Archiv der Kategorie 'mode'

Petra Collins‘ Vulvashirt

Petra Collins hat für American Apparel ein T-Shirt designt, mit der Strichzeichnung einer behaarten Vulva, menstruierend.

Ich habe City TV ein kurzes Interview gegeben. Sie haben nur einen zweisekündigen Soundclip genommen—und ich weiß auch schon gar nicht mehr, was ich gesagt habe—, den sie dann mit Reaktionen von Menschen auf der Straße zusammengeschnitten haben. „Oh, das ist widerlich!“ und solche Aussagen. Nur ein Typ fand das Shirt super.

Ich habe gerade eine American-Apparel-Werbung auf der Website von City TV gesehen.
Die Schlagzeile, die sie verwendet haben, war: „Geht diese T-Shirt-Grafik zu weit?“ Mit diesen Nachrichtensprechern zu reden, ist das Allerbeste. Die Frau hat mit mir in ihrer Nachrichtensprecher-Stimme gesprochen und die ganze Zeit versucht, nicht „Vagina“ zu sagen. Und ich habe dann immer solche Sachen gesagt wie „Oh, das Masturbations-, Vagina- und Schamhaar-T-Shirt?“ Es ist ihr richtig schwer gefallen, das zu sagen. Vagina ist so ein skandalöses Wort

Frauen wachsen dort Haare. Und gelegentlich blutet’s raus. Immernoch skandalös.

Internet & Lookism

Mit freundlicher Genehmigung hier ein von mir (frei) auf deutsch übersetzter Artikel von Caitlin Seida, Journalistin seit 2006, deren Texte schon bei Livestrong.com, The Daily Puppy, and Case to Case, u. a. erschienen; thanx a lot!

Als mich Fremde wegen meines Gewichts aufzogen, war das eine Lektion für mich – was Internetgrausamkeit, gemeine Frauen und sich Wehren angeht.
Von Caitlin Seida.
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Eines Tages loggte ich mich auf mein Facebookkonto ein und fand eine Nachricht einer Freundin vor. „Du bist eine Internetberühmtheit!“, hieß es darin. Dazu ein Link zu einer sehr öffentlichen Seite, deren einziger Zweck es ist, Bilder von Leuten zu veröffentlichen, über deren Aussehen man sich lustig machen kann. Und da war ich, in voller Pracht – ein Bild von mir, als meine Heldin Lara Croft verkleidet: Tomb Raider, für Halloween – aber über dem Bild ein Schriftzug mit den Worten „Fridge Raider“ (dt. „Gefrierschrank-Plünderer“).

Lustigerweise war ich anfangs gar nicht ärgerlich. Tatsächlich fand ich es sogar irgendwie amüsant. Wer lacht nicht über unglückliche Schnappschüsse irgendwie daneben gekleideter Fremder? Ich hab sowas sicherlich schon zuvor getan; diese Art anonymer Spott ist ein Motor für das Internet. Es gibt ganze Websites nur für die Abbildung seltsamer Modemißgriffe von zufälligen Leuten. Und wie ich sind die meisten dieser Leute fett.

Prinzipiell sehe ich meine Körpergröße nicht als positiv oder negativ – es ist, wie es ist. Ich esse richtig (meistens) und ich treibe Sport (nicht gerade wenig) und das macht keinen großen Unterschied wegen eines polyzystischen Ovarsyndroms und einer beeinträchtigten Schilddrüse. Ich bin kräftig, flexibel und mein Doktor versichert mir eine gute Gesundheit, aber es bleibt die Tatsache: ich bin fülliger als jemand von meiner Größe es sonst sein sollte.

Nichts davon hatte mit meiner Entscheidung, mich als Lara Croft zu verkleiden, zu tun; sie ist eine der tollsten kick-ass Videospielcharaktere ever. Croft ist weiblich, aber gefährlich, gut gebildet und athletisch – und sie ist einfach wiederzuerkennen, was ein Halloweenkostüm recht einfach macht. Das Bild war spätabends aufgenommen, ich hatte schon ein rotes Gesicht von der Hitze, mein Make-Up war runtergeschwitzt und mir fehlte ein anständiger Büstenhalter (ein Problem, mit dem sich die Pixelversion von Croft nie auseinandersetzen mußte). Aber ich hatte Spaß, und wenn ich mir das Bild auf der Website so ansah, dachte ich, das wäre ersichtlich.

Also lachte ich zunächst darüber – aber dann las ich die Kommentare.
Fatshaming Triggerwarnung
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Kopftuch. Und so.

Auf Tea-riffic zerlegt und kommentiert Heng recht geduldig einen weinerlichen Eintrag eines Menschen, der nach einem (vermeintlichen?) Flirt auf der Straße eine Nummer gekriegt hat, mit der man(n) bei wem ganz anderen landete.
Und der ein schöner Beleg dafür ist, mit welcher Sorte Typen sich die Frauen*welt so im Alltag rumschlagen muß.
Irgendwie hat frau (hallo Sozialisation!) bei sowas dann auch schon automatisch Street Harassment und Stalker im Hinterkopf.

In einem der Kommentare wird was Interessantes angesprochen: die Verfasserin des Kommenatrs schildert, daß sie vor ständigem Angesprochenwerden weitgehend geschützt ist, seit sie das Kopftuch trägt.
Nur hin und wieder rassistische Kommentare, aber wenigstens kein massives Anbaggern mehr. Tja… sie hat sich einfach auch damit auseinandersetzen müssen, was „aushaltbarer“ ist.

Und das muß eigentlich nunmal jede für sich entscheiden.
Der Fokus liegt hier übrigens auf den Worten „jede für sich“.
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Kulturelle Aneignung/Cultural Appropriation Linkspam

In einigen Blogs geht gerade eine spannende Diskussion über Cultural Appropriation, also kutlurelle Aneignung, ab.
Laut Wikidefinition wird Cultural Appropriation wie folgt beschrieben:

Cultural appropriation is the adoption of some specific elements of one culture by a different cultural group. It describes acculturation or assimilation, but can imply a negative view towards acculturation from a minority culture by a dominant culture.

Ein wichtiges Thema, das nun endlich so langsam in den Fokus rückt und diskutiert wird – teilweise auch sehr emotional, aber ziemlich produktiv.

Ziemlich geladen, aber gut und verständlich rezensiert wird bei der Mädchenmannschaft:

Wer bei Google „cultural appropriation“ in die Suchleiste tippt, bekommt einen Eindruck davon, wie gut People of Color es finden, dass die Devotionalien ihrer jeweiligen Kultur von weißen Leuten getragen werden, die es nicht interessiert, was sie damit tun und wen sie damit beleidigen.

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Girlfriend Style

Die Süddeutsche zeigt eine Fotoreihe von Jon Uriarte, der seine Kumpel in den Kleidern ihrer Freundinnen fotografiert hat.

Wenn Frauen Männerkleider anziehen, gilt das traditionell als Zeichen für Befreiung, Emanzipation und für den Kampf um Teilhabe an der Macht. Männer in Kleidern, Röcken und High Heels hingegen sieht man außerhalb von Drag-Clubs und Model-Castingshow-Formaten eher selten.

Doch die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern hat sich gewandelt – im Berufsleben wie auch in heterosexuellen Beziehungen. „The men under the influence…“ heißt die Fotoserie des spanischen Fotografen Jon Uriarte – „Männer unter Einfluss“. Im Englischen kann das auch unter dem Einfluss von Drogen bedeuten – das trifft den umnebelten Zustand ganz gut, in dem sich viele Männer zwischen alter Männlichkeit und unklarer neuer Geschlechteridentität befinden.

Lass wachsen

Behaarte Frauenachseln – damit hat Nena schon in den 80ern Aufsehen erregt
Nenas Achsel

Und so viel hat sich ja inzwischen nicht geändert. Eher im Gegenteil, inzwischen sieht man so gut wie gar keine Frau mehr mit behaarten Achseln oder Beinen. Auch bei Männern nimmt der Trend zu, sich der Achselbehaarung zu entledigen. Immer öfter wird auch die männliche Brust enthaart. Allerdings – wenn ein Mann sich diese Stellen nicht rasiert, wird das nicht großartig kommentiert oder als eklig empfunden. Anders bei Frauen.
Selbst die Intimzone ist nicht mehr sicher vor dem zunehmenden Enthaarungstrend. Bisher dachte ich zwar immer, daß das zwar viele machen, aber viele auch nicht und es eigentlich wurscht ist, bis letzten Sommer ein 1-Night-Stand beim Auspacken – ich weiß nicht, schockiert oder zumindest stark überrascht auf meinen Busch reagierte. Er hatte schlichtweg nicht damit gerechnet, daß es noch Frauen gibt, die untenrum nicht haarlos sind. Letztendlich war’s eh scheißegal, aber der Kerl brauchte doch tatsächlich einen Augenblick, um das zu verdauen.
Aber die Muschi kriegen in der Regel ja sowieso eigentlich nur ein paar Auserwählte zu sehen.
Bei Beinen oder Achseln ist das was anderes, wenn man die im Sommer nicht mit langen Hosen und Ärmeln verstecken will.
Ich bin 30, und schon zu meiner Teenagerzeit wurde derartige Körperbehaarung bei Frauen eher abschätzig betrachtet.
Und wenn dann heutzutage ein junges Mädchen sich traut, die Haare dort einfach stehenzulassen, dann find ich das echt mutig!
Camille traut sich das (Artikel auf the f-bomb, gefunden bei der Mädchenmannschaft) – und ich könnte mir vorstellen, daß der „Haarlos-Standard“ in Kalifornien, wo sie wohnt, noch krasser ist als hier.

I love my armpit hair. At the moment, it’s my special little not-so-secret that I can smile about without having to explain to others. I am very proud of my hair and that I decided to let it grow out now, as a teenager, instead of saving that experience for when I’m an adult and don’t have quite so much to lose socially. I asked myself, why wait? If I really want to practice what I preach, then I’m not going to submit to this double standard any longer. And besides, what do I have to lose anyway?

That is my choice. It feels like the right thing to do for me, and it does not mean that girls who choose to shave their legs and armpits are any less feminist. I don’t have a problem with that, so long as they’re aware that shaving is something women are unfairly expected to do in order to be attractive by today’s beauty standards. Same with makeup. I care that girls know they can survive and look just fine without it, that they don’t need makeup, shaving, or validation from others saying they’re beautiful to know that they’re whole, complete, and perfect. Personally, I just don’t have time to be constantly applying, reapplying, shaving, and worrying about tiny, prickly hairs pushing through my skin that I wouldn’t have to deal with if I just didn’t shave at all. I’d rather sleep in.

Roooosa

Pink Grrrl Heart
Charlott hat sich auf der Mädchenmannschaft Gedanken über das „Phänomen Pink“ gemacht.
Das hat auch mich zum Überlegen gebracht – wie war das bei mir? In meiner Kindheit/Jugend in den 80ern/90ern war die Farbe definitiv uncool. Sogar die Barbiehäuser und -utensilien tendierten immer mehr zu babyblau. Von den genähten Tüllröckchen für die Mutter-Kind-Turnen-Aufführung wollte keins der Kinder das rosafarbene haben. In pink gekleidete Leute erweckten irgendwie immer den Eindruck, sie seien kindisch-kitschig. Und wer einen großen Bruder hatte (wie ich), dem ist die Kritik an der Farbe rosa erst recht noch entgegengeschlagen.
Auch ansonsten war ich nicht sonderlich begeistert von dieser Farbe – im Kindergarten hatte ich mir in den Kopf gesetzt, im Fasching als Burgfräulein zu gehen (in meiner Vorstellung war das sozusagen die weibliche Form eines Ritters, nur mit hübscherem Gewand – Prinzessin wollte ich nämlich auf keinen Fall sein!) und da einem in den einschlägigen Geschäften bei Mädchenkostümen das Rosa nur so entgegenschlug, mußte die Oma ran, die mir dann extra ein Kleid geschneidert hat. Eins, das nicht rosa war.
Auch in meinem gesamten Umfeld war keine_r auch nur im leisesten verdächtig, diese Farbe zu mögen. Pink war eine „Un-Farbe“ irgendwie. Sogar in typischen Mädchenpublikationen wie „Wendy“ war rosa und Mädchenkitsch ein absolutes No-Go.
Als 14-jähriger Teenie hab ich mich persönlich irgendwie angefreundet mit dieser Frabe. Gerade wegen der Klischees, die dran hingen, war das Potential groß, den Spieß umzudrehen. (mehr…)

photoshop-girls im visier

Seit heute läuft im Netz die „Keep it real Challenge“: mittels Twitter-Botschaften (#KeepItReal), Blogbeiträgen und Instagram-Bildern sollen – bisher vor allem US-amerikanische – (Mädchen- und Frauen-)Magazine massiv dazu aufgefordert werden, pro Ausgabe mindestens ein digital unbearbeitetes Foto abzudrucken, um die auf gefakten Bildern basierenden Schönheitsideale und den daraus resultierenden Druck auf junge Mädchen (und andere) etwas einzudämmen. Unterstützt werden soll damit auch die entsprechende Petition der 14-jährigen Julia Bluhm, „Give Girls Images of Real Girls!“.

Laut der KeepItReal-Kampagne haben 80 Prozent aller 10-jährigen Mädchen in den USA bereits mit Diäten experimentiert. Vanesa von Feministing kommentiert dazu:

The industry’s message that cis, white, thin and able-bodied women continue to be the “ideal” is a direct contribution to the dissolution of girls’ and women’s self worth, and it can’t be ignored anymore. And they hold the power to change it, but we need to hold them to it.

Bei den Photoshop-Techniken geht es nicht nur darum, die Models noch dünner, ihre Brüste noch runder und ihre Haut noch reiner darzustellen, sondern die vermeintliche Attraktivität wird auch durch („natürliches“ oder gephotoshoptes) Weißsein dargestellt. Das Video von dem Projekt Sisters Action Media stellt hier die Bildersprache des „Seventeen Magazine“ in Frage, welches sich selbst darauf beruft, „reale, authentische“ Mädchen und Diversity abzubilden:

Shopping Shopping Shopping!!!

Während meiner Recherchen für eine Stadtführung in Frankfurt bin ich auf das Werbevideo für das neue Skyline Plaza gestoßen. Dabei handelt sich um ein, sich in der Entstehung befindendes, Urban Entertainment Center. Das ist nichts anderes als ein „besseres“ Einkaufzentrum und da die Menschheit ja seit langem weiß, dass es Frauen sind, die dem Shopping besonders verfallen sind (denn ist Schuhe- nicht wie Beerensammeln? Und tun wir das nicht schon seit der Zeit in der wir noch in Höhlen lebten) ist dieses Werbevideo natürlich auf die besonderen Bedürfnisse von Frau zugeschnitten. Da heißt es:
„Jahr für Jahr ziehen Frauen um die 30 zu hunderttausenden in die Großstädte. Sie stolzieren auf der Suche nach Traummann und Traumschuh Arm in Arm die angesagtesten Einkaufsstraßen entlang…“

Oder auch:
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Die Frau, das verschwindende Objekt!

1979 drehte Jean Kilbourne, amerikanische Feministin, Buchautorin und Ex-Model, ihren ersten analytischen Film zum Thema Frauen in der Werbung. Die auf den ersten Blick lustig erscheinenden Werbefilmchen strotzten vor Rollenklischees und instutionalisierten die Frau als Sexobjekt (Teil 2 erschien 1987, Teil 3 im Jahr 2000.) Das war damals, und heute? (mehr…)