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„Den Frauen überlegen sein.“

Ein münchner Malerlehrling überfällt drei Frauen mit einem Messer, um sie zu vergewaltigen. Die gute Nachricht: die Frauen wehren sich erfolgreich und der 22jährige steht nun vor Gericht.
Dieser Fall ist exemplarisch für eine Verwaltigungskultur und macht wieder mal deutlich, daß es bei Vergewaltigung mitnichten um Sex geht. Nein, es geht um Machtausübung.
Auf den Punkt bringt es die Antwort des Angeklagten auf die Frage des Richters, worum es ihm den bei den Übergriffen ging:

„Den Frauen überlegen sein“

Seattle Rape Culture Graffity
(Graffity in Seattle)

Es wird hier deutlich, daß es sich bei Vergewaltigern nicht unbedingt um gestörte, verzweifelte Einzelgänger handelt, die Vergewaltigung als ihre einzige Möglichkeit sehen, an Sex zu kommen. Denn dieser Typ hatte zuvor durchaus ein reges Sexualleben:

Der Vorsitzende Richter Thomas Denz wunderte sich, dass ein beinahe noch Jugendlicher auf solch brutale Weise versucht, sexuelle Erfahrungen zu sammeln. Doch der Trieb war nicht sein einziges Motiv. Armin H. hatte schon etwa ein Dutzend Freundinnen, und zehn Mal war er auch im Bordell.

So unverständlich und traurig das sein mag, aber Puffbesuche sind, genau wie Promiskuität, absolut im Rahmen durchschnittlichen männlichen Sexualverhaltens.

Dennoch geistert überall das Bild durch die Gesellschaft, daß Vergewaltiger abartige Monster à la Armin Meiwes oder Marc Dutroux seien. Das ist ganz praktisch, denn dann brauch man sich nicht mit ihm als Mitmensch identifizieren, man kann den Täter entmenschlichen und als verrückt-perversen Einzelfall sehen, als Ausnahme, als Sonderfall, als „Biest“. Als etwas, das nichts mit einem selbst und dem eigenen Alltagsleben zu tun hat. Ein Abartiger halt, der ausgeflippt ist. Da muß man sich keine Gedanken machen, Verantwortung für die gesellschaftliche Haltung, die Übergriffe fördert, übernehmen. Wie bequem.

Aber so verhält es sich leider nicht. Vergewaltiger kommen aus der Mitte der Gesellschaft, sind normale Menschen. „Normal“ in dem Sinne, daß sie einer Norm folgen, die in unserer patriarchalen Gesellschaft ganz selbstverständlich ist: die Einbildung, seine Männlichkeit dadurch definieren zu müssen, daß man Frauen abwertet, um sich selbst als Mann aufzuwerten. Frauen nicht als Menschen zu sehen, sondern als Objekte, die zur eigenen Triebbefriedigung da sind. Die Einbildung, daß man das Recht hätte, Frauen nach Belieben zu benutzen. (mehr…)

taste of witch blood

“We got the taste of blood – witch blood – and we haven’t stopped since.” Das ist die Quintessenz der Splatter-Adaption von Hänsel und Gretel, die ich mir vor Kurzem anschaute. Diese Aussage, die Inszenierung und der Verlauf der Geschichte regte mich auf, denn für mich propagieren sie bloß eines: Hexenverfolgung! Vernichtung von Frauen, Unterdrückung weiblicher Freiheit und Stärke und Stärkung patriachaler Strukturen; und folglich auch in heutigem Kontext Verdrängung des Feminismus durch Verteufelung ihrer Errungenschaften.

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Roooosa

Pink Grrrl Heart
Charlott hat sich auf der Mädchenmannschaft Gedanken über das „Phänomen Pink“ gemacht.
Das hat auch mich zum Überlegen gebracht – wie war das bei mir? In meiner Kindheit/Jugend in den 80ern/90ern war die Farbe definitiv uncool. Sogar die Barbiehäuser und -utensilien tendierten immer mehr zu babyblau. Von den genähten Tüllröckchen für die Mutter-Kind-Turnen-Aufführung wollte keins der Kinder das rosafarbene haben. In pink gekleidete Leute erweckten irgendwie immer den Eindruck, sie seien kindisch-kitschig. Und wer einen großen Bruder hatte (wie ich), dem ist die Kritik an der Farbe rosa erst recht noch entgegengeschlagen.
Auch ansonsten war ich nicht sonderlich begeistert von dieser Farbe – im Kindergarten hatte ich mir in den Kopf gesetzt, im Fasching als Burgfräulein zu gehen (in meiner Vorstellung war das sozusagen die weibliche Form eines Ritters, nur mit hübscherem Gewand – Prinzessin wollte ich nämlich auf keinen Fall sein!) und da einem in den einschlägigen Geschäften bei Mädchenkostümen das Rosa nur so entgegenschlug, mußte die Oma ran, die mir dann extra ein Kleid geschneidert hat. Eins, das nicht rosa war.
Auch in meinem gesamten Umfeld war keine_r auch nur im leisesten verdächtig, diese Farbe zu mögen. Pink war eine „Un-Farbe“ irgendwie. Sogar in typischen Mädchenpublikationen wie „Wendy“ war rosa und Mädchenkitsch ein absolutes No-Go.
Als 14-jähriger Teenie hab ich mich persönlich irgendwie angefreundet mit dieser Frabe. Gerade wegen der Klischees, die dran hingen, war das Potential groß, den Spieß umzudrehen. (mehr…)

Opfer-Täter-Umkehr, die xte

Beschissene Kindheit, mit 16 in ein Kinderbordell verfrachtet, Krebsdiagnose – und auch noch vom Justizapparat als „Ex-Prostituierte“ gedemütigt. Normalerweise langt eins davon, um fürs ganze Leben bedient zu sein. Mandy Kopp muß aber mit allem davon zurecht kommen. Und hat jetzt ein Buch darüber geschrieben.

Zusammen mit einer Freundin wurde sie auf der Straße in Leipzig aufgegriffen und in eine Mädchen-WG gebracht. Die „WG“ entpuppte sich als Bordell, ein Entkommen war unmöglich.

Die Freier waren mutmaßlich Teil jener Personen und Geschehnisse, die unter dem Begriff „Sachsensumpf“ zusammengefasst werden.

Aufgeklärt ist dieser Sachsensumpf bis heute nicht. Zwar ist Mandys Zuhälter von damals verurteilt worden (4 Jahre und 2 Monate), aber vieles bleibt im Dunkeln.
Zunächst fühlte sie sich noch halbwegs sicher, bis die Staatsanwaltschaft Dresden sie 2008 als Zeugin lud.

Ihrer Bitte um Zeugenschutz wurde nicht entsprochen. „Sie wurde ohne Begründung mit einem Satz abgelehnt“, sagt Kopp. Name und Anschrift wurden bekannt.

„Für mich stand in dem Moment fest: lieber offensiv als defensiv.“ Der beste Schutz sei die Öffentlichkeit.

Dennoch stigmatisiert sie die Justiz als „Ex-Prostituierte“, wogegen Mandy Kopp sich erfolglos wehrte.

Und damit nicht genug: sie und ein weiteres Opfer aus dem „Jasmin“ erkannten einige ihrer Vergewaltiger wieder – und sind jetzt wegen Falschaussage angeklagt.

Die Taten der Freier und des Zuhälters sind mittlerweile verjährt, das eigentliche Opfer von damals ist die Angeklagte von heute.

Doch der erste Anlauf scheiterte – weil Mandy Kopp und ihre Mitangeklagte Beatrix E. vor Gericht zusammengebrochen waren. Der Staatsanwalt bot ihnen sogar Straffreiheit an, wenn sie öffentlich erklärten, sich bei der Identifizierung der Freier geirrt zu haben. Beide Frauen blieben bei ihren Aussagen und lehnten Deals ab. Wann der Prozess fortgeführt wird, steht noch nicht fest.

Leicht läßt es sich arrogant auf Länder wie Indien herabblicken, wo Vergewaltigung und Justiz unter einer Decke stecken, leicht ist angenommen, daß bei „uns“, im ach so „zivilisierten“ Deutschland sowas nicht passieren kann. Bis man dann eben selbst als einst anerkanntes Opfer wie Mandy Kopp zu spüren bekommt, wie man noch nachträglich stigmatisiert wird und Widerstand kommt, wenn man von den mutmaßlich „hochrangigen“ Tätern wiederum zum Opfer gemacht wird. Nur diesmal mit Hilfe der Justiz.

„Das Problem heißt Rassismus“

Koray Yılmaz-Günay erläutert Rassismus in der Bundesrepublik und dass er nicht nur ein Problem der Neonazis ist: „Der Rassismus der einen steht mit dem Rassismus der anderen in Verbindung. Ich denke in diesen Tagen oft zurück an den sogenannten Asylkompromiß. Ist es nicht legitim zu sagen, daß vor ziemlich genau 20 Jahren eine ganz breite Front von durchschnittlicher Bevölkerung, Neonazis und Politik einander in die Hände gespielt haben? Die Pogrome mit Würstchenstand wurden mit der faktischen Abschaffung des Grundrechts auf Asyl belohnt.“ Ganzes Interview

Keine Opfer zweiter Klasse

Bei den Tätern ist man sich schnell einig, daß deren Verhalten (z. B. bei häuslicher Gewalt, Belästigung, etc.) falsch ist, daß es verurteilt gehört. Daß die Verurteilungen aber auch vor den Opfern dieser Zustände nicht halt macht, ist auch bekannt – zu kurzer Rock, zur falschen Zeit allein unterwegs,… die übliche Victim Blaming – Palette, die jede_n trifft.
Und dennoch werden Unterschiede unter den Opfern gemacht – besonders, wenn es sich um Leute handelt, die nicht dem gewünschten Opferklischee mit „passendem Verhalten“ handelt.
Das konnte man schon gut bei Natascha Kampusch sehen, die sich eben nicht als das schwache, demütige Opfer vermarkten ließ, sondern in die Offensive ging und sich lieber selbst vermarktet, als das anderen zu überlassen.
Solche Opfer sind unbequem – es ist für viele leichter, einem verschüchterten, rettungsbedürftigen Hascherl Mitleid und Solidarität entgegenzubringen, als einer Frau, die sich eben nicht als gebrochen, sondern als starke Persönlichkeit präsentiert.
Viruletta spricht noch andere Betroffene an, die eben nicht in das Opferklischeebild passen. Beispielsweise Prostituierte, die zwar überdurchschnittlich oft sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind, aber kaum Solidarität erfahren, sei es doch „milieubedingt“. In anderen Worten, da geht es irgendwie okay. Sind ja nur Sexarbeiterinnen. Die müssen doch mit sowas rechnen. Und irgendwie „sind sie ja auch dazu da“, so die nicht allzu seltene Meinung – ein Klassiker“argument“ für Prostitution ist immer noch „Ist doch besser, sie gehen zu Professionellen und leben da ihre Triebe aus, als daß sie wen vergewaltigen!“
Es wird ein Graben aufgemacht zwischen „guten Opfern“, die ins Bild passen, und „schlechten Opfern“, die irgendwie selbst daran schuld hätten, unserer Unterstützung nicht „würdig“ seien, „Schmuddelopfer“ sozusagen.
Die „selber schuld“-Klatsche kriegen vor allem auch die Betroffenen von häuslicher Gewalt zu spüren, die sich erstmal nicht vom Täter trennen, sondern bei ihm bleiben. Da können wir uns noch so sehr wünschen, sie würden ausbrechen aus dem gewalttätigen Umfeld – viele tun es nicht. Wegen der Kinder, wegen oft jahrelang aufgebauten (psychischen oder finanziellen) Abhängigkeiten, aus Liebe, aus vielen Gründen. Und verhalten sich dabei nicht so, wie man das gerne hätte.
Doch auch diese Opfer verdienen genauso viel Solidarität, schließlich sind ihre Gewalterfahrungen deswegen nicht minder schlimm. Sie brauchen genauso viel Unterstützung und eben auch die Zusicherung, daß NICHTS von dem, was sie getan haben oder tun, Gewalt an ihnen rechtfertigt:

Solidarität darf nicht dort aufhören, wo die Betroffenen eigenmächtige Entscheidungen treffen. Auch wenn sie den Unterstützenden missfallen. (…) Kein einziger davon muss den Unterstützenden logisch erscheinen. (…) Wichtig ist, dass die Betroffenen trotzdem weiterhin auf Unterstützung zählen können. Dass sie weiterhin über die Gewalt reden können, ohne dafür sanktioniert zu werden. Dass ihnen weiterhin bewusst gehalten wird, dass die Schuld für die Gewalt nicht bei ihnen liegt. Und zwar unter keinen Umständen.

Die Täter*innen bleiben Täter*innen. Die Gewalt, die sie ausüben wird nicht weniger schlimm, je länger sie ertragen wird. Dass sie ertragen wird, entschuldigt oder verharmlost das gewalttätige Verhalten in keinster Weise.

Sookee über One Billion Rising

Jungle World hat Sookee zu One Billion Rising interviewt

Dear Nice Guys

In der aktuellen Sexismusdebatte melden sich viele Stimmen: Artikel von Journalist_innen, zigtausend Tweets bei #aufschrei sowie eine beträchtliche Anzahl an Kommentator_innen. Nicht nur weibliche Stimmen sind dabei, auch Männer diskutieren kräftig mit.
Und zwar nicht nur die, die sich jetzt in ihrer Lebensqualität eingeschränkt fühlen, weil ihnen durch die Debatte klargemacht wurde, daß es eben nicht ihr gutes Recht ist, einer Frau in den Ausschnitt zu fallen. Auch die „nice guys“, die schon längst kapiert haben, daß „Sie könnten auch ein Dirndl ausfüllen“ nichts mit normalem, respektvollen Flirten zu tun hat, diskutieren mit; teilweise schockiert von dem, was Frauen auf twitter unter #aufschrei und alltagssexismus.de berichten, weil ihnen das Ausmaß des Problems nicht bewußt war; teilweise aber auch verunsichert, wie man sich jetzt verhalten soll. Was man tun kann.
Das ist generell ja zu begrüßen – ansonsten wird allzuoft über die Köpfe der vom Sexismus betroffenen (und ja, das sind nicht nur Frauen) hinwegdiskutiert wird, anstatt zu fragen, wie es denn anders, sexismusfrei(er) gehen könnte.
Also: an all die Männer, die sich ihren Mitmenschen (dazu gehören ja auch Frauen) gegenüber wirklich respektvoll verhalten: Juhu! Prima, daß es Euch gibt! Und ich kann versichern: Ihr werdet bei dieser Debatte nicht an den Pranger gestellt. Sondern die Männer, die sich daneben benehmen. (mehr…)

„Brüderles“ sind überall

Worum es bei der aktuellen Aufregung um Rainer Brüderle eigentlich gehen sollte, schreibt Ninia LaGrande ganz treffend – nämlich nicht um die spezielle Beziehung zwischen männlichen Politikern und weiblichen Journalisten, sondern darum zu erkennen, daß dies Teil des alltäglichen Sexismus ist, den jede Frau mehr oder weniger auszuhalten hat:

Das Vergnügen mit solchen „Komplimenten“ haben Frauen nicht nur einmal im Jahr und nicht nur mit alten, einsamen Männern. Sexismus passiert jeden Tag. Überall. Und in jeder Gesellschaftsschicht.

In der Geschichte um Rainer Brüderle geht es nicht um Rainer Brüderle. Es geht darum, dass ich jedes Mal, wenn ich abends/nachts nach Hause komme, meine Mutter anrufe, wenn ich den dunklen Weg zur Haustür gehen muss, weil ich mir einbilde, dass mir dann nichts passieren könnte. Es geht darum, dass ich im Zug meine Sitznachbarn sofort abchecke und versuche in eine Art Gefahrensystem einzuordnen. Das ist absolut oberflächlich und bescheuert. Aber ich mache es trotzdem. Ganz automatisch. Es geht darum, dass ich keine einzige Frau kenne, die nicht ein mulmiges Gefühl hat, wenn sie nachts im Dunklen allein irgendwo langgeht.

Via Drop the thought

Und wie verbreitet Sexismus ist, läßt sich schön bei den Kommentaren hier nachlesen, die sind sogar fürs Spiegelforum unterirdisch. Es ist unglaublich, wie viele Leute sich angegriffen fühlen in ihrem vermeintlichen „Recht“, Frauen ins Dekolletée zu starren, nachdem ihnen im Artikel erklärt wurde, daß das unter Belästigung fällt.

Müssen Taxifahrerinnen sich etwa begrapschen lassen?

Eine Taxifahrerin lehnt die Beförderung eines Fahrgastes ab, der sie bei einer vorherigen Fahrt sexuell belästigt hat: bald darauf folgt die Kündigung, sie sei nicht „hart genug für diesen Beruf“.

Grundsätzlich unterliegen alle Taxifahrer einer Beförderungspflicht, von der es jedoch Ausnahmen gibt: etwa wenn ein Fahrgast eine ansteckende Krankheit hat, gefährliche Gegenstände mit sich führt oder wenn eine vorhersehbare Gefährdungssituation besteht. „Wenn die Sicherheit nicht gewährleistet ist, darf ein Taxifahrer einen Fahrgast ablehnen“, sagt Frank Kuhle vom Landesverband Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmen.

Gekündigt wurde der Fahrerin trotzdem.
Wenigstens hat die Polizei, bei der die Belästigung angezeigt wurde, eine andere Einstellung:

Die Deggendorfer Polizei hegt keinen Zweifel, dass diese Voraussetzung bei Klier erfüllt war. Die Beamten ermitteln wegen „Beleidigung auf sexueller Basis“, demnächst geht der Fall an die Staatsanwaltschaft. Taxifahrer seien keine Fußabstreifer und Frauen kein Freiwild, sagt der Polizeichef. Durch die Kündigung werde „ein völlig falsches Signal“ an die Bevölkerung gesendet.

Auch wenn deren Vorschlag, für Kameras oder vorübergehend gespeicherte Fotos von Fahrgästen wohl kaum den weiblichen Taxifahrern helfen wird, solange deren Chef_innen solche Übergriffe als normalen Teil des Geschäfts zu entschuldigen versuchen.
Diese Taxifahrerin versucht zumindest, sich juristisch zu wehren:

Sie ist bereits auf Jobsuche, demnächst wird sie vor das Arbeitsgericht ziehen. Nicht um ihre bisherige Arbeitsstelle zurückzubekommen, sondern weil sie sich ungerecht behandelt fühlt.

Via Mädchenmannschaft

Utopie, Protest und Hoffnung

Protest- Men don‘t skirt the issue

india skirts bigger
Am letzten Samstag protestierten im Cubbon Park in Bangalore ungefähr 600 Menschen auf dem Marsch „Don‘t skirt the issue“, anlässlich der Massenvergewaltigungen von Frauen in Indien. Die Awarenesskampagne hatte Erfolg und ein Bild von indischen Männern in bunten Röcken ging anschließend um die Welt. Die Männer fordern darauf “ Don‘t skirt the issue“ (kehrt die Probleme nicht unter den Tisch) und „change mentalities not wearing“ (Ändert nicht die Kleidung, sondern die Mentalitität). Mehr auf huffington post


Hoffnung- Solidarität auf dem Klo

An der Toilettentür einer Universität haben Mädchen/ Frauen über ihre schlimmsten Erlebnisse berichtet, Magersucht, Vergewaltigung, Tod des Vaters und Alkoholsucht. Das Ungewöhnliche, etwas später kam eine Antwort, ein mitfühlender und Hoffnung machender Brief. huffington post

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Prost Neujahr- Blogschau

Was gibt es Neues in der feministischen Blogsphäre? Aufreger, Mutmacher und Diskussionsstoff für dunkle Wintertage.

Starke Frau
Die Kosmetikmarke MAC wirbt mit der Bodybuilderin Jelena Abbou, die nicht als Freak besetzt ist, sondern die Vielfalt und Schönheit von Frauen unterstreicht. Die Reaktionen im Bekanntenkreis gingen von ‚Sie entspricht trotzdem den gängigen Schönheitsnormen‘ bis zum Kommentar ‚Ich sehe da schon einen Fortschritt, da Muskeln und die Pose normalerweise als raumgreifende/tatkräftige Symbolik (ungerechtfertigterweise) in männlichem Kontext dargestellt und dann männlich assoziiert. Frauen werden in Werbungen oft verletzlich, schmal, infantilisiert, passiv und hypersexualisiert dargestellt. Das sehe ich hier weniger in dieser Kampagne. Vom Schönheitsideal her hast du wie ich finde recht, (die Frau ist total konform was das angeht, von den breiteren Schultern abgesehen), aber die Assoziation als selbstbestimmt/selbstbewußt/stark, die rüberkommt, empfinde ich schon als tendenziell progressiv.“ MAC Kampagne auf Jezebel Wie seht ihr das?

Spiel mit mir
Männer werden in Videospielen genauso zu Objekten degradiert wie Frauen? Ähm… nein. Warum es etwas komplizierter ist, erklärt Bob Chipman in dem Video the Big Picture.

Befindlichkeiten
Rassismus und Sexismus in der Werbung oder in den Medien wird entweder ignoriert oder durch die Formel “ Wir wollten keine Gefühle verletzen“ hinterher verharmlost. Warum es es nicht um die Gefühle von besonders empfindlichen Menschen geht und diese Floskel wichtige Denkprozesse verhindert, erklärt Antje Schrupp. Es geht nicht um verletzte Gefühle

Tragisch
Indische Frauen sind täglich Belästigungen und Gewalt ausgesetzt und müssen um ihr Leben fürchten. Es gibt so gut wie keine weiblichen Polizisten, R*pe gilt als Kavaliersdelikt und wird in den meisten Fällen nicht mit dem nötigen Ernst von den Behörden verfolgt, häusliche Gewalt ist gang und gäbe und wenn die Mitgift nicht reicht, werden nicht wenige Frauen angezündet (10.000 pro Monat!). Nach dem furchtbarem Verbrechen an der 23-jährigen Studentin die an ihren Verletzungen starb, ist das Fass übergelaufen. Der Ruf nach Todesstrafe für die Vergewaltiger und Mörder resultiert aus der Wut und Ohnmacht der Menschen. Wichtiger wäre nun ein Dialog und das Hinterfragen der Rolle von Mann und Frau in Indien. Am Wochenende gab es wieder eine Massenvergewaltigung mit Todesfolge und im Parlament sitzen sieben Abgeordnete gegen die ein Verfahren wegen Vergewaltigung läuft. Von der Politik ist daher nicht mit viel Unterstützung zu rechnen. Wie tief das Problem sitzt, erklärt EMMA in Weniger wert als ein Wurm

All about Woman
Sarah Silvermann fordert die Bro’s auf sich doch auch mal für ‚Pro choice‘ einzusetzen. Ernste Themen kommen lustig daher. Wann sieht frau eine deutsche Prominente die öffentlich das ‚heiße Eisen‘ Frauenthemen anfässt?
the-way-to-a-womans-heart-is-never-through-a-mandatory-vaginal-ultrasound?

BMI Bullshit
Warum der BMI ( Body Mass Index ) nicht unbedingt etwas darüber aussagt, ob du zu dick oder zu dünn bist, illustriert Kate Harding in dem flikr Fotoalbum Illustrated BMI Categories

Kreativ
Was tun wenn dein 5-jähriger Sohn gern Mädchenkleidung trägt und zum Teil wie ein Mädchen behandelt werden möchte? Einen Blog darüber schreiben und ihm seine geliebten Glitzerschuhe für den Vorschulanfang kaufen. Die Geschichte von C.J.’s Mom und ihrem nach eigener Aussage ‚gender kreativen‘ Sohn auf raising my rainbow

crosspost auf lippy answer

Pink stinks!


Genderforscherin Stevie Schmiedel von Pink Stinks im Interview mit der taz:

Der Name unseres Vereins ist Provokation. Die Emma schrieb neulich, Rosa mache Mädchen dümmer. Das sagen wir nicht. Aber die Mädchenprodukte wie Prinzessin Lillifee und rosa Ü-Eier führen dazu, dass Mädchen einseitige Geschlechterbilder vermittelt werden, die sich verfestigen können.
(…) Sie sehen also eine Verbindung zwischen rosafarbenem Spielzeug und zu wenig Frauen in Führungspositionen?

Mir haben schon einige Frauen erzählt, dass sie im Job nur ernst genommen werden, wenn sie gut aussehen, also geschminkt und gestylt sind und sich dementsprechend verhalten. Dementsprechend heißt: immer freundlich, ja nicht zu laut sein. Das vermittelt auch Prinzessin Lillifee: Sei zart und hübsch, dann wirst du was. Mädchen sehen das und denken, so läuft das Leben.(…)
Nehmen wir mal an, die typischen Geschlechterbilder bleiben noch eine Weile an unserer Gesellschaft haften: Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder?

Ich wünsche mir, dass sie sich schön finden und sich wohlfühlen. Und dass sie sich durchsetzen können, dass sie lieber mit der Faust auf den Tisch hauen, als nett mit verlängerten Wimpern zu klimpern.

-word!

In der taz

Ein italienischer Priester rechtfertigt die häufigen Feminizide. Frauen seien selbst schuld, weil sie Männer provozierten und sich schlampig verhielten.

Proteste nach Vergewaltigung in Indien

(Triggerwarnung)
Nach einer brutalen Vergewaltigung gab es Ausschreitungen bei Massenprotesten in Neu-Delhi:

Die Polizei setzte am Samstag Tränengas, Wasserwerfer und Schlagstöcke gegen die Demonstranten ein, die zu Tausenden auf den Präsidentenpalast zumarschierten.
(…)
Die junge Frau war vor einer Woche fast eine Stunde lang von mehreren Tätern missbraucht und anschließend aus einem fahrenden Bus auf eine belebte Straße in der indischen Hauptstadt geworfen worden. Sie kämpft im Krankenhaus ums Überleben. Fünf Menschen wurden festgenommen. Die Demonstranten, die meisten von ihnen Studenten, forderten die Todesstrafe für die Beschuldigten und verschärfte Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz von Frauen.

Nun, die Todesstrafe wird wohl kaum zu einem frauenfreundlichen Umfeld und der Umkehrung der rape society führen… und „verschäfte Sicherheitsmaßnahmen“ klingen irgendwie gruslig, da hilft der Zusatz „zum Schutz von Frauen“ auch nicht mehr viel… was für Bullshit wurde schon „zum Schutz der Frauen“ aus paternalistischen Gehirnen gequält: Burka schützen ja angeblich auch vor unbändigem männlichem Sexualtrieb, kein Rezept für die Pille danach soll frau vor sich selbst schützen und weiterer Murks, Beispiele gibt’s genug.
Aber immerhin haben sich zig Leute offen gegen Vergewaltigungen positioniert und da besteht doch die Hoffnung auf fruchtbare Diskussionen, Projekte, etc., die wirklich etwas ändern!

Und hierzulande? Wo bleiben die Proteste? Die Demos? Anlässe gibt’s genug, rape culture haben wir auch hier. Nachdem Kachelmann und neue Freundin von „Opfer-Abo“ und ähnlichem Käse sprachen, haben sich vor dem Gericht immerhin so einige Leute eingefunden, um das nicht unkommentiert stehen zu lassen.
Aber muß erst ein derartiges Drama wie der Kachelmannprozeß mit all seinen Winkelzügen und unschönen Mediensperenzchen mit zusätzlichem Zurückschießen daherkommen, damit protestiert wird? Sind die großen Medienspektakel und Celebrityskandale die einzigen Motivationsanfacher für Aktionen gegen sexualisierte Gewalt?
Schließlich gibt es (leider) genügend weniger spektakuläre Prozesse (von der Dunkelziffer gar nicht zu sprechen!), Vergewaltigungsopfer, deren Umfeld und Trauma eben nicht so viel hergeben für die Presse. Warum nicht da genauso protestieren, aktiv werden, informeren,… alle Vergewaltigungsopfer, jedes einzelne, sollte einen anspornen, die unsägliche rape culture -Situation aus der Welt schaffen zu wollen – statt auf der nächsten großen Empörungswelle einfach mitzusurfen, bis diese wieder abebbt. Denn eine rape culture zu Fall zu bringen, ist kein einzelnes, großes Projekt, geleitet von irgendeiner Gallionsfigur. Es sind auch vieleviele kleine Projekte nötig, von Selbstkritik, Flyern, Diskussionsgruppen, am besten nie endend, bis es in den Köpfen der Leute endlich angekommen ist, daß Vergewaltigung nichts ist, was in einer Gesellschaft toleriert werden darf.