Archiv der Kategorie 'feminismus'

Wie wollen wir die nächsten Generationen haben?

Inzwischen hat nun wirklich jede_r von dem „Barbie Dreamhouse“ in Berlin mitgekriegt. Und von dem Protest dagegen. Und natürlich von den erwartungsgemäß auftretenden Nörglern, die den Prostest überzogen finden.
Aber wieso eigentlich? Es kommt daher als ein Protest der Erwachsenen, die sich über Grundsatzfragen wie Lookismus, Geschlechterrollen und kapitalistisches Marketing streiten.

Barbie's Naked Face
in Berlin wird Barbie so wohl nicht auftreten

Dabei wird immer mehr übersehen, daß das „Barbie Dreamhouse“ ja eigentlich auf die Kinder, insbesondere die weiblichen*, abzielt. Wegen denen steht das Ding da.
Es geht dabei also nicht um eine theoretische Grundsatzdebatte, sondern um die ganz deutliche und praktisch orientierte Frage: ist diese rosa Monstrosität mit allem, was sie repräsentiert, wirklich das, was man seinem Kind mitgeben will?

Silke Burmester bringt es auf den Punkt:

Sie haben das Haus gar nicht für Erwachsene errichtet, sondern für Mädchen. Die sollen dort träumen lernen von einem Leben zwischen Kosmetik, Ken und Cupcake-Küche. Gerade so, wie Barbie es lebt. Um in Barbie, ähnlich wie in Heidi Klum, ein Vorbild zu finden, das die jungen Dinger in ein Leben einführt, in dem sich alles einzig und allein um die Frage dreht: „Sehe ich gut aus?“ und in der der Körper zur Währung wird.

Und mal ehrlich: wollen wir wirklich, daß sich die nachfolgenden Generationen in so einer Welt wiederfinden? Ist es das, was wir ihnen zu bieten haben? Das haben sie nun wahrlich nicht verdient!
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Theorie und mehr im Mai

Da unsere Termine-Seite sich inzwischen eher auf regelmäßige Events spezialisiert hat, gibt es jetzt mal wieder hier ein paar queere und feministische Veranstaltungstipps für das kommende Wochenende und danach:

Zum vierten Mal startet dieses Jahr vom 9. bis 12. Mai das GenderCamp in Hüll bei Hamburg, ein BarCamp rund um Feminismus, Queer, Gender und Netzkultur.

In Hamburg selbst geht es am Freitagabend (10.5.) beim „Aufstand aus der Küche“ mit Silvia Federici um Reproduktionsarbeit aus feministisch-marxistischer Perspektive:

veranstaltungsflyer, für textversion bitte klicken

Am selben Wochenende findet vom 10.-12. Mai in Bonn das Queer*Fem_fest – Kritische Tage zu den Geschlechterverhältnissen mit einem spannenden Programm statt.

In Weimar gibt es 16.05. bis zum 01.06. die Veranstaltungsreihe zum Internationalen Tag gegen Homophobie – idaho. Dabei wird es unter anderem Filme, Vorträge, Diskussionen, Workshops, Büchertische und Live Musik geben.

In Berlin schließlich hat das Missy Magazin für den 20. Mai unter dem Titel “ There is more to sexism than meets the eye“ mit Angela McRobbie, Nana Adusei-Poku, Anne Wizorek, Jasmin Mittag, Sookee und Margarita Tsomou eine illustre Runde zusammengestellt.

Femen, ruhe in Frieden

Kontrovers waren die Femen ja schon immer. Aber ich muß ehrlich zugeben, daß die Femen-Aktionen eine Zeit lang ein bißchen Hoffnung nährten, hatten sie es doch erfolgreich geschafft, den Feminismus immer wieder in die Medien zu schubsen.
Aber dann kam die Aktion auf der Herbertstraße mit diesem unsäglichen „Arbeit macht frei“-Schild, immer mehr bescheuerte Aussagen und letztens ein dem gesamten Islam (inklusive der muslimischen Frauen, auch den feministischen) geltenden Rundumschlag. Und mit der Reaktion von Femen auf Kritik müßten die Damen eigentlich jetzt wirklich für viele gestorben sein.
Wie sie generell mit Kritik umgehen, wußte man spätestens seit ihrer Reaktion auf die Kritik von evibes: mit unglaublichem Mangel an Reflektionsvermögen.
Bei der aktuellen Debatte wird an ihren Entgegnungen eine Ignoranz, eine riesen Menge Paternalismus und, man möchte fast schon sagen, Größenwahn deutlich, daß sich einem die Fußnägel aufrollen:

Für Shevchenko ist sie wegen dieses Stück Stoffs eine Sklavin, die befreit gehört. „Das Kopftuch ist vergleichbar mit einem Konzentrationslager“, sagt die Aktivistin. „Nein“, entgegnet Ulusoy, ihre Verhüllung sei für sie als Kind zunächst „das Symbol des Erwachsenwerdens gewesen, heute unterstützt es meinen Charakter“. Außerdem sei es ja nicht an ihrem Kopf festgenagelt, sie könne es jederzeit hinterfragen. Also auch ablegen. „Solche Frauen hatten doch nie die Wahl. Sie kennen den Unterschied zwischen Freiheit und Unfreiheit nicht“, kritisiert die Femen-Aktivistin.

Wie anmaßend das ist und wie so eine Menge feministischer Aktivist_innen muslimischen Glaubens abgewatscht werden, wird in einem absolut lesenswerten Interview mit Kübra Gümüsay in dieStandard deutlich:

Wir brauchen natürlich AktivistInnen, die aufstehen und sagen „So geht das nicht!“. Ich würde bei den Femen-Protesten für Amina mitmachen, wenn ich wüsste, dass es tatsächlich um Inhalte geht. Aber sich vor eine Moschee der Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft zu stellen, die überhaupt keinen Bezug zu Tunesien hat und die noch dazu in vielen islamischen Ländern verfolgt wird – das war für mich ein Signal, dass es weder um Inhalte geht, noch darum, effektiv und zielgerichtet Amina Tyler zu helfen. Es geht nur um ein Tamtam und Medienaufmerksamkeit.

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taste of witch blood

“We got the taste of blood – witch blood – and we haven’t stopped since.” Das ist die Quintessenz der Splatter-Adaption von Hänsel und Gretel, die ich mir vor Kurzem anschaute. Diese Aussage, die Inszenierung und der Verlauf der Geschichte regte mich auf, denn für mich propagieren sie bloß eines: Hexenverfolgung! Vernichtung von Frauen, Unterdrückung weiblicher Freiheit und Stärke und Stärkung patriachaler Strukturen; und folglich auch in heutigem Kontext Verdrängung des Feminismus durch Verteufelung ihrer Errungenschaften.

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Keine Opfer zweiter Klasse

Bei den Tätern ist man sich schnell einig, daß deren Verhalten (z. B. bei häuslicher Gewalt, Belästigung, etc.) falsch ist, daß es verurteilt gehört. Daß die Verurteilungen aber auch vor den Opfern dieser Zustände nicht halt macht, ist auch bekannt – zu kurzer Rock, zur falschen Zeit allein unterwegs,… die übliche Victim Blaming – Palette, die jede_n trifft.
Und dennoch werden Unterschiede unter den Opfern gemacht – besonders, wenn es sich um Leute handelt, die nicht dem gewünschten Opferklischee mit „passendem Verhalten“ handelt.
Das konnte man schon gut bei Natascha Kampusch sehen, die sich eben nicht als das schwache, demütige Opfer vermarkten ließ, sondern in die Offensive ging und sich lieber selbst vermarktet, als das anderen zu überlassen.
Solche Opfer sind unbequem – es ist für viele leichter, einem verschüchterten, rettungsbedürftigen Hascherl Mitleid und Solidarität entgegenzubringen, als einer Frau, die sich eben nicht als gebrochen, sondern als starke Persönlichkeit präsentiert.
Viruletta spricht noch andere Betroffene an, die eben nicht in das Opferklischeebild passen. Beispielsweise Prostituierte, die zwar überdurchschnittlich oft sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind, aber kaum Solidarität erfahren, sei es doch „milieubedingt“. In anderen Worten, da geht es irgendwie okay. Sind ja nur Sexarbeiterinnen. Die müssen doch mit sowas rechnen. Und irgendwie „sind sie ja auch dazu da“, so die nicht allzu seltene Meinung – ein Klassiker“argument“ für Prostitution ist immer noch „Ist doch besser, sie gehen zu Professionellen und leben da ihre Triebe aus, als daß sie wen vergewaltigen!“
Es wird ein Graben aufgemacht zwischen „guten Opfern“, die ins Bild passen, und „schlechten Opfern“, die irgendwie selbst daran schuld hätten, unserer Unterstützung nicht „würdig“ seien, „Schmuddelopfer“ sozusagen.
Die „selber schuld“-Klatsche kriegen vor allem auch die Betroffenen von häuslicher Gewalt zu spüren, die sich erstmal nicht vom Täter trennen, sondern bei ihm bleiben. Da können wir uns noch so sehr wünschen, sie würden ausbrechen aus dem gewalttätigen Umfeld – viele tun es nicht. Wegen der Kinder, wegen oft jahrelang aufgebauten (psychischen oder finanziellen) Abhängigkeiten, aus Liebe, aus vielen Gründen. Und verhalten sich dabei nicht so, wie man das gerne hätte.
Doch auch diese Opfer verdienen genauso viel Solidarität, schließlich sind ihre Gewalterfahrungen deswegen nicht minder schlimm. Sie brauchen genauso viel Unterstützung und eben auch die Zusicherung, daß NICHTS von dem, was sie getan haben oder tun, Gewalt an ihnen rechtfertigt:

Solidarität darf nicht dort aufhören, wo die Betroffenen eigenmächtige Entscheidungen treffen. Auch wenn sie den Unterstützenden missfallen. (…) Kein einziger davon muss den Unterstützenden logisch erscheinen. (…) Wichtig ist, dass die Betroffenen trotzdem weiterhin auf Unterstützung zählen können. Dass sie weiterhin über die Gewalt reden können, ohne dafür sanktioniert zu werden. Dass ihnen weiterhin bewusst gehalten wird, dass die Schuld für die Gewalt nicht bei ihnen liegt. Und zwar unter keinen Umständen.

Die Täter*innen bleiben Täter*innen. Die Gewalt, die sie ausüben wird nicht weniger schlimm, je länger sie ertragen wird. Dass sie ertragen wird, entschuldigt oder verharmlost das gewalttätige Verhalten in keinster Weise.

Dear Nice Guys

In der aktuellen Sexismusdebatte melden sich viele Stimmen: Artikel von Journalist_innen, zigtausend Tweets bei #aufschrei sowie eine beträchtliche Anzahl an Kommentator_innen. Nicht nur weibliche Stimmen sind dabei, auch Männer diskutieren kräftig mit.
Und zwar nicht nur die, die sich jetzt in ihrer Lebensqualität eingeschränkt fühlen, weil ihnen durch die Debatte klargemacht wurde, daß es eben nicht ihr gutes Recht ist, einer Frau in den Ausschnitt zu fallen. Auch die „nice guys“, die schon längst kapiert haben, daß „Sie könnten auch ein Dirndl ausfüllen“ nichts mit normalem, respektvollen Flirten zu tun hat, diskutieren mit; teilweise schockiert von dem, was Frauen auf twitter unter #aufschrei und alltagssexismus.de berichten, weil ihnen das Ausmaß des Problems nicht bewußt war; teilweise aber auch verunsichert, wie man sich jetzt verhalten soll. Was man tun kann.
Das ist generell ja zu begrüßen – ansonsten wird allzuoft über die Köpfe der vom Sexismus betroffenen (und ja, das sind nicht nur Frauen) hinwegdiskutiert wird, anstatt zu fragen, wie es denn anders, sexismusfrei(er) gehen könnte.
Also: an all die Männer, die sich ihren Mitmenschen (dazu gehören ja auch Frauen) gegenüber wirklich respektvoll verhalten: Juhu! Prima, daß es Euch gibt! Und ich kann versichern: Ihr werdet bei dieser Debatte nicht an den Pranger gestellt. Sondern die Männer, die sich daneben benehmen. (mehr…)

Der Sexismus der Sexismusdebatte

„Auch wir Männer sind von Sexismus betroffen!“
„Was darf MANN denn dann überhaupt noch? Ist flirten jetzt schon verboten?“
„Wie wäre es denn umgekehrt?“
„Meine Güte, wir haben doch echt andere Probleme, nämlich xyz“
„Alles künstlich dramatisiert, Hallo, wir haben doch eine Kanzlerin!“

Zum Kotzen? Zum Kotzen!

Nachzulesen auf Twitter, auf Facebook, auf all den Blogs, in denen derzeit diskutiert wird.
Und das ist auch schon das Kernproblem: Es wird diskutiert. Nirgends ist es für uns Betroffene möglich, uns einfach auszutauschen, gehört, ernst genommen zu werden, unsere Geschichten zu erzählen. Stattdessen gibt es Gegenwind. Gegenwind für etwas, was ein Fakt ist: Weit über 60.000 Tweets und die Erinnerung im Kopf und Herzen nahezu jeder Frau: Ja, genau so etwas ist mir auch schon passiert.

Es. ist. passiert. (mehr…)

„Sexismus-Talk“ im Fernsehen

Die Mädchenmannschaft wundert sich über die Gäste der geplanten „Anne Will“-Sendung mit dem klischeemäßigen Titel ”Sexismus-Aufschrei – hysterisch oder notwendig?” Diese sind Renate Künast, Heiner Geißler, Anke Domscheidt-Berg, Monika Ebeling und Jan Fleischauer. In der Tat ein etwas trauriger Kreis.
Dabei hat „Drop the thought“ – die schon vor der Günter Jauch-Sendung mißtrauisch war – viel brauchbarere Ideen, wen man als Gäste einladen könnte, wer wirklich was zu sagen hätte:

Bitte laden Sie junge Frauen ein, die sich seit Jahren im Internet und darüber hinaus gegen Sexismus engagieren. Nicole von Horst, Anne Wizorek, die das gestartet haben oder auch eine der vielen anderen Feminist_innen. Ich gebe da gerne weitere Empfehlungen.

Laden Sie ältere Vertreterinnen der Frauenbewegung ein, die sich seit Jahren mit Sexismus beschäftigen. Die Beratungsstellen betreiben und mit Einsparungen leben müssen. Laden Sie eine Transfrau ein, eine Lesbe, eine von Rassismus betroffene Frau. All diese Diskriminierung funktioniert nach dem gleichen Prinzip: Strukturelle Ungleichheiten werden von besser gestellten Personen ausgenutzt, um Macht auszuüben.

Laden Sie vielleicht nur Männer ein, die aber alle seit Jahren aktiv sind im Kampf gegen Sexismus und dann in der nächsten Wirtschaftssendung nur Frauen. Laden Sie niemanden ein, der Frauen erklärt, diese wollten das ja alles und so schlimm wäre das nicht. Greifen Sie ein, sobald irgendjemand verlangt, „Opfer sollten sich halt mehr wehren“.

Müssen Taxifahrerinnen sich etwa begrapschen lassen?

Eine Taxifahrerin lehnt die Beförderung eines Fahrgastes ab, der sie bei einer vorherigen Fahrt sexuell belästigt hat: bald darauf folgt die Kündigung, sie sei nicht „hart genug für diesen Beruf“.

Grundsätzlich unterliegen alle Taxifahrer einer Beförderungspflicht, von der es jedoch Ausnahmen gibt: etwa wenn ein Fahrgast eine ansteckende Krankheit hat, gefährliche Gegenstände mit sich führt oder wenn eine vorhersehbare Gefährdungssituation besteht. „Wenn die Sicherheit nicht gewährleistet ist, darf ein Taxifahrer einen Fahrgast ablehnen“, sagt Frank Kuhle vom Landesverband Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmen.

Gekündigt wurde der Fahrerin trotzdem.
Wenigstens hat die Polizei, bei der die Belästigung angezeigt wurde, eine andere Einstellung:

Die Deggendorfer Polizei hegt keinen Zweifel, dass diese Voraussetzung bei Klier erfüllt war. Die Beamten ermitteln wegen „Beleidigung auf sexueller Basis“, demnächst geht der Fall an die Staatsanwaltschaft. Taxifahrer seien keine Fußabstreifer und Frauen kein Freiwild, sagt der Polizeichef. Durch die Kündigung werde „ein völlig falsches Signal“ an die Bevölkerung gesendet.

Auch wenn deren Vorschlag, für Kameras oder vorübergehend gespeicherte Fotos von Fahrgästen wohl kaum den weiblichen Taxifahrern helfen wird, solange deren Chef_innen solche Übergriffe als normalen Teil des Geschäfts zu entschuldigen versuchen.
Diese Taxifahrerin versucht zumindest, sich juristisch zu wehren:

Sie ist bereits auf Jobsuche, demnächst wird sie vor das Arbeitsgericht ziehen. Nicht um ihre bisherige Arbeitsstelle zurückzubekommen, sondern weil sie sich ungerecht behandelt fühlt.

Via Mädchenmannschaft

Thailand, my love

Das Sextourismus existiert, weiß inzwischen fast jeder Bundesbürger. Doch welches Ausmaß er hat, ist kaum jemandem begreiflich. Wenn man heute von Menschenrechtsverletzungen spricht, denken die meisten an staatliche Gewalt, an Folterkeller und niedergeknüppelte Demonstranten. Doch was, wenn auch private Personen im großen Stil Menschenrechte mit Füßen treten?
Deutschland gilt, zumindest in einigen wichtigen Bereichen, als ein Staat, der Menschenrechte einhält und verteidigt (siehe letzter Amnesty International Bericht). Die meisten Bürger sind sich zumindest rudimentär ihrer Rechte bewusst. Aber mit den Rechten von anderen, nicht-deutschen Bürgern nimmt man es oft nicht so genau.

Beispiel Thailand.

Seit Jahrzehnten gilt Thailand, insbesondere die Metropolen Phuket, Pattaya und Bangkok als landschaftlich reizvolle Gegend mit Tropenklima – wo man ungestört Menschenrechte und insbesondere Frauen- und Kinderrechte mit Füßen treten kann. Laut dem nehemia team (www.nehemia-team.org), einer christlichen Hilfsorganisation, reisen rund eine Viertelmillion Deutsche jedes Jahr ins tropische Thailand; die meisten von ihnen kommen, damit sie „hübsche und sanftmütige Thai-Ladys“ kennen lernen und noch mehr. Es gibt sogar Internetforen, in denen der beste Sexurlaub diskutiert und empfohlen wird (http://www.travel-funblog.com/). Thailand hat den inoffiziellen Status des „Sextouristenparadieses“ schon seit Jahren inne (auch die Emma hat davon berichtet *), viele Deutsche haben sicherlich davon schon gehört. Sie haben sich scheinbar damit abgefunden. Vergewaltigte und ermordete Bardamen, missbrauchte, gefolterte Kinder und allein gelassene Waisen in den Städten und verarmten Dörfern scheinen aus unserem Bewusstsein abzurücken.

Jeder hat schon einmal davon gehört…

Doch auf die Lage in Thailand haben deutsche (und generell westliche) Touristen maßgeblich direkten Einfluss, es ist kein komplexer und indirekter Grund, der Thailand zum Zentrum von Menschenrechtsverletzungen macht. Es sind die „farang“, die weißen Männer, die diese Taten begehen. Es sind Männer, denen europäische Frauen zu viel „Aufwand“ machen; sie mögen keine Frauen, die ihre Rechte kennen, gleichberechtigt leben wollen; Frauen, über die man nicht einfach verfügen kann.

Was ist mit den Ehen?

Betrachtet man den Sextourismus, muss man sich auch zwangsläufig fragen, wie es den Frauen geht, die über ein sog. Heiratsinstitut einen Mann aus dem Westen heiraten. In der Dokumentation „Bride Trafficking Unveiled“ * gehen Joel Mishcon und Laura Barry dem Heiratsgeschäft auf den Grund. Viele der Frauen heiraten einen Mann, ohne irgendeine Ahnung zu haben, was sie tatsächlich erwartet. Barry weist darauf hin, dass die Frauen romantische, rollenorientierte Vorstellungen von Männern haben. Natürlich spielt das sexistische Konzept der Muntehe und der „Eroberung“ einer Frau durch den Mann in der thailändischen Gesellschaft eine wesentliche Rolle, so dass die Frauen überhaupt erst in die Position kommen, missbraucht zu werden. Der Druck für eine thailändische Frau, ihre Familie mitzuversorgen ist enorm, sie sind ihrer Familie „etwas schuldig“, sie müssen sich um Eltern und Verwandte kümmern. Das ist der Nährboden für Abhängigkeit. Die meisten farang wissen das oder haben zumindest Ahnung davon, wollen es aber offensichtlich nicht sehen. Die Unterwürfigkeit, Schweigsamkeit und Selbstkasteiung der Frauen wird als „Familienfreundlichkeit“, „echte Weiblichkeit“ und „Unkompliziertheit“ ausgelegt.
Die Institution Ehe, an sich schon aus historischer Sicht ein Konzept der Unterdrückung, ist in diesem Fall also auch unter dem Gesichtspunkt des Menschenhandels zu betrachten. So wie junge Frauen aus der Ukraine oder aus Bulgarien mit versprochenen Kellnerjobs nach Deutschland gelockt werden, um dann als Zwangsprostituierte in Bordellen zu landen, wird jungen Frauen in Thailand ein Leben wie ein Hollywoodfilm von den Agenturen versprochen. Doch anstatt dessen wartet oft ein Leben voller Gewalt auf sie. Die Männer sind, wie auch in der Dokumentation angesprochen wird, oft alkoholsüchtig und dominant und im schlimmsten Fall körperlich und psychisch gewalttätig; ihre thailändischen Frauen werden wie Leibeigene behandelt. Nichts könnte einer Romanze unähnlicher sein.
Leider sind mir bei meiner Recherche keine Zahlen oder Schätzungen zur Verfügung gestanden, wie viele „mail order brides“ (aus aller Welt und insbesondere Thailand) hierzulande misshandelt werden. Aber schon allein die Viertelmillion Thailand-Touristen machen einen stutzig. Seit Jahrzehnten wissen wir, was in Thailand und damit auch in Deutschland passiert und wer maßgeblich dafür mitverantwortlich ist. Doch nichts geschieht. Es scheint keine rechtliche Maßregelung für Sextourismus zu geben.

* http://www.emma.de/ressorts/artikel/prostitution/bad-men-in-paradise/
* http://www.youtube.com/watch?v=Kk0jhl70TRU

Prost Neujahr- Blogschau

Was gibt es Neues in der feministischen Blogsphäre? Aufreger, Mutmacher und Diskussionsstoff für dunkle Wintertage.

Starke Frau
Die Kosmetikmarke MAC wirbt mit der Bodybuilderin Jelena Abbou, die nicht als Freak besetzt ist, sondern die Vielfalt und Schönheit von Frauen unterstreicht. Die Reaktionen im Bekanntenkreis gingen von ‚Sie entspricht trotzdem den gängigen Schönheitsnormen‘ bis zum Kommentar ‚Ich sehe da schon einen Fortschritt, da Muskeln und die Pose normalerweise als raumgreifende/tatkräftige Symbolik (ungerechtfertigterweise) in männlichem Kontext dargestellt und dann männlich assoziiert. Frauen werden in Werbungen oft verletzlich, schmal, infantilisiert, passiv und hypersexualisiert dargestellt. Das sehe ich hier weniger in dieser Kampagne. Vom Schönheitsideal her hast du wie ich finde recht, (die Frau ist total konform was das angeht, von den breiteren Schultern abgesehen), aber die Assoziation als selbstbestimmt/selbstbewußt/stark, die rüberkommt, empfinde ich schon als tendenziell progressiv.“ MAC Kampagne auf Jezebel Wie seht ihr das?

Spiel mit mir
Männer werden in Videospielen genauso zu Objekten degradiert wie Frauen? Ähm… nein. Warum es etwas komplizierter ist, erklärt Bob Chipman in dem Video the Big Picture.

Befindlichkeiten
Rassismus und Sexismus in der Werbung oder in den Medien wird entweder ignoriert oder durch die Formel “ Wir wollten keine Gefühle verletzen“ hinterher verharmlost. Warum es es nicht um die Gefühle von besonders empfindlichen Menschen geht und diese Floskel wichtige Denkprozesse verhindert, erklärt Antje Schrupp. Es geht nicht um verletzte Gefühle

Tragisch
Indische Frauen sind täglich Belästigungen und Gewalt ausgesetzt und müssen um ihr Leben fürchten. Es gibt so gut wie keine weiblichen Polizisten, R*pe gilt als Kavaliersdelikt und wird in den meisten Fällen nicht mit dem nötigen Ernst von den Behörden verfolgt, häusliche Gewalt ist gang und gäbe und wenn die Mitgift nicht reicht, werden nicht wenige Frauen angezündet (10.000 pro Monat!). Nach dem furchtbarem Verbrechen an der 23-jährigen Studentin die an ihren Verletzungen starb, ist das Fass übergelaufen. Der Ruf nach Todesstrafe für die Vergewaltiger und Mörder resultiert aus der Wut und Ohnmacht der Menschen. Wichtiger wäre nun ein Dialog und das Hinterfragen der Rolle von Mann und Frau in Indien. Am Wochenende gab es wieder eine Massenvergewaltigung mit Todesfolge und im Parlament sitzen sieben Abgeordnete gegen die ein Verfahren wegen Vergewaltigung läuft. Von der Politik ist daher nicht mit viel Unterstützung zu rechnen. Wie tief das Problem sitzt, erklärt EMMA in Weniger wert als ein Wurm

All about Woman
Sarah Silvermann fordert die Bro’s auf sich doch auch mal für ‚Pro choice‘ einzusetzen. Ernste Themen kommen lustig daher. Wann sieht frau eine deutsche Prominente die öffentlich das ‚heiße Eisen‘ Frauenthemen anfässt?
the-way-to-a-womans-heart-is-never-through-a-mandatory-vaginal-ultrasound?

BMI Bullshit
Warum der BMI ( Body Mass Index ) nicht unbedingt etwas darüber aussagt, ob du zu dick oder zu dünn bist, illustriert Kate Harding in dem flikr Fotoalbum Illustrated BMI Categories

Kreativ
Was tun wenn dein 5-jähriger Sohn gern Mädchenkleidung trägt und zum Teil wie ein Mädchen behandelt werden möchte? Einen Blog darüber schreiben und ihm seine geliebten Glitzerschuhe für den Vorschulanfang kaufen. Die Geschichte von C.J.’s Mom und ihrem nach eigener Aussage ‚gender kreativen‘ Sohn auf raising my rainbow

crosspost auf lippy answer

Pink stinks!


Genderforscherin Stevie Schmiedel von Pink Stinks im Interview mit der taz:

Der Name unseres Vereins ist Provokation. Die Emma schrieb neulich, Rosa mache Mädchen dümmer. Das sagen wir nicht. Aber die Mädchenprodukte wie Prinzessin Lillifee und rosa Ü-Eier führen dazu, dass Mädchen einseitige Geschlechterbilder vermittelt werden, die sich verfestigen können.
(…) Sie sehen also eine Verbindung zwischen rosafarbenem Spielzeug und zu wenig Frauen in Führungspositionen?

Mir haben schon einige Frauen erzählt, dass sie im Job nur ernst genommen werden, wenn sie gut aussehen, also geschminkt und gestylt sind und sich dementsprechend verhalten. Dementsprechend heißt: immer freundlich, ja nicht zu laut sein. Das vermittelt auch Prinzessin Lillifee: Sei zart und hübsch, dann wirst du was. Mädchen sehen das und denken, so läuft das Leben.(…)
Nehmen wir mal an, die typischen Geschlechterbilder bleiben noch eine Weile an unserer Gesellschaft haften: Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder?

Ich wünsche mir, dass sie sich schön finden und sich wohlfühlen. Und dass sie sich durchsetzen können, dass sie lieber mit der Faust auf den Tisch hauen, als nett mit verlängerten Wimpern zu klimpern.

-word!

Prozesse gegen Feministinnen in Salzburg

Dokumentation eines österreichischen Flugblatt-Entwurfs, der aktuell die Runde macht. Er ist nicht redigiert, daher sind unvollständige Sätze und Kommentare enthalten.

Zur Info vorweg:

Im Juli 12 fanden eine Demo und Aktionen gegen den geplanten 1000-Kreuze-Marsch in Salzburg statt. Zwei Feministinnen (eine aus Wien, eine aus Salzburg) wurden verhaftet und Mitte Dezember finden bzw finden die zwei Prozesse gegen sie statt.
Im folgenden ein Flugblatt (und im Anhang als PDF) zu den Hintergründen und Inhalten und für Solidarität.
bitte weiterleiten und weiter verbreiten
feministische Grüße

Vatikan – Hände weg von uns`rer Vulva

Für den 25. Juli 2012 hatten rechts-religiöse/fundamentalisstische AbtreibungsgegnerInnen wieder einmal einen sogenannten 1000-Kreuze-Marsch in Salzburg angekündigt.
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80er Feminismus: „Wird mein Junge ein Macker?“

Viel ist schon geschrieben und diskutiert worden über die heutige (Erziehungs-) Situation der Jungs. Gibt’s genug männliche Vorbilder, benachteiligen Lehrerinnen sie? Wieso wollen manche Jungs mit Rock in den Kindergarten?
Alles keine neuen Fragen eigentlich. Schon in den Achtzigern hat sich Katja Leyrer damit beschäftigt, in dem umstrittenen Buch mit (zugegebenermaßen etwas bekloppten) Titel „Hilfe! Mein Sohn wird ein Macker“.
Ihre etwas arg simple Lösung (Jungen müssen benachteiligt werden, um Mädchen das Aufholen zu ermöglichen) ist nicht das eigentlich Interessante an dem Buch, sondern die ganz persönliche Beschreibung ihres Lebensumfeldes:

“Einsichten“ im Dezember 1987:
Gestern klingelt es um zehn vor sieben in der Frühe: Ein Kohlenausträger fragt im Treppenhaus nach einer Familie, die es in unserem Haus nicht gibt und Kohlen bestellt haben soll. Er klingelt noch bei mehreren Nachbarn. Zu allem Überfluß trägt er dabei einen gefüllten Kohlensack bis hinauf auf den Vorboden im fünften Stockwerk – und geht wieder, nachdem er den Kohlensack mehrfach abgestellt, geschultert und Kohlenstaub verbreitend wieder hinuntergetragen hat.
Die meisten Hausbewohner sind gegen acht Uhr aus dem Haus, um ihrer Berufstätigkeit nachzugehen. Zwischen sieben und halb acht kehre ich das Treppenhaus. Nachdem ich meine kleine Tochter und ein Nachbarskind in den Kindergarten gebracht habe, rufe ich in der Kohlenhandlung an und lasse mich mit dem Versprechen eines Rückrufes in drei bis vier Stunden abspeisen. Ich schreibe momentan täglich sechs bis acht Stunden an diesem Buch und habe „nebenbei“ zwei schulpflichtige Kinder ab mittags in der Wohnung. Die Minuten und Stunden, in denen ich in Ruhe arbeiten kann, sind gezählt. (mehr…)

20 Jahre Bikini Kill

Kaum zu glauben…
aber (von ihrer ersten Veröffentlichung aus gesehen) wird Bikini Kill 20 Jahre alt!
Und dazu gibt’s einen schönen SPIN-Artikel:

Roiling punk rock, feminism, and aggrieved boys and men from coast to coast, Bikini Kill were a band, a movement, a media phenomenon, an inspiration to girls, and a cheeky scrawl across the skin of pop culture. Here they speak on their thrilling, dangerous, combative beginnings.

Herziche Glückwünsche auch vom Mädchenblog!