Im hier dokumentierten Fall wird das Antisexistische Bündnis Rostock (ASB) unter Generalverdacht gestellt, Vorwürfe wie ein „geschlossenes Weltbild“ des ASB (a.k.a. Dogmatismusvorwurf; gääähn), „aggressives“, „gewaltvolles“ und nicht „diskursfeindliches“ Kommunikationsverhalten (a.k.a. emanzipatorische Personen nehmen sich das kritische Wort und halten nicht die Klappe, wenns ihnen gesagt wird; auch bekannt) sowie die Anklage, die Politszene absichtlich und unter Zuhilfenahme der Definitionsmacht als „politsektenhafte“ Praxis sprengen zu wollen (a.k.a. verschwörungstheoretische Anwandlungen zur Machterhaltung; x-tausendmal gehört), machen u.a. von hier aus die Runde.
Das ASB in Rostock ist – aus geographischer Perspektive – recht ‚ab vom Schuss‘, überregionale Bündnisse sind da vergleichsweise mühsam herzustellen. Aus diesem Grund können ein paar warme Worte nicht schaden. Das ASB braucht Unterstützung von allen motivierten Antisexist_innen, DefMa-Verfechter_innen, Femohools, riotgrrrls*, queers, … Kommentiert und diskutiert – unterstützt mit Kommentaren entweder auf der Seite des Kombinat Fortschritt oder per Mail: asb_hro[at]riseup[dot]net.
Das maedchenblog solidarisiert sich mit dem ASB und freut sich, wenn auch ein paar Leser_innen sich an der Diskussion beteiligen.
]]>Beim aus Langeweile durchs Netz klicken bin ich auf ein noch nicht ganz eine Woche altes Interview mit Kriminalhauptkommissarin Heike Lütgert, Dozentin für Kriminologie und Kriminalistik an der FH für öffentliche Verwaltung NRW in Bielefeld, gestolpert. Darin vertritt sie die Meinung, daß das Gewaltschutzgesetz durchaus zu einer kleinen Besserung der Lage geführt habe, nämlich insofern, als daß nun mehr Frauen sich trauen, gegen häusliche Gewalt vorzugehen.
Dabei fällt auch die heißdiskutierte Frage, wie viele Falschanzeigen es denn wohl gebe – und was überhaupt dazu führe:
Bereitet manchen Schwierigkeiten, sie zu verlassen:
die Täterperspektive.
Psychedelic Photography, über Daily Art Press.

Wie oft täuschen Frauen Gewalt oder Vergewaltigung vor?
Die Quote der Taten, die so eingestuft werden, liegt bei 7 Prozent. Erwachsene Frauen tun das also höchst selten. Wir haben aber bei einer Auswertung in Detmold festgestellt, dass junge Opfer bis 25 Jahre am häufigsten Vergewaltigungen vortäuschen.
Warum?
Viele geben die Anzeige nicht freiwillig auf, sondern werden von ihren Freundinnen oder anderen nahestehenden Personen massiv dazu gedrängt. Häufig ist es so, dass sich ein Mädchen mit einem Jungen trifft, von dem die Eltern nichts wissen dürfen. Beim Date will der Junge dann mehr als das Mädchen. Aber das wagt das Mädchen nicht zu sagen und erfindet später den Fremden im Park. Die Mädchen täuschen also keine sexuellen Übergriffe vor, die hat es ja tatsächlich gegeben. Allerdings verändern sie unter dem psychischen Druck die „Rahmenhandlung“, weil sie Angst haben, aufgrund der Vorgeschichte mitschuldig zu werden.
Und wie immer bei Themen, die in irgendeiner Form frauen- oder genderspezifisch sind, hüpfen in der Kommentarspalte auch so gleich zahlreiche schrill keifende Maskulistentrolle von links und rechts ins Bild. Da schon der erste Kommentar von einem Menschen, der sich Maskulinistin (btw – müßte es eigentlich nicht „Maskulistin“ heißen, so wie „Feministin“ statt „Femininistin“?
), stammt und gleich mal mit dem gerade sehr in Mode gekommenen „50% der häuslichen Gewalt wird von Frauen an Männern verübt“ um sich wirft, hatten die meisten der ähm, sagen wir mal ‚weniger desinformierten Personen‘, anscheinend schon keine Lust mehr, irgendeinen Kommentar zu verfassen, denn der Kommentarteil ist hier ganz klar in maskulistischer Hand.
Die Kommentatorin Ma Dalton wagt sich dennoch ins schon arg verwüstete Schlachtfeld und versucht, einiges klarzustellen (drittletzter Kommentar, von oben). Unter anderem weist sie darauf hin, daß die Mädchen in obig zitiertem Beispiel für Falschaussagen, beschränkt man sich auf die im Interview mitgeteilte Faktenlage, sehr wohl trotzdem Vergewaltigungsopfer sind, auch wenn sie bei der Vernehmung gelogen hatten – und nicht
(…) Lügnerinnen und Verbrecherinnen, Täterinnen eben, die mit langjährigen Gefängnisstrafen bestraft werden müssten., wie Kommentator Hans das sieht.
Die Mädchen täuschen also keine sexuellen Übergriffe vor, die hat es ja tatsächlich gegeben.
Dennoch: zwei Kommentare weiter macht sich Kommentator Pit lächerlich, indem er auf Ma Daltons Vorschlag, das Interview nochmal genauer zu lesen, wie folgt reagiert:
Ließ du ihn nochmal. Da steht nichts von einer Vergewaltigung sondern jedeglich, dass der Junge mehr wollte als das Mädchen. ABer nicht ob sie das zugelassen hat oder sich gewehrt hat.
Man kann sich bei dem Ganzen nun immerhin damit trösten, daß dieser Erguß an Itentellekt und Empathie wenigstens der (wohl endgültig) letzte Kommentar zu diesem Interview ist und dadurch einen barmherzigen Schlußstrich unter dieses Trauerspiel zieht.
Ma Dalton hat offensichtlich aufgegeben und beschlossen, vorläufig einfach mal keine Perlen vor die Säue mehr zu werfen, und bei Gott, wer kann’s ihr verdenken!
Auch ich geb meinen Senf dazu lieber hier im Mädchenblog ab, wo der zu erwartende Maskulistenshitstorm wenigstens nicht durch den Moderationsfilter kommt und die Kommentarspalte vom Schlimmsten verschont bleibt, so daß zumindest die Chance für eine Diskussion besteht, die das Niveau eines sexistischen Brüllaffenstammtischs ein wenig übersteigt.
Und nachdem ich mich jetzt gefühlte 10 Minuten lang an meiner Schreibtischplatte festgekrallt habe, um dem starken Bedürfnis zu widerstehen , den Kopf gegen ebenselbe zu hauen, und zwar mehrmals, (schließlich will ich nicht noch mehr Gehirnzellen verlieren, hab ich doch schon das Gefühl, beim Lesen habe sich die ein oder andere vor Verzweiflung ins Nirvana verabschiedet) – da frage ich mich doch ganz ernsthaft: Kann man etwas wirklich so derartig hartnäckig nicht kapieren??? Schon die kleine Karin kapiert es, wenn Papa schimpft „Du darfst den Stefan nicht immer an den Haaren ziehen, das mag der nicht, auch, wenn er sich nicht wehrt!“ (habt Ihr gemerkt, wie brav maskulistisch-korrekt ich das Beispiel gewählt habe? Will mir ja schließlich nicht vorwerfen lassen, hier würden immer nur männliche Personen die Täter und immer nur weibliche die Opfer!
)
Denn Widerstand hin oder her, das spielt überhaupt keine Rolle. Es bleibt dennoch Vergewaltigung, wenn nicht irgendwelche ausschlaggebenden Details von Frau Lütgert weggelassen wurden. Mangelnde Gegenwehr macht einen derartigen Übergriff nämlich nicht einfach – Abrakadabra! – zu einvernehmlichem Sex.
Das schlimme ist ja, daß mich eine derartige Reaktion (wenngleich der Kopf-auf-Tischplatte – Impuls noch immer als direkte Folge einsetzt) indes noch nicht mal mehr überrascht. Man kennt das ja inzwischen. Da reißt man sich doch immer und immer wieder den Arsch auf, um den Leuten einerseits das Konzept der Definitionsmacht näher zu bringen, fällt einem an anderer Stelle auf, daß noch nicht einmal die vergleichsweise weitaus simpler angelegte juristische Definition verstanden wurde oder gar gänzlich unbekannt ist!
Es stimmt, man kann es doch einfach wirklich nicht oft genug wiederholen!
Und falls da womöglich auch bei den hiesigen LeserInnen noch irgendwelche Zweifel oder Erinnerungslücken vorhanden sein sollten, vielleicht zur unser aller Sicherheit an dieser Stelle noch ein weiteres Mal die offizielle juristische Definition:
§ 177
Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung(1) Wer eine andere Person
1. mit Gewalt,
2. durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder
3. unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist,nötigt, sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.“
Und da steht nirgendwo etwas, daß Wehrhaftigkeit in irgendeiner Weise zwingend notwendig ist, um den Vorfall als Vergewaltigung zu verbuchen.
Wie kann es sein, daß es scheinbar so vielen Leuten an Einsicht und/oder Empathie mangelt?
Ein Bekannter von mir – männlich, heterosexuell – hat mir mal gesagt, daß es für Männer (zumindest denen, die sich nicht mehr als der Durchschnitt mit feministischen Themen beschäftigen) manchmal gar nicht so einfach ist, sich auf Anhieb in die weibliche Lage der Dinge reinzudenken, ganz einfach, weil Sachen wie Vergewaltigtwerden sie nur in den seltensten Fällen als Opfer betrifft und weil die Angst vor sexuellen Übergriffen einfach nicht solchermaßen zur alltäglichen Gefühls- und Erfahrungswelt der meisten heterosexuellen Männer und Jungs gehört, wie das bei Frauen der Fall ist. Und daß es daher toll wäre, wenn wir ein bißchen geduldiger wären und ihnen manche Sachen vielleicht einfach noch ein zweites Mal erklären würden.
Nun bin ich zwar der Ansicht, daß sich besagter Mensch in diesem Fall weitaus weniger beratungsresistent gezeigt hätte als der taz-Kommentator Pit, aber dennoch entspreche ich seiner Bitte und erkläre es für die Pits und Hans‘ dieser Welt einfach noch einmal:
(Achtung – hier nochmal eine fette, große, blinkende Triggerwarnung!!!)
Versetzt Euch doch mal in das Opfer hinein, stellt Euch beispielsweise vor, ihr habt in Eurem Verein oder auf Eurem Arbeitsplatz einen Euch sympathischen Menschen kennengelernt und verabredet Euch auf ein Bier irgendwo. Und sämtliche Freunde haben Dich gewarnt, das lieber bleiben zu lassen, weil es ein schräger Typ ist und er nach Ärger riecht, und Du denkst Dir „Ach was, scheiß drauf. Die brauchen bloß nicht zu denken, ich wäre derart ängstlich – und überhaupt, was denken die eigentlich, daß ich kein harter Typ wäre! Mit dem könnt ich’s im Notfall schon aufnehmen! Ich geh da jetzt trotzdem hin.“ Tja, und genau wie die Mädels aus dem Beispiel, die statt einer Vergewaltigung eigentlich einen netten, romantischen Abend erwartet haben, verläuft Deine Nacht auch nicht so, wie Du es Dir vorgestellt hast: Statt Tischkicker, Bier und Männergespräche zu genießen, wirst Du überwältigt von ihm vergewaltigt.
Da Du allerhöchstens damit gerechnet hast, die Fresse poliert zu kriegen, stehst Du erstmal unter Schock, Du bringst keinen Ton raus und er überwältigt Dich mit Leichtigkeit. Vielleicht hast Du in dem Moment aber auch einfach zu viel Angst, um Dich zu wehren – wer weiß, womöglich macht ihn das nur noch wütender, veranlaßt ihn zu noch schlimmeren, schmerzhafteren Torturen, gar Mord? Du denkst: vielleicht ist es um so schneller vorbei, wenn ich einfach nur stillhalte, vielleicht vergeht ihm dann der Spaß an der Sache?
Hinterher ist Dir das peinlich, Du fühlst Dich schwach, schmutzig und gedemütigt, und in Deiner Not vertraust Du einem Freund oder Verwandten an, daß Du sexuell mißbraucht wurdest. Und der ist natürlich traurig und verflucht wütend und drängt Dich, die Polizei einzuschalten. Das willst aber Du wiederum eigentlich keinesfalls! Wäre es Dir doch am Liebsten, wenn Du die Sache schnell vergessen, aus Deinem Leben einfach wegstreichen könntest! Und stattdessen aufs Polizeirevier? Einem Fremden detailliert erzählen, daß Du von einem anderen Typen mißbraucht wurdest? Daß Du ihn nicht überwältigen, nicht daran hindern konntest, nicht mal geschafft hast, wegzulaufen?
Andererseits – was denkt denn dann besagter Freund oder Verwandte? Fast jeden Tag ruft er Dich an, fragt mitleidig, wie es Dir geht, verflucht den Kerl, der Dir das angetan hat, und drängt Dich immer wieder zur Anzeige. Und fast jeden Tag mußt Du aufs Neue Nein sagen und erklären, warum Du das nicht willst.
Und irgendwann bröckelt der Widerstand und Du denkst, der sieht mich sowieso schon als eine schwächliche Memme, und Du kannst das Mitleid in seiner Stimme echt nicht mehr hören, und fragst Dich, ob er Dich jetzt womöglich für einen noch viel größeren Waschlappen hält. Weil Du Angst hast, zur Polizei zu gehen. Weil Du, statt auf Rache zu sinnen (persönlich sowieso nicht, aber auch noch nicht mal ganz spießig via Behörden) Dich zu Haus wie ein verwundeter Hund ins Körbchen zurückziehst, eingeschüchtert wie ein kleines Kind, wahrscheinlich aus lauter Angst vor dem Täter.
Also gehst Du doch zur Polizei. Und mußt dort der Polizei – im schlimmsten Fall ist es eine Beamtin, ‚besten‘falls ein anderer Mann – en detail von Deinem schlimmsten Alptraum erzählen. Auch noch einer Person in Uniform, einer Uniform, die ihn oder sie als jemanden auszeichnet, von Berfus wegen mit solchen Schweinen souverän fertig zu werden. Und sich vielleicht noch viel weniger als Deine Vertrauensperson vorstellen kann, wie man in einer solchen Sitution noch nicht mal versucht, sich zu verteidigen. Oder wie man überhaupt so bescheuert sein kann, mit so einem berüchtigt gewalttätigen Psychopathen einen Saufen gehen zu wollen – noch dazu, wenn man sowieso ein Weichei ist, das sich nicht zu wehren weiß! Und hatten ihn seine Freunde/Kollegen nicht noch gewarnt? Wie blöd muß man eigentlich sein…
Niemals! denkst Du. Die Situation ist schon entwürdigend genug, das willst Du Dir nicht auch noch antun müssen!
Also erfindest Du einen Fremden im Park. Du warst auf dem Weg werweißwohin und da kam er aus dem Gebüsch, ein ganz muskulöser Kerl, mindestens 1,90. So mit Überraschungseffekt und enormer physischer Überlegenheit hört sich die Schilderung nicht mehr ganz so peinlich an, Du kommst nicht ganz so sehr als schwächlicher Depp rüber.
Und sie läßt sich auch leichter erzählen, Du kannst Dich vom Geschehenen ein bißchen distanzieren, hast Dich beim Erzählen vielleicht ein bißchen besser im Griff und heulst nicht auch noch los oder so. Denn während Du Dich dem Trauma, das von der wahren Begebenheit rührt, noch unkontrolliert ausgeliefert fühlst, ist dieser Hergang kontrollierbar, formbar, da von Dir geschaffen.
Kurzum: Du lügst.
Aber bist Du nicht dennoch vergewaltigt worden? Fühlst Du Dich dann weniger mißbraucht? Macht das den Vorgang damit in irgendeiner Weise zu einvernehmlichem Sex? Klar, Du bist in gewisser Weise durch die Lüge auch zu einem ‚Täter‘ geworden – doch auch wenn eine Falschaussage jeglicher Art Unrecht sein mag, so ist es doch bei weitem nicht mit sexuellem Mißbrauch zu vergleichen und die Folgen dürften in den meisten Fällen nicht halb so gravierend sein und in diesem Fall ist auch der ehrlichste, liebevollste Mensch (also nicht gerade jemand, vor dem die Gesellschaft normalerweise durch Freiheitsentzug seinerseits geschützt werden müßte) versucht zu lügen – während eine Vergewaltigung doch nochmal ganz andere Skrupellosigkeit verlangt.
Doch nur, weil Du Dich mit einer Lüge auch schuldig gemacht hast und zum ‚Täter‘ wirst, bist Du eben dennoch auch Opfer, eben Opfer einer Vergewaltigung. Und der Täter bleibt auch immer noch Täter, auch, wenn Du ihn nicht benennst oder gar absichtlich schützt. Seine Tat verliert damit nicht an Grausamkeit, es ist immer noch eine kriminelle Handlung, die vollzogen wurde. Oder hat der Täter es nun nicht mehr verdient, bestraft zu werden? Sollte er nun etwa nicht mehr aus dem Verkehr gezogen werden? Ist es ihm nun nicht mehr möglich, dasselbe womöglich auch anderen anzutun? Weil Du gelogen hast, ihn nicht benannt hast?
Bist Du nun, nach Deiner Falschaussage „kein ‚Opfer‘“, sondern ein „Lügner und Verbrecher“, eben „ein Täter, der mit einer langjährigen Gefängnisstrafe bestraft werden muß“?
Oder ganz einfach ausgedrückt: Hat nun etwa keine Vergewaltigung mehr stattgefunden?
Von dem her find ich die Antwort dieser Kommissarin doch recht eindeutig:
]]>Die Mädchen täuschen also keine sexuellen Übergriffe vor, die hat es ja tatsächlich gegeben.
ab 20:00 Einklang mit DJane Duo Female*Frontage
ab 21:00 Konzerte –
anschliessend Party mit DJane LuCee Pearl (Tanzmusik) und anderen
Eintritt 8€ / später Party 4€ im Südblock, Admiralstrasse 1-2, Berlin-Kreuzberg *open for all gender*
zum Flyer
(Ich habe unten Kommentare gepostet, die ich bereits auf meinen englisch-sprachigen Text bekommen habe.)
Denn der Feminismus mit all seinen unterschiedlichen Strömungen hat gar eine Menge zu einer besseren Situation von Frauen beigetragen – und auch von Männern. Gerade der poststrukturalistische Feminismus hilft Männern, sich vom Männlichkeitswahn zu befreien. Den Feminismus hingegen pauschal zu verunglimpfen ist ein Einschüchterungsmittel, das so alt ist wie der Feminismus selbst. Genauso unnütz ist es, für den Wunsch nach einer Sexismus-freien Gesellschaft, das Patriarchat zu verleugnen.
Das Problem, das The Amazing Atheist hat, ist, dass er die Vorstellung eines Patriarchats persönlich nimmt. Er fühlt sich persönlich beleidigt, wenn jemand sagt, dass wir in einer Gesellschaft leben, die von Männern dominiert wird. Er selbst sieht sich nicht als Frauenhasser oder Sexist, deswegen will er sich auch nicht vorwerfen lassen, dass er als (weißer) Mann nun mal eine privilegierte Stellung in seiner Gesellschaft hat. Hat er aber – auch wenn er noch so ein netter Kerl ist. Ich empfehle folgendes Interview von Noah Sow mit Austen Brandt, die sich neben Rassismus auch über Sexismus unterhalten und zeigen, dass wir alle davon betroffen sind.
Mit seiner Einstellung sollte sich The Amazing Atheist eigentlich darüber freuen, dass es so ein Phänomen wie das Patriarchat gibt, dass es also gesellschaftliche Strukturen sind, die Frauenhass hervorbringen und nicht nur der individuelle Mann selbst. Wenn wir das verstehen lernen, dann erkennen wir endlich, dass Männer nicht grundlegend die schuldigen Täter sind und Frauen die unschuldigen Opfer. Dann wird klar, dass Frauen nicht die besseren und Männer nicht die schlechteren Menschen sind. Denn die patriarchalen Strukturen werden von uns ALLEN immer wieder reproduziert und manifestiert, egal ob von Männlein oder Weiblein.
Daher muss Mann sich auch nicht – wie The Amazing Atheist behauptet – jeden Tag sein Hirn zermartern und überlegen, was er mal wieder anstellen könnte, um eine Frau in die Pfanne zu hauen, sie gehörig zu unterdrücken oder sonst wie zu knechten. Solche Anstrengungen sind überhaupt nicht nötig. Das passiert jeden Tag wie von selbst.
Sprache, Kleidung, Körpersprache, Ernährung, Sport, Beruf, Haushalt, Besitzverhältnisse, Wissenschaften, Medien, Institutionen – wie Familie, Heirat, Schule, Kirche – …, im Prinzip all unsere Lebensbereiche sind durchzogen von heteronormativen bzw. patriarchalen Strukturen. Diese Einteilung von Geschlechterrollen in zwei gegensätzliche Pole mit einem hierarchischen Gefälle zieht sich durch alle ökonomischen, sozialen und politischen Bereiche hindurch. Eine Hierarchie, die genauso gebildet wird, wie jede andere auch: ein Abstufung von dem Normalen, Universellen, Überlegenen zum Defizitären, Anderen, Sonderhaften. In vielen Sprachen ist diese Betrachtungsweise fest verankert: für Mann und Mensch gibt es dasselbe Wort. Übrigens sind genau die gleichen Mechanismen von Normal und Anders auch im Rassismus und in der Homophobie vorzufinden.

Wenn ein Homosexueller sich darüber beschwert, dass wir in einer homophoben Gesellschaft leben, würde sich The Amazing Atheist sicherlich auch nicht auf den Schlips getreten fühlen. Wenn ein Schwarzer sagt, er lebe z.B. in den USA oder Deutschland in einer rassistischen Gesellschaft, dann würde The Amazing Atheist sicher auch nicht beleidigt schmollen. Wir leben nun mal in einer homophoben, rassistischen und auch sexistischen Gesellschaft.
Menschen, die darunter leiden, sind daher einst auf die Straße gegangen und haben sich gegen Diskriminierung aufgelehnt. Sogenannte Bewegungen sind daraus entstanden. Und ja, sie haben sich das Recht herausgenommen, sich erst einmal um ihre eigenen Belange zu kümmern, denn darum ging es nun mal in den einzelnen Bewegungen. Irgendwie logisch, oder?
Wenn Frauen kaum Grund-, Bürger- und Menschenrechte zuerkannt wurden, dann hatten sie wohl erst mal besseres zu tun, als für irgendwelche Wünsche der Männer zu kämpfen. Ich glaube nicht, dass The Amazing Atheist von Schwarzen in den USA verlangt hätte, dass sie sich damals neben ihrer Befreiung und Emanzipation auch noch um vernachlässigte Interessen der Weißen hätten kümmern sollen. Und es gab genügend Weiße, die sich auf derselben ökonomischen und sozialen Stufe wir die Schwarzen befanden.
Das heißt aber noch lange nicht, dass diese Bewegungen rein exklusiv und völlig abgeschottet von der Mehrheitsgesellschaft abliefen. Ganz im Gegenteil. Erst durch die Frauenbewegung konnten auch Männer ihr Mannsein überdenken und etliche Restriktionen bezüglicher ihrer Geschlechtsidentität entdecken. Erst durch die Schwulen- und Lesben-Bewegung konnten auch Heteros ihre eigene Sexualität überdenken und erkennen, dass Geschlechtsverkehr nicht das Non plus ultra ist. Natürlich gibt es immer wieder Gruppierungen unter solch heterogenen Bewegungen, die sich abspalten und deren Mitglieder unter sich bleiben wollen. Das Gros funktioniert jedoch nach dem Prinzip der Offenheit und dem Willen, eine bessere Gesellschaft für alle zu schaffen.
Der Feminismus z.B. hat wesentlich dazu beigetragen, dass überhaupt über sexuellen Missbrauch gesprochen und dieser verstärkt aufgeklärt wird. Feministen haben nie behauptet, dass nur Frauen Opfer sexueller Gewalt sind und Vergewaltigung aufgrund sexuellen Triebstaus des Mannes geschieht. Mitnichten.
Der Grund, warum Männer in der Diskussion um sexuelle Gewalt kaum als Opfer, sondern stets als Täter vorkommen, liegt mal wieder an unserem guten alten Patriarchat. Denn nach patriarchalen Vorstellungen ist der Mann der Starke und die Frau die Schwache. Aufgrund dieser heteronormativen Vorstellungen hat sich ein Mythos um sexuelle Gewalt gebildet, der völlig in die Sackgasse führt: triebgesteuerter Mann überfällt nachts aufreizend gekleidete Frau. Der weltweite Slutwalk im Sommer 2011 war bestes Beispiel dafür, dass auch heute noch gegen das Vorurteil angekämpft werden muss: wenn eine Frau sich sexy kleidet, muss sie sich nicht wundern, dass sie vergewaltigt wird.
Es ist eine wüste Behauptung von The Amazing Atheist, dass Feministen die Seite der Männer völlig außer acht lassen würden. Es stimmt einfach nicht. Feministen diskutieren diese Themen weit mehr als das Gros der Gesellschaft.
Es sind nicht die Feministen, die Männer verlachen, weil sie Opfer häuslicher Gewalt werden. Das sind die un-feministischen Nachbarn, Freunde, Arbeitskollegen, Polizisten und Richter schon selbst. Nach Aussage von The Amazing Atheist soll es vor 200 Jahren noch das Patriarchat gegeben haben, vielleicht auch noch vor 50 Jahren. Aber heute? Niemals! Denn wenn es das Patriarchat gäbe, dann müsste das Leben für Männer wie im Schlaraffenland sein. Z.B. müssten Männer nicht in den Krieg ziehen. Komisch: vor 200 Jahren mussten Männer aber auch schon in den Krieg ziehen und noch so reichlich andere Dinge tun, die ihnen herzlich wenig Spaß bereiteten, die ihnen aber die Vorherrschaft rechtlich, ideologisch und normativ sicherten.
Denn in einem Patriarchat geht es nicht um die wahllose, anarchische Gewalt eines Mannes, der heute mal Kuchen, morgen mal Steak essen, heute mal blonde Locken, morgen schwarzen Kurzschnitt tragen oder heute mal Sex mit Frauen und morgen mal Sex mit Männern haben will. Das Patriarchat ist kein Wunschkonzert eines narzisstischen Tyranns, sondern ein ausgeklügeltes System an sozialen Strukturen und Praktiken, die Männern und Frauen verschiedene Verhaltensweisen, Geschlechtsidentitäten und Positionen zuweist, welche bewirken, dass Männer die Oberhand behalten – wenn auch zum Missfallen des Einzelnen. Darauf kann aber keine Rücksicht genommen werden. Das System muss funktionieren. Darauf kommt es an.
Es war übrigens die feministische Kritik, die das enge Verständnis von Patriarchat geöffnet hat, dass es sich beim Patriarchat um eine personale Herrschaft eines Mannes über seine Frau und Tochter handeln würde und so um eine Verfügungsgewalt über ihre Körper. Feministen haben den Begriff erweitert auf jegliche identitätsstiftende Mechanismen, sei es durch Medien, Ernährung, biologische Theorien, familiäre Ideologien, Pädagogik, Beruf, etc. die wir selbst immer wieder reproduzieren und deswegen für normal halten. Eine gesellschaftliche Struktur funktioniert am Besten, wenn sie reichlich Belohnungen dafür parat hält, dass man seine Rolle besonders gut erfüllt, wie in Form von sozialer Anerkennung und eben nicht über rohe Gewalt.
Am Besten funktioniert ein soziales Gefüge, wenn keiner merkt wie es funktioniert. Wenn jeder glaubt, das sei alles schon richtig so und logisch und normal und natürlich. Je weniger übrigens eine Gewaltherrschaft einer Menschengruppe über die andere funktioniert, desto mehr werden Machtmechanismen auf religiöse, politische, wissenschaftliche und philosophische Bereiche übertragen, die viel subtiler wirken. Gerade mit biologistischen Klischees versucht man heutzutage immer noch die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau zu rechtfertigen.
The Amazing Atheist begründet leider die Vorherrschaft der Männer über die Frauen damit, dass die Männer stets mehr Verantwortung übernehmen und mehr arbeiten mussten. Klar, die Frauen saßen immer nur zuhause auf ihren dicken Hintern und haben Schokolade gegessen. Beispiel 19. Jh.: Proletarier-Frauen mussten arbeiten, aber das Geld beim Ehemann abgeben. Bürger-Frauen durften nicht arbeiten und waren vom Geld des Ehemannes abhängig. Eigenen Besitz hatten beide Sorten Frau nicht. Ich glaube nicht, dass The Amazing Atheist es wagen würde, sich vor eine Gruppe Afroamerikaner zu stellen und zu sagen: Wir Weißen hatten stets die Herrschaft über Euch, weil wir einfach mehr gearbeitet haben und mehr Verantwortung tragen mussten. Dass Lohn an Leistung gekoppelt sei ist eine typische Vorstellung des American Dream, der Meritokratie – also einer Utopie. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied – schön wär’s. Denn das kann nur funktionieren, wenn Chancengleichheit für alle gegeben ist. Ist sie aber nicht. Und so täuscht dieser Ansatz vielmehr über bestehende Missstände im Sozial- und Bildungssystem hinweg und leugnet Phänomene wie Diskriminierung völlig.
Hier mal ein paar Zahlen, die zeigen, dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen „Viel arbeiten“ und „Viel verdienen“ gibt. Nach dem aktuellen UN Gender Report erbringen Frauen 66% der weltweiten Arbeit, produzieren 50% an Nahrungsmitteln und verdienen nur gerade mal 10 Prozent an den Gewinnen. In manchen Ländern führen Frauen gar 70 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeit aus, produzieren 90 Prozent an Nahrung und besitzen nur 1 Prozent an Boden. Außerdem haben Männer global weit mehr Freizeit als Frauen.
Dass Frauen global weniger in bezahlter Arbeit auftauchen, hat einen einfachen Grund: bezahlte Arbeit bedeutet Unabhängigkeit und Geld bedeutet Macht. Die Bindung der Frau an Heim und Herd ist übrigens auch ein Grund, warum Frauen eher für das Sorgerecht für ihre Kinder herangezogen werden und weniger Männer. Die Regelung, dass Frauen den Haushalt machen, das Essen auf den Tisch bringen, Kinder hüten und auf das Geld des Mannes angewiesen sind, wurde auch nach der Scheidung aufrecht erhalten. Mithilfe der Alimente. Ob geschieden oder nicht – auf diese Art konnte die gewohnte Rollenverteilung beibehalten werden und die Frauen blieben dem Arbeitsmarkt fern. Zugleich wollte man eine plötzliche Verarmung vermeiden. Noch ein Grund, warum meist eher Frauen das Sorgerecht erhalten als Männer: das Paar hat sich bereits schon vorher privat darauf geeinigt. Außerdem ist ein Kind automatisch biologisch und damit rechtlich an die Mutter gebunden. Mittlerweile hat in Deutschland auch der nichteheliche Erzeuger einen Rechtsanspruch auf das Kind, auch wenn ihm die Aufzucht des Kindes schnuppe ist.
Es ist ohnehin eine relativ neue Sache, dass Frauen das Sorgerecht für ihr Kind zugesprochen wird. Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren Frau und Kinder einfach Besitz des Mannes. Erst mit der Industrialisierung und Freuds psychoanalytischer Untermauerung wurden Frauen die Kinder überlassen und diese Bindung als natürlich angesehen. Eine Idealisierung der Mutterschaft begann. Und auch heute noch werden konservative Priester, Politiker und Bindungsforscher nicht müde, das Bild der heiligen Mutter zu propagieren. In Deutschland waren Martin Luther, Biedermeier und das Dritte Reich immer wieder damit beschäftigt, Frauen auf die Mutterrolle zu reduzieren. Dabei geraten auch der weibliche Körper und seine reproduktiven Eigenschaften immer wieder ins Fadenkreuz der Öffentlichkeit.
The Amazing Atheist bemängelt, dass Männer nicht dieselben reproduktiven Rechte hätten wie Frauen. Dabei führt er die Beschneidung bei Männern an. Zu recht. Aber da hört es mit dem Vergleich auch schon auf. Der weibliche Körper ist seit jeher ein Schlachtfeld, auf dem verschiedenste ideologische Kämpfe ausgetragen werden. An ihm hängen gesellschaftliche Vorstellungen und Mythen von Sitte, Reinheit, Ehre, Schwangerschaft, Gebären, Stillen, und die weibliche Sexualität an sich. An ihm werden staatliche Besitzansprüche gemeldet, er gilt als medizinischer Sonderfall, risikohaft, anfällig, empfindsam, er wird ästhetisiert und bezüglich Gebärfähigkeit idealisiert. Die Frau als denkendes, fühlendes Wesen verschwindet meist dahinter. Sie wird zu einem Ding, über das bestimmt werden kann.
Sie soll gefälligst für Nachwuchs sorgen, sie wird für demographischen Wandel verantwortlich gemacht, ihr wird Gebärstreik vorgeworfen, Frauen, die mehr an persönlicher Entwicklung statt an Nachwuchs interessiert sind, gelten als karrieregeil, arbeitende Frauen als Rabenmütter, abtreibungswillige als Mörderinnen und kinderlose als bemitleidenswerte Geschöpfe.
Vor allem in Bezug auf Sexualität und Reproduktion sind die Bereiche Verhütung und Schwangerschaft stark politisch und ideologisch aufgeladen. In den USA wurden an Frauen bis 1981 Zwangssterilisationen vorgenommen. In demselben Land ist Abtreibung in jedem Wahlkampf ein riesiges Thema. Abtreibung ist moralisch so aufgeladen, dass es selbst im legalen Rahmen als Sünde und Schande bewertet wird. Auch bei Verhütung und sexueller Selbstbestimmung ist es mit der Emanzipation noch nicht weit her. Die Hauptgründe, warum Frauen auf den Gebrauch von Kondome verzichten, sind emotionale und finanzielle Abhängigkeit von ihrem männlichen Partner, Gewalt und mangelndes Selbstbewusstsein. Wenn selbst Lady Gaga jungen Frauen auch heute noch Mut machen muss, auf ein Kondom zu bestehen, dann kann die Gleichberechtigung in Sachen reproduktive Rechte noch nicht ganz in der Realität angekommen zu sein.
Und der ganze Hype um Brustkrebsforschung, die The Amazing Atheist als Beweis für die Nicht-Existenz des Patriarchats hochhält, wird bestimmt nicht veranstaltet, nur weil die Pharmaindustrie Frauen so gern hat. Hier hat sich The Amazing Atheist von der pinken Schleife einwickeln lassen. Zunächst einmal – die Forschung hat bezüglich Brustkrebs lange geschlafen. Für Programme zur Früherkennung mussten Frauen erst einmal kämpfen. Auch das ist eine Errungenschaft des Feminismus und nicht ein Liebesbeweis durch Männer und damit ein Beweis gegen das Patriarchat. Außerdem sind Diagnostik und Therapie von Brustkrebs eng mit ökonomischen Interessen verknüpft. Die pinke Schleife wird mittlerweile für PR-Events für alle möglichen Produkte missbraucht, die selbst ironischerweise häufig krebserregend sind. Samantha King veranschaulicht wie Brustkrebs sich von einer stigmatisierten Erkrankung und individuellen Tragödie zu marktgetriebenener Industrie des Überlebenskampfes gewandelt hat.
Apropos Überlebenskampf. The Amazing Atheist beschwert sich ja darüber, dass die Männer in den Krieg ziehen und dort ihr Leben lassen müssen. Als ob Krieg Frauen überhaupt nicht beträfe. Nur die Männer scheinen unter dem Kampfeinsatz zu leiden. Es ist mittlerweile allseits bekannt, dass Vergewaltigung als Mittel der Kriegsführung eingesetzt wird. 80 Prozent der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder. Und wo Militär ist, da ist auch Prostitution. In kriegsgebeutelten Ländern sind es die Frauen, die häufig ihre Familien allein durchringen müssen, sie schaffen Essen heran und begeben sich täglich in Gefahr, nur um an etwas Nahrhaftes zu gelangen.
In Deutschland waren es nach dem Zweiten Weltkrieg die sog. Trümmerfrauen, die mit bloßen Händen zerbombte Gebäude freiräumten und damit den Fortbestand der Innenstädte sicherten. In dem Moment war es plötzlich gar nicht mehr wichtig, dass Frauen eigentlich zuhause am Herd sein und Kinder hüten sollten wie es sich geziemt. Gedankt hat man es ihnen nicht. Sie wurden danach fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel.
Auch Krieg ist im übrigens stark ideologisch aufgeladen. Frauen spielen darin eine große Rolle als idealisierte Opfer und Märtyrer. Sie erdulden Qualen für ihr Vaterland und sie dienen als Projektionsfläche, um an ihnen zu veranschaulichen, wie ungerecht die Gegner doch sind und dass somit noch härter gekämpft werden müsse. Im Krieg wird eine klare Geschlechtertrennung manifestiert: Männer gelten natürlich als Aggressor und stehen für Gewaltbereitschaft und Tapferkeit. Frauen hingegen werden Passivität, Friedfertigkeit und Mütterlichkeit zugeschrieben. In zig Kriegsfilmen kann diese Rollenverteilung immer wieder nachverfolgt werden.
Das Verteidigen von Frau und Kindern wird gerne zum Anlass genommen, um endlich mal wieder richtig metzeln zu können. Irgendeine Rechtfertigung muss es halt geben. Die Frauen werden zum schützenden Symbol einer Nation. Natürlich ist das nicht im Sinne eines jeden Mannes. Nicht umsonst gibt es Kriegsdienstverweigerer. Aber wie oben schon erwähnt: nach den Wünschen einzelner wird nicht gefragt. Es geht hier um die Demonstration von Dominanz und das funktioniert nur, wenn sich alle in das System einfügen und nicht jeder ständig diese oder jene Befindlichkeit anmeldet. Es geht hier um etwas größeres als das Individuum.
Das Patriarchat ist am Ende wie ein großes Theater, bei dem alle irgendwie mitspielen, jeder hat eine Rolle, etliche tanzen zwar aus der Reihe, im Große und Ganzen machen wir alle aber recht brav mit. Ansonsten würden Gesellschaften gar nicht funktionieren. Denn wer aus der Reihe tanzt und dazu nicht die nötigen ökonomischen Ressourcen besitzt, findet sich sehr bald am Bühnenrand wieder.
Dabei funktionieren Normen übrigens weitaus effektiver als Gesetze. In Deutschland z.B. gibt es kein Gesetz, das verbietet, dick zu sein, eine schiefe Nase zu haben oder zu kurze Beine. Auch gibt es kein Gesetz, das besagt, Menschen mit schwarzer Haut dürfen nicht eingestellt werden oder Menschen mit Behinderung müssen weggeschlossen werden. Genauso wenig ist es hier gesetzlich verboten, gleichgeschlechtlichen Sex zu haben. Das alles braucht es gar nicht. Denn gesellschaftliche und historisch überlieferte Vorurteile, die immer wieder reproduziert werden, sorgen schon dafür, dass die Leute diskriminiert werden, die nicht so recht ins Muster passen. Hänseleien, Nicht-Beachtung, Ausschluss, Stereotypisierung, etc. – all das trägt dazu bei, dass nicht jeder einfach so sein kann wie er möchte. Viele müssen riesige Hürden überwinden, um dazu gehören zu können. Deswegen denke ich, ist es ein Luxus, sich „Universal human self-determinist“ zu nennen, wie es The Amazing Atheist tut. Als weißer Mann der Mittelklasse ist das bestimmt nicht allzu schwer. Indem er das sagt, verleugnet er aber seine privilegierte Position in seiner Gesellschaft und verkennt, dass andere sich diese Freiheit nicht herausnehmen können.
Ich würde mich freuen, wenn Ihr auf Youtube unter dem Video von The Amazing Atheist Kommentare schreiben und Euch an der Diskussion beteiligen könntet.
http://www.angryyoungwoman.de/
Kommentare
NelsonsCannon hat auf deinen Kommentar zu Failure of Feminism geantwortet:
@TheAngryYoungWoman A phenomenon? a phenomenon word to point and say „look“ to back up your ideology? yes an ideology just like nazism? =)… you mention social structures but such things are somewhat irrelevant since the genders differ via biology rather than what society tells us to be. Well do me, neo-feminism is basically just misandry concealed in a cloak. The real fems were from the 60’s-70’s. The fact you have your rights yet still scream victim n keep wanting to push it further is bleak.
fidelbogen hat auf deinen Kommentar zu Failure of Feminism geantwortet:
@TheAngryYoungWoman „patriarchy is not what is says on the tin“
That’s a great saying, and you know what else? It is exactly what I have been saying about FEMINISM for YEARS.
„Feminism is not what it says on the tin.“
I think I‘ll steal that. It’s one of the best summaries of Feminist Subjectivism I have ever heard — and it is from a feminist, no less!
I thank you kindly! ![]()
FidelbogenJan 30, 2012 06:20 PM
My study of feminism over the years has led me to conclude that feminism is identical with female supremacism.
I discovered this by peeling open the tin and looking inside.
FidelbogenJan 31, 2012 01:35 PM
You should try engaging with pro-male activists and agitators who know their stuff.
You sound like a bit of a hothouse flower, if you know what I mean. Very orderly, very methodical, very. . German.
I would suggest some cultural immersion. Try registering and commenting at ‚A Voice for Men‘.
http://www.avoiceformen.com
We‘ll see how long you can take the heat. You think that YOU are the angry one…eh?
I‘m one of the contributing writers there, by the way.
As for the Amazing Atheist: I appreciate his attitude, but I‘m afraid his political weltanschauung is a bit primitive.
genderpolitik
Radikale Feministinnen haben in einem deutschen Femi-Blog dazu aufgerufen den Kommentarbereich dieses Videos vollzuspamen. Mitvulven einer sexistischen Bewegung (Feminismus) beschweren sich über Sexismus und weisen auf die unterschiedlichen feministischen Strömungen hin (Etikettenschwindel es ist immer = Täter, Frau = Opfer). So wundert auch nicht der Hinweis auf das Patriarchat.
]]>Wissenschaftler lachen sich über die von Anti-Cellulite-Tees und -Tabletten versprochene „Entschlackung“ kaputt. Was die Käuferinnen nicht interessiert.