Archiv der Kategorie 'theorie'

Weiter(auf)schreien!

Die Missy interviewt die #aufschrei-Initiatorin Anne Wizoreck zu ihrem neuen Buch:

Neben diesem schroffen Ton im Netz, gerade gegenüber Frauen, mehren sich ja auch Diskussionen um den so genannten Genderwahn, Gender Professor_innen werden Opfer von Hasskommentaren, Frauen, die Sexismus in der Spieleindustrie ansprechen, bekommen Morddrohungen. Wie oft ist Dir in den letzten Monaten das Wort Backlash in den Sinn gekommen?

Sehr oft, oh ja! Das alles zu verstehen, dabei hat mir ein toller Artikel der britischen Bloggerin Laurie Penny geholfen. Sie meinte, dass all das extrem ist, aber eben auch ein Zeichen, dass sich da ein paar Leute mit Händen und Füßen wehren, weil die Welt um sie herum sich verändert und sie nicht wissen, warum. Gerade im Zuge der Angriffe gegen Anita Sarkeesian, die sich in Webvideos mit Sexismus in der Spieleindustrie beschäftigt, war es schön, dass sich Leute wie der bekannte US-amerikanische Regisseur Joss Whedon solidarisch gezeigt haben. Da ist mir das Herz aufgegangen! Und das machen immer mehr Leute, die früher nichts gesagt haben. Deshalb sehe ich nicht nur den Backlash, sondern auch die breitere Unterstützung. Der Wandel ist auf dem Weg und nicht zu stoppen.

(Via)

BMI-Polemik

Die Mädchenmannschaft hat vor der Sommerpause einen Text veröffentlicht, den ich hier unbedingt noch kommentieren muß, da er in mir hauptsächlich zwei Dinge getriggert hat.
Zunächst einmal mein zukünftiges Dasein als Magda- Fangirl.
Daher erst mal:

Liebe Magda,

Super Text! Deine (bitte entschuldige den Ausruck:) arschgeile Selbstironie ist ein derart charmanter Mittelfinger, ich möcht Dich knutschen!
dodo

Man sollte jetzt meinen, dafür braucht’s keinen Blogeintrag hier, da hätt auch die MM-Kommentarspalte gelangt – aaaaber hier fängt das Dilemma an:

Denn zum zweiten waffnet man sich nach dem Lesen des Textes innerlich mit einer gesunden Portion bösem Humor, bevor man die vorherigen Kommentare lesen möchte – kennt man ja, was da zuweilen kommt (gerade bei diesem Thema!), aber um nicht was zu schreiben, das schon 454564 Mal dasteht und die Moderation hier auch relativ streng… nungut.
Da aber Magdas (Selbst-) Ironie ganz schön abfärbt, hab ich mich dann doch etwas hineingesteigert im Folgenden und irgendwann war das wohl auch der Mädchenmannschafts-Moderationsschleife nicht mehr so ganz zuzumuten… daher mein Kommentar hier, nach dem Klick.
Achtung, Dumpfbacken-Triggerwarnung.

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Es heißt „Gender Studies“. Nicht Genderwahn. Vielen Dank.


(Bild von Erika Moen)

Top-Favorit für das Unwort des Jahres: „Genderwahn“.
Was immer das sein soll, es scheint die Leute zu beschäftigen. Persönlich würde ich es als „Angst vor Emanzipation von überalterten Geschlechterrollen“ bezeichnen, aber das ist nur so grob geraten. Um eine anständige Definition sollen sich Leute vom Fach kümmern, die haben da mehr Ahnung.
Keine Ahnung. Soziologen. Oder die netten Menschen von den Gender Studies.

Die haben nur zur Zeit anderes zu tun. Nämlich die irritierten Menschen im „Genderwahn“ zu beruhigen. Es scheint nötig zu sein (irgendwie krass, aber egal), die Gesellschaft dran zu erinnern: „Ey, ganz ruhig, wir sind harmlos. Wir wollen eigentlich nur in Ruhe forschen und denken (was unter dem derzeitigen Stress ja auch nicht einfach ist…). Und wenn wir Ergebnisse haben, teilen wir sie Euch mit. Das ist alles. Das ist unser Job.
Zu kontrollieren, was die Politik, die Presse, die Gesellschaft mit diesen Ergebnissen anstellt – ist nicht unser Job.“
Naja, das ist jetzt so aus dem Ärmel geschüttelt. Die Leutz vom Fach haben das natürlich eleganter formuliert.

Beispielsweise die deutsche Gesellschaft für Soziologie:

Die DGS erklärt den angegriffenen Kolleginnen und Kollegen ihre ausdrückliche Solidarität, ebenso wie allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich derzeit rassistischen, homophoben und sexistischen Angriffen ausgesetzt sehen. Hasskampagnen stellen nicht nur eine schwerwiegende Zumutung für die einzelnen Kollegen und Kolleginnen dar. Sie verunmöglichen zudem eine zivilisierte, öffentliche Debatte über gesellschaftlich relevante Themen.

Oder auch die Fachgesellschaft Geschlechterstudien:

Es geht hier also nicht um die Diskussion von unterschiedlichen Thesen, die Wissenschaftlichkeit
ja gerade auszeichnet, sondern um die explizite Schädigung von Wissenschaft und Universität als Ort eines unbedingten Fragens und Verhandelns von Wirklichkeit, als Teil einer demokratischen, gerade dem
Nichtanerkannten und Prekären verpflichteten Gesellschaft. Dieser Gestus ist
Bestandteil eines aggressiven Anti – Feminismus bzw. Sexismus, welcher sich zurzeit in der öffentlichen Debatte über Gleichstellung und Vielfalt Gehör verschaffen möchte.

Hach, wie schön, daß es Profis gibt, die sich deutlich ausdrücken können.
Kann man auch ausdrucken und als Flyer verteilen, wer weiß, vielleicht hilft’s gegen den „Genderwahn“?

Also: ganz ruhig. Laßt die mal in Ruhe machen. Die sind harmlos, versprochen.
Einfach nicht stressen. Das sind auch nur Menschen, und Menschen machen Fehler. Insbesondere gestresste Menschen machen Fehler. Nicht gut. Wir haben schon genug seltsam-realitätsferne Statistiken und Theorien, gerade im Bereich Gender, ich glaub, da sind wir uns alle einig!
Ich hab so das Gefühl, wenn man die Genderwissenschaftler_innen mal in Ruhe ließe, könnten sie in Frieden gründlich arbeiten, solidere Ergebnisse erzielen, ihre Fehler korrigieren, etc. pp …
Ernsthaft: jetzt müssen sich die Gender-Denker_innen mit eigentlich unwichtigem Blödsinn auseinandersetzen, statt ihren Job zu erledigen. Statt Geschlechterrollen zu erforschen müssen sie erstmal die Trollherde überdenken, die auf sie zurennt und nervt.
Ich mein, so ne Trollstatistik ist ja echt nett, hab ich gern gelesen, aber ich fänd’s besser, wenn solche Menschen Zeit hätten, sich mit was anderem zu beschäftigen. „Wie kriegt man ein faires, geschlechtergerechtes Scheidungsrecht hin?“ zum Beispiel. Oder die Kitasache. Mutterschutz und Väterzeit angleichen, sowas. Gedöns halt.

Also: keine Angst, das sind nur Wissenschaftler_innen, fast schon Theoretiker_innen eigentlich. Die denken nur, das ist ihr Job, und der ist wichtig.
Und wenn ihr keinen Bock habt, Euch mit „Gender“ zu beschäftigen – ist okay. Müßt Ihr nicht, machen andere für Euch. Und das machen die gern, das ist ihr Job.

Fazit: eigentlich alles gut.

Peace!

Esst was ihr wollt!

Bei Antispe Dresden erschienen.

Unterstützung statt Zwang und Ausgrenzung bei Essproblemen

Über die Zusammenhänge von „Essstörungen“, sexistischen Verhältnissen, Pathologisierung, Veganismus und die Möglichkeiten des Umgangs mit Betroffenen in und außerhalb der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung
Von M., 12.6.14

Essen ist wichtig für alle von uns. Besorgung, Auswahl, Zubereitung, Verzehren und Verdauung von Nahrungsmitteln sind ein Dauerthema in unserem Leben. Essen beschäftigt uns tagtäglich und lebenslang. Es ist nicht nur überlebenswichtig, sondern erfüllt verschiedenste Funktionen in unserem Alltag. Essen kann Sättigung und das Stillen von körperlichen und seelischen Bedürfnissen bedeuten. Es hat in allen Kulturen eine soziale Bedeutung und bietet vielfältigste Gelegenheiten für Zusammenkünfte. Es kann befriedigend, tröstend, erfüllend sein.

Essen kann aber auch Belastung, Stress, Angst, Ekel und Druck mit sich bringen und mit unersättlichem Hunger, nicht zu stillendem Verlangen oder zwanghafter Beschäftigung einhergehen.Es gibt unzählige Probleme im Bereich Essen und Ernährung. Politische, moralische und ökologische sowie gelegentlich gesundheitliche Fragestellungen dazu werden hin und wieder in der Tierrechts-, Tierbefreiungsbewegung thematisiert. Andere hingegen, wie schwierige Beziehungen zum Essen, bisher nicht.

Die Probleme und Schwierigkeiten in der Beziehung zum Essen und damit zusammenhängend zum Körper, die einigen Menschen gemacht werden, werden folgend als politisch thematisiert.

Die Position, aus der die Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgt, geschieht aus einer feministischen, wissenschafts- und psychiatriekritischen Betroffenenperspektivei heraus. Die in der Literatur zum Thema übliche Expert*innenperspektive wird abgelehnt und spielt im Text nur eine Rolle, wenn damit einhergehende grundlegende Annahmen und Methoden kritisiert werden. Ausgangspunkt ist die Kritik an Pathologisierung und Psychiatrisierung von Menschen, deren Wahrnehmung und Verhaltensweisen, die auch sogenannte Essstörungen und psychiatrische Diagnosen generell einbezieht. Damit soll der bevormundende Blick auf und der Umgang mit Menschen, die besondere Körperbeziehungen und Beziehungen zum Essen bis hin zu großen Essproblemen haben, vermieden werden. Es soll eine Gegenposition zu den üblichen verbreiteten Ansichten und Abhandlungen über „Essstörungen“ entstehen, die betreffende Menschen als passive Leidende darstellen, die durch ihre „Krankheit“ nicht in der Lage seien, ihre Situation „richtig“ einzuschätzen und daher unfähig seien, selbst Ursachen und Auswege dafür zu finden. Im Mittelpunkt steht die Erfahrungswelt, die Lebensrealität und die Unterstützung Betroffener. Sie stellen hier die kompetenteste Instanz zu den Einordnungen und Bewertungen sowie der Konsequenzen ihres Zustandes, ihrer Wahrnehmung und Verhaltensweisen dar.

Gesellschaftliche Hintergründe und die theoretische Grundlage der Herangehensweise ans Thema werden zuerst erläutert. Anschließend wird dargestellt, weshalb die Thematisierung von Problemen mit Essen im Allgemeinen und mit Veganismus im Besonderen in der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung wichtig ist, bevor radikale Konzepte des Umgangs mit Betroffenen thematisiert werden. Da die Länge des Textes begrenzt, das behandelte Thema jedoch hochkomplex ist, sind viele Aspekte nur angerissen und fallen entsprechend kurz aus. Einige Themen im Zusammenhang mit Essproblemen, wie Therapien und andere Möglichkeiten, mit den Essproblemen umgehen oder sie bewältigen zu können, sind nicht Bestandteil des Textes. Er ist an Freund*innen, Angehörige und Unterstützer*innen gerichtet und enthält keine Anleitungen oder Ratschläge zur Bewältigung der Essprobleme für Betroffene, sondern soll die Verschärfung der Probleme durch die Verhältnisse und Mitmenschen verhindern helfen. Literatur, die nützliche Hilfestellungen für einen erträglicheren Umgang mit Essen und sich selbst enthält, ist unten aufgeführt.

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Feministisches Blog backstage & Forenkommentare

Reality Rags über Referers und Links, über Maskulisten, Feminist_innen und Kommentarforen. Und Networking.

Die Maskulisten versuchen übrigens auch gern, ihr Revier mit Pingbacks zu markieren. Deshalb verlink ich da aber auch nicht hin, noch schalte ich deren Pingbacks frei. Auch bei freigeschalteten Kommentaren mit Links dorthin wird der Link entfernt. Wer hier „Zensur!“ schreit, traut den Besuchern meiner Seite offensichtlich nicht den Gebrauch von Suchmaschinen zu. Trotz anders lautender Gerüchte ist man in deutschsprachigen Landen vergleichsweise wenig von „Zensur im Netz“™ betroffen und kann sich bei Interesse jederzeit sonstwo im Internet informieren, das muß man nicht auf meiner Seite tun, die ich verantworten muß. Der Aufwand, sich eine angemessenere Umgebung als mein Blog zu suchen, um Maskulismus und anderen -ismen zu frönen, ist meiner Meinung nach zumutbar. Und ich halte mich auch für vergleichsweise tolerant.
Kann man übrigens sein Blog auch danach ausrichten.

Kopftuch. Und so.

Auf Tea-riffic zerlegt und kommentiert Heng recht geduldig einen weinerlichen Eintrag eines Menschen, der nach einem (vermeintlichen?) Flirt auf der Straße eine Nummer gekriegt hat, mit der man(n) bei wem ganz anderen landete.
Und der ein schöner Beleg dafür ist, mit welcher Sorte Typen sich die Frauen*welt so im Alltag rumschlagen muß.
Irgendwie hat frau (hallo Sozialisation!) bei sowas dann auch schon automatisch Street Harassment und Stalker im Hinterkopf.

In einem der Kommentare wird was Interessantes angesprochen: die Verfasserin des Kommenatrs schildert, daß sie vor ständigem Angesprochenwerden weitgehend geschützt ist, seit sie das Kopftuch trägt.
Nur hin und wieder rassistische Kommentare, aber wenigstens kein massives Anbaggern mehr. Tja… sie hat sich einfach auch damit auseinandersetzen müssen, was „aushaltbarer“ ist.

Und das muß eigentlich nunmal jede für sich entscheiden.
Der Fokus liegt hier übrigens auf den Worten „jede für sich“.
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Wieso wählen „Frauen“ Merkel? Ein verzweifelter Versuch

Eigentlich wär’s wurscht, aber auffällig ist es schon. Und man will die Deutung ja nicht ganz den Schirrmachers dieser Welt überlassen.
Ich kenn persönlich vom direkten Umfeld her doch eher weniger CDU-Wähler. Dennoch.
Eine mir nahestehende Person weiblichen Geschlechts (outen kann man sowas ja nicht!) hat ein Kreuzchen für Angie gemacht. Warum, weiß eigentlich keiner. Ihre politischen Ansichten haben mit denen Merkels eigentlich nichts zu tun.
Aber irgendwie identifiziert sie sich mit ihr. Nicht wegen gleicher Geschlechtsteile. Obwohl…. Merkel erscheint ihr als Mensch. Mit Menschen hat man mehr Nachsehen als mit Politiker_innen.
Merkel und sie, sie spielen gezwungenermaßen mehr oder weniger die gleiche Rolle im Leben. Beide, um im Patriarchat zu (über)leben. Viele von ihnen sind selber „Mutti“, die sparen muß und wie man’s macht, alles mault. Und die Erfolge will auch keiner anerkennen. Man brauch auch keine Kinder haben, es gibt auch „WG-Muttis“. Manchmal fühlt sich jede mal so oder so ähnlich. Es wird ja auch ständig auf jede Frau die „Mutti“ projeziert. Kleine Hunde sind „Kindersatz“, nett zu Kindern zu sein liegt an „mütterlichen Gefühlen“, wer dem Süßen einen Erkältungstee bringt, zeigt Mutterinstinkt (und dann motzt der Patient, wenn die Medizin zu bitter ist, kennt „frau“ ja) und im Alter braucht man sich gar nicht mehr gegen den Stempel wehren wollen: man ist eine Oma. Auch ohne Nachkommen oder sich je in irgendeiner Weise „mütterlich“ verhalten zu haben. Da kann man sich auch noch so ungroßmütterlich wie’s nur geht verhalten für viele ist man trotzdem eine Oma.
Merkel spielt diese Rolle aus. Sie konnte Mädchen und sie kann Mutti. Meinetwegen hat sie vielleicht auch das Potential zu einer „weisen Alten“, wär ja mal ein schöner Gegenentwurf zu „Oma“. Aber soweit sind wir noch nicht, da bin ich mir recht sicher.
Bis dahin spielt sie weiter „Mutti“, die vielleicht auch mal nachgibt, aber irgendwie halt auch nur ein Pflaster aufkleben kann und einem erzält, daß es doch gar nicht so schlimm wehtut. Dieser aber durchaus irgendwie tröstende Vorhergehensweise erliegen scheints auch genug konservative Herren. Jedem in Not ist es wohl intuitiv erstmal lieber wenn Mutti kommt und pustet als die ganzen „Hilfe! Ab zum Arzt“ kreischenden Leute (hoffentlich waren keine Sanitäter drunter) in die Nähe zu lassen.
Und da beißt sich womöglich die Katze in den Schwanz.

Karma’s a bitch & Gender Roles will bite you in the ass.

Care-Work in der Femina Politica

Rezension von:
FEMINA POLITICA
Heft 1/2013 (ISSN: 1433-6359)
Link zur Zeitschrift

Die „Femina Politica – Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft“ ist seit mehr als zwei Jahrzehnten eine verlässliche Größe in Bezug auf aktuelle Debatten. Kapitalismuskritik und Postkoloniale Theorie spielen von Anfang an zentrale Rollen. Mit dem aktuellen Heft – 1/2013 – liegt eine weitere Ausgabe mit ökonomischem Schwerpunkt vor. Daneben finden in den Rubriken „Forum“ und „Tagespolitik“ Beiträge zu aktuellen Debatten und politischem Aktivismus Platz. In dieser Ausgabe werden so unter anderem die „deutsche Beschneidungsdebatte“, das Streiten der österreichischen Flüchtlinge und die Position der Minenarbeiterinnen bei den Streiks in Südafrika diskutiert. Aktuelle „Kurznachrichten“ mit Konferenzeinladungen sowie „Rezensionen“ runden den Band ab. (mehr…)

Rezension und Diskussionbeitrag zu: Heinz-Jürgen Voß, Salih Alexander Wolter (2013): Queer und (Anti-)Kapitalismus

queer und (anti-)kapitalismus
Quelle: Ankündigungsseite des Verlags

Seit relativ kurzer Zeit findet im Rahmen einer grundsätzlichen kritischen Reflexion von ‚queer‘ neben der Auseinandersetzung mit bspw. critical whiteness, fat pride oder Femme-Kritiken an der genderqueer-Norm innerhalb der Bewegung auch die Rückbindung der Diskussionen und Politiken an kapitalismuskritische und Kapitalismus verneinende Positionen statt. Es gab dazu bisher kaum explizite und die komplette Diskussion umfassende Literatur – bis jetzt: Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter legen „Queer und (Anti-)Kapitalismus“ vor, das vor wenigen Tagen im Rahmen der theorie.org-Reihe erschienen ist. (mehr…)

Wann ist eine Demokratie eine Demokratie? – aktuelle Kämpfe gegen Rassismus und zu queer-feministischen Debatten. Eine Rezension

Duygu Gürsel, Zülfukar Çetin & Allmende e.V. (Hg.)
Wer Macht Demo_kratie? Kritische Beiträge zu Migration und Machtverhältnissen
edition assemblage, 256 Seiten, 16.80 Euro, ISBN 978-3-942885-34-8
Infos zum Buch: Verlagsseite

„Wer MACHT Demo_kratie?“ ist soeben im Verlag Edition Assemblage erschienen. Der von Duygu Gürsel, Zülfukar Çetin und dem Allmende e.V. herausgegebene Band, leistet vieles – insbesondere schafft er es, Aktivismus und theoretische Reflexion miteinander zu verbinden. Das zeigt sich thematisch und in der Wahl der Beitragenden: So kommen angesehene Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen gleichermaßen und gleichberechtigt zu Wort.

Wer macht Demokratie? Ist aktuell in der Bundesrepublik Deutschland eine wichtige Frage. Ist noch von Demokratie zu sprechen, wenn große Teile der erwachsenen Bevölkerung zwar in den Städten und Bundesländern leben und somit guter oder schlechter Politik unterworfen sind, aber selbst nicht wählen dürfen? Warum dürfen nicht einfach alle die Menschen, die an einem Ort leben, auch gleichberechtigt politisch und gesellschaftlich gestalten? Derzeit dürfen viele Millionen Menschen in der Bundesrepublik Deutschland nicht wählen – viele Menschen mit Migrationshintergrund. Noch krasser ist die Situation von Flüchtlingen, denen massive Gewalt und oft furchtbare Lebensbedingungen in Lagern zugemutet werden, ihnen aber von der bundesdeutschen Gesellschaft die Möglichkeiten genommen werden, dagegen zu kämpfen.

Es geht also um MACHT, nicht allein Macht von Institutionen, die, wie das deutsche Staatsangehörigenrecht, noch auf die deutsche Kaiserzeit zurückgehen. Es geht um weiße Vormacht, um Ausschluss und partiellen Einschluss. Es geht um Rassismus.

Der insgesamt 17 Beiträge enthaltende Sammelband ist in sechs Teile untergliedert, in denen einerseits rassistische Verhältnisse analysiert werden. Gerade die Teile „Queer und Gender“, „Flüchtlingspolitik“ ziehen Verbindungen zu aktuellen Kämpfen und Querverbindungen zu queer-feministischem Streiten. Fünf Beiträge sind in englischer Sprache – auch sie sind gut verständlich. (mehr…)