Archiv der Kategorie 'netzwelt'

brause*mag ist online

ein neues feministisches jugendmagazin, wie cool!

brausemag header
nachdem hier ja nicht mehr wirklich was los ist, sei darauf verwiesen, dass heute mit brause*mag, dem „aufbrausenden onlinemagazin für teens“, ein neues spannendes projekt online gegangen ist, dass in professionellerer form das umsetzt, was so ähnlich die ursprungsidee von damals (2006!) auch mal hinter dem mädchenblog war. also, schaut schell vorbei dort und unterstützt das projekt!

Von Queen Bees und einem manipulierbaren Bienchenstaat, wie er im (Märchen-)Buche steht – Erwachsenwerden in Zeiten des Youtube-Kapitalismus

Es ist so einfach Licht und Schatten zu unterscheiden, wenn die Sonne vom wolkenlosen blauen Himmel brennt und die Augen dank Sonnenbrille nicht unangenehm geblendet werden. So lag ich vor einiger Zeit am Strand und suhlte mich in der südeuropäischen Sonne mal wieder genüsslich in meiner feministischen Wut über die neuesten Youtube-Videos der Lifestyle-Vloggerinnen Dagi Bee und Bibi mit den dazugehörigen Tweets ihrer treuen „Bienchen“ und „Bibinators“, wie sich die Fans selbst nennen. Wahrscheinlich wollte ich mir nur selbst beweisen, dass ich mein politisches Interesse nicht automatisch an der Rezeption des ordentlichen Rentner-All-In-Hotels abgegeben hatte. „Das darf doch wohl nicht wahr sein“, grummelte ich offenbar bereits bestens akklimatisiert in Rentner-Manier vor mich hin, „dass Heerscharen junger Mädchen diesen Queen Bees of Capitalism vollkommen unreflektiert wie ferngesteuerte Zombie-Bienchen mit der gleichen glattgebügelten Frisur hinterherfliegen. Wo sind denn bitte die rebellischen Biene Majas geblieben?!“. Vor kurzem waren solche Lifestyle-Formate in die Kritik geraten; ihnen wurde vorgeworfen die Fans moralisch fragwürdig durch Schleichwerbung auszubeuten. (mehr…)

Online Harassment – last week, tonight & everyday

Man hat fast schon keine Lust mehr, Onlinesexismus und -belästigung mit Humor zu nehmen. John Oliver versucht es trotzdem:

Barrierefreies Browsergame

Per Mail erreichte mich folgendes:

Eine gute Freundin von mir verbringt grade ein Auslandsjahr in England und schreibt im Zuge ihres Informatikstudiums ihre Bachelorarbeit. Dazu hat sie ein Browsergame programmiert – ich bitte euch daher ums Spielen und danach einen Fragebogen dazu zu beantworten. Ein paar mehr Tester_innen würden ihr sehr helfen!

Hier ihre Beschreibung:
Mein Bachelorprojekt ist online, es ist der Prototyp eines online Browsergames ähnlich wie SchoolWars, Ogame, BiteFight, Pennergame, etc.

Web-Link zum Prototypen:
http://www.best-dinner.at/UCLan

Das Ziel meines Projekts war:
-> Die Erstellung des Prototypen eines leicht ausbaubaren Browsergames.
-> Ein Spiel mit drei wählbaren Geschlechtsidentitäten (female, male, genderqueer)
-> Ein Spiel in dem man die Geschlechtsidentität und den Namen des Charakters jederzeit ändern kann.
-> Ein barrierefreies Spiel (Screenreader tauglich)

Ich würde mich freuen wenn ihr euch die Zeit nehmen könntet den Prototypen zu testen und mir euer Feedback durch Ausfüllen des Fragebogens zukommen zu lassen, damit dies in meine wissenschaftliche Ausarbeitung einfließen kann.

Fragebogen:
http://goo.gl/forms/xnDknIYsyI

Es sind vor allem mit IOS (MacBook, IPhone) layouttechnisch Probleme aufgetreten, die ich – da die Implementationsphase schon vorbei ist – nicht bis nach Abschluss der Evaluationphase richten darf.
Also hier schon einmal – sry :) !

Probleme und Hürden des heutigen Feminismus

Designer und Moderator Guido Maria Kretschmer hat dem SPIEGEL in der aktuellen Ausgabe ein kurzes Interview bezüglich seiner neusten TV-Show „Deutschlands schönste Frau“ gegeben, welche jedoch keine essentielle Rolle spielt, da Kretschmer auf die Frage, ob er Feminist sei, eine bejahende Antwort gegeben, mit der Begründung, er habe lange die EMMA gelesen und fände es „traurig, daß Frauen noch immer nicht die gleichen Karrierechancen haben wie Männer“, was einer Zustimmung der Frauenquote gleicht. Nun werde ich mich nicht anmaßen, zu urteilen, wer sich nun FeministIn „schimpfen“ darf, und wer nicht, allerdings bedarf es einer kleinen Analyse, weshalb gerade die Bekundung zum reaktionären EMMA-Feminismus und die Bejahung der Frauenquote einen Teil des Feminismus ausmacht, ihm aber gleichermaßen auch im Wege steht.

Madame Alice Schwarzer war in ihrer frühen Zeit eventuell feministisch orientiert und hat ihre pedantische Interpretation als Wegweiserin des Feminismus‘ per se entwickelt, welches von allerlei Medien wohlwollend aufgenommen und verbreitet wird. Allerdings ist es gar nicht so leicht, den schwarzer’schen Feminismus zu formulieren, da formal seiner eigenen Selbstzuschreibung widerspricht. Man könnte den Schwarzerismus als eine Antwort auf die postliberale 68er-Bewegung verstehen, welcher ein Ventil für die aufkommende Sexualität beschreiben möchte. Einerseits bejaht Alice die offene Sexualität und instrumentalisiert sie gleichermaßen als Fundament für ihren Ismus. Andererseits wird jene positive Besetzung auch gleichermaßen als Schwert verwendet, um eine, in ihren Augen, „obszöne Auslegung“ jener gewonnenen Freiheiten zu bekämpfen. Sie scheint in dieser Aufarbeitung einen konservativen Weg einschlagen, welcher primär nicht zu beklagen wäre, da ein pluralistischer Feminismus funktionieren kann, gleichwohl Schwarzer diesen Weg in den letzten Jahren als Personifizierung der Weiblichkeit und des Kampfes der Frau entwickelte. Dabei erklärte sie nicht nur dem Sex an sich den Kampf, sondern auch jedwede Vermarktung und Selbstbestimmung bis hin zur (konsumorientierten) Kunst, welcher sich dahingehend sublimierte, den Feminismus im entristischen Sinne auszuhöhlen und nach eigenem Duktus zu definieren. Es mag (nur für mich?) paradox erscheinen, erstens für eine Selbstbestimmung zu kämpfen, gleichzeitig, also zweitens, jenes Recht wieder einzuschränken resp. eine Pseudo-Bekämpfung der Öffentlichkeit zu forcieren. Eine Kritik an die Pornographie ist in jedem Kontext gerechtfertigt, allerdings nicht in dem Maße wie Schwarzer sie formulierte. Nach ihrem Willen wäre jene Kunstform schon längst verbannt und in alle Ewigkeit verboten, wohlwissend, daß es auch eine feministische Interpretation der Pornographie gibt, sie diese aber für eine Verschleierung einer patriarchalen Sex-Industrie zu verstehen vermag. Diese Kritik ist verständlich, schießt aber am eigentlichen Ziel vorbei. Das Verbot der Pornographie käme einer radikalen Zensur der Meinungs- und Kunstfreiheit statt. Es ist richtig, gewisse Formen der Pornographie zu bekämpfen resp. ihr entgegenzuwirken, beispielsweise in der Unterstützung feministischer Pornos oder in der Entradikalisierung der kontrollierenden Männlichkeit. (mehr…)

Mackern aufs Maul geschaut

Paula (@herzbrille) hat einen Film über linke Cis-Macker gemacht:

Sie nennen sich Feministen, sind links, reflektiert und vor allem: Sie wissen es besser! […] Sie haben die Weisheit mit Löffeln gefressen, sind rational und objektiv, hören sich selbst so gern reden…. Warum sollten sie dich dann auch ausreden lassen? Sie erwarten Huldigung und Kekse von der Welt, weil sie doch soo progressiv sind. Sie regen sich über „Femi-Nazis“ auf, kurz bevor sie auf der Frauenkampftags-Demo am lautesten grölen. Am Ende des Tages sitzt du vielleicht mit ihnen in der Kneipe und sie erklären dir, was Victim Blaming ist. Drei Minuten später verharmlosen sie sexuelle Belästigung. Wirfst du ihnen Sexismus vor, erklären sie dir, dass du zu empfindlich bist. Einige von ihnen sind Pick-up-Feministen: Die neue Flirtstrategie! (Sie sind poly und so, sie dürfen das…) Sie lachen über die doofen Machos, die Schwanzvergleiche nötig haben und machen aus absurdesten Dingen einen Schwanzvergleich. […] Wie viele der Cis-Macker, die du schon mal ertragen musstest, erkennst du hier wieder?

(mehr…)

Weiter(auf)schreien!

Die Missy interviewt die #aufschrei-Initiatorin Anne Wizoreck zu ihrem neuen Buch:

Neben diesem schroffen Ton im Netz, gerade gegenüber Frauen, mehren sich ja auch Diskussionen um den so genannten Genderwahn, Gender Professor_innen werden Opfer von Hasskommentaren, Frauen, die Sexismus in der Spieleindustrie ansprechen, bekommen Morddrohungen. Wie oft ist Dir in den letzten Monaten das Wort Backlash in den Sinn gekommen?

Sehr oft, oh ja! Das alles zu verstehen, dabei hat mir ein toller Artikel der britischen Bloggerin Laurie Penny geholfen. Sie meinte, dass all das extrem ist, aber eben auch ein Zeichen, dass sich da ein paar Leute mit Händen und Füßen wehren, weil die Welt um sie herum sich verändert und sie nicht wissen, warum. Gerade im Zuge der Angriffe gegen Anita Sarkeesian, die sich in Webvideos mit Sexismus in der Spieleindustrie beschäftigt, war es schön, dass sich Leute wie der bekannte US-amerikanische Regisseur Joss Whedon solidarisch gezeigt haben. Da ist mir das Herz aufgegangen! Und das machen immer mehr Leute, die früher nichts gesagt haben. Deshalb sehe ich nicht nur den Backlash, sondern auch die breitere Unterstützung. Der Wandel ist auf dem Weg und nicht zu stoppen.

(Via)

Logo-Wettbewerb für www.meingeschlecht.de

Per Email erreicht uns folgendes:

Liebe transgeschlechtliche, intergeschlechtliche und genderqueere Jugendliche bis 27 Jahren,

euer Portal www.meingeschlecht.de braucht noch ein Logo. Jetzt seid ihr gefragt: Schickt uns eure Ideen, Entwürfe, Zeichnungen, kurz: euer LOGO für www.meingeschlecht.de

Und das ist euer Preis:

– alle eingesendeten Logos werden auf der Webseite in einer Galerie präsentiert

– auf Facebook habt ihr dann die Möglichkeit für euer Lieblingslogo zu stimmen; dadurch sehen wir, welche Logos euch am besten gefallen
– das Gewinner_innen-Logo wird zur Grundlage für das Logo von www.meingeschlecht.de („Grundlage“, weil wir es eventuell noch an die technischen Möglichkeiten des Web anpassen müssen)
– das Team/die Person, die das Gewinner_innen-Logo gestaltet hat, bekommt einen Überraschungspreis

Sendet eure Logos an info [ät] meingeschlecht [dot] de, Betreff: Logo für www.meingeschlecht.de, Deadline für eure Einsendungen ist der 30. September 2014.
Ihr könnt euer Logo anonym einsenden oder schreibt uns einfach, wie wir euch/dich nennen sollen. Kontakt können wir ja dann mit euch per Email aufnehmen.

Wir freuen uns auf eure Einsendungen!
Euer Team von www.meingeschlecht.de

Linkspam zum Equal Pay Day

Alle Jahre wieder, alle Jahre noch notwendig, bis die Ziele erfüllt sind: Equal Pay Day, heuer wieder am 21. März.

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Und, tadaaa, Deutschland belegt einen der „vorderen Plätze“: im Schnitt verdienen Frauen hier 22% weniger als Männer.

Liebevolle Link/Info-Zusammenstellung zum Beispiel bei der Mädchenmannschaft über Feminismus und Finanzen.

Frauenspezifische (Alters-) Armut, Bezahlung und zu welchen Bedingungen – gerade auch in der Prostitution ein Thema. Davon zum Beispiel erzählt „Maria“.

Am besten informiert/ausgestattet wird man natürlich bei equalpayday.de; lohnt sich generell, auf der Seite rumzuklicken!

Wie man die Gehaltswelt gerechter werden lassen könnte, versucht auch Sabine Hockling zu beantworten , mit schön übersichtlichen „To Do-Vorschlägen“.

In Österreich war der Equal Pay Day etwas früher, aber auch hier ist die Situation nicht schön; bei einer Parlamentsveranstaltung ist man sich immerhin auch einig, daß es an der sogenannten Teilzeitfalle alleine liegen kann.

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Wer noch mehr interessante Texte/Links entdeckt hat, kann sie ja gerne in die Kommentare posten.

rote tasche

Flower Power?

Blumen sind superwundervoll und lebensbejahend und das alles, klar. Wer mag Blumen nicht (Allergiker*innen vermutlich)?
Warum sollte also nicht zu Geburtstagen, Jahrestagen, Valentinstagen, Muttertagen und Wasweißichnichtallestagen Blumen rumverschenkt werden? Blumen sagen: „Schön, dass es dich gibt“, „Du hast heute einen besonderen Tag“, „Ich will dir etwas schönes geben“. Zudem hat es sich durchgesetzt, dass Blumen vornehmlich als etwas gelten, dass man(n) Frauen schenkt.

Heute ist der „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“. Was bei vielen Menschen (Quelle: Freundeskreis, Facebook, Fernsehen) so viel heißt wie: Die Frau ™ und ihre Weiblichkeit ™ wird gefeiert. Und was bedeutet offenbar Frau- und Weiblichsein? Richtig: Schön (lies: normschön) sein, sich mit schönen Dingen umgeben und NOCH schöner werden und von NOCH schönerem umgeben sein.

Wie das? Na, mit Parfüm, Schokolade und Blumen!

In meiner Facebook-Timeline strotzt es nur so von Bildern mit Rosen, Tulpen und irgendwelchen anderen Blumen (ich habe ein sehr beschränktes Blumen-Wissen). Darüber so Sprüche wie „Glückwunsch an alle Frauen zum Frauentag“, „Wünsche allen Frauen einen schönen Frauentag“, „Habe heute von meinem Schatz zum Ehrentag meines Geschlechts Blumen bekommen“. Joa. Fein. Und nun? Können wir die Blumen jetzt (so Tuxedo Mask- mäßig) als Waffen gegen patriarchalische Verhältnisse einsetzen? Sind Lohnunterschiede besser zu ertragen, wenn wir dabei besser riechen?

Der heutige Tag soll verdeutlichen wie weit der Weg zur gleichberechtigten Gesellschaft noch ist und wie nötig es ist, dass sich deshalb Frauen* empowern und alle mit ihnen kämpfen. Doch was wird stattdessen getan? Wir feiern diesen Tag indem wir sie darauf reduzieren, was doch eigentlich hinterfragt werden soll. Indem wir den Sexismus reproduzieren, der doch überwunden werden soll. Indem wir ein Bild von Frausein als das scheinbar einzige „feiern“, obwohl es doch nur eine Möglichkeit von unzähligen ist. Indem wir eine Weiblichkeit feiern, ohne uns im Klaren darüber zu sein, dass diese überhaupt keinen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft hat. Und indem wir mittels der an die Frauen gerichteten Glückwünsche den Tag „den Frauen“ überlassen, obwohl es doch für alle Ziel sein sollte für Gleichberechtigung zu kämpfen.

Meine Empfindung, als ich all die Blumenposts auf Facebook sah, war: Hey, Frau, hier Blumen, halt die Klappe! Es hat etwas von einem Versuch der Besänftigung. Das ganze Jahr über werden sexistische Witze gerissen, schiefe Verhältnisse relativiert und dazu beigetragen, dass ich mich unwohl fühle und Kämpfen anschließen muss. Aber einmal im Jahr wird entweder so getan, als würden sich alle für den Kampf um Gleichberechtigung interessieren ODER der Versuch unternommen mit „Gesten“ Respekt zu zeigen, obwohl das Reduzieren dieses Tages auf jene „Gesten“ doch genau das Gegenteil impliziert.

Natürlich liegt das Problem nicht hauptsächlich im Umgang mit diesem Datum. Wie bei jedem symbolischen Tag, ist auch hier wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass es an jedem darum geht, etwas zu verbessern. Wenn aber „Tag für die Rechte der Frau“ gerufen wird und die Antwort „Parfüm, Schokolade und Blumen!“ lautet, dann ist das mindestens bittere Ironie, wenn nicht sogar eine sich selbsterfüllende Prophezeiung.