Archiv der Kategorie 'sport'

Vergewaltigung – was‘n das?

An den Anfang am besten erstmal ne große, fette Triggerwarnung!

Beim aus Langeweile durchs Netz klicken bin ich auf ein noch nicht ganz eine Woche altes Interview mit Kriminalhauptkommissarin Heike Lütgert, Dozentin für Kriminologie und Kriminalistik an der FH für öffentliche Verwaltung NRW in Bielefeld, gestolpert. Darin vertritt sie die Meinung, daß das Gewaltschutzgesetz durchaus zu einer kleinen Besserung der Lage geführt habe, nämlich insofern, als daß nun mehr Frauen sich trauen, gegen häusliche Gewalt vorzugehen.
Dabei fällt auch die heißdiskutierte Frage, wie viele Falschanzeigen es denn wohl gebe – und was überhaupt dazu führe: (mehr…)

Chauvi-Sepp

Sepp Blatter, der wenig sympathische Präsident des Weltfussballverbandes FIFA, hat sich mit seiner Eröffnungsrede zur Fußball-WM, wenig überraschend als Chauvi geoutet, der mit Rollenbildern von Vorgestern aufwartet:

Ab einer gewissen Altersgrenze hat der Frauenfußball ja keine Möglichkeit mehr, sich weiterzuentwickeln, weil die Frauen dann eine andere Aufgabe haben.“

„Andere Aufgaben“, na klar Mutter sein. Dann ist aber Schluss mit kicken. Mütter die Sport treiben, wo kämen wir denn da hin, diese ließen sich vielleicht auch nicht mehr so sexy im Playboy vermarkten.
Herr Blatter, setzen sechs!

Märchenstunde: vom Kicken und Beerensammeln

Es ist mal wieder soweit: das allseits beliebte „Höhlenmenschen-Argument“ ist wieder auf dem Tapet!
In der taz erklärt eine „Sportpsychologin“, warum angeblich unterschiedlicher Torjubel bei Frauenfußball im Vergleich zu Männerfußball viel mehr Teamgeist enthalten soll, während die Männer einen Helden-Alleingang-Jubel veranstalten.
Und zwar, weil (auch wenn die seriöse prähistorische Forschung über solche Annahmen schon lange hinaus ist, aber wen interessiert das schon) Frauen in der Steinzeit schon teamfähig Beeren gesammelt haben und Männer im Heldenalleingang Mammuts gejagt haben. Oder so.

Frauen jubeln lieber im Team – Männer lassen sich für ihre Tore als Superhelden feiern.
(…)
Ein Teil der Erklärung für dieses Selbstdarsteller-Phänomen ist so alt wie die Menschheit und genetisch bedingt. „Das steckt in den Männern drin“, sagt Ohlert. Für Frauen sei es immer wichtig gewesen, zusammenzuhalten. Sie haben in der Gruppe Beeren gesammelt und Kinder gehütet. Bei den Männern hingegen ging es darum, wer der beste Jäger ist, wer das gefährlichste Tier erlegt.

Abgesehen davon, daß es wohl einfacher sein dürfte, allein Beeren zu sammeln als im Alleingang ein Mammut zur Strecke zu bringen, meine ich:
Sexistischer Bullshit, der sowohl Männer als auch Frauen wieder in dämliche Klischees zwängen will.
Und außerdem:

Ihre Torjubel-Theorie hat Jeannine Ohlert noch nicht wissenschaftlich belegt.

Da stellt sich nur noch die Frage: wieso wird dieser biologistische Unfug dann überhaupt zu einem Zeitungsartikel verwurstet?
Liebe taz, beim Männerfußball fällt Euch doch auch genug zu Schreiben ein, ohne die Höhlenmenschen zu bemühen. Mußte das sein?

Discover Football! Frauen-Fußball-Kultur vom 6.-13. Juli in Berlin

Eigentlich ist das Thema Fussball für mich gerade ein rotes – oder besser: ein schwarz-rot-goldenes – Tuch. Aber paralell zur Fussball-WM der Herren findet in Berlin ein Frauenfussball-Turnier statt, das Fussballgucken ohne Nationaltaumel und bierselige Massen möglich macht.
Der Verein „Fußball und Begegnung e.V.“ veranstaltet vom 6.-13. Juli ein Frauenfussballturnier, eingebunden in ein kulturelles Rahmenprogramm mit Konzerten von Dota, der Kleingeldprinzessin, dem Berlin Boom Orchestra, Dance-Acts und mehr. Ziel des Vereins ist es, ist es, durch internationale Begegnungen im Frauenfußball interkulturelle Verständigung zu fördern. Viele der Veranstalterinnen sind Spielderinnen des BSV Al-Dersimspor e.V., dessen Begenung mit der iranischen Frauen-Nationalmannschaft in Teheran im Jahr 2006 in dem Film „Football Under Cover“ dokumentiert ist.
Im Turnier spielen 8 Teams gegeneinander, neben Al Dersimspor Teams aus Afghanistan, Ecuador, Liberia, Iran, Israel/Palästinensische Gebiete, Österreich und Sambia. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie sich für interkulturelle Fußball-Begegnung engagieren. Viele von ihnen stoßen bei der Ausübung ihres Sports auf besondere gesellschaftliche Widerstände oder erhalten nur geringe Unterstützung.
Also: Feinen Frauenfussball aus nächster Nähe sehen und Abhängen bei guter Musik statt Deutschlandfahne schwenken auf der Fanmeile! Infos und Programm finden sich hier.

13. März, GÖ: neither your beauty nor your beast

Göttingen, Dorf der schönsten Fem-Demos, läd auch in diesem Jahr rund um den Frauenkampftag ein:


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Für mehr Frauen in der Luft bei Olympia

Auf dem Bild Hannah Kearney aus dem us-amerikanischen Team in der Disziplin „Freestyle“.
Den Skispringerinnen wurde die Teilnahme an den olympischen Winterspielen, trotz zahlreicher Klagen, verwehrt.

Die „Feministischen Studien“ suchen Aufsätze zum Thema „Sport“

deadline: 01.07.2010

Bewegung, Körperkultur und Sport sind aktuell und historisch elementare Bestandteile moderner Gesellschaften seit dem 20. Jahrhundert. Sportliche Großereignisse wie beispielsweise Olympiaden, Weltmeisterschaften oder Städtemarathons trugen zur Entstehung der modernen Massenkultur bei und werden heute medial als „events“ aufbereitet und weltweit vermarktet. Doch auch in der individuellen Sportpraxis werden die Körper zu Markte getragen, fungiert das Training als Selbsttechnik, der schlanke, sportliche Körper als Schönheitsideal. Sport gilt als gesund, birgt aber auch hohe Risiken und kann tödlich sein. Möglichst tägliche Bewegung des Körpers soll den typischen Krankheiten sitzender und im Büro tätiger Menschen vorbeugen und wird von der Krankenkasse unterstützt, die Finanzierung von Sportunfällen dagegen regelmäßig infrage gestellt. Wer dick ist, befindet sich schnell auf der gesellschaftlichen Verliererseite, und muss sich dafür auch noch rechtfertigen. Sportliche Praxis steht daher im Spannungsfeld von Individualisierung und Normierung, zugespitzt formuliert ließe sich auch sagen: Sport ist als Selbsttechnik zur gesellschaftlichen Norm geworden.

Vor diesem Hintergrund möchten wir fragen, wie sich Sport, Bewegung und Körperkultur im 20. (und 21.) Jahrhundert aus einer feministischen Perspektive darstellen. Gibt es überhaupt so etwas wie eine feministische Perspektive auf Sport? Wie lässt sich feministische Kritik am Sport als Individualisierungsstrategie zwischen Selbstermächtigung und Disziplinierung bzw. Verfügbarkeit des Körpers formulieren? (mehr…)

Skispringerinnen von der Teilnahme an den olympischen Spielen ausgeschlossen

Ich habe schon einmal darüber berichtet, dass das Internationale olympische Komitee (IOC) noch keine weiblichen Skispringerinnen bei den olympischen Spielen zulässt.
Da sich die Damen dies nicht gefallen lassen wollten legten sie nun Klage ein. Leider wurde diese vom Obersten Gerichtshof in British Columbia abgewiesen.

Richterin Fenlon stellte in ihrem Urteil auch fest, dass es tatsächlich diskriminierend sei, die Skispringerinnen nicht zu den Spielen zuzulassen. Den Klägerinnen werde die Teilnahme „aus keinem anderen Grund als ihrem Geschlecht verwehrt“. Allerdings habe das Internationale Olympische Komitee (IOC) das Recht, Bewerbe ins Programm aufzunehmen oder eben nicht. Das IOC unterstehe „nicht diesem Gericht“.

Menschen die Beteiligung an einer sportlichen Veranstaltung zu untersagen weil sie Frauen sind, ist wirklich das Letzte. Selbst der DFB hat das „schon“ 1970 erkannt.
Für alle die das auch so sehen, hier eine Kontaktadresse der IOC
pressoffice@olympic.org

Zum Schluss noch die Stellungsnahme der IOC zum Thema

While we are pleased that the Games can now proceed as planned, we strongly disagree with the court’s analysis that the IOC acted in a discriminatory manner. As previously explained, our decision was based on technical issues, without regard to gender.
The IOC will continue to follow the development of women’s ski jumping and remains open to considering its possible inclusion in the Sochi Games in 2014. We understand and appreciate how important inclusion is to the dedicated athletes who participate in the sport.

We also welcome the court’s recognition that that “the IOC in recent years has supported the inclusion of women in the Olympics and in amateur sports.“ and the observation that, “The IOC has implemented a wide range of initiatives to increase women’s involvement in leadership and administration within the Olympic movement and the wider sporting community.“

The judgment goes on to say, “VANOC points out that these are not empty words or empty policies; women now compete in approximately 48% of the events at the Winter Olympics and the percentage of female athletes has steadily increased to just over 40%” (quote from pages 34-35 of court decision)

Sportlich

Endlich wurde die erste Frauenweltmeisterschaft im Skispringen ausgetragen! Lange hat`s gedauert.
Und 2014 dürfen die Damen dann hoffentlich auch bei Olympia mitfliegen!

Kein Fußball dem Sexismus

Es heißt, während Männerfußball-Großereignissen steige die Zahl sexualisierter Übergriffe im häuslichen Nahbereich um rund 30%. Erschreckend, wenn eine_r bedenkt, dass in Deutschland bereits alltäglich

mindestens jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren, die in einer Partnerschaft lebt oder gelebt hat, (…) körperliche (23 Prozent) oder – zum Teil zusätzlich – sexuelle (7 Prozent) Übergriffe durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner mindestens ein- oder auch mehrmals erlebt. (…) (Desweiteren hatten) insgesamt 58,2 Prozent aller befragten Frauen Situationen sexueller Belästigung erlebt, sei es in der Öffentlichkeit, im Kontext von Arbeit und Ausbildung oder im sozialen Nahraum. 27 Prozent aller befragten Frauen und knapp die Hälfte (49 Prozent) derjenigen, die sexuelle Belästigung erlebt hatten, haben Situationen von sexueller Belästigung erlebt, in denen sie sich ernsthaft bedroht fühlten oder Angst um ihre persönliche Sicherheit hatten. 9 Prozent aller befragten Frauen, die sexuelle Belästigung erlebt haben, gaben an, dass eine oder mehrere dieser Situationen auch zu einem ungewollten Geschlechtsverkehr oder zu körperlicher Gewalt geführt haben.

So die Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen“ hier zitiert nach dem BMFSJS.
Während der Männerfußball-WM 2006 hatte ich das Gefühl, arbeitete linke Kritik sich vornehmlich an Themen wie Sicherheitswahn und Nationalismus ab, in Sachen Antisexismus wurde gelegentlich erwähnt, Fußball sei männerbündisch und damit sexistisch und homophob, oder aber die Mediendiskussion um sogenannte „Zwangspostitution“ kritisiert. (mehr…)

Homo : Foul

Hurra, hurra, die Männer-Fußball-EM steht mal wieder vor der Tür. Anlass genug für Kritik am gleich mitgelieferten Aufwind für Anhänger_innen nationaler Devotionalien und Liebesbekundungen, an neuen Sicherheitsgesetzen, Rassismus, sexistischen Übergriffen in Stadien, auf Fanmeilen, vor dem Wohnzimmerfernseher, vielem mehr und alles gleichzeitig und Kritik auch nicht zuletzt an der frappierend offenen Schwulen-, Lesben- und Trans*feindlichkeit des heterosexuell-männlichen Club- und Nationalfußballmilieus. Letzteres lässt sich mit vielerlei Zitaten und Fangesängen wortreich untermauern.1 In der Männerdomäne Fußball wird das Zeigen weiblich codierter Facetten abgewertet und ausgegrenzt, was in Sexismus und Homophobie mündet. Gleichzeitig finden sich neue Tendenzen: Die zunehmende Popularität von (nationalem) Frauenfußball, mehr und mehr Faninnen im Stadion und vor dem Fernseher, antisexistischen Initiativen von Fangruppen sowie die Abkopplung der Ablehnung dominanter Männlichkeitsmuster von der Ablehnung von Fußball in der männerbewegten Linken und der Schwulenbewegung. (mehr…)

Boxen!

Seit Donnerstag finden in Berlin_Neukölln die 5. Internationalen Deutschen Meisterschaften im Frauenboxen statt – und keiner kriegts mit. Während das Profiboxen dank der Reginas und Susis inzwischen ziemlich populär ist, führen die Amateurboxerinnen weiterhin ein Schattendasein und das obwohl diesmal die DM in der Hauptstadt stattfinden und nicht wie letztes Jahr in einem badischen Dorf. Frauenboxen unterliegt immer noch einer Legitimationspflicht. Sowohl im Reallife als auch in virtuellen Communities meinen Männer, ihre Meinung über boxende Frauen verkünden zu müssen. (mehr…)

Frauen mögen ja eh keinen Fußball…

Daß einem immer noch das Klischee „Frauen und Sport passen nicht zusammen“ um die Ohren gehauen wird, ist mir zwar rätselhaft, überrascht einen aber eigentlich nicht wirklich.
Während der Fußball-WM diesen Sommer haben sämtliche Medien ja auch kräftig das „Wir Männer werden bei der Fußball-WM tapfer den Fernseher gegen unsere Frauen verteidigen müssen“-Stereotyp bemüht – nur komisch, daß zumindest im hiesigen Irish Pub mindestens so viele Mädels wie Kerle die Leinwand angebrüllt haben… noch komischer, daß womöglich auch männliche Wesen existieren, die sich für Fußball nicht um die Bohne begeistern können… aber egal, die WM ist vorbei und amtierender
Fußballweltmeister sind wir ja sowieso schon
.

Das Klischee, daß Frauen und Fußball irgendwie (weiß Gott, warum!) nichts miteinander zu tun haben (sollen), ist allerdings langlebiger:
Nachdem Jens Lehmann sich beim Premier-League-Spiel gegen den FC Chelsea zu einer Schwalbe hinreißen
ließ
, reagierte die Presse eifrig mit ach so kreativer Kritik:

Der „Daily Star“ schimpfte ihn am Montag eine „hysterische Tussi“, die „Sun“ bescheinigte einen
„typischen Jekyll-and-Hyde“-Auftritt, und die „Times“ riet, dem „flatternden“ Lehmann zu Weihnachten eine
Handtasche zu schenken.

Ist ja auch ganz klar: bei unfairem Spiel kann einem ja nur der Gedanke an Tussis, pardon – Frauen kommen, hysterische noch dazu. Die sind ja sowieso alle hysterisch und haben auf dem Spielfeld nix zu suchen und Männer,
die sich so aufführen (Abtrünnige womöglich!) erst recht nicht. *husthust*
Warum die Times dem Herrn Lehmann jetzt eine Handtasche schenken will, ist mir allerdings auch nicht so ganz klar… wahrscheinlich wieder so eine „Frauensache“…

Aber auch nett, wie die deutsche Medienlandschaft den Begriff „Tussi“ bezüglich Lehmanns Schwalbe einfach mal recht unkritisch übernommen hat, und zwar durch die Bank. In diesem Fall war’s halt der Focus.
Man muß sich ja als Frau nicht unbedingt für Fußball oder Sport interessieren – wer’s aber dennoch tut, sollte vielleicht besser daheim bleiben und dem Freund einen VfB-Schal stricken, damit das mit der weiblichen Sportbegeisterung auch schön in gesellschaftlich akzeptiertem Rahmen passt.
Irgendwie krieg ich gerade Lust drauf, mich im Schlamm zu wälzen und auf einen Ball einzutreten…