Archiv der Kategorie 'körper'

Kahlschlag 2015

laempelAnfang 2007 gab es noch einen großen medialen Aufstand, als Britney Spears sich die Haare abrasiert hatte.
Und heute? Scheint Kahlschlag auf dem Frauenschädel immer noch genauso provokant für die Umwelt zu sein.
Laura Nunziante hat sich von ihren Haaren verabschiedet und schreibt auf bento von den Reaktionen:

„Sag mal, bist du krank?“ Das ist die erste Nachricht, die ich auf Facebook erhalte, nachdem ich mein Profilbild geändert habe. „Du siehst aus, als hättest du ’ne Chemo hinter dir.“ Ein langjähriger Freund schreibt: “Läuft wohl nicht so mit den Typen, was?“
(…)
Ich werde auf der Straße mit einer KZ-Insassin verglichen. Ich werde gefragt, ob ich überhaupt noch „gefickt werde bei dem Aussehen.“ Eine ältere Frau fragt mich, warum ich mich über Krebskranke lustig mache.

Frau + rasierter Kopf = krank, mißhandelt, asexuell?
Bei Wikipedia wird interessanterweise eine Studie von Albert Mannes hingewiesen:

Laut einer Studie aus dem Jahr 2012 von Albert Mannes von der Wharton Business School wird die Glatze gesellschaftlich mittlerweile anders beurteilt. Er fand heraus, dass die Glatze für Größe, Achtung und Macht steht. Unbehaarte wirken dominanter und kräftiger. Sie wurden im Experiment um durchschnittlich 2,5 cm größer eingeschätzt. Weitere Eigenschaften, die mit Glatze in Verbindung stehen sind Aggressivität, Männlichkeit, Wettbewerbsstärke und Erfolg. Dagegen wirken Toupets und überkämmte Haarlücken lächerlich.

Getestet wurde hier natürlich die Reaktion auf männliche Glatzenträger
Vielleicht gibt es in ein paar Jahren mal eine Studie, bei der den Probanden Bilder von Frauen mit/ohne Haupthaar vorgelegt werden – und bei der die Reaktionen dann hoffentlich etwas, ahem… differenzierter ausfallen als bei Laura.
Aber, wie diese so schön feststellt:

Es hat zwei Minuten gedauert, meine Haare abzurasieren. Denkmuster zu durchbrechen, dauert länger.

Sexualstrafrecht

laempelDaß das bisherige deutsche Sexualstrafrecht Mängel aufweist, ist beileibe nichts neues, aber inzwischen immerhin auch dem Justizministerium aufgefallen (Triggerwarnung):

Justizminister Heiko Maas (SPD) will den Schutz der sexuellen Selbstbestimmung insbesondere von Frauen verbessern. Zu diesem Zweck will er Schutzlücken im Sexualstrafrecht schließen. So soll es künftig etwa strafbar sein, die Angst eines Opfers vor einem „empfindlichen Übel“ sexuell auszunutzen.

Der Justizminister hat jetzt einen Gesetzentwurf erarbeitet, der der taz vorliegt. Er hat 19 Seiten und wurde vorige Woche an die anderen Ministerien zur Ressort-Abstimmung geschickt. Kern des Entwurfs ist ein neuer Paragraf 179 im Strafgesetzbuch, der die Überschrift „Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung besonderer Umstände“ tragen soll. Neben der Ausnutzung der Angst des Opfers soll dort auch der überraschende sexuelle Angriff unter Strafe gestellt werden.

Schwammig genug, aber im Vergleich zu vorher ein Schritt nach vorne.
Nur warum nicht gleich richtig machen?
Denn auch die reformierte Gesetzeslage entspricht nicht der Istanbul-Konvention und weist Schutzlücken auf, die in anderen Ländern längts geschlossen wurden.
Die Rechtswissenschaftlerin Tatjana Hörnle legt im Interview mit Spektrum dar, daß man bei dem jetzigen Entwurf nicht stehen bleiben darf:

Das Schlagwort, unter dem diese Denkrichtung geführt wird, heißt: „Nein ist Nein“. Wenn also eine Person Ablehnung kommuniziert – sei es durch das Wort „Nein“, sei es durch Weinen oder Sonstiges –, dann hat eine sexuelle Handlung meiner Meinung nach strafbar zu sein.

Der jetzt vorliegende Entwurf dagegen hat eine andere Herangehensweise: Er definiert die Rahmenbedingungen, also die erweiterten Umstände, in denen die bedrängte Person sich befindet: ob sie schutzlos ist, ob sie betrunken ist und so weiter. Kurz: Ein „Nein“ reicht noch immer nicht aus.

Auch die taz hat Prof. Hörnle hierzu interviewt:

Grundfall des Sexualstrafrechts müsste sein, dass der Täter sich über den erkennbaren Willen des Opfers hinwegsetzt. Es darf keine Konstellationen geben, bei denen dies straffrei bleibt, nur weil zum Beispiel die Situation nicht einschüchternd genug war. Es ist meines Erachtens durchaus strafwürdig, wenn die Frau zwar Nein sagt, dann aber von der Situation überfordert ist, zu langsam reagiert oder die Dominanz des Mannes resignierend akzeptiert. In solchen Fällen bleibt der Mann aber auch nach dem Entwurf des Justizministers straffrei.

Open call for artists

Folgendes Mail erreichte mich kürzlich und wurde mir erlaubt zu veröffentlichen:

Liebe Alle,

anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Münchener Trans*Tagung im nächsten Jahr (2016), wird es eine große Trans*- und Inter-Tagung für den deutschsprachigen Raum geben, für alle Menschen die sich für ein Leben jenseits der heteronormativen Welt interessieren.

Die 4-tägige Veranstaltung (Himmelfahrt Do 05.05.2016 bis So 08.05.2016) möchte Trans*Menschen, Intersexuelle Menschen und alle Menschen die sich für ein Leben jenseits der heteronormativen Welt interessieren, zusammen bringen und ist zum aktuellen Zeitpunk wie folgt strukturiert:
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Boob Power

Der Freitag interviewt Annika Line Trost, die ein Buch mit teils unglaublich absurden Anekdoten über ihre Erfahrung als Frau mit Körbchengröße F geschrieben hat:

Was Ihre Brüste angeht, schreiben Sie von Ihren beiden „Mopswelpen“ – „so groß wie zwei Honigmelonen, so schwer wie vier Hefeweizen“.

Das ist doch ziemlich freundlich. Es wurde immer viel getuschelt und gezischelt. „Euter“, „Bälle“, „Quetschmänner“, „Twin Peaks“, „Gazongas“. Oder: „Du hast so schöne Augen.“ So viele andere Leute haben sich immer wieder ungefragt zu meinem Körper geäußert. Mit dem Buch hole ich mir die Deutungshoheit über meine Brüste zurück. Obwohl: Deutungshoheit klingt so theoretisch. Heute kann ich über vieles auch einfach lachen. Immerhin habe ich mit meinen Brüsten mehr spannende Dinge erlebt als etwa mit meinen Händen.

Die Erlebnisse reichen von Handwerkern, die Ihre Wohnung gar nicht mehr verlassen wollten, über Schmatzgeräusche und Pfiffe von Passanten bis zu dubiosen Castings für Werbespots und Fotostrecken.

Oder auch das: In Cafés hörte ich öfters Frauen am Nebentisch darüber beraten, ob meine Brüste frauenfeindlich seien.

Gynäkologenodyssee dank Fundichristen & AfD

In Stuttgart sucht ein Gynäkologe neue Klinikräume für ambulante Schwangerschaftsabbrüche, bis Februar muß er umziehen.
Das Problem dabei ist, daß irgendwelche übereifrigen Hardcorechristen den etwaigen Vermietern mit ihren berüchtigten Gehsteig“beratungen“ oder Prostesten drohen und sich die Suche so wesentlich schwieriger gestaltet.
Und dabei handelt es sich nicht um irgendeinen Arzt:

Der Umzug der Klinik schlägt hohe Wellen, weil ohne Stapf eine Versorgungslücke entstehen würde. Stapfs Klinik nimmt 2.200 Schwangerschaftsabbrüche pro Jahr vor. In ganz Baden-Württemberg werden nach Informationen der Beratungsstelle Pro Familia etwa 11.400 Schwangerschaften pro Jahr abgebrochen. Stapfs Anteil entspricht knapp 20 Prozent. Die Krankenkasse bezahlt die Abbrüche zu 85 Prozent.

Besonders pikant ist, daß die Abtreibungsgegner nun auch politische Rückendeckung bekommen – von (Überraschung…) der AfD.

[Prostestinitiator] Annen sagt auf taz-Anfrage, die Berichterstattung in der Presse in Sachen „Lebensschutz“ sei einseitig, er wolle sich deshalb nicht äußern. Für eine Demo in Stuttgart hatte er stadtbekannte Unterstützer gefunden: die Gemeinderäte der AfD.

„Ich war fassungslos“, sagt Marion Janke, leitende Ärztin der Pro-Familia-Beratungsstelle Stuttgart. „Es ist schon bemerkenswert, dass sich eine Partei in dieser Sache engagiert.“ Janke kritisiert, dass die Frauen durch solche Proteste kriminalisiert würden, obwohl sie nichts Illegales tun. „Diese kleine Gruppe, die Angst und Schrecken verbreitet, schüchtert die Frauen ein.“

X (Dritte Option)

Fühlst Du Dich weiblich? Fühlst Du Dich männlich?

Zwei Fragen, welche primär wohl nichts außergewöhnliches sein mögen, doch breche man das tradierte Verständnis derer auf, vermag sich dahinter eine Kategorisierung zu verbergen, die Identitäten gleichsetzt. Diese zwanghafte Einordnung wird schon bei der Geburt vollzogen, in der ein blaues oder ein rosa Bändchen veranschaulichen soll, daß dieses Kind nun männlich oder weiblich ist. Die Frage ist allerdings: läßt sich das anhand von primären Geschlechtsmerkmalen festmachen? KritikerInnen kommen gerne mit dem Argument, daß die Geschlechtszuweisung rein biologischer Konnotation geschuldet ist, und sie nicht mit der sexuellen Identität gleichzusetzen wäre. Doch das ist ein Trugschluß, was den KritikerInnen selbst nicht klar zu sein scheint. Dafür müßte man erst einmal in Erfahrung bringen, was die Kriterien für eine Weiblichkeit und eine Männlichkeit wären, was allerdings äußert schwierig ist. Dabei ist es nicht damit gesagt, daß jeder Mensch, wer eine Gebärmutter hat, sei weiblich, und jeder Mensch, wer einen Phallus besitzt, wäre der Männlichkeit zuzuordnen. Die eigentliche Weiblich- und Männlichkeit unterliegt einem soziologischen Prozeß, welche Regeln etabliert, die es nur schwer zu brechen gilt, welche allerdings gerade die Einordnung zementiert und einen Individualismus schwer zuläßt, was sich in Diskriminierungen widerspiegelt. Dabei möchte ich noch gar nicht transsexuelle oder auch intersexuelle Menschen ansprechen; die Bindung, der „fließende Übergang“ zu den zwei Geschlechtern ist kaum mehr zu definieren, da einerseits die Grenzen in selbst definierter Regel sich anpassen, andererseits sie sich der Starrheit unterworfen, um so eine Abgrenzung zu schaffen. Dabei kann man einen schnellen, leichten Selbsttest machen, in dem man sich fragt, was man unter Weiblich- resp. Männlichkeit versteht; die meisten Antworten würden sich um Erscheinungsbilder drehen, und in diesem Kontext auch schon eigene Kategorien erschaffen, was das ganze Konzept der Zweigeschlechtigkeit ad absurdum führt. So werden lesbische Frauen, geben sie sich fern der von Gesellschaft zementierten Weiblichkeit, gerne als „maskulin“ angesehen, ihnen wird in dem „Vorwurf“ nun eine geformte Weiblichkeit genommen. Denselben Effekt haben wir bei schwulen Mitmenschen, die sich „feminin“ verhalten, ihnen somit eine Männlichkeit abgesprochen wird. (mehr…)

Lehrer*innen-Dresscode? Hauptsache konform.

laempel < - Lehrer Lämpel. Auch ihm brachte stilsichere Kleidung leider keinen Respekt ein.

Eine schweizer Schule hat doch eher merkwürdige Vorschriften für das äußere Erscheinungsbild der Lehrkräfte erlassen.
Und wir reden hier nicht von „Bitte keine Hotpants tragen“, auf den Iro verzichten oder ähnlichen Selbstverständlichkeiten. Es geht dabei nicht nur um die Kleidung (bis hin zu den Socken…!), sondern es wird auch gefordert, den Körper doch bitte den momentanen „Schönheits“normen anzupassen:

Spaghettiträger sind ein klares No-Go. Die Träger von Tops oder Kleidern sollen mindestens drei Finger breit sein, wobei auf jeden Fall die Achseln zu rasieren sind. Die Zurschaustellung von Körperhaaren gehört sich auch für Herren nicht – ärmellose Shirts sind kein ausreichendes Outfit.
(…)
Shorts: Ein ganz klares No-Go. Für Frauen mit gepflegten Beinen können Bermudas in Ausnahmefällen gehen, Männer sollten ihre Beine jedoch grundsätzlich zur Gänze bedecken.
(…)
«Je mehr Bart ein Mann trägt, desto gepflegter muss sein Outfit sein.» Als unpassend und unhygienisch wurden lange Bärte bewertet.

Zusammenfassend könnte man sagen, daß individuelles Aussehen nicht erwünscht ist, bzw. doch bitte einzugrenzen sei. Schmuck? Ja, aber nichts Auffälliges, das klappert.
Lippenstift? Dezent bitte.
Bärte? Die sollten dann aber gestutzt sein!
Besonders happig, da Bärte eben nicht nur ein Mode-Accessoire sind:

Die Ansichten darüber, was mit dem Bart zu geschehen habe, unterscheiden sich von Kultur zu Kultur beträchtlich; von der jeweiligen Norm abweichende Barttracht gilt oft als Zeichen von Ungepflegtheit oder Fremdheit.

(Hervorhebung von mir.)
Und genau dieses Wort „Ungepflegtheit“ wird eben – nicht nur kulturell und schon gar nicht nur bei Bärten – recht willkürlich, je nach momentanem Mehrheitstrend, „definiert“.
Daß der Begriff hier auch recht blödsinnig ist, scheint aber niemandem aufzufall – ein echter Vollbart will nämlich erst recht gepflegt werden und die wenigsten Lehrkörper werden sich dabei an ZZ Top orientieren. Ein Bart ist nicht dann unhygienisch, wenn er lang ist, sondern, wenn er nicht gewaschen wird. Wenn allerdings Essensreste drinhängen, dann ist das bei einem „gepflegt getrimmten“ Schnäuzer nicht automatisch reinlich. Stichwort „Rotzstopper“…
Und Bein- oder Achselbehaarung ist bei der Körperpflege (waschen, eincremen, wasweißich) auch nicht im Weg. Aber egal, wie gepflegt man wirklich ist – man hat die Körperbehaarung gefälligst nicht zur Schau zu stellen. Die ist pfui. Warum auch immer.

Es geht hier ja eigentlich nicht um einen Dress Code, denn der eigene Körper ist kein „Dress“, sondern Teil der eigenen Person, von der jetzt gefordert wird, eben diesen Körper so zu verändern, wie es dem Mehrheitsgeschmack der Lehrerkonferenz entspricht.
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#Emmaistfuermich

Auf Twitter sorgt gerade ein Hashtag für Aufregung, welcher von dem Magazin EMMA initiiert wurde. Die originäre Intention war es wohl, eine positive Resonanz einzufahren, was auch gelang, doch auch die KritikerInnen meldeten sich – auch FeministInnen.

Persönlich möchte ich die Kolumne von Margarete Stokowski hervorheben, welche in der heutigen tageszeitung erschien. In jener wird der Lookism innerhalb des EMMA-Feminismus erwähnt, da jene Redaktion nach wie vor ein inklusives Idealbild der Frau propagiert, bei dem die Bestimmung des eigenen Körpers eine sekundäre Rolle spielt. Denn, so EMMA-Logik, wer sich in der Öffentlichkeit freizügig gibt, schüre damit nur Sexismus und gäbe dem männlichen Geschlecht nahezu eine Einladung, die Frau zu unterdrücken. Allerdings erfüllt sie durch diese Meinung lediglich das Bild jener Menschen, welche den Feminismus als etwas rein exklusives des weiblichen interpretieren. Darüberhinaus ist solch eine Aussage ebenfalls eine Pauschalisierung der Männer, was sich auch in älteren Ausgaben widerspiegelt. Beispielsweise sei nur diese Person ein Mann, welche Prostitution ablehne und den „Kauf von Sex“ verbiete. Das dies kontroverse Debatten entfacht, ist kein Geheimnis, doch jene offenbaren auch die subtile Sexfeindlichkeit des EMMA-Feminismus. (mehr…)

Schadet FEMEN dem Feminismus?

Gleich zu Beginn: nein, ich habe kein Problem mit der FEMEN-Bewegung. Ich habe ein Problem mit der Stagnation der Kritiker, welche vergessen, daß der Feminismus per se keiner allgemeingültigen Erklärung standhält, da stets im progressiven Wandel, trotz des ständigen, wichtigen Beharrens auf die Wurzeln.

Was ich oft zu hören bekam war die Aussage, daß FEMEN den Frauen schade und sie selbst diskreditieren würde. Bei mehrmaligem Nachfragen bekam ich keine vernünftige Antwort, also beschloß ich, mich selbst auf die Suche zu machen. Dabei muß als erstes beachtet werden, daß sich aus einer gesellschaftlich relevanten Bewegung Strömungen bilden können, welche nicht zwingend konform laufen müssen. Das Phänomen der Pussy Riot, welche eine säkulare Kritik mit ihrer Inszenierung postulieren, mag erst sekundär eine feministische Aussage beinhalten. Dennoch scheint dieser Gedanke zu kurz gegriffen, da sich hinter dem Klerikalismus mehr versteckt als eine doktrinäre Ideologie, welche sich festen Schriften verpflichtet fühlt. Das Werkzeug der Frau erfüllt hier in der Kritik eine ebenso ironische wie auch durchschlagende Funktion; zum einen wird hier, ganz gleich in welcher Ausführung, der Körper der Frau als „Magnet der Aufmerksamkeit“ benutzt, um im selben Zug durch die regelrechte Verkörperung der Emanzipation einen Progressivismus zu etablieren, der Geschlechterrollen und Manifestationen der Grenzen ad absurdum führen sollte, dieser Prozeß allerdings nie soweit interpretiert wird, da der „Magnet“ eine zu virulente Aufgabe erfüllt und den Sexismus nicht kritisiert, sondern dank „etablierter“ Medien und Persönlichkeiten gefördert wird, in dem die Kernaussage revidiert wird und als Angriff inszeniert. Will heißen, so sagen sie, die Entblößung schade Frau in dem Sinne, da durch jene Aktion die Fokussierung verschoben wird. Eine Kritik, welche man teilen könnte, würde man sich nur auf diese plakative Herangehensweise konzentrieren. (mehr…)

Rot. Oder doch blau?

Da war dieser Junge in dem Laden.

Die Schlange vor der Kasse war vergleichsmäßig lang, so lauschte ich diversen Gesprächen. Eines fand sofort mein Gehör, in dem eine Mutter einem Jungen einen Wunsch ausschlug. Normalerweise sollte man darüber keine Zeilen verlieren, allerdings war die Ausgangssituation sowie deren Verlauf nicht einer „gewöhnlichen“ Situation untergeordnet. Er wollte dieses rote Bändchen haben. Für seinen Arm. Die Antwort der Mutter: so etwas trägen lediglich Mädchen, und vor allem sei die rote Farbe ein Sinnbild des Femininen, so habe ihr Sohn sich von jenem fernzuhalten, um dort eine Grenze zu ziehen.

Diese Situation fungiert als Beispiel einer gesellschaftlichen Problematik, in der wohl nicht-verletzend gemeinte Richtlinien und Grenzen langfristig eine indirekte Transphobie und Diskriminierung nach sich zieht. Daß die blaue Farbe des Männlichen verpflichtend und die rote dem Weiblichen, mag der historische Konnotation geschuldet, jedoch dient diese Farbdiskriminierung nicht der Entwicklung eines Individuums. Die Aussage, es gäbe geschlechtsspezifische Farben, ermöglicht den jungen Mitmenschen keine gesunde Reflexion und schadet so der Entwicklung, auch die Persönlichkeit, da ein starres Verharren auf das Männliche und das Weibliche zerstörend wirken kann. Denn: primäre Geschlechtsmerkmale sind nicht gleichzusetzen mit der Geschlechtsidentität. (mehr…)