Archiv der Kategorie 'maskulisten'

BMI-Polemik

Die Mädchenmannschaft hat vor der Sommerpause einen Text veröffentlicht, den ich hier unbedingt noch kommentieren muß, da er in mir hauptsächlich zwei Dinge getriggert hat.
Zunächst einmal mein zukünftiges Dasein als Magda- Fangirl.
Daher erst mal:

Liebe Magda,

Super Text! Deine (bitte entschuldige den Ausruck:) arschgeile Selbstironie ist ein derart charmanter Mittelfinger, ich möcht Dich knutschen!
dodo

Man sollte jetzt meinen, dafür braucht’s keinen Blogeintrag hier, da hätt auch die MM-Kommentarspalte gelangt – aaaaber hier fängt das Dilemma an:

Denn zum zweiten waffnet man sich nach dem Lesen des Textes innerlich mit einer gesunden Portion bösem Humor, bevor man die vorherigen Kommentare lesen möchte – kennt man ja, was da zuweilen kommt (gerade bei diesem Thema!), aber um nicht was zu schreiben, das schon 454564 Mal dasteht und die Moderation hier auch relativ streng… nungut.
Da aber Magdas (Selbst-) Ironie ganz schön abfärbt, hab ich mich dann doch etwas hineingesteigert im Folgenden und irgendwann war das wohl auch der Mädchenmannschafts-Moderationsschleife nicht mehr so ganz zuzumuten… daher mein Kommentar hier, nach dem Klick.
Achtung, Dumpfbacken-Triggerwarnung.

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Es heißt „Gender Studies“. Nicht Genderwahn. Vielen Dank.


(Bild von Erika Moen)

Top-Favorit für das Unwort des Jahres: „Genderwahn“.
Was immer das sein soll, es scheint die Leute zu beschäftigen. Persönlich würde ich es als „Angst vor Emanzipation von überalterten Geschlechterrollen“ bezeichnen, aber das ist nur so grob geraten. Um eine anständige Definition sollen sich Leute vom Fach kümmern, die haben da mehr Ahnung.
Keine Ahnung. Soziologen. Oder die netten Menschen von den Gender Studies.

Die haben nur zur Zeit anderes zu tun. Nämlich die irritierten Menschen im „Genderwahn“ zu beruhigen. Es scheint nötig zu sein (irgendwie krass, aber egal), die Gesellschaft dran zu erinnern: „Ey, ganz ruhig, wir sind harmlos. Wir wollen eigentlich nur in Ruhe forschen und denken (was unter dem derzeitigen Stress ja auch nicht einfach ist…). Und wenn wir Ergebnisse haben, teilen wir sie Euch mit. Das ist alles. Das ist unser Job.
Zu kontrollieren, was die Politik, die Presse, die Gesellschaft mit diesen Ergebnissen anstellt – ist nicht unser Job.“
Naja, das ist jetzt so aus dem Ärmel geschüttelt. Die Leutz vom Fach haben das natürlich eleganter formuliert.

Beispielsweise die deutsche Gesellschaft für Soziologie:

Die DGS erklärt den angegriffenen Kolleginnen und Kollegen ihre ausdrückliche Solidarität, ebenso wie allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich derzeit rassistischen, homophoben und sexistischen Angriffen ausgesetzt sehen. Hasskampagnen stellen nicht nur eine schwerwiegende Zumutung für die einzelnen Kollegen und Kolleginnen dar. Sie verunmöglichen zudem eine zivilisierte, öffentliche Debatte über gesellschaftlich relevante Themen.

Oder auch die Fachgesellschaft Geschlechterstudien:

Es geht hier also nicht um die Diskussion von unterschiedlichen Thesen, die Wissenschaftlichkeit
ja gerade auszeichnet, sondern um die explizite Schädigung von Wissenschaft und Universität als Ort eines unbedingten Fragens und Verhandelns von Wirklichkeit, als Teil einer demokratischen, gerade dem
Nichtanerkannten und Prekären verpflichteten Gesellschaft. Dieser Gestus ist
Bestandteil eines aggressiven Anti – Feminismus bzw. Sexismus, welcher sich zurzeit in der öffentlichen Debatte über Gleichstellung und Vielfalt Gehör verschaffen möchte.

Hach, wie schön, daß es Profis gibt, die sich deutlich ausdrücken können.
Kann man auch ausdrucken und als Flyer verteilen, wer weiß, vielleicht hilft’s gegen den „Genderwahn“?

Also: ganz ruhig. Laßt die mal in Ruhe machen. Die sind harmlos, versprochen.
Einfach nicht stressen. Das sind auch nur Menschen, und Menschen machen Fehler. Insbesondere gestresste Menschen machen Fehler. Nicht gut. Wir haben schon genug seltsam-realitätsferne Statistiken und Theorien, gerade im Bereich Gender, ich glaub, da sind wir uns alle einig!
Ich hab so das Gefühl, wenn man die Genderwissenschaftler_innen mal in Ruhe ließe, könnten sie in Frieden gründlich arbeiten, solidere Ergebnisse erzielen, ihre Fehler korrigieren, etc. pp …
Ernsthaft: jetzt müssen sich die Gender-Denker_innen mit eigentlich unwichtigem Blödsinn auseinandersetzen, statt ihren Job zu erledigen. Statt Geschlechterrollen zu erforschen müssen sie erstmal die Trollherde überdenken, die auf sie zurennt und nervt.
Ich mein, so ne Trollstatistik ist ja echt nett, hab ich gern gelesen, aber ich fänd’s besser, wenn solche Menschen Zeit hätten, sich mit was anderem zu beschäftigen. „Wie kriegt man ein faires, geschlechtergerechtes Scheidungsrecht hin?“ zum Beispiel. Oder die Kitasache. Mutterschutz und Väterzeit angleichen, sowas. Gedöns halt.

Also: keine Angst, das sind nur Wissenschaftler_innen, fast schon Theoretiker_innen eigentlich. Die denken nur, das ist ihr Job, und der ist wichtig.
Und wenn ihr keinen Bock habt, Euch mit „Gender“ zu beschäftigen – ist okay. Müßt Ihr nicht, machen andere für Euch. Und das machen die gern, das ist ihr Job.

Fazit: eigentlich alles gut.

Peace!

Feministisches Blog backstage & Forenkommentare

Reality Rags über Referers und Links, über Maskulisten, Feminist_innen und Kommentarforen. Und Networking.

Die Maskulisten versuchen übrigens auch gern, ihr Revier mit Pingbacks zu markieren. Deshalb verlink ich da aber auch nicht hin, noch schalte ich deren Pingbacks frei. Auch bei freigeschalteten Kommentaren mit Links dorthin wird der Link entfernt. Wer hier „Zensur!“ schreit, traut den Besuchern meiner Seite offensichtlich nicht den Gebrauch von Suchmaschinen zu. Trotz anders lautender Gerüchte ist man in deutschsprachigen Landen vergleichsweise wenig von „Zensur im Netz“™ betroffen und kann sich bei Interesse jederzeit sonstwo im Internet informieren, das muß man nicht auf meiner Seite tun, die ich verantworten muß. Der Aufwand, sich eine angemessenere Umgebung als mein Blog zu suchen, um Maskulismus und anderen -ismen zu frönen, ist meiner Meinung nach zumutbar. Und ich halte mich auch für vergleichsweise tolerant.
Kann man übrigens sein Blog auch danach ausrichten.

Gruselmaskulisten in Büchern

„Die Werbung“ von Ruth Rendell – ein an und für sich belangloser Krimi/Psycho/Unterhaltungsroman über einen Exfreund, der nicht kapieren will, daß es vorbei ist. Noch nicht mal, als die Begehrte bereits mit einem andern verlobt ist. Stattdessen bildet er sich ein, die Liebe zwischen ihm und seiner Ex sei nach wie vor ungebrochen und überhaupt glaubt er an eine Verschwörung in ihrer Familie gegen ihn. Also stalkt er fröhlich vor sich hin usw.
Aber was diese gruslige Hauptfigur auf eine zähneknirschende Weise interessant macht, das sind ihre http://www.flickr.com/photos/glans/2449390199/Gedankengänge, ihr Frauenbild. Die ähneln nämlich verflixt dem, was in so manchem Maskulisten- /Biologistenkopf so vor sich geht. Und auch noch so tyisch! So oft kann man gar nicht Bingo rufen…

Er hatte Rachel gleich am Anfang als Bedrohung erkannt und war dagegen gewesen, daß seine Freundin mit ihr Umgang hatte. Mädchen sollten unbeschwert und leichtsinnig, manchmal auch ein bißchen albern sein, verrückt aufs Einkaufen, auf Kleider und Parfums versessen, sich in jedem Spiegel begucken, sollten es gern haben, wenn Männer sie anstarrten und ihnen nachpfiffen. Sie sollten eitel und launisch und eine Spur gehässig gegenüber anderen Frauen sein. Rachel dagegen war Feministin. Sie trug nie Make-Up. Sie aß, was ihr schmeckte, und wurde fett. Sie pflegte zu sagen, daß ihr die Gesellschaft von Frauen lieber als die von Männern sei. Sie redete hochgestochen und für ihn oft unverständlich daher. Die Hälfte der Zeit wußte er buchstäblich nicht, worüber sie sich ausließ.

S. 66, Ruth Rendell: Die Werbung, Goldmann 1993

Vergewaltigung – was‘n das?

An den Anfang am besten erstmal ne große, fette Triggerwarnung!

Beim aus Langeweile durchs Netz klicken bin ich auf ein noch nicht ganz eine Woche altes Interview mit Kriminalhauptkommissarin Heike Lütgert, Dozentin für Kriminologie und Kriminalistik an der FH für öffentliche Verwaltung NRW in Bielefeld, gestolpert. Darin vertritt sie die Meinung, daß das Gewaltschutzgesetz durchaus zu einer kleinen Besserung der Lage geführt habe, nämlich insofern, als daß nun mehr Frauen sich trauen, gegen häusliche Gewalt vorzugehen.
Dabei fällt auch die heißdiskutierte Frage, wie viele Falschanzeigen es denn wohl gebe – und was überhaupt dazu führe: (mehr…)

Mann schockiert: Patriarchat ist kein Wunschkonzert

The Amazing Atheist hat sich vor Kurzem in einem Video über Feminismus ausgelassen. Quintessenz war, dass er weder einen Feminismus noch einen Maskulismus für gerechtfertigt hält. Es gehe darum, Sexismus zu bekämpfen, egal gegen wen. Denn Sexismus kann jeden betreffen. Soweit so gut. Eine tolle Aussage. Teile ich voll und ganz. Würde er nicht versuchen, seine Behauptung zu untermauern, indem es das Patriarchat verleugnet und würde er seine Diskussion nicht auf dem Rücken des Feminismus austragen.


(Ich habe unten Kommentare gepostet, die ich bereits auf meinen englisch-sprachigen Text bekommen habe.)

Denn der Feminismus mit all seinen unterschiedlichen Strömungen hat gar eine Menge zu einer besseren Situation von Frauen beigetragen – und auch von Männern. Gerade der poststrukturalistische Feminismus hilft Männern, sich vom Männlichkeitswahn zu befreien. Den Feminismus hingegen pauschal zu verunglimpfen ist ein Einschüchterungsmittel, das so alt ist wie der Feminismus selbst. Genauso unnütz ist es, für den Wunsch nach einer Sexismus-freien Gesellschaft, das Patriarchat zu verleugnen.

Das Problem, das The Amazing Atheist hat, ist, dass er die Vorstellung eines Patriarchats persönlich nimmt. Er fühlt sich persönlich beleidigt, wenn jemand sagt, dass wir in einer Gesellschaft leben, die von Männern dominiert wird. Er selbst sieht sich nicht als Frauenhasser oder Sexist, deswegen will er sich auch nicht vorwerfen lassen, dass er als (weißer) Mann nun mal eine privilegierte Stellung in seiner Gesellschaft hat. Hat er aber – auch wenn er noch so ein netter Kerl ist. Ich empfehle folgendes Interview von Noah Sow mit Austen Brandt, die sich neben Rassismus auch über Sexismus unterhalten und zeigen, dass wir alle davon betroffen sind.

Mit seiner Einstellung sollte sich The Amazing Atheist eigentlich darüber freuen, dass es so ein Phänomen wie das Patriarchat gibt, dass es also gesellschaftliche Strukturen sind, die Frauenhass hervorbringen und nicht nur der individuelle Mann selbst. Wenn wir das verstehen lernen, dann erkennen wir endlich, dass Männer nicht grundlegend die schuldigen Täter sind und Frauen die unschuldigen Opfer. Dann wird klar, dass Frauen nicht die besseren und Männer nicht die schlechteren Menschen sind. Denn die patriarchalen Strukturen werden von uns ALLEN immer wieder reproduziert und manifestiert, egal ob von Männlein oder Weiblein.

Daher muss Mann sich auch nicht – wie The Amazing Atheist behauptet – jeden Tag sein Hirn zermartern und überlegen, was er mal wieder anstellen könnte, um eine Frau in die Pfanne zu hauen, sie gehörig zu unterdrücken oder sonst wie zu knechten. Solche Anstrengungen sind überhaupt nicht nötig. Das passiert jeden Tag wie von selbst.

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Nichts Neues unter der Sonne: Maskulinisten

frauen
(Quelle: flickr)
(Diese Vorstellung ist nicht ganz so neu …)

Es scheint: Jedes Mal, wenn Frauen erstarken, glauben manche Männer sich in ihren Menschenrechten beschnitten. So auch in der Zwischenkriegszeit, wie die Historikerin Anna Maria Sigmund in ihrem Buch: ,,Das Geschlechtsleben bestimmen wir“. Sexualität im Dritten Reich herausgearbeitet hat. Ein parteiübergreifender ,,Bund für Männerrechte“ wurde in Wien gegründet, um die männlichen Interessen zu wahren. Dazu schrieb eine Zeitung im März 1926 in einem Stil, der uns heute nur allzu vertraut ist:

,,Genug der Schmach der Weiberherrschaft, der Frauendiktatur, es lebe der Bund für Männerrecht! Da die Despotie des weiblichen Geschlechts einfach nicht mehr auszuhalten war, da die Männer seit Tag und Jahr geächzt haben unter dem Joch der weiblichen Cäsaren, da das starke Geschlecht nur noch der Sklave des schwachen war, der reine Niemand, … ist nun endlich eine befreiende Tat gesetzt …“

1

Die zum Bund gehörige Zeitschrift hieß ,,Notwehr“ und wetterte gegen die ,,Versklavung der Männer durch feministische Gesetze“. Bereits im selben Monat der Gründung durfte der Verein eine Rede im Parlament halten über die ,,auf die Spitze getriebene Frauenemanzipation“. 2
Wirkungsvoll die Reaktion der Frauen: Aus allen Parteien wehrten sich Parlamentarierinnen gegen die frauenfeindlichen Vorwürfe und entkräfteten sie anhand von Daten und Fakten. Die Männerrechtler, die stur an ihren Behauptungen festhielten und auf die Erläuterungen der Frauen nicht eingingen, wurden mit der Zeit nicht mehr wahrgenommen und in der Berichterstattung nicht mehr thematisiert. 3

Vieles abgeguckt haben sich die Wiener übrigens von dem ,,Deutschen Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation“, der bereits 1912 gegründet wurde mit dem Slogan: ,,„Echte Männlichkeit für den Mann, echte Weiblichkeit für die Frau“. Als trotz den im Gegensatz zu den Österreichern sehr viel erfolgreicher geführten Kampagnen Frauen im November 1918 wählen durften, hieß es: ,,Das männlichste Volk dieser Erde, das deutsche, [muss] die Schmach erleb[en], von seinen Weibern dem Verfall entgegengeführt zu werden.“4 Ein Viertel der Vereinsmitglieder waren Frauen, die zum größten Teil interessanterweise genauso häufig einem Beruf nachgingen wie die von ihnen verachteten Feministinnen.

  1. Anna Maria Sigmund: ,,Das Geschlechtsleben bestimmen wir“. Sexualität im Dritten Reich, Wilhelm Heyne Verlag München 2008, S.37 [zurück]
  2. Martina Nußbäumer über Gabriela Hauchs: Frauen bewegen Politik. Österreich 1848-1938 (Quelle) [zurück]
  3. ,,Wollen Sie ein Mann sein oder ein Weiberknecht?“. Zur Männerrechtsbewegung in Wien der Zwischenkriegszeit. Diplomarbeit von Kerstin Christin Wrussnig an der Universität Wien (Quelle) [zurück]
  4. (ebd.) S.86-88 [zurück]