Archiv der Kategorie 'geschlecht'

Wie wollen wir die nächsten Generationen haben?

Inzwischen hat nun wirklich jede_r von dem „Barbie Dreamhouse“ in Berlin mitgekriegt. Und von dem Protest dagegen. Und natürlich von den erwartungsgemäß auftretenden Nörglern, die den Prostest überzogen finden.
Aber wieso eigentlich? Es kommt daher als ein Protest der Erwachsenen, die sich über Grundsatzfragen wie Lookismus, Geschlechterrollen und kapitalistisches Marketing streiten.

Barbie's Naked Face
in Berlin wird Barbie so wohl nicht auftreten

Dabei wird immer mehr übersehen, daß das „Barbie Dreamhouse“ ja eigentlich auf die Kinder, insbesondere die weiblichen*, abzielt. Wegen denen steht das Ding da.
Es geht dabei also nicht um eine theoretische Grundsatzdebatte, sondern um die ganz deutliche und praktisch orientierte Frage: ist diese rosa Monstrosität mit allem, was sie repräsentiert, wirklich das, was man seinem Kind mitgeben will?

Silke Burmester bringt es auf den Punkt:

Sie haben das Haus gar nicht für Erwachsene errichtet, sondern für Mädchen. Die sollen dort träumen lernen von einem Leben zwischen Kosmetik, Ken und Cupcake-Küche. Gerade so, wie Barbie es lebt. Um in Barbie, ähnlich wie in Heidi Klum, ein Vorbild zu finden, das die jungen Dinger in ein Leben einführt, in dem sich alles einzig und allein um die Frage dreht: „Sehe ich gut aus?“ und in der der Körper zur Währung wird.

Und mal ehrlich: wollen wir wirklich, daß sich die nachfolgenden Generationen in so einer Welt wiederfinden? Ist es das, was wir ihnen zu bieten haben? Das haben sie nun wahrlich nicht verdient!
(mehr…)

Bügelbrett vorm Kopf

Hier eine erste kleine Zusammenfassung der Ereignisse um das „taz.lab“, den Ausraster von Deniz Yücel und die Reaktionen darauf.

Was bisher geschah:

Unter dem Titel „Meine Damen und Herren, liebe N-Wörter und Innen“ sollte auf dem „taz.lab“ am vergangenen Wochenende eine Podiumsdiskussion stattfinden. Als Gäste waren die Schriftstellerin Sharon Otoo, die Zeitungskolumnistin Mely Kiyak und der Titanic-Chefredakteur Leo Fischer eingeladen, moderiert werden sollte die Veranstaltung vom taz-Journalisten Deniz Yücel. Der aber wollte sich lieber profilieren und Menschen beleidigen.

Aber lest selbst.

Philipp Möcklinghoff spricht vom „Krach um das N-Wort“ und Sula berichtet von ihren „Impressionen“ vom Geschehenen.

In seiner Kolumne rastet Yücel dann noch mal so richtig aus, woraufhin
accalmie dann doch mit etwas auffährt, was Yücel fehlt – echten Argumenten, und das nicht zu knapp.

Ach ja, und dann hat sich die taz-Chefredakteurin auch noch irgendwie halbherzig entschuldigt.

Und was macht Yücel jetzt?

Der trägt sein angeknackstes Ego in Form eines Bügeleisens und Bügelbrettes als Profil- bzw. Titelbild bei Facebook zur Schau. Soll wohl irgendwie selbstironisch – mittelfingerzeigend – look how less I care – mäßig rüberkommen.
Vor allem zeigt es aber, wie wenig da jemand gewillt ist, sein Verhalten zu reflektieren.

Aber da kommt sicher noch was,
also: dranbleiben!

Edit:
Auf taz.de schildert nun Sharon Otoo ihre Eindrücke.

Antirassismus kann doch nicht bedeuten, dass denen, die sowieso schon von Rassismus betroffen sind, noch mehr Leid zugefügt wird, sondern dass wir einander sorgfältig zuhören. Das wäre, in Deutschland, wirklich ein radikaler Akt.

Roooosa

Pink Grrrl Heart
Charlott hat sich auf der Mädchenmannschaft Gedanken über das „Phänomen Pink“ gemacht.
Das hat auch mich zum Überlegen gebracht – wie war das bei mir? In meiner Kindheit/Jugend in den 80ern/90ern war die Farbe definitiv uncool. Sogar die Barbiehäuser und -utensilien tendierten immer mehr zu babyblau. Von den genähten Tüllröckchen für die Mutter-Kind-Turnen-Aufführung wollte keins der Kinder das rosafarbene haben. In pink gekleidete Leute erweckten irgendwie immer den Eindruck, sie seien kindisch-kitschig. Und wer einen großen Bruder hatte (wie ich), dem ist die Kritik an der Farbe rosa erst recht noch entgegengeschlagen.
Auch ansonsten war ich nicht sonderlich begeistert von dieser Farbe – im Kindergarten hatte ich mir in den Kopf gesetzt, im Fasching als Burgfräulein zu gehen (in meiner Vorstellung war das sozusagen die weibliche Form eines Ritters, nur mit hübscherem Gewand – Prinzessin wollte ich nämlich auf keinen Fall sein!) und da einem in den einschlägigen Geschäften bei Mädchenkostümen das Rosa nur so entgegenschlug, mußte die Oma ran, die mir dann extra ein Kleid geschneidert hat. Eins, das nicht rosa war.
Auch in meinem gesamten Umfeld war keine_r auch nur im leisesten verdächtig, diese Farbe zu mögen. Pink war eine „Un-Farbe“ irgendwie. Sogar in typischen Mädchenpublikationen wie „Wendy“ war rosa und Mädchenkitsch ein absolutes No-Go.
Als 14-jähriger Teenie hab ich mich persönlich irgendwie angefreundet mit dieser Frabe. Gerade wegen der Klischees, die dran hingen, war das Potential groß, den Spieß umzudrehen. (mehr…)

Die Ehe bröckelt, die Familie wächst

Jetzt, da sogar die CDU sich zähneknirschend mit der Gleichstellung Homosexueller befassen muß, ist die Ehe anscheinend die nächste Bastion, die fallen wird. Dennoch tun sich einige Konservative mit dem abrupten Kurswechsel sehr schwer, insbesondere beim Thema Ehe.

Nun kann man einerseits sicher argumentieren, daß es keine besonders wichtige Errungenschaft ist, wenn Schwule und Lesben sich nun eben auch in einem tendenziell arg patriarchalen Konstrukt ganz öffentlich und mit Staatsvertrag wiederfinden dürfen.
Aber da liegt der Hase im Pfeffer: weil gerade die Ehe das Symbol für Heteronormativität ist – was bedeutet es dann, wenn plötzlich auch Nicht-Heteros zum Klub gehören sollen? (mehr…)

…und was ist mit den Tätern?

Sandra Charlotte Reichert hat einen sehr engagierten und interessanten Blick auf die rape culture geworfen: jede_r kennt Opfer von Vergewaltigungen und sexualisierten Belästigungen, persönlich oder durch Geschichten, die Presse, you name it. Nicht erst seit #aufschrei weiß man, daß insbesondere Frauen in hohem Maße betroffen sind. Auch, daß der Täter in den allermeisten dieser Fälle aus dem engen Umfeld kommen.
Doch wenn jede_r irgendwie irgendwo ein Opfer von Belästigung oder gar Schlimmerem kennt – wo sind dann die Täter, die sich doch in unserem Umfeld befinden müßten? Zu jedem bedrängten Opfer gehört ein Täter, zu jeder Vergewaltigung ein Vergewaltiger.

(…)rapists are somewhat of a unicorn: everybody has heard of them, but nobody has ever met one. But maybe we only think that we never met one, because many of them who are don’t seem to know they are one themselves.
(…)
But again, when you ask mothers, sisters, aunts, girlfriends, wives: none of them thinks they are related to rapists or men who assault women. Ask your dad, your brother, your uncle, your boyfriend, your husband, your neighbor. Nobody seems to know a rapist, let alone be one. Nobody seems to know a man who would push a woman’s boundaries, who would use his position to abuse her, her trust.

Sandra kritisiert, daß es unter Männern oft selbstverständlich ist, vermeintliche „Grauzonen“ auszunutzen: (Triggerwarnung) (mehr…)

Dear Nice Guys

In der aktuellen Sexismusdebatte melden sich viele Stimmen: Artikel von Journalist_innen, zigtausend Tweets bei #aufschrei sowie eine beträchtliche Anzahl an Kommentator_innen. Nicht nur weibliche Stimmen sind dabei, auch Männer diskutieren kräftig mit.
Und zwar nicht nur die, die sich jetzt in ihrer Lebensqualität eingeschränkt fühlen, weil ihnen durch die Debatte klargemacht wurde, daß es eben nicht ihr gutes Recht ist, einer Frau in den Ausschnitt zu fallen. Auch die „nice guys“, die schon längst kapiert haben, daß „Sie könnten auch ein Dirndl ausfüllen“ nichts mit normalem, respektvollen Flirten zu tun hat, diskutieren mit; teilweise schockiert von dem, was Frauen auf twitter unter #aufschrei und alltagssexismus.de berichten, weil ihnen das Ausmaß des Problems nicht bewußt war; teilweise aber auch verunsichert, wie man sich jetzt verhalten soll. Was man tun kann.
Das ist generell ja zu begrüßen – ansonsten wird allzuoft über die Köpfe der vom Sexismus betroffenen (und ja, das sind nicht nur Frauen) hinwegdiskutiert wird, anstatt zu fragen, wie es denn anders, sexismusfrei(er) gehen könnte.
Also: an all die Männer, die sich ihren Mitmenschen (dazu gehören ja auch Frauen) gegenüber wirklich respektvoll verhalten: Juhu! Prima, daß es Euch gibt! Und ich kann versichern: Ihr werdet bei dieser Debatte nicht an den Pranger gestellt. Sondern die Männer, die sich daneben benehmen. (mehr…)

Der Sexismus der Sexismusdebatte

„Auch wir Männer sind von Sexismus betroffen!“
„Was darf MANN denn dann überhaupt noch? Ist flirten jetzt schon verboten?“
„Wie wäre es denn umgekehrt?“
„Meine Güte, wir haben doch echt andere Probleme, nämlich xyz“
„Alles künstlich dramatisiert, Hallo, wir haben doch eine Kanzlerin!“

Zum Kotzen? Zum Kotzen!

Nachzulesen auf Twitter, auf Facebook, auf all den Blogs, in denen derzeit diskutiert wird.
Und das ist auch schon das Kernproblem: Es wird diskutiert. Nirgends ist es für uns Betroffene möglich, uns einfach auszutauschen, gehört, ernst genommen zu werden, unsere Geschichten zu erzählen. Stattdessen gibt es Gegenwind. Gegenwind für etwas, was ein Fakt ist: Weit über 60.000 Tweets und die Erinnerung im Kopf und Herzen nahezu jeder Frau: Ja, genau so etwas ist mir auch schon passiert.

Es. ist. passiert. (mehr…)

„Sexismus-Talk“ im Fernsehen

Die Mädchenmannschaft wundert sich über die Gäste der geplanten „Anne Will“-Sendung mit dem klischeemäßigen Titel ”Sexismus-Aufschrei – hysterisch oder notwendig?” Diese sind Renate Künast, Heiner Geißler, Anke Domscheidt-Berg, Monika Ebeling und Jan Fleischauer. In der Tat ein etwas trauriger Kreis.
Dabei hat „Drop the thought“ – die schon vor der Günter Jauch-Sendung mißtrauisch war – viel brauchbarere Ideen, wen man als Gäste einladen könnte, wer wirklich was zu sagen hätte:

Bitte laden Sie junge Frauen ein, die sich seit Jahren im Internet und darüber hinaus gegen Sexismus engagieren. Nicole von Horst, Anne Wizorek, die das gestartet haben oder auch eine der vielen anderen Feminist_innen. Ich gebe da gerne weitere Empfehlungen.

Laden Sie ältere Vertreterinnen der Frauenbewegung ein, die sich seit Jahren mit Sexismus beschäftigen. Die Beratungsstellen betreiben und mit Einsparungen leben müssen. Laden Sie eine Transfrau ein, eine Lesbe, eine von Rassismus betroffene Frau. All diese Diskriminierung funktioniert nach dem gleichen Prinzip: Strukturelle Ungleichheiten werden von besser gestellten Personen ausgenutzt, um Macht auszuüben.

Laden Sie vielleicht nur Männer ein, die aber alle seit Jahren aktiv sind im Kampf gegen Sexismus und dann in der nächsten Wirtschaftssendung nur Frauen. Laden Sie niemanden ein, der Frauen erklärt, diese wollten das ja alles und so schlimm wäre das nicht. Greifen Sie ein, sobald irgendjemand verlangt, „Opfer sollten sich halt mehr wehren“.

„Brüderles“ sind überall

Worum es bei der aktuellen Aufregung um Rainer Brüderle eigentlich gehen sollte, schreibt Ninia LaGrande ganz treffend – nämlich nicht um die spezielle Beziehung zwischen männlichen Politikern und weiblichen Journalisten, sondern darum zu erkennen, daß dies Teil des alltäglichen Sexismus ist, den jede Frau mehr oder weniger auszuhalten hat:

Das Vergnügen mit solchen „Komplimenten“ haben Frauen nicht nur einmal im Jahr und nicht nur mit alten, einsamen Männern. Sexismus passiert jeden Tag. Überall. Und in jeder Gesellschaftsschicht.

In der Geschichte um Rainer Brüderle geht es nicht um Rainer Brüderle. Es geht darum, dass ich jedes Mal, wenn ich abends/nachts nach Hause komme, meine Mutter anrufe, wenn ich den dunklen Weg zur Haustür gehen muss, weil ich mir einbilde, dass mir dann nichts passieren könnte. Es geht darum, dass ich im Zug meine Sitznachbarn sofort abchecke und versuche in eine Art Gefahrensystem einzuordnen. Das ist absolut oberflächlich und bescheuert. Aber ich mache es trotzdem. Ganz automatisch. Es geht darum, dass ich keine einzige Frau kenne, die nicht ein mulmiges Gefühl hat, wenn sie nachts im Dunklen allein irgendwo langgeht.

Via Drop the thought

Und wie verbreitet Sexismus ist, läßt sich schön bei den Kommentaren hier nachlesen, die sind sogar fürs Spiegelforum unterirdisch. Es ist unglaublich, wie viele Leute sich angegriffen fühlen in ihrem vermeintlichen „Recht“, Frauen ins Dekolletée zu starren, nachdem ihnen im Artikel erklärt wurde, daß das unter Belästigung fällt.

Pink stinks!


Genderforscherin Stevie Schmiedel von Pink Stinks im Interview mit der taz:

Der Name unseres Vereins ist Provokation. Die Emma schrieb neulich, Rosa mache Mädchen dümmer. Das sagen wir nicht. Aber die Mädchenprodukte wie Prinzessin Lillifee und rosa Ü-Eier führen dazu, dass Mädchen einseitige Geschlechterbilder vermittelt werden, die sich verfestigen können.
(…) Sie sehen also eine Verbindung zwischen rosafarbenem Spielzeug und zu wenig Frauen in Führungspositionen?

Mir haben schon einige Frauen erzählt, dass sie im Job nur ernst genommen werden, wenn sie gut aussehen, also geschminkt und gestylt sind und sich dementsprechend verhalten. Dementsprechend heißt: immer freundlich, ja nicht zu laut sein. Das vermittelt auch Prinzessin Lillifee: Sei zart und hübsch, dann wirst du was. Mädchen sehen das und denken, so läuft das Leben.(…)
Nehmen wir mal an, die typischen Geschlechterbilder bleiben noch eine Weile an unserer Gesellschaft haften: Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder?

Ich wünsche mir, dass sie sich schön finden und sich wohlfühlen. Und dass sie sich durchsetzen können, dass sie lieber mit der Faust auf den Tisch hauen, als nett mit verlängerten Wimpern zu klimpern.

-word!

80er Feminismus: „Wird mein Junge ein Macker?“

Viel ist schon geschrieben und diskutiert worden über die heutige (Erziehungs-) Situation der Jungs. Gibt’s genug männliche Vorbilder, benachteiligen Lehrerinnen sie? Wieso wollen manche Jungs mit Rock in den Kindergarten?
Alles keine neuen Fragen eigentlich. Schon in den Achtzigern hat sich Katja Leyrer damit beschäftigt, in dem umstrittenen Buch mit (zugegebenermaßen etwas bekloppten) Titel „Hilfe! Mein Sohn wird ein Macker“.
Ihre etwas arg simple Lösung (Jungen müssen benachteiligt werden, um Mädchen das Aufholen zu ermöglichen) ist nicht das eigentlich Interessante an dem Buch, sondern die ganz persönliche Beschreibung ihres Lebensumfeldes:

“Einsichten“ im Dezember 1987:
Gestern klingelt es um zehn vor sieben in der Frühe: Ein Kohlenausträger fragt im Treppenhaus nach einer Familie, die es in unserem Haus nicht gibt und Kohlen bestellt haben soll. Er klingelt noch bei mehreren Nachbarn. Zu allem Überfluß trägt er dabei einen gefüllten Kohlensack bis hinauf auf den Vorboden im fünften Stockwerk – und geht wieder, nachdem er den Kohlensack mehrfach abgestellt, geschultert und Kohlenstaub verbreitend wieder hinuntergetragen hat.
Die meisten Hausbewohner sind gegen acht Uhr aus dem Haus, um ihrer Berufstätigkeit nachzugehen. Zwischen sieben und halb acht kehre ich das Treppenhaus. Nachdem ich meine kleine Tochter und ein Nachbarskind in den Kindergarten gebracht habe, rufe ich in der Kohlenhandlung an und lasse mich mit dem Versprechen eines Rückrufes in drei bis vier Stunden abspeisen. Ich schreibe momentan täglich sechs bis acht Stunden an diesem Buch und habe „nebenbei“ zwei schulpflichtige Kinder ab mittags in der Wohnung. Die Minuten und Stunden, in denen ich in Ruhe arbeiten kann, sind gezählt. (mehr…)

Nadia Sidiqui ermordet

Am Montag wurde die afghanische Frauenbeauftragte Nadia Sidiqui ermordet:

Zwei unbekannte Männer erschossen die Direktorin der Frauenbehörde der Laghman-Provinz auf ihrem Weg zur Arbeit.
(…) Sidiqui hatte den Posten als Frauenbeauftragte erst vor Kurzem übernommen, nachdem ihre Vorgängerin, Hanifa Safi, im Juli von einer Bombe in ihrem Fahrzeug getötet worden war. Safi soll die Behörden immer wieder um mehr Schutz gebeten haben, offenbar ohne Erfolg. Auch ihre Nachfolgerin, Sidiqui, war ohne Leibwächter und ohne sicheres Fahrzeug unterwegs.

Gruselmaskulisten in Büchern

„Die Werbung“ von Ruth Rendell – ein an und für sich belangloser Krimi/Psycho/Unterhaltungsroman über einen Exfreund, der nicht kapieren will, daß es vorbei ist. Noch nicht mal, als die Begehrte bereits mit einem andern verlobt ist. Stattdessen bildet er sich ein, die Liebe zwischen ihm und seiner Ex sei nach wie vor ungebrochen und überhaupt glaubt er an eine Verschwörung in ihrer Familie gegen ihn. Also stalkt er fröhlich vor sich hin usw.
Aber was diese gruslige Hauptfigur auf eine zähneknirschende Weise interessant macht, das sind ihre http://www.flickr.com/photos/glans/2449390199/Gedankengänge, ihr Frauenbild. Die ähneln nämlich verflixt dem, was in so manchem Maskulisten- /Biologistenkopf so vor sich geht. Und auch noch so tyisch! So oft kann man gar nicht Bingo rufen…

Er hatte Rachel gleich am Anfang als Bedrohung erkannt und war dagegen gewesen, daß seine Freundin mit ihr Umgang hatte. Mädchen sollten unbeschwert und leichtsinnig, manchmal auch ein bißchen albern sein, verrückt aufs Einkaufen, auf Kleider und Parfums versessen, sich in jedem Spiegel begucken, sollten es gern haben, wenn Männer sie anstarrten und ihnen nachpfiffen. Sie sollten eitel und launisch und eine Spur gehässig gegenüber anderen Frauen sein. Rachel dagegen war Feministin. Sie trug nie Make-Up. Sie aß, was ihr schmeckte, und wurde fett. Sie pflegte zu sagen, daß ihr die Gesellschaft von Frauen lieber als die von Männern sei. Sie redete hochgestochen und für ihn oft unverständlich daher. Die Hälfte der Zeit wußte er buchstäblich nicht, worüber sie sich ausließ.

S. 66, Ruth Rendell: Die Werbung, Goldmann 1993

Kritische Tage zum herrschenden Geschlechterverhältnis

Uns erreichte folgender interessanter Veranstaltungshinweis:

Vom 30.11.2012 -02.12-2012 findet in Hannover nun zum zweiten Mal der Kongress »Kritische Tage zum herrschenden Geschlechterverhältnis« statt.

Dort wird sich gemeinsam- praktisch wie theoretisch – auf die Spuren der herrschenden Geschlechterverhältnisse begeben und sie kritisiert. Außerdem sollen ihre Verschränkungen und Koppelungen mit anderen Herrschaftsmechanismen herausgearbeitet werden.

In verschiedenen Veranstaltungen wird sich zum einen die Entstehung von queeren, feministisch-materialistischen sowie differenzfeministischen Ansätzen angeschaut, versucht diese zu verstehen und sie zusammenzudenken. Dabei entstehen im besten Fall Spannungen, die zu Bereicherungen in Analysen und Praxen führen.

Zum anderen wird in einigen Veranstaltungen und Workshops versucht, diese Analyse auf die Praxis zu übertragen und auf verschiedene Art und Weise anzuwenden. Hierbei soll auch die selbstkritische Analyse der eigenen Verstrickung in gesellschaftliche Machtverhältnisse, sowie unsere individuelle Selbst- und Fremdwahrnehmung als politisch Handelnde, einen Raum bekommen.

mehr Infos unter: http://kritischetage.blogsport.de/

Gender Rolls

Gender Rolls

Cyanide&Happiness