Immer wieder werden von Mädchenblog-Leser_innen, -Kommentator_innen und -Schreiber_innen Unsicherheiten geäußert und Grundfragen angesprochen, wie Diskussionskultur auf einem feministischen Weblog stattfinden kann, welchen Rahmen sie bekommt und wo Grenzen sind. Nachstehend das vorläufige Ergebnis einer längeren, internen Diskussion der Mädchenblog-Autor_innen, welche Kommunikationsbasis wir uns wünschen und auf welche Art von schriftlichem Verhalten wir uns zukünftig nicht mehr einlassen werden. Anlass für unsere Netiquette waren regelrechte Flame-Wars in den Kommentaren, die sowohl inhaltlich als auch in ihrem „Tonfall“ zu einem Diskussionsklima geführt haben, das viele Nutzer_innen abgeschreckt und ermüdet hat. Mit diesen Leitlinien erleichtern und vereinheitlichen wir den Moderations-Stil des Blogs und machen für euch, die Nutzer_innen, transparent, auf welcher Basis das Mädchenblog steht.

0. Das Mädchenblog versteht sich als queerfeministisch (auch wenn es DEN Queerfeminismus genausowenig gibt wie DEN Feminismus), es besteht gewisser Grundkonsens – beide Ausdrücke sind jedoch unsere Diskussionsgrundlage und werden von den Autor_innen auf verschiedene Weisen repräsentiert und diskutiert. Queer-Feministische Kritik ist damit unsere Grundlage wie auch unsere Praxis und ergibt sich inhaltlich aus den Beiträgen des Blogs.

1. Diskriminierende und rechte Kommentare sind hier nicht erwünscht und werden bei Zuwiderhandlung gelöscht. Sexismus, Homophobie, Rassismus, Antisemitismus, Islamophobie, Nationalismus, Klassismus, Behindertenfeindlichkeit, Lookismus und andere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeiten haben hier keinen Platz.

2. Kommentare, die Feminismus als überflüssig, gefährlich, sexistisch, männerfeindlich etc. bezeichnen, sind somit überflüssig und werden gelöscht. In erster Linie soll das Mädchenblog ein Raum sein, in dem Feminist_innen und Feminismus-Interessierte diskutieren können, ohne der alltäglichen Scheiße zu begegnen, die sie offline und auf anderen Blogs schon die Lust an feministischer Diskussion verlieren läßt. Für Kommentare, die uns diesen Raum auch noch streitig machen wollen – bewusst oder unbewusst – ist kein Platz.

3. Es ist absolut überflüssig, Stereotype à la „Frauen sind immer…“ oder „Männer wollen eh alle…“ in die Argumentation einfließen zu lassen. Das wäre genauso sinnvoll wie auf einem St.Pauli-Blog damit zu argumentieren, dass Fußball scheiße ist. Nämlich gar nicht.

4. Maskulistische Argumente/Links sind in den meisten Fällen verschwendet und führen schnell zu Troll_innen-Verdacht (siehe 14. und 15.). Sicher gibt es auch unter Maskulisten konstruktive Diskussionspartner, generell interessiert es hier aber keinen, was Arne Hofmann & Co. zu sagen haben. Warum? Es besteht keine gemeinsame Basis, was eine Diskussion überflüssig macht. Das hat nichts mit Ignoranz unsererseits zu tun, sondern damit, dass wir das Thema für uns aus guten Gründen schon abgehakt haben. Diese Gründe sind überall auf dem Blog zu finden, wenn du sie auch finden willst.

5. Das Blog ist nicht nur für langjährige feministische Politaktivist_innen oder Studierende und Absolvent_innen in Gender Studies vorgesehen. Wir wollen auch Menschen ansprechen, die sich erst seit kurzem mit Feminismus, Geschlechterverhältnissen usw. beschäftigen. Das heißt: Auch, wenn wir keinen Anti-Feminismus dulden: Wir werden nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Fragen ist erlaubt und erwünscht. Statt „Feminismus-Neuankömmlinge“ (nicht zu verwechseln mit Trollen, vgl. 12. und 13.) runterzumachen, sollten wir alle lieber versuchen, die (Noch-)Nicht-Feminist_innen mit Argumenten ins Boot zu holen.

6. Was uns sehr wichtig ist, ist ein respektvoller Umgang miteinander und ein konstruktiver, interessierter Diskussionsstil. Sicher gibt es hier massig kontroverse Themen und in der Hitze des Gefechts kann schon mal der Gaul mit einer_m durchgehen. Trotzdem soll das Mädchenblog ein Raum sein, in dem sich Diskutierende als solche auch wohl fühlen und sich trauen, Positionen auszuformulieren. Statt Unterstellungen zu posten – erstmal nachlesen, ob das wirklich geschrieben wurde. Oder noch besser: bei Unklarheiten erstmal nachfragen. Oft entstehen unnötige Streitigkeiten, weil einander falsch verstanden wurde oder sich wer nur unglücklich ausgedrückt hat.

7. Lass auch anderen den Raum, dass ihre Stimme gehört wird. Versuche, die Diskussion an sich zu reißen, sind nicht im Sinne des Mädchenblogs. Genausowenig väterliches „von oben herab“-Gehabe.

8. Vorsicht mit Sarkasmus/Ironie/Insidern. Die werden nicht immer und von allen verstanden und können unbeabsichtigt eine sehr feindselige Atmosphäre auslösen.

9. Beleidigungen, persönliche Angriffe oder Kleinkriege, die nichts mit dem Mädchenblog zu tun haben werden gelöscht. Genauso ist der Versuch, Real-Life-Identitäten zu enthüllen, einfach daneben.

10. Auch wenn die meisten hier diskutierten Themen mit so ziemlich allem anderen in der Gesellschaft vernetzt sind, ist es wünschenswert, halbwegs beim Thema zu bleiben. Es ist einfach schade, wenn der_die Verfasser_in sich Mühe mit einem Eintrag macht und dieser dann in den Kommentaren weitschweifig zerchattet wird. Mit der Suchfunktion findet mensch auch oft einen „passenden“ Thread, in dem weiterdiskutiert werden kann. Mensch muss nicht jede Grundsatzdiskussion in jedem einzelnen Thread wiederaufleben lassen.

11. Links auf andere, weiterführende Texte sind grundsätzlich willkommen. Bitte kommentiere oder begründe diese, damit alle etwas davon haben. Ein kommentarloser Verweis auf „wo anders“ ist eine autoritäre Geste, die das Diskussionsklima unnötig anspannt. Auch ist es unwahrscheinlich, dass alle Kommentator_innen den Inhalt von 5 Links anschauen, versuche bitte, deine Argumentation hauptsächlich auf deinen eigenen, eigentlichen Comment zu beschränken.

12. Du bist ein Troll? Geh weg.

13. Trolle füttern ist absolut unproduktiv. Diese Menschen wollen nicht überzeugt werden und eine Diskussion mit ihnen nimmt lediglich denen den Raum weg, die ernsthaft an einem Thema interessiert sind. Wir werden deshalb ggf. auch Schlagabtausche mit Trollen unterbinden und löschen.

14. Konstruktive Kritik ist immer erwünscht. Aber wenn wir das Gefühl haben, dass uns sozusagen im eigenen Wohnzimmer jemand auf den Teppich kotzt, müssen wir das nicht als gegeben hinnehmen.

Stand: Dezember 2009.