Denn ganz klar ist, wer Frauen so eine Werbung zeigt der riskiert, dass Frauen „leichtfertig“ abtreiben und „Kinder sind doch das Schönste der Welt“.
Besser ist es Abtreibungen Schein zu legalisieren und jegliche Werbung dafür zu verbieten, damit Frauen zwar eigentlich dürfen, also nicht mehr die Titelblätter bekannter deutscher Nachrichtenmagazine für ihre Nichtigkeiten beanspruchen, aber auch nicht so richtig wissen was-wie-wann zu tun ist.
Was natürlich auch nicht fehlen darf ist der Hinweis auf ein wissenschaftlich widerlegtes Phämomen- das „Post Abortion Syndrom“. Welches besagt, dass Frauen nach Abtreibungen angeblich ganz schwere Depressionen haben. Das dies Quatsch ist kann mensch hier nachlesen.
Traurig das Frauen im deutschen TV mit so einem Mist belästigt werden, statt über ihre Rechte informiert zu werden.
Vor gut einem Jahr wurde ein Pärchen in Queensland, Australien, wegen einer illegal durchgeführten Abtreibung angeklagt, das Mädchenblog berichtete. Das Gericht sprach die beiden nun zwar frei, Schwangerschaftsabbrüche bleiben in Queensland jedoch illegal. Um dies zu ändern wurde nun die Kampagne „My choice is not a crime!“ ins Leben gerufen. Unterstützung kann man leisten indem man die Online-Petition unterzeichnet und auf diesem Weg Premier Bligh auffordert Abtreibung nicht als Straftat sondern als medizinische Notwendigkeit zu betrachten.
Hier die ganze Forderung:
An overwhelming majority of Australians believe that a woman’s reproductive choice should not be subject to criminal punishment.
But in Queensland, as in other Australian states and territories, women and doctors can be tried under 19th century criminal codes and face years of imprisonment for choosing an abortion. These laws have already seen women seeking abortions after sexual assault turned away from public hospitals, and left doctors fearing imprisonment for providing advice and treatment.
Please Premier Bligh, ensure abortion is dealt with in the health code, not the criminal code.
Der Europarat hat sich gegen ein allgemein gültiges Recht auf Abtreibung ausgesprochen. Demnach kann keine Ärztin und kein Arzt, der einen Schwangerschaftsabbruch, eine künstliche Befruchtung oder Sterbehilfe untersagt zur Rechenschaft gezogen werden.
Damit legitimiert der Europarat eine Menschenrechtverletzung, obwohl es seine Aufgabe sein soltte genau diese in Europa zu wahren.
Frauen ist es zwar nahezu überall in Europa möglich, einen Abbruch binnen einer gewissen Frist vornehmen zu lassen ohne strafrechtlich verfolgt zu werden, an Ländern wie Polen sieht man allerdings was es wirklich heißt, wenn Frauen das Recht über ihren eigenen Körper zu verfügen untersagt wird. Dort finden jährlich 190.000 illegale Abtreibungen statt, nicht selten enden diese mit erheblichen gesundheitlichen Folgen für die Frauen. In vielen Fällen bedeutet ein nicht durchgeführter Abbruch den sicheren Tod einer Frau. Dem Europarat scheint dies egal zu sein.
Das EuropeanProChoice Network berichtet über die Unterstützung des 1000 Kreuze Marsches in Berlin durch zahlreichePolitikerInnen der CDU/CSU.
Am 18. September 2010 fand in Berlin der „Marsch für das Leben“ statt, der vom „Bundesverband Lebensrecht“ organisiert wurde. Bei dieser Demonstration wurden verschiedene Grußworte von prominenten Mitgliedern der CDU und CSU verlesen, unter anderem von
Annette Schavan (Bundesministerin für Bildung und Forschung), Karl-Theodor zu Guttenberg (Bundesverteidigungsminister), Volker Kauder (Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion), Wolfgang Bosbach (Innenausschuss-Vorsitzender des Deutschen Bundestages), Peter Müller (Ministerpräsident des Saarlands), Martin Kastler (CSU-Europaabgeordneter), Johannes Singhammer (CSU-Abgeordneter), Philipp Mißfelder (Vorsitzender der Jungen Union).
Außerdem wird auch dazu aufgerufen einen offenen Brief zu unterzeichnen, der sich gegen die Unterstützung der genannten PolitikerInnen richtet. Also wer aktiv werden will, schreibt einfach eine Mail an: prochoicenet@yahoo.com
Seit 34 Jahren verhindert das sogenannte „Hyde-Amendment“ in den USA, dass Frauen in Not finanzielle Unterstützung für Schwangerschaftsabbrüche bekommen.
Wie auf diesem Blog schon berichtet wurde, wollen auch dieses Jahr wieder selbst ernannte Lebensschützer in Berlin marschieren. „Lebensschützer“ wenden sich gegen das Recht von Frauen, frei und selbstbestimmt über ihren Körper zu entscheiden. Sie greifen dabei auf falsche Zahlen und erfundene Krankheiten zurück: Angeblich werden pro Werktag 1000 Abtreibungen in Deutschland durchgeführt – de facto ist es etwa die Hälfte. Ebenso angeblich leiden etwa 90% aller Frauen nach einer Abtreibung am „Post Abortion Syndrom“ – einem Syndrom, dass sich wissenschaftlich nicht nachweisen lässt. (mehr…)
Um regnerische Tage wie heute zu überstehen, sollte man gar nicht erst versuchen aufzustehen und rauszugehen, sondern lieber mit Kaffee und Zeitung im Bett bleiben. Genau das hatte ich heute vor – die Werbeabteilung meiner Tageszeitung hat der morgendlichen Ruhe aber ein jähes Ende gesetzt. Als ich nämlich bis ich zum Kulturteil des Standards durchgedrungen bin, finde ich auf Seite 18, in der Rubrik „MedStandard“, eine Anzeige der „Aktion Leben Österreich“.
Der Standard ist jetzt gewiss kein revolutionäres Medium, noch unterscheidet er sich von der bürgerlichen Berichtserstattung großer, deutscher Tageszeitungen, die Werbung hat mich aber doch zutiefst erschrocken. Mir ist dabei klar (nur um jetzt eine Grundsatzdebatte um Werbung in einer kapitalistischen Gesellschaft zu verhindern) dass Werbung im Allgemeinen nichts Gutes ist und die meisten werbenden Firmen Dreck am Stecken haben.
Und vielleicht war es auch naiv zu glauben, dass „linkere“ Medien sich von den frauenfeindlichen Positionen der LebensschützerInnen fernhalten und auf ihr Geld verzichten.
Die mediale Öffentlichkeit die diesem Verein dadurch geboten wird ist aber trotz allem beunruhigend. Zumal Anzeigen wie diese Frauen bewusst zu falschen Beratungsstellen lotsen. Die Reklame mag zwar auf den ersten Blick relativ harmlos und vielleicht auch einladend wirken, ein Klick auf die Website lässt aber tiefer blicken.
Jede und jeder von uns hat als Embryo mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle begonnen.
Damit wird jede Frau die sich für einen Abbruch entscheidet und nicht gewillt ist sich einer christlichen Weltanschauung zu unterwerfen, als Mörderin diffamiert. Der Verein verzichtet zwar darauf Stimmung für ein totales Abtreibungsverbot zu machen, ergebnisoffene und sachliche Beratung können Frauen von diesen Stellen jedoch trotzdem nicht erhoffen. Zutief sitzt der Irrglaube dieser Menschen, dass nur das Leben des Fötus zu schützen sei. Dass eine Frau einfach kein Kind will , passt nicht in deren beschränktes Weltbild.
Wir wollen, dass Schwangerschaft und Geburt von allen Beteiligten positiv erlebt werden können und die Gesellschaft die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür schafft.
Eine Schwangerschaft bedeutet für die Frau mitunter die größte Herausforderung ihres Lebens. Gemeinsam mit ihr wollen wir tragfähige Konzepte entwickeln, damit auch eine unerwartete oder aus anderen Gründen konfliktbeladene Schwangerschaft angenommen werden kann.
Leser_innenbriefe bzw. Beschwerden über derartige Anzeigen bitte an:
Zwar ist es gleichgeschlechtlichen Partner_innen endlich erlaubt in Argentinien zu heiraten, in Sachen Reproduktive Rechten scheint sich aber nichts zu bewegen. Wie Sarah Diel die auf dem Blog des European ProChoice Networks berichtet sind illegale Abtreibung immernoch die Haupttodesursache für schwangere Frauen.
In 2008, more than 20 percent of deaths resulting from obstetric emergencies were caused by unsafe abortions, according to a report issued by Human Rights Watch.
Die neue Präsidentin de Kirchner scheint vor dieser Tatsache aber konsequent die Augen zu verschließen und nimmt somit den Tod dieser Frauen in Kauf.
There had been some hope about President Fernandez de Kirchner’s position on abortion because she’s a women. But she has firmly stated on numerous occasions that she has “always been against abortion.
Die fehlende Sexualaufklärung gemischt mit dem Abtreibungsverbot wird für viele Frauen und Mädchen zu einem tödlichen Trunk.
Official figures estimate that 40 percent of pregnancies (500,000) per year end in illegal abortions. Each year about 68,000 women enter public hospitals due to complications from unsafe abortions, and about 100 of those women will die.
Beschwerden wie immer an die katholische Kirche.
The Catholic Church has enormous influence in Argentina, where 91 percent of the population is Catholic, and it opposes not only abortion but birth control and sex education, keeping the laws on the books from being enforced.
Sehr schön noch die abschließenden Worte:
I’ve often heard anti-choice mourning about the prevented birth of another Einstein or Gandhi. But what about the loss of a talented woman who dies from an illegal abortion? Or what happens to a young woman who can’t continue her education due to an unplanned pregnancy and is doomed to a life of poverty or trapped in a violent relationship because she’s economically dependent on a man? How many of these women could have been president (albeit with better politics than Fernandez), doctors, ministers of health, teachers, composers or scientists? Of course they couldn’t have been priests, but that’s another issue.
The Catholic Church, President Fernandez and anti-choice activists everywhere don’t want to hear about a woman’s life and potential. It’s only the fetus they imbue with a future.
Wie Amnesty International berichtet wird ein Verfahren gegen neun Frauen eingestellt, welche einem neunjährigen Vergewaltigungsopfer zu einer legalen Abtreibung verholfen hatten.
Am 28. April 2010 erhielten die neun Frauenrechtsaktivistinnen Ana Maria Pizarro, Juanita Jiménez, Lorna Norori, Luisa Molina Arguello, Marta María Blandón, Martha Mungia, Mayra Sirias, Violeta Delgado and Yamileth Mejía die offizielle Benachrichtigung, dass nach zweieinhalb Jahren das Verfahren gegen sie endgültig eingestellt wurde. Sie waren angezeigt worden, weil sie 2003 einem vergewaltigten neunjährigen Mädchen zu einem legalen Schwangerschaftsabbruch verholfen hatten.
Nicaragua hat seit 2006 eines der striktesten Abtreibungsgesetze weltweit. Abtreibung sind in keinem Fall erlaubt. Zurückzuführen ist diese Menschenrechtsverletzung auf Daniel Ortega und dessen Frau Rosario Murillo, beide erhofften sich, durch die Propagierung eines Totalverbots, die Unterstützung der katholischen Kirche, in den darauffolgenden Wahlen zu erhalten. Am 26.10.2006 wurde das neue Abtreibungsgesetz schließlich, mit 28 Stimmen der sandinistischen Partei FSLN, im Parlament verabschiedet.
Wie man am Beispiel der krebskranken und schwangeren Amalia sah, der eine lebensrettende Behandlung untersagt wurde, da die Ärzte fürchteten den Fötus zu beschädigen und angezeigt zu werden, bedeutet diese Gesetz für viele Frauen ein Todesurteil.
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