Archiv der Kategorie 'körper'

BMI-Polemik

Die Mädchenmannschaft hat vor der Sommerpause einen Text veröffentlicht, den ich hier unbedingt noch kommentieren muß, da er in mir hauptsächlich zwei Dinge getriggert hat.
Zunächst einmal mein zukünftiges Dasein als Magda- Fangirl.
Daher erst mal:

Liebe Magda,

Super Text! Deine (bitte entschuldige den Ausruck:) arschgeile Selbstironie ist ein derart charmanter Mittelfinger, ich möcht Dich knutschen!
dodo

Man sollte jetzt meinen, dafür braucht’s keinen Blogeintrag hier, da hätt auch die MM-Kommentarspalte gelangt – aaaaber hier fängt das Dilemma an:

Denn zum zweiten waffnet man sich nach dem Lesen des Textes innerlich mit einer gesunden Portion bösem Humor, bevor man die vorherigen Kommentare lesen möchte – kennt man ja, was da zuweilen kommt (gerade bei diesem Thema!), aber um nicht was zu schreiben, das schon 454564 Mal dasteht und die Moderation hier auch relativ streng… nungut.
Da aber Magdas (Selbst-) Ironie ganz schön abfärbt, hab ich mich dann doch etwas hineingesteigert im Folgenden und irgendwann war das wohl auch der Mädchenmannschafts-Moderationsschleife nicht mehr so ganz zuzumuten… daher mein Kommentar hier, nach dem Klick.
Achtung, Dumpfbacken-Triggerwarnung.

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Esst was ihr wollt!

Bei Antispe Dresden erschienen.

Unterstützung statt Zwang und Ausgrenzung bei Essproblemen

Über die Zusammenhänge von „Essstörungen“, sexistischen Verhältnissen, Pathologisierung, Veganismus und die Möglichkeiten des Umgangs mit Betroffenen in und außerhalb der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung
Von M., 12.6.14

Essen ist wichtig für alle von uns. Besorgung, Auswahl, Zubereitung, Verzehren und Verdauung von Nahrungsmitteln sind ein Dauerthema in unserem Leben. Essen beschäftigt uns tagtäglich und lebenslang. Es ist nicht nur überlebenswichtig, sondern erfüllt verschiedenste Funktionen in unserem Alltag. Essen kann Sättigung und das Stillen von körperlichen und seelischen Bedürfnissen bedeuten. Es hat in allen Kulturen eine soziale Bedeutung und bietet vielfältigste Gelegenheiten für Zusammenkünfte. Es kann befriedigend, tröstend, erfüllend sein.

Essen kann aber auch Belastung, Stress, Angst, Ekel und Druck mit sich bringen und mit unersättlichem Hunger, nicht zu stillendem Verlangen oder zwanghafter Beschäftigung einhergehen.Es gibt unzählige Probleme im Bereich Essen und Ernährung. Politische, moralische und ökologische sowie gelegentlich gesundheitliche Fragestellungen dazu werden hin und wieder in der Tierrechts-, Tierbefreiungsbewegung thematisiert. Andere hingegen, wie schwierige Beziehungen zum Essen, bisher nicht.

Die Probleme und Schwierigkeiten in der Beziehung zum Essen und damit zusammenhängend zum Körper, die einigen Menschen gemacht werden, werden folgend als politisch thematisiert.

Die Position, aus der die Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgt, geschieht aus einer feministischen, wissenschafts- und psychiatriekritischen Betroffenenperspektivei heraus. Die in der Literatur zum Thema übliche Expert*innenperspektive wird abgelehnt und spielt im Text nur eine Rolle, wenn damit einhergehende grundlegende Annahmen und Methoden kritisiert werden. Ausgangspunkt ist die Kritik an Pathologisierung und Psychiatrisierung von Menschen, deren Wahrnehmung und Verhaltensweisen, die auch sogenannte Essstörungen und psychiatrische Diagnosen generell einbezieht. Damit soll der bevormundende Blick auf und der Umgang mit Menschen, die besondere Körperbeziehungen und Beziehungen zum Essen bis hin zu großen Essproblemen haben, vermieden werden. Es soll eine Gegenposition zu den üblichen verbreiteten Ansichten und Abhandlungen über „Essstörungen“ entstehen, die betreffende Menschen als passive Leidende darstellen, die durch ihre „Krankheit“ nicht in der Lage seien, ihre Situation „richtig“ einzuschätzen und daher unfähig seien, selbst Ursachen und Auswege dafür zu finden. Im Mittelpunkt steht die Erfahrungswelt, die Lebensrealität und die Unterstützung Betroffener. Sie stellen hier die kompetenteste Instanz zu den Einordnungen und Bewertungen sowie der Konsequenzen ihres Zustandes, ihrer Wahrnehmung und Verhaltensweisen dar.

Gesellschaftliche Hintergründe und die theoretische Grundlage der Herangehensweise ans Thema werden zuerst erläutert. Anschließend wird dargestellt, weshalb die Thematisierung von Problemen mit Essen im Allgemeinen und mit Veganismus im Besonderen in der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung wichtig ist, bevor radikale Konzepte des Umgangs mit Betroffenen thematisiert werden. Da die Länge des Textes begrenzt, das behandelte Thema jedoch hochkomplex ist, sind viele Aspekte nur angerissen und fallen entsprechend kurz aus. Einige Themen im Zusammenhang mit Essproblemen, wie Therapien und andere Möglichkeiten, mit den Essproblemen umgehen oder sie bewältigen zu können, sind nicht Bestandteil des Textes. Er ist an Freund*innen, Angehörige und Unterstützer*innen gerichtet und enthält keine Anleitungen oder Ratschläge zur Bewältigung der Essprobleme für Betroffene, sondern soll die Verschärfung der Probleme durch die Verhältnisse und Mitmenschen verhindern helfen. Literatur, die nützliche Hilfestellungen für einen erträglicheren Umgang mit Essen und sich selbst enthält, ist unten aufgeführt.

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period positive

Schicker tumblr: period positive

Frauenkampftag 2014

Veranstaltungen und Demonstrationen zum Internationalen Frauenkampftag 20141:

Berlin
13:00 Uhr am Gesundbrunnen: Demonstration “Still loving Feminism!”
18:30 Uhr im SBZ Krähenfuß: Scree­ning und Dis­kus­si­on: „WON­DER WOMEN!

Graz
10:30 Uhr am KünstlerInnenhaus: Demonstration „Frauenauflauf

Hamburg
13:30 Uhr am Hachmannplatz: 8.März-Demo | 8-Mart Dünya Emekci Kadinlar Günü Yürüyüsü

Linz
11:00–00:00 Uhr, verschiedene Orte: Feminismus & Krawall – Protest · Performances · Interventionen · Konzerte

Nürnberg
13:00 Uhr am Weißen Turm: Infostände und Aktionen
15:30 Uhr am Weißen Turm: Demonstration

Salzburg
13:30 um am Alten Markt & Platzl: Kundgebung: “Frauenrechte sind nicht käuflich”. Weitere Termine.

Wien
15:00 Uhr, U6-Station Josefstädterstraße: Demonstration

Zürich
13:30 Uhr am Hechtplatz: Demonstration “Care-Arbeit kollektivieren. Kapitalismus entsorgen”

  1. wird laufend ergänzt [zurück]

Schweizer Volksabstimmung: 70% weiterhin für reproduktive Rechte

Im Ergebnis wesentlich erfreulichere Volksabstimmung in der Schweiz: Anders als in Deutschland werden Abtreibungen auch weiterhin von der Krankenkasse finanziert, deutliche 70% der Schweizer_innen stimmen diese Regelung zu. Die fundichristlich-konservative Initiative dagegen ist also ganz, ganz übel gescheitert – nur wurde diese schweizer Volksabstimmung in den deutschen Medien so gar nicht jenseits einer Randnotiz erwähnt – während die Abstimmung um die Freizügigkeit Topthema war und gerade die christlich-konservativen Fanatiker_innen sich gar nicht genug über die ach so viel demokratischere Schweiz und „Volkeswillen“ begeistern konnten…
Interessant auch in diesem Zusammenhang, daß der Kanton, in dem auch die EU-Freizügigkeit am schärfsten abgelehnt wurde, als einziger auch mehrheitlich gegen die Kostenübernahme durch die Krankenkassen bei Abtreibungen stimmte:

Einzig die Stimmenden im Kanton Appenzell Innerrhoden unterstützten die Initiative, und das mit einem Ja-Anteil von 50,9 Prozent.

Aus Liebe zur Freiheit!

Was ich an Antje Schrupp so mag, ist ihre Treffsicherheit, gerade beim Thema homophobe Petitionen ist das fast schon erleuchtend.. Scharfsinnig erklärt sie uns, die wir uns immer fragten „Wovor haben diese Petitionsfuzzis denn Angst? Daß ihre Kinder jetzt reihenweise zu Nichtheteros mutieren?“, worin die eigentliche Angst dieser Leute wohl besteht:

Natürlich werden Kinder nicht reihenweise homosexuell, nur weil das Thema im Unterricht behandelt wird. Aber ebenso natürlich werden diejenigen Jugendlichen, die anders begehren, als es die heterosexistische Norm vorgibt, durch eine größere gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexualität dazu ermutigt, diesen Neigungen nachzugehen, sich entsprechend auszuprobieren, ihr Begehren auszuleben. Und das ist doch schließlich auch der Sinn des Ganzen!
(…)
Auch die Liebe zur Freiheit ist nämlich ansteckend, wie Luisa Muraro einmal sagte. Und dass sich die Liebe zur Freiheit in all ihren Erscheinungsformen wie ein Virus unter uns ausbreiten könnte, das ist doch eine wunderbare Vorstellung!

Schwanger/Nichtschwanger als Körperform?

Schöner Kommentar zur Normierung weiblicher Körper von Margarete Stokowski:

Am Freitag war ich beim Kiosk um mir die Süddeutsche Zeitung zu holen, weil da im Magazin ein Text von Lara Fritzsche drin war, über Essstörungen in der Schwangerschaft. Sehr guter Text. Über Magersüchtige, die schwanger werden und über Frauen, die einander gegenseitig loben, wenn sie möglichst unschwanger aussehen.

Am gleichen Kiosk lag die neue Inside, ein Frauenmagazin, Titelthema: „Baby oder Wampe? Stars, die eine ziemlich dicke Kugel schieben …“ Der Artikel dazu hieß „Und ICH dachte, du wärst schwanger …“ und zeigte Bilder von neun berühmten Frauen, bei denen der Bauch millimeterweit vorsteht, mit den Kommentaren „Satin-Schocker“, „Bikini-Blamage“, „Glitzer-Graus“, „Prosecco-Plauze“.

Es ist gar nicht so, dass ich es besonders verrückt oder doof finde, wenn ein Kiosk Zeitungen mit verschiedenen Botschaften verkauft. Und es ist auch gar nicht unbedingt so, dass die Inside das intellektuelle Bollwerk wäre, an dem ich regelmäßig meine Meinung schärfe.

Es ist eher so, dass ich gerne mal in der Redaktion der Inside eine gigantische Himbeersahnetorte essen würde. Nackt.

[Berlin] Theaterprojekt „Speak Out!“

Einladung für das selbstorganisierte Theaterprojekt „Speak Out!“ für Frauen*.

“When I dare to be powerful, to use my strength in the service of my vision, then it becomes less and less important whether I am afraid.”
- Audre Lorde

Die Idee
Die Idee des Theaterprojekts „Speak Out!“ ist es sich kollektiv dem Thema sexuellen Mißbrauch und Vergewaltigung aus einer künstlerischen, kreativen und politischen Perspektive zu nähern. Meistens trauen wir uns nicht über unsere Erfahrungen zu sprechen, weil wir gesilenced, stigmatisiert, kriminalisiert und für die erlebte Gewalt selbst verantwortlich gemacht werden. Dagegen wollen wir uns wehren und selbstbewusst die Perspektive und Stärke von uns Überlebenden sichtbar machen. Fight back and Speak Out!
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Prostitutionsgesetz – worum geht es eigentlich im Kern?

Ich glaube, ich habe immer noch nicht alle (interessanten) Beiträge zu dieser Debatte gelesen und sie ist auch noch lange nicht abgeschlossen.
Unter einem der besseren Texte zum Thema kann man eine spannende und vergleichsweise ungemein respektvolle Diskussion lesen (soll nicht heißen, daß da nur Highlights drunter sind, aber wer zum Vergleich mal im SpOn-Forum zum Thema lesen will… naja), wenn man sich die Zeit nimmt.
Ich bin erst mittendrin, aber immerhin bis zu diesem schönen Kommentar von Carmen Amicitiae:

Wir fordern gleiche Rechte, wie alle anderen arbeitenden Menschen auch. Wir wollen unsere Geschäfte durchführen dürfen, wo andere das auch dürfen – nicht “zum Schutze der Jugend und der öffentlichen Ordnung” durch Sperrbezirke beschränkt werden. Wir wollen, dass für uns die Abgabenordnung gilt, wie für alle anderen Menschen auch – nicht Sonderbesteuerungsverfahren à la Düsseldorfer Verfahren. Wir wollen, dass die Polizei uns gegenüber die gleichen Rechte hat, wie anderen Menschen gegenüber auch – und nicht einfach anlaßlos zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Maschinengewehren in unsere Räume stürmen kann. Wir wollen, dass der Betrieb unserer Arbeitsstätten nach der Gewerbeordnung reguliert wird, nicht nach dem Dortmunder Modell. Wir wollen, dass unsere Kunden unsere Dienstleistungen nach den Regeln des Marktes kaufen können und nicht nach dem Schwedischen Modell kriminalisiert werden.

Wäre Prostitution als Beruf anerkannt (ob normal oder unnormal), bräuchte es all diese Sonderverfahren und Modelle nicht. Prostitution wäre dann nicht etwa “dereguliert”, wie Alice Schwarzer behauptet, sondern genauso reguliert wie andere Berufe auch – gleichgestellt. Das ist sie trotz Legalität nicht und DAS ist der Kern der Debatte.

Gerne möchte ich ihr zustimmen – nur, wenn sich alle Beteiligten der Debatte auf ebendiesen Kern geeinigt hätten, wären wir wohl schon weiter.

Petra Collins‘ Vulvashirt

Petra Collins hat für American Apparel ein T-Shirt designt, mit der Strichzeichnung einer behaarten Vulva, menstruierend.

Ich habe City TV ein kurzes Interview gegeben. Sie haben nur einen zweisekündigen Soundclip genommen—und ich weiß auch schon gar nicht mehr, was ich gesagt habe—, den sie dann mit Reaktionen von Menschen auf der Straße zusammengeschnitten haben. „Oh, das ist widerlich!“ und solche Aussagen. Nur ein Typ fand das Shirt super.

Ich habe gerade eine American-Apparel-Werbung auf der Website von City TV gesehen.
Die Schlagzeile, die sie verwendet haben, war: „Geht diese T-Shirt-Grafik zu weit?“ Mit diesen Nachrichtensprechern zu reden, ist das Allerbeste. Die Frau hat mit mir in ihrer Nachrichtensprecher-Stimme gesprochen und die ganze Zeit versucht, nicht „Vagina“ zu sagen. Und ich habe dann immer solche Sachen gesagt wie „Oh, das Masturbations-, Vagina- und Schamhaar-T-Shirt?“ Es ist ihr richtig schwer gefallen, das zu sagen. Vagina ist so ein skandalöses Wort

Frauen wachsen dort Haare. Und gelegentlich blutet’s raus. Immernoch skandalös.